Gut · Wahr · Schön

Nachdem ich in letzter Zeit eher persönliche Texte mit emotionalen Themen geschrieben habe, möchte ich mich mal wieder ein bisschen dem anderen Schwerpunkt des Blogs widmen: Besprechung von Erlebnissen, Kunst, Rezension von Literatur. Einen Anfang mache ich daher mit der Ausstellung »GUT · WAHR · SCHÖN - MEISTERWERKE DES PARISER SALONS AUS DEM MUSÉE D'ORSAY«, die aktuell in der Kunsthalle in München zu besuchen ist.

 

 

Ich habe mir diese Ausstellung vor ca. 3 Wochen zusammen mit meiner Mutter angesehen und bin ehrlicherweise noch immer hin- und hergerissen, ob ich sie empfehlen kann oder nicht. Zunächst sollte man sich vor Augen führen, wie das, was man da betrachtet kunsthistorisch einzuordnen ist, wie Leihgaben aus dem Pariser Musée d'Orsay hier reinpassen und was es mit dem etwas kryptischen Titel auf sich hat.

Den "Salon de Paris" zwischen dem 17. und 19. Jahrhundert kann man sich in etwa wie das jährliche Mega-Event der zeitgenössischen Kunstszene vorstellen. Bedeutende Kunstmessen, die wichtigsten zeitgenössischen Museen der Welt, tausende Künstler, Kunstinteressierte aller gesellschaftlichen Schichten kamen zusammen, um zu begutachten, was gerade "in" ist. Das "in" der damaligen Zeit lässt sich anhand eines strengen, ästhetischen Schönheits- und Lehrideals beschreiben: nämlich gut, wahr und schön.

Es handelt sich bei den jetzt vom Pariser Salon und dem weltbekannten Musée d'Orsay geliehenen, in München ausgestellten Werken vornehmlich um, wenig verwunderlich, die französischer Künstler - ein Großteil davon selbst mir nichts sagend, die sich doch einigermaßen mit Kunst auskennt. Aber anyway. Insgesamt handelt es sich um mehr als 100 Gemälde, Zeichnungen und Skulpturen - was am Ende des Tages in den Räumen der Kunsthalle gar nicht mal so viel wirkt - man ist entsprechend durchaus noch aufnahmefähig, wenn man die Ausstellungsräume verlässt. Von den Motiven her konzentriert sich das Ganze auf antike Mythologie, biblische Szenen sowie allegorische und dekorative Momente. Etwas Grundwissen zu dem ein oder anderen tut also nicht weh.

 

Wenn man jetzt, so wie ich, mit zwei grundsätzlichen Verhaltensweisen bzw. Ansprüchen in Museen und Ausstellungen geht, kann man es hier durchaus ganz gut aushalten: erstens bin ich ein Eklektiker, nicht nur bei Kunst, sondern per se bei vielem. Ich picke mir gerne Dinge heraus, die mir gefallen, taugen oder in mein Weltbild passen und setze mir daraus ein schönes Erlebnis oder eben etwas Neues zusammen. Zweitens sehe ich mir gerne Kunst an, die "schön" ist. Ich habe nichts gegen auch mal verstörende Bilder, aber meine Vorliebe gilt Werken, die ein Balsam für die Augen sind, sei es wegen ihrer Farbkomposition, ihres Minimalismus, ihrer ausgestrahlten Ruhe, ihrer Detailtreue einer ästhetischen Szene, was auch immer. Ich sehe mir daher generell gerne Impressionisten an (Monet, Renoir, Degas, Cézanne sind meine Favoriten) oder abstrakten Expressionismus (Rothko, de Kooning, Pollock, Twombly, Teile von Gerhard Richter) oder - mein persönliches, von anderen oft nicht nachvollziehbares Faible - niederländische Stillleben (Brueghel d.Ä., van Dyck, Claesz, Kalf). Da sind eigentlich meine Ansprüche gut abgedeckt.

Zurück zu besagter Ausstellung muss man sagen, dass viele Gemälde einfach sehr schön anzusehen sind (und jeder Kunstkritiker verzeihe mir diese primitive Bewertung) und man sich ohne größere Anstöße zu nehmen, durch diese großzügige und nicht allzu fordernde Hängung treiben lassen kann. Für die Höhe des Eintritts (wie immer in der Kunsthalle eher zu teuer) kann einem das reichen, muss es aber nicht. Im letzteren Fall und dank unseres kontemporären Kulturniedergangs kann man sich das ganze natürlich auch unter dem Hashtag #gutwahrschön auf Twitter und Instagram ansehen - wenn es einem das Geld nicht wert sein sollte.

Ich war trotzdem ganz happy - ich war allerdings auch eingeladen..

 

 

 

Praktische Informationen

GUT · WAHR · SCHÖN - MEISTERWERKE DES PARISER SALONS AUS DEM MUSÉE D'ORSAY, 22. September 2017 bis 28. Januar 2018. 

 

Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung

Theatinerstraße 8

(in den Fünf Höfen)

80333 München

 

Täglich geöffnet, 10-20 Uhr.

 

Eintritt regulär €12, Senioren €11, Kinder (bis 18 Jahre) €1 - an Montagen 50% Ermäßigung auf alle Eintrittspreise.

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Il sangue non è acqua

Manchmal, wenn ich mich mit Menschen unterhalte, die aus welchen Gründen auch immer bisher nicht in den Genuss gekommen sind, in meine leicht Patchwork-artigen Familienverhältnisse eingeführt worden zu sein, ertappe ich mich dabei, dass ich meine Worte extrem sorgfältig wähle. Wenn ich über meine Familie spreche, konkret über meinen jetzigen Papa, differenziere ich sehr klar zwischen meinem "biologischen Erzeuger" - ein Ausdruck, der im Übrigen gut und gerne aus einem Buch von Sarah Kuttner oder Charlotte Roche stammen könnte - und meinem jetzigen Vater, also Papa, dem Mann meiner Mutter, Alfons eben. 

Mir ist hier nicht wichtig, die Historie der Trennung meiner leiblichen Eltern zu rekonstruieren oder wie wir dahin gekommen sind, wo meine Mutter, Alfons und ich heute stehen. Aber mir ist wichtig, zu belegen, warum Alfons jeden Tag lebendig beweist, dass die relative Dicke von Blut oder Wasser eben völlig irrelevant ist.

 

 

Der Satz Blut ist dicker als Wasser hat in meiner Sozialisierung nie eine besonders große Wichtigkeit zugemessen bekommen. Er ist darüber hinaus meines Erachtens im Hinblick auf die Entwicklung von Scheidungsraten und demographischem Wandel auch aus der Zeit gefallen. Die Verlässlichkeit des Blutes hat ab- und die Notwendigkeit des Wassers, Familienbande zu tragen, hat zugenommen, könnte man sagen. Ich habe früh erlebt, dass gemeinsame Gene kein automatischer Garant für liebevolles Miteinander, Verantwortungsbewusstsein oder bedingungslose Unterstützung sind. Nicht an mir selbst, aber beispielsweise an der Generation meiner Großeltern. An mir selbst erlebt habe ich es erst später.

Wie kann man nun erklären, wie jemand zu Familie wird, der es per DNA nicht ist? Warum ist es ungleich schwerer zu erläutern, was "ein echter Vater" ist gegenüber dem, was "eine echte Mutter" ist? Was ist überhaupt „eine echte Mutter“?

 

Meine Mutter und mich einte schon immer einiges, was wir mit ähnlicher Ausprägung verfolgten. In anderem dagegen unterscheiden wir uns bis heute sehr deutlich. Von meiner Mutter habe ich den Ehrgeiz, die Differenziertheit im Denken, das Durchhaltevermögen – den drive, wie man neudeutsch wahrscheinlich sagen würde. Von ihr habe ich auch die schlanken Unterschenkel und Schultern, den ein oder anderen Leberfleck und die einigermaßen schmalgliedrigen Hände.

Uns unterscheidet dagegen vor allem die Emotionalität, die wir anderen zeigen. Ich, ein sehr authentischer, offener, direkter Mensch, manchmal unfassbar nah am Wasser gebaut, feinfühlig, extrovertiert, mit einem Hang dazu, bisweilen zu laut zu lachen oder meinen schrägen, sarkastischen Humor kundzutun, mit einem Faible für Sprache und mit einer durchschnittlichen bis langsamen Geschwindigkeit, mich über Dinge aufzuregen. Meine Mutter dagegen turnt in beeindruckender, scheinbar schwereloser Manier dazwischen, den übernächsten beruflich strategischen Schritt zu evaluieren, mich überraschend fest zu umarmen, nach einem von mir vorgelesenen Blogtext mit Tränen der Rührung dazusitzen, über eine Verfehlung der Deutschen Post in einen (oft berechtigten) atomaren Tobsuchtsanfall auszubrechen oder mir seit gefühlter Ewigkeit das Konzept des „willst Du was gelten, dann mach’ Dich selten“ näherzubringen.

Meine Mutter hat mich zur Welt gebracht, war nie nicht in meinem Leben und hat nie einen Zweifel an ihrer Liebe zu mir und ihrem Stolz auf mich gelassen. Ich glaube, das ist eine Form davon, „eine echte Mutter“ zu sein.

 

Was aber ist nun „ein echter Vater"? Was kann er sein, wenn ich nicht meine Gene von ihm habe? Wo hört Biologie auf und wo fängt Verwandtschaft an? 

Alfons war derjenige, der mich seit er meine Mutter kennt – und das sind jetzt auch 6-7 Jahre - so behandelt hat, als sei ich sein eigenes Kind. Es gab keine Versuche, sich einer möglichen, wenn auch zu Anfang nicht rechtlich legitimierten Verantwortlichkeit zu entwinden. Ich spürte früh, wie sehr er bei sich einen wenn nicht „Erziehungs-“, so zumindest doch „Prägungsauftrag“ für mich sah und wahrnahm. Er setzte sich selbst mit einer beeindruckenden Selbstverständlichkeit, doch ohne jegliches Drängen in die bis dahin verwaiste Vaterrolle, die mir in den für meine Prägung wichtigen Jahren als junge, erwachsene Frau so bitter gefehlt hatte. Er ließ mich umsonst in seiner Wohnung wohnen, als mir in meiner eigenen die Decke auf den Kopf fiel. 

Mittlerweile ist Alfons einfach da, wenn ich nicht mit dem x-ten Problem auch noch zu meiner Mutter will - vor allem, wenn es sich um ein Männerproblem handelt. Er ist der, der wie ein unsichtbarer Geist alle neuen Lampen in meiner Wohnung angebracht hat, wenn ich nach einem Arbeitstag nach Hause komme und eigentlich bloße Glühbirnen von der Decke baumeln erwarte. Er ist übrigens auch der, der mir beibringt, dass es nicht „Glühbirne“, sondern „Leuchtmittel“ heißen muss. 

Alfons ist enorm klug, auch wenn er sich selbst nie so einschätzen oder bezeichnen würde. Von ihm stammen Sätze wie "das Leben wird vorwärts gelebt und rückwärts verstanden" oder "es gibt nicht nur 'ne Handvoll, es gibt das ganze Land voll". Wenn ich manchmal nicht weiß, wie ich mich verhalten, was ich machen soll, kann ich mir sicher sein, dass er es weiß. Von Alfons habe ich mein erstes Mini-Werkzeugset bekommen - gleich zusammen mit Hammer, Nägeln und Zange. Er ist derjenige, der mich vor einem ersten Date anrufen würde und Dinge sagt wie "ich muss Dich doch noch briefen". Bei Alfons kann ich heulen, wenn mir danach ist - ohne erst nach dem Grund gefragt zu werden. Gerade hilft er mir dabei, meine Finanzen etwas zu strukturieren – etwas, dessen ich trotz Master in BWL und aufgrund eines denkbar schlechten, hedonistisch orientierten Umgangs mit Geld stark bedarf. 

Er hat mir vor Kurzem mal erklärt, dass er alles tut, was er auf seinem Punkt kann, um mir zu helfen, glücklich zu werden. Wenn ich nun alles von meiner Seite aus täte, näherten sich die Kreise irgendwann an, schnitten sich, überlagerten sich, glichen sich. Das sei der Punkt, an den wir wollten.

Nun. Er tat und tut das alles, ohne etwas dafür zu erwarten. Es war seine stille und manchmal hörbare Unterstützung in den Jahren, die mich über Wasser hielt, auch wenn er oft im Hintergrund blieb. Anfangs habe ich ihn manchmal auf Distanz gehalten, weil ich a) nicht dachte, dass er jemand war, an dem ich mich festhalten würde können und b) weil ich entsetzliche Angst hatte verkraften zu müssen, dass nochmal ein Mann meine Mutter und mich verlässt. 

 

Mittlerweile ist da keine Distanz mehr. Also: wie kann jemand zu einem echten Vater werden? Nun, indem er auf Sätze wie Il sangue non è acqua nichts gibt. Oder in dem er sich meinen zum Vorbild nimmt.

 

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Love Her Wild

Gerne möchte ich Euch, Dir, dem geneigten Leser mal wieder (seit langem) ein tolles Buch empfehlen, das ich nun innerhalb von 2 Wochen schon zum zweiten Mal gelesen habe. Das war auch nicht so schwer, es ist nämlich a) ein Gedichtband und b) in so schöner, emotionaler Sprache geschrieben. dass es einen wirklich ergreift. 

 

 

Es handelt sich um das Büchlein "Love Her Wild" eines Künstlers namens Atticus, das in drei Kapitel unterteilt - "Love", "Her", und "Wild" - vor allem etwas für Menschen ist, die englischsprachiger Literatur und Poesie etwas abgewinnen können und die sich bei emotional eindringlichen Texten nicht direkt an vermeintlichem Kitsch oder Melancholie stoßen. Für Fans von E.E. Cummings, Lord Byron, Shakespeare und William Blake. Der Klappentext beschreibt seinen Inhalt so:

 

 

With honesty, poignancy, and romantic flare, Love Her Wild captures what is both raw and relatable about the smallest and the grandest moments in life: the first glimpse of a new love, a late night drive singing along to a car radio, the irrepressible exuberance of the female spirit, the simple pleasure of a good whiskey. Atticus distills the most exhilarating highs and the heartbreaking lows of life and love into a few short lines, ensuring that his words will become etched in your mind - and will awaken your sense of adventure.

 

 

Unten habe ich meine 15 Lieblingsgedichte reingepackt, den Instagram-Account von Atticus (für die tägliche Dosis sozusagen) findet man hier und kaufen kann man das tolle Werk hier.

 

Enjoy, xx

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An den Mann in Chucks (Peter Pan)

 

 

„Ich hatte einfach nicht das Bedürfnis, mich bei Dir zu melden.“ 

Schon bei diesem Satz, bei diesen elf Worten in 51 Buchstaben hätte ich begreifen müssen. Begreifen müssen, was ich nicht wahrhaben wollte. Ich hätte mich selbst verstehen lassen sollen, dass meine verklärte Hoffnung von einer zumindest halbwegs emotional gespiegelten Verbindlichkeit nicht Wirklichkeit werden wird. Egal wie lange ich gewartet, egal wie sehr ich mich den doch vorhandenen Deltas zwischen Deinem und meinem Leben angenähert hätte - eine gemeinsames hätte es nie gegeben.

Denn: es gab kein Uns. Das „Uns“ war eine täuschend lebendig aussehende Totgeburt, deren Existenz geendet hatte, lange bevor sie überhaupt begann. Und weil ich mich so sehr davor fürchtete, diese Realität rechtzeitig zu akzeptieren, den Schmerz in mir zu beweinen und Dich gehen zu lassen, klammerte ich mich wochenlang an diese Nichtbeziehung, die ich mir mit einem „Wir“ auf der Tonspur und manchmaligem Händchenhalten und wenigstens einmal täglicher Kommunikation schönredete in etwas, was „ja noch hätte werden können“.

 

 

 

„Ich brauche eben Zeit, bei mir ging das nie so schnell, dass ich mich verliebe“ hast Du gesagt.

„In ein paar Monaten sind wir zusammen und ich habe die gleichen Gefühle für Dich wie Du für mich“ wollte ich hören. 

Heute schaffe ich es endlich, Dir nicht zu glauben. Du hättest Dich einfach nur nie in mich verliebt. Diese Erkenntnis ist verletzend. Sie hat mein sorgsam errichtetes Kartenhaus umgefegt, eingerissen, im freien Fall, unumkehrbar. Sie hat eine Delle in mein Selbstbewusstsein als Frau gehauen, dass ich für einen bestimmten Mann nicht reiche. Es ist okay, ich kriege diese Delle auch wieder raus. Aber Du, vielleicht verliebst auch Du Dich irgendwann mal von einer Sekunde auf die andere und brauchst keine Zeit oder Dein Herz gibt Dir gar keine, weil Dich ein Mensch einfach so umhaut. Dann kannst Du vielleicht nachvollziehen wie es mir ging mit Dir.

 

 

 

„Ich weiß nicht, wie es mir gehen wird, wenn ich Dich ab jetzt nicht mehr sehen kann“ hast Du gesagt.

„Ich hoffe, dass es mir langfristig besser geht, wenn ich Dich ab jetzt nicht mehr sehen muss“, habe ich geantwortet.

Bis zum Ende des Jahres hatte ich Dir geben wollen. Doch Ende September war ich ein Wrack. Die anfänglich pure Begeisterung für Dich als Mensch und für Deine Art mit mir umzugehen, hat sich im Lauf der Zeit einen Antagonisten zugelegt: eine nagende, unbefriedigende Gefühlsmixtur aus Angst, Dich zu verlieren, Eifersucht auf die 6 ½ Tage in der Woche, in der wir uns nicht sehen, grundlagenlosem Hoffen, Du mögest Dich für mich entscheiden und Wut über Deine fehlende Sehnsucht, Dich bei mir zu melden. 

Wie die Wochen vergingen kippte das Verhältnis der beiden in eine Schieflage, mit der es mir immer öfter nur noch schlecht ging, als dass sie mich glücklich gemacht hätte. Ende September hatte ich für das Gefühl, das ich mit Deinem Namen verband nur noch Tränen übrig. Ich rettete mich herüber bis zum Tag der Deutschen Einheit und redete meinem Herz und meiner Würde gut zu, dass wir jetzt zu dritt die Reißleine zögen. Die beiden schauten mich ungläubig an, hatte ich doch in den letzten Monaten entgegen aller Selbstfürsorge so viel von ihnen genommen. 

 

 

 

„Hattest Du bei mir das Gefühl, dass ich der Richtige hätte sein können?“ hast Du gefragt. 

„Ich weiß es nicht. Es ist schwer, das Gefühl in sich zu nähren, jemand anderes, den man unfassbar toll findet, ist der Richtige, wenn der Dich permanent auf Armeslänge Abstand hält“, habe ich geantwortet.

Was ich meinte, war: so einfach ist das Leben nicht. Es gibt viele Richtige, mindestens aber für eine Person mehr als einen. Für mich warst Du einer von ihnen. Aber das habe ich Dir nicht gesagt. 

Anfangs hielt ich das für absurd. Wie kann etwas so Kurzes mich so sehr verletzen? Der Grund ist: Es geht gar nicht nur um das, was wir hatten. Das, was so sehr schmerzt, dass ich es körperlich spüren konnte, ist die Vernichtung der Vorstellung, was wir hätten sein können.

 

 

 

„Bereust Du die Zeit mit mir?“ hast Du gefragt.

„Nein. Niemals. Ich habe Verliebtheit gefühlt und ich habe viel gelacht, ich habe viele der Momente genossen. Ich weiß, dass man für Liebe Risiken eingehen muss und dass man bisweilen sehr verletzt wird. Aber müsste ich mich entscheiden, ob ich Dich noch mal in der U-Bahn anspreche mit dem Wissen, wie das Ganze heute endet, ich würde alles noch mal exakt genauso machen."

Du bist nicht mehr da. Also schon noch, aber nicht bei mir. Aber das warst Du ja eh nie, wenn ich ehrlich bin. Ich habe Dich stehen lassen, gerade weil ich Dich so toll fand. Eigentlich finde, denn die Gründe, warum man jemandes Art schätzt, lösen sich ja nicht in Luft auf. Ich habe Dich stehen lassen, weil es nach meinem ersten alles initiierenden der letzte Akt der Selbstbestimmtheit sein musste, den ich für mich beanspruchen konnte. Mit mir hat es begonnen, mit mir lasse ich es auch enden.

Ich fühle mich so stark darin gegangen zu sein, so stark darin, mich nicht bei Dir zu melden, so stark darin, wie ich mit den Tränen, die immer noch manchmal kommen umgehe, so stark darin zu wissen, dass mir jemand anderes das geben wird, was Du nie hättest können.

 

 

 

Deine Nummer habe ich immer noch nicht gelöscht. Gleichzeitig würde ich mir eher einen Finger abhacken, als Dich anzurufen. Dabei mag ich Dich noch immer, Mann in Chucks, Peter Pan. Und ich bin mir gar nicht mal so sicher, ob ich von Liebe zu Dir wirklich weit entfernt war. Vermutlich nicht.

Heute glaube ich trotzdem: ich habe alles richtig gemacht. Ich bin gegangen. Ich mache alles richtig. Ich vermisse dich. Noch ein bisschen. Noch eine kleine Weile. Bis es sich wieder ganz leicht anfühlt und mein Herz sich die restlichen Fasern zurückerobert hat, die ich Dir gegeben habe. Im Gleichtakt schlägt es zum Glück schon wieder öfter. 

Ich finde nämlich, Liebe sollte sich unbedingt und immer ganz unbeschwert und gleichtaktig anfühlen.

 

 

 

Teile dieses Textes entstammen dem Artikel "Tarnfarben der Liebe", erschienen am 10. November 2017.

 

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#MeToo: Ich auch - Teil II

Ich habe schon oft über Dinge geschrieben, die sehr persönlich von mir berichten. Ich habe über Panikattacken und Trauer nach Terroranschlägen geschrieben, davon wirklich geliebt worden zu sein oder darüber, was mein Leben reicher macht. Ich gebe sehr viel preis - weil ich mich damit wohl fühle, dass sich Menschen von der Sprache meines neumodischen Tagebuchs hier angesprochen fühlen und weil es an sie rührt, wenn es ihnen ähnlich geht. Der jetzt folgende Text wird der bis dato vielleicht persönlichste.

 

 

Es gibt Momente im Leben eines Menschen, in denen einem etwas fundamental klar wird. Man könnte sie "Wasserglas-Momente" nennen, weil einem jemand ein Glas Wasser ins Gesicht schüttet und man mal aufwacht und merkt, dass hier grade was falsch läuft. Oder man nennt sie "Weihnachtsmann-Momente", denn einem wird gnadenlos klar, dass es den Weihnachtsmann offenbar überhaupt gar nicht gibt, sondern nur Eltern, die den Wunschzettel lesen und die Geschenke bringen. Von diesen Momenten hat man auf wirklich existenzieller Ebene im ganzen Leben nur wenige. Ich hatte in diesen Tagen einen. Mir wurde klar: #MeToo.

Seit nunmehr ungefähr 8 Jahren, die ich auf dieser Erde verbringe, beschäftige ich mich aktiv mit Männern. Oder weniger gestochen ausgedrückt: ich date, habe Beziehungen, habe undefinierbare Dinge, die keine Beziehungen sind, habe Sex, wundere mich, ärgere mich, bin verletzt oder freue mich - alles in Bezug auf und in direkter Verbindung zu Männern. Ich mag Männer, ungefähr die Hälfte meines engen platonischen Freundeskreises besteht aus ihnen. Ich denke nicht, dass Männer Arschlöcher sind.

 

Die gerade stattfindende Diskussion und Bewegung zum Thema Sexismus und sexueller Übergriffe hat mich durch mehrere Phasen des anfänglich wenigen Interesses, dann des Ärgers über meine eigene Ignoranz, der differenzierten Auseinandersetzung und schließlich des Jetzt, der Identifikation mit einigen dieser Frauen geführt. Mir ist das nämlich auch passiert.

Konkret geht es um Situationen, in denen ich Sex mit Männern hatte, mit denen ich eigentlich keinen Sex haben wollte. Situationen, in denen ich "Nein" gesagt habe, aber vielleicht nicht laut genug oder nicht oft genug oder nicht körperlich wehrhaft genug. Situationen, in denen ich dachte "lass' es halt über Dich ergehen" oder "er wird dich schon nicht umbringen" oder "Du willst jetzt nicht die Spielverderberin sein, die Ärger macht, also lass' ihn halt". Oder einfach "ich will das gerade nicht und Du tust mir weh". 

Man verstehe mich nicht falsch: ich glaube nicht, dass das unter Vergewaltigung fällt. Aber bisher dachte ich, das sei halt manchmal so, dass Männer mehr wollen als Frauen, dass man sich eben als Frau manchmal fügen muss, dass das "normal" sei. Wenn ich mir jetzt gerade beim Tippen zusehe und die Worte in meinem Kopf mitdenke, wird mir schlecht. Mir wird schlecht vor mir selbst, wie ich die letzten Jahre nicht begreifen habe können, dass das alles aber nicht "normal" und nicht "okay" war.

 

Ich erinnere mich an Situationen, in denen ich das Gefühl hatte, dem Mann etwas schuldig zu sein, beispielsweise, wenn er Drinks und Taxi bezahlt hat. Oder wenn man sich schon zum dritten Mal trifft. Oder wenn ich mit ihm geflirtet und getanzt habe. Ich hatte das Gefühl "bis zum Schluss" gehen zu müssen - auch wenn in mir drin alles geschrien hat, dass ich das nicht will.

Ich erinnere mich an eine Situation, in der ich klar gesagt habe: "Ich will nicht mit Dir schlafen, ich will jetzt lieber alleine nach Hause." In der ich zur Antwort bekam, ich solle mich mal nicht so anstellen - und es dann über mich ergehen ließ.

Ich erinnere mich an eine Situation, in der ich mich zu einem Wochenend-Trip mit einem Bekannten in einer Stadt verabredet hatte. Für ihn war die Stadt völlig nebensächlich, ich kam an und es gab entgegen der Vereinbarung nur ein Hotelzimmer mit nur einem Bett. Das Ende der Geschichte: ich hatte Sex hatte mit einem doch deutlich älteren, körperlich viel stärkeren Mann, der mich dazu gedrängt hat, obwohl ich es nicht wollte. Er hat mich nicht angesehen, ich habe geweint, das hat er nicht mal gemerkt. Ich habe mich ekelhaft und benutzt gefühlt.

Ich erinnere mich an eine Situation, in der ich bei Freunden auf einer Party war und viele der Gäste zusammen in einem Raum auf Matratzen und Betten übernachteten. In der mich einer der anwesenden Jungs so lang begrapschte und versuchte, einfach auf mich drauf zu klettern, dass ich um halb fünf morgens meine Sachen zusammenraffte und panikartig die Wohnung verließ. Ich saß 3 Stunden im Winter in Heidelberg am Bahnhof und habe geheult und mich geschämt. An diesem Tag habe ich mir geschworen, dass ich beim nächsten Mal die Polizei hole und denjenigen anzeige.

Man achtet beim Sex immer wahnsinnig auf die körperliche Gesundheit, aber die psychische wird oft vernachlässigt. Man mutet sich Dinge zu, ich habe mir Dinge zugemutet, die man nicht mehr vergisst, die der Körper nicht mehr vergisst und einem auch nicht verzeiht. Mich haben diese Erlebnisse sehr verunsichert und ich habe viel Respekt mir gegenüber verloren.

 

 

So sehr mir erst jetzt, in diesen Tagen, in denen andere Frauen ihre Erlebnisse teilen, klar wird, dass einige dieser meist Jahre zurückliegenden Erlebnisse wirklich schlimm waren und vor allem nicht "okay" oder "normal", versuche ich mich daran zu stärken, dass sie nicht in einem Vakuum meiner Lebenserfahrungen schweben. Uns macht nicht nur das aus, was scheiße gelaufen ist, sondern alles, was uns widerfährt, mit dem wir umgehen. 

Heute ärgere ich mich nicht über mich selbst. Ich dachte, ich war zu den Zeitpunkten alt genug, meinen Standpunkt zu vertreten, war ich aber nicht. Ich dachte, ich hätte mich durchsetzen können, konnte ich aber nicht. Das habe ich mir selbst oft vorgeworfen, manchmal habe ich gesagt, ich hätte mir den Sex in seiner Gesamtheit selbst "kaputt gemacht". Das habe ich aber nicht.

Sex ist keine Verhandlungssache, darüber sollte man nicht diskutieren müssen. Entweder man will oder man will nicht. Ich habe das Gefühl, Männer denken, sie müssten uns Frauen verführen. Und dass Frauen ein bisschen kokettieren, aber insgeheim mehr wollen. Dass sie wenn sie "Nein" sagen, eigentlich "Ja" meinen. Aber wir meinen nicht "Ja" und auch nicht "Ja, aber nur, wenn Du mich noch länger bequatschst" oder "Ja, aber ich sage nur Nein, weil ich denke, Du hältst mich sonst für eine Schlampe". Wenn ich "Nein" sage, meine ich "Nein" und ich hoffe, ich bin in einem Alter, in dem ich mich zukünftig immer dagegen wehre, wenn ich etwas nicht möchte, gestärkt in der Erkenntnis, dass ich die absolut Einzige bin, die entscheiden darf, ob sie mit einem Mann schlafen will oder nicht.

 

 

 

Teile dieses Textes entstammen dem Artikel "Er hörte einfach nicht auf", erschienen am 30. Oktober 2017.

 

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#MeToo: Ich auch - Teil I

Unter dem Hashtag #MeToo posten seit etwa 2 Wochen weltweit Millionen von Frauen in sozialen Netzwerken, dass und teilweise wie sie Opfer männlicher Sexualität geworden sind - wie sie angemacht, angegrapscht, entwürdigt, vergewaltigt wurden.

Jede Frau mehr, die gesteht, dass auch sie schon mal von sexuellen Übergriffen betroffen war oder ist, verstärkt den Eindruck, das geschehe a) überall und b) viel häufiger als man denkt. Scheinbar so alltäglich, dass sich bisher - wenn überhaupt - im Individuellen darüber geäußert wurde, selten jedoch wie jetzt im Kollektiv. 

Auslöser war bekanntermaßen die Enthüllung um Hollywood-Produzent Harvey Weinstein, der offenbar jahrzehntelang seine Machtposition ausgenutzt hat, um vor allem Schauspielerinnen zu missbrauchen. Am Anfang habe ich sämtliche Artikel dazu ignoriert, weil ich dachte: sexuelle Gewalt ist Alltag, das wird jetzt auch nicht mehr sein als früher und überhaupt Klischee "alter Sack vergreift sich an jungen, unterlegenen Frauen" erfüllt. Je mehr ich dazu lese, desto mehr möchte ich mich für meine anfänglich sehr eindimensionale Haltung in den Hintern beißen. Denn die greift nicht mal in Ansätzen die Vielschichtigkeit des Problems.

 

 

 

Mir hat niemand gesagt, dass ich ein Idiot bin

Der Journalist Christian Gesellmann hat in einem Essay vor Kurzem darüber geschrieben, wie er als Mann über die #MeToo-Debatte denkt. Für viele gilt er plötzlich als Vorzeige-Feminist - und das aus meiner Sicht mit Recht - selbst wenn er nach eigenem Bekunden bisher nie etwas mit Feminismus am Hut hatte.

Ihm gelingt es, im genau angebrachten Ton die Wahrheit darin zu beschreiben, dass das Problem unter Männern nie angesprochen oder diskutiert wird, dass er Zeuge übergriffiger Situationen geworden ist und dass er sich selbst (vor allem in pubertärem Alter) in frauenverachtender Weise geäußert hat.

 

 

"Wir wollen stark sein und sind in Wahrheit oft herablassend.

Wir wollen potent sein und sind in Wahrheit oft belästigend.

Wir denken, wir lieben, und verstehen nicht,

dass es keine Liebe ohne Respekt gibt."

 

 

Dass er seinen Kumpels oder jedenfalls den Tätern jedoch nie gesagt hat, dass sie Idioten sind, wenn sie Frauen angrapschen, über sie wie über Sexobjekte sprechen oder darüber, dass sie deren Notsituationen ausnützen würden, um "einen wegzustecken". Dass ihm selbst niemand gesagt hat, dass er ein Idiot ist.

Gleichzeitig ordnet er das Ganze in den Kontext unserer kulturellen Prägung ein, die wie er schreibt "in unserer Gesellschaft leider zu Ungunsten der Frauen ausgefallen ist". Der abschließende Punkt ist ihm dennoch wichtig: Wir können etwas daran ändern. Und Frauen können Männern öfter sagen, wenn sie Idioten sind.

 

 

Wo ist die Grenze zwischen Kompliment und Sexismus?

Diese Frage habe ich mir tatsächlich schon früher des Öfteren mal gestellt, z.B. als es vor 3-4 Jahren unter dem Hashtag #Aufschrei um die Aussage eines Politikers ging, dass eine Journalistin "ein Dirndl schon ausfüllen" könne. Da habe ich mich gefragt, wer das jetzt entscheiden darf, wie etwas gemeint ist. In diesem Fall bin ich mir nämlich fast sicher, dass es als Kompliment gemeint war. Okay war es aber trotzdem nicht, es war sexistisch.

Jana Weiss, ebenfalls Journalistin dröselt das "Wer also darf sagen, was Sexismus ist und was nicht?" in ihrem Artikel in mehrere Fäden auf. Da ist z.B. die Zeit, in der wir leben, die vermutlich aktuell für sämtliche in diese Richtung gehenden Töne sensibler sein wird als beispielsweise in den 70ern. Die Gewöhnung daran, dass wir vielleicht auch selber unbewusst Sachen sagen, die genau genommen unter Sexismus fielen - unbemerkt und unbeabsichtigt. Daran, dass wir sexistische Bemerkungen von anderen gar nicht als solche wahrnehmen, weil wir nie darüber gesprochen haben, wie genau sich Sexismus definiert.

 

 

"Dinge, die ich ständig höre. Die ich aber auch ständig selbst sage.

Erfahre ich also permanent Sexismus, ohne es zu wissen?

Bin ich selbst sexistisch, ohne es zu wollen?"

 

 

 

Dass der Altersunterschied und das Machtverhältnis eine fast ausschlaggebende Rolle spielen, ist glaube ich klar. 

Als ich vor Kurzem mit meinen Eltern darüber gesprochen habe, habe ich ins Spiel gebracht: mein eigenes Empfinden. Wenn ich eine Formulierung als unangebracht, demütigend, schmierig empfinde oder eine bestimmte Berührung als unangenehm, so müsse dies ebenfalls unter Sexismus fallen. Problematisch dabei: was für mich das Überschreiten einer Grenze bedeutet, muss es nicht für eine andere junge, weiße Frau auch bedeuten. Und ich muss benennen, dass ich als Betroffene in diesem Moment eine junge, weiße Frau bin, denn Alter und Zugehörigkeit zu einer ethnischen Minderheit (in diesem Fall eben nicht, weil ich nicht schwarz bin) machen es im Zweifelsfall noch schlimmer.

 

Eine wirkliche Antwort, wem die Definitionshoheit in dieser Frage zusteht, gibt es vermutlich nicht. Fakt ist jedoch, dass eine Debatte, in der es anfänglich auch um Vergewaltigungsfälle ging, sich zu einer entwickelt, in der manchen Menschen nicht passt, was und wie andere Menschen etwas gesagt haben. Hier kann es emotional werden, Teile der Gesellschaft werden über die Empfindlichkeit gegenüber dem, was als sexistisch empfunden wird oder die Ignoranz und Abgestumpftheit, dessen was es nicht ist, irritiert sein. Fakt ist auch, dass Menschen, die sich in ihrer Vergangenheit aufgrund ihres Bildungsstandes nie mit Geschlechterverhältnissen beschäftigen konnten oder haben, plötzlich teil eines Diskurses werden können, der sie zu Schuldigen macht - den sie aber vielleicht gar nicht im Grundkern nachvollziehen können: wie kann eine junge Frau schockiert darüber sein, "jung" und "schön" genannt zu werden?

Und was die Grenze zwischen Kompliment und Sexismus betrifft, so hilft vielleicht Oscar Wilde, der gesagt haben soll, Komplimente seien wie Parfum: "sie dürfen duften, aber nie aufdringlich werden." 

 

 

 

 

 

Christian Gesellmann, #metoo Ich auch (Oktober 2017)

Jana Weiss, Höflichkeit ist kein Sexismus (Oktober 2017) 

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Worüber wir reden müssen

Ich möchte heute ausnahmsweise mal über etwas schreiben, was mich gar nicht direkt betrifft, weil ich mich vor Jahren dagegen entschieden habe. Was aber dennoch etwas sehr persönliches ist, für Millionen von Frauen weltweit eine Rolle spielt und was indirekt etwas darüber aussagt wie Männer und Frauen heutzutage mit Verantwortung, Selbstbestimmtheit und Gleichberechtigung in unserer Gesellschaft umgehen - sofern sie Sex haben. Ich spreche von der Pille und jeder Mann, der jetzt denkt "okay, betrifft mich eh nicht, muss ich nicht weiterlesen, weil Verhütung ist Frauensache" ist Teil des Problems.

 

Ich habe vor Kurzem ein Gespräch mit meinen Eltern geführt, das mich an einer Stelle ziemlich schockiert hat. Es ging sinngemäß darum, dass ich mir schon bewusst sein müsse, dass Sex mit Kondom für Männer halt wirklich nicht so toll sei und Verhütung auch eh Frauensache. In diesem Moment muss ich abwechselnd ausgesehen haben, als fiele mir alles aus dem Gesicht oder als habe ich in etwas sehr saures gebissen. Mich hat in diesem Moment erschüttert, wie unheimlich weit entfernt meine sonst so vernünftigen, aufgeklärten Eltern von der in der Generation der Millenials stattfindenden Debatte zu sein scheinen und wie wenig sie sich mit Gleichberechtigung und Emanzipation in sehr alltäglichen Belangen - wie Sex und Verhütung es sein sollten - auseinander setzen. Ich denke, dass die Wahl der Verhütungsmethode für jeden in Absprache mit dem jeweiligen Partner eine ganz individuelle Entscheidung ist und ich finde Toleranz an wenigen Stellen wichtiger als hier. Die Haltung "Verhütung ist Frauensache" aber finde ich bizarr bis mittelalterlich.

 

Ich habe mich wie oben beschrieben bereits vor Jahren gegen die Pille entschieden, Gründe waren vor allem die negativen Nebenwirkungen - von denen oft erwartet wird, dass man sie sang- und klanglos hinnimmt, wenn man sie hat. Ich habe damals, da war ich ca. 15 Jahre alt über 1 Jahr hinweg 3 verschiedene Minipillen ausprobiert - um es kurz zu machen, ein launisches, in Phasen heulendes, depressiv-aggressives Nervenbündel mit Wassereinlagerungen, spannenden Brüsten & Co. zu sein war kein Spaß. Sicher, alle Frauen reagieren unterschiedlich und manche jubeln einfach über glänzendes Haar, tolle Haut und verschwundene Regelkrämpfe oder nehmen die Pille eh primär deswegen. Was der Rest dazwischen macht, weiß ich nicht, ist aber auch egal. Für mich persönlich war die Entscheidung dagegen in Anbetracht des dahinter liegenden Wirkprinzips - man futtert täglich Hormone und simuliert dem Körper durch Östrogen und Gestagen eine Dauerschwangerschaft - keine allzu schwere. Hormonelle Empfängnisverhütung (darunter fallen auch Spirale, Nuvaring, Pflaster, implantierte Stäbchen, etc.) kam und kommt für mich nicht in Betracht und zum Glück gibt es Alternativen. Womit ich mich langsam mal an den Gegenpart der Verantwortung wage.

 

Bis heute gab es hochgerechnet 1-2 Männer, die die Augen verdreht haben, als ich sagte, ich nähme keine Pille. Begeistert war das Gros auch nicht, aber das kann man vermutlich auch nicht erwarten. Was man aber erwarten kann und was ich auch ehrlich gesagt erwarte ist, dass man sich bewusst ist, dass einen sicheren Schutz vor Krankheiten - gerade wenn man vielleicht noch keinen HIV-Test des Anderen gesehen hat und sich noch nicht seit Jahren kennt - nur ein Kondom bieten kann.

Ich erwarte, dass man das Thema rechtzeitig anspricht und nicht stillschweigend voraussetzt, die Frau mache das schon, weil ist ja ihr Körper und sie wird ja im Zweifelsfall schwanger. 

Ich erwarte, dass sich Männer gleichermaßen für das Thema Verhütung verantwortlich fühlen und wenn sie das bisher nicht getan haben, sich jetzt mal anfangen damit auseinander zu setzen.

 

Man liest es vielleicht: ich ärgere mich ein wenig.

Ich ärgere mich über Frauen, die - nicht immer, aber oft - undifferenziert möglicherweise assoziierte Begleiterscheinungen oder Folgeerkrankungen wie Depressionen, Thrombosen und ein erhöhtes Risiko an Krebs zu erkranken ausschließlich mit der unemanzipierten Argumentation beiseite wischen, das (= die Pille zu nehmen) sei angenehmer und weniger nervig für ihren Freund, Mann, Partner.

Ich ärgere mich über forschende Pharmaunternehmen, die Studien zur Erforschung der „Pille für den Mann“ abbrechen, weil die Nebenwirkungen mit Stimmungsschwankungen, Gewichtsproblemen und sonstigen hormonellen Dysbalancen für Männer nicht zumutbar gewesen seien - hallo??! 

Ich ärgere mich über Männer, die mir weismachen wollen, es sei für sie wesentlich schlimmer für 5min. bis 2 Stunden ein Kondom zu ertragen als für mich, 24 Stunden an 7 Tagen die Woche in 12 Monaten im Jahr in einem Körper zu leben, über den ich die hormonelle Autonomie an eine kleine, kreisrunde Wirkstoffkeule verloren habe.

 

Aber ich sehe es nicht zu schwarz: wie gesagt, ich habe eine Entscheidung getroffen, mit der ich mich wohl fühle und hinter der ich so stehe, dass jeder Mann, der sie nicht akzeptiert, Pech hat. Ich bin froh, dass die Debatte an der ein oder anderen Stelle geführt wird und dass mehr und mehr Frauen heutzutage nicht einfach das machen, was ihnen ihr Gynäkologe auf ein Rezept schreibt. Ich bin froh über Männer, die begreifen, dass wenn sie zu 100% den Spaß wollen, sie auch zu 50% die Verantwortung tragen.

 

 

Auch aktuelle hormonelle Kontrazeption erhöht das Brustkrebsrisiko (Ärzteblatt, Dezember 2017)

Why Millennial Women Are Rejecting The Pill (Vogue, November 2017)

Freiheit von der Pille (Süddeutsche Zeitung, November 2017) 

Verhütung in Zeiten der Gleichberechtigung (Süddeutsche Zeitung, Juni 2017)

Die Antibabypille ist unzumutbar (Zeit, April 2017)

Warum wir heimlich die Pille absetzen (ThisIsJaneWayne, März 2015) 

 

                                                   Credit: Jody Todd

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Life is bitter

Zwei Wochen ist mein letzter Eintrag her,  zwei Wochen, die mir viel länger vorkommen als so manche zwei Monate, die ich mal nichts geschrieben habe. Zu sagen, es gehe mir besser, wäre der Euphemismus davon, dass ich in eine Phase hinüber gleite, in der ich nicht mehr jeden Tag heule. Heartbreak sucks. Aber nachdem die Welt sich weiter dreht und - auch wenn man es manchmal weder glauben kann noch möchte - das Leben weiter geht, im Folgenden ein kleiner Statusbericht.

 

Ich werde auf mich selbst gestoßen. Man verstehe mich nicht falsch, ich habe mich immer schon viel mit mir selbst beschäftigt und konnte meistens auch gut alleine sein, aber jetzt ist es mal wieder so weit und wahrscheinlich ist das sogar gerade ganz angebracht. Ich denke viel nach, vor allem über die Frage, in welche Richtung ich mein Leben verlaufen sehen möchte. In die, in die es im Moment läuft, jedenfalls nicht. Ich bin nicht zufrieden und das wurmt mich.

 

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Vor kurzem saß ich bei meinem Chef im Büro, primär um zu besprechen, an welchen Projekten ich gerade arbeite. "Was nervt Dich? Dich nervt doch irgendwas." Ich rutsche unentschlossen auf der Stuhlkante herum. Mein Chef kennt mich gut, wir verstehen uns, er ist von der Sorte Mensch, der ich mich trotz der stets professionellen Distanz in Bezug auf manche Themen anvertrauen kann und möchte. "Es hat nichts mit meinem Job zutun, da ist echt alles gut. Es ist was Privates." Er nickt. "Es ist.." Mir versagt die Stimme und mir steigen mal wieder die Tränen in die Augen. "Ich kann das Dir jetzt nicht im Detail erzählen, weil ich sonst schon wieder weinen muss. Aber Du kannst Dir vorstellen, worum es in den meisten Fällen geht, wenn Frauen heulen." Er nickt wieder.

Was ich erzähle, um die grobe Gesamtsituation zu skizzieren ist zu wenig, um zu sagen, ich hätte mein Herz ausgeschüttet. Was er mir rät und aus seiner Erfahrung berichtet, ist zu wenig, als dass ich daraus den ultimativen Ratschlag für meine Situation entnehmen könnte - den es im Übrigen eh nicht gibt. Und doch geht es mir hinterher besser. Er sagt, dass er möchte, dass es uns gut geht und zwar in allen Lebensbereichen, weil wir nur dann gut arbeiten können. Ich solle selbst entscheiden, wie viel ich schaffe, wie viel Ablenkung ich möchte und wann ich einfach mal nicht mehr kann oder einen Tag frei brauche. Ich könne mit so was immer zu ihm kommen und das ist einfach ein gutes Gefühl.

 

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Ich versuche viel spazieren zu gehen, wenn ich es schaffe. Mit den Füßen durch rot-orangefarbene Blätterberge und wie poliert glänzende Kastanien auf dem Weg an die Isar. Dort sehe ich so viele Menschen, alle geeint im Wunsch, die letzten verschwenderischen Sonnenstrahlen des Jahres mitzunehmen. Ich beobachte sie, wie sie mit ihren Hunden spazieren gehen, mit ihren Partnern im Gras auf einer Decke liegen, den eigenen Kopf auf der Brust des anderen. Wie sie mit ihren Kindern vorne am Wasser stehen und zusammen kleine Steine oder Äste ins Wasser werfen. Wie sie an mir vorbei joggen, federnder Schritte und geröteter Wangen. Dazwischen ich, ohne Hund, Partner oder Kind und ohne klares Ziel - oder vielleicht gerade mit dem Ziel zu lernen, dass ich alleine auch komplett bin..

 

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Ich versuche viel mit meinen Freunden zu telefonieren, gerade die, die ich länger nicht gesprochen habe, die mir aber eigentlich unheimlich nahe stehen. Diese Gespräche helfen mir, mich zu erinnern, dass es auch im Leben anderer so manche Baustellen gibt, dass auch andere nicht immer zufrieden sind, mit der Ausrichtung, die ihr Leben hat - vor allem erinnern sie mich aber daran, dass ich unheimlich und bedingungslos geliebt werde. Gerade essentiell in Phasen, in denen man sich vielleicht selbst nicht gut ausstehen kann oder in denen einem klar wird, dass es Menschen gibt, deren bedingungslose, unheimliche Liebe man nie bekommen wird - nicht mal, wenn man sich auf den Kopf stellt.

 

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Relativ abstrakt stelle ich mir also wie oben beschrieben die Frage, wo ich mit meinem Leben hinwill. Es sind teilweise unbequeme Fragen, die ich weder erwartet habe oder mir gewünscht hätte, aber die mein Unterbewusstsein nun erbarmungslos an die Oberfläche zerrt und auf die mein Bewusstsein nun Antworten zu finden gezwungen ist. Was möchte ich in den nächsten Jahren erreichen - im Job? Wo möchte ich in den nächsten Jahren ankommen - privat? Muss ich tatsächlich erst mal lernen, mich selbst zu lieben und mir "genug" zu sein? Welche Signale sende ich eigentlich unterbewusst aus und wen ziehe ich damit an? Was möchte ich erleben in den nächsten Jahren? Was muss ich für meine Gesundheit tun, was in den letzten Jahren erheblich gelitten hat? Ist München vielleicht doch nicht die "letzte Station", möchte ich noch mal ins Ausland - oder laufe ich damit weg?

 

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Konkret habe ich nun endlich meinen Urlaub für Mitte bis Ende November gebucht, mache mir nun endlich Termine bei den ganzen Ärzten, die ich bisher in München noch nicht hatte (Hausarzt, Gynäkologe & Co), "saniere" meine Finanzen und verbringe viel Zeit mit meinen Eltern.

Und ja, ganz typischerweise weine ich immer noch jeden 2. Tag und widerstehe dem Drang, ihm zu schreiben und spüre einen Kloß im Hals, wenn ich Ecken sehe, an denen wir gemeinsam waren. Ich balanciere also auf diesem haarfeinen, hauchdünnen Grat zwischen meiner idiotischen Sehnsucht, er möge mich anrufen und mir sagen, er wolle mich zurück und liebe mich und meinem diametral entgegen gesetzten, wahrscheinlich selbstfürsorglichen Wunsch, einfach nur in Ruhe gelassen zu werden. Mir wird letzteres vergönnt sein, Gefühle hören nicht einfach von heute auf morgen auf und wie meine beste Freundin Anna sagte bringt es jetzt auch nichts, "trotz all der offenen Joghurts, die ich in meinem Rucksack schon mit mir rumtrage" den "Sand in den Kopf zu stecken".. 

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"Leuchtende Tage. Nicht weinen, dass sie vorüber, sondern lächeln, dass sie gewesen." - So ein Bullshit.

Konfuzius soll das angeblich gesagt haben und falls er das tatsächlich gesagt und auch noch ernst gemeint hat, hatte der alte, bestimmt hochintelligente Knacker in seinem Leben nie Liebeskummer. 

 

Ich will nämlich weinen. Mein Herz will weinen. Es will, dass der Schmerz gefühlt wird und es will meinen Körper in Mitleid erregenden Schluchzern durchschütteln. Mir verläuft der Eyeliner, Tränen hängen in großen Tropfen in meinen Wimpern und kullern mir die Wange herab. Sie fallen auf meinen grauen Kaschmir-Mantel und versickern dort, nicht ohne einen kleinen, nassen, unförmigen Punkt zu zeichnen. Ich vergrabe mein Gesicht in diesen Tagen in so mancher Schulter derer, die mir nahe stehen und mir ist es egal, wenn meine Rotze oder mein Mascara an ihrem Hals herabläuft, während ich in Stößen vor mich hin heule. "Nicht weinen. Er ist es nicht wert. Es kommt ein anderer. Sei stark, hör' auf zu weinen!" "Ich will aber weinen, weil.. es mir danach besser geht. Und er ist es wohl wert, weil.. weil er es eben wert ist. Und ich weiß selbst, dass ein anderer kommt, aber eigentlich.. will ich keinen anderen!" Meine Wangen sind ganz rot, ich nuschele vor mich hin und ziehe geräuschvoll die Nase hoch - man versteht wahrscheinlich gar nichts. Atmen, weinen und reden ist ganz schön schwer.

Wenn ich nicht darüber nachdenke oder mich in das, was die Situation so macht wie sie ist, hinein fühle, kann ich gut so tun als sei nichts - oder zumindest nichts weniger blöd als die letzten Monate. Wenn ich die Gedanken und Gefühle aber dahin und zu Dir und dazu, dass ich Dich jetzt selbstgewählt nicht mehr sehe wandern lasse, steigt der Wasserstand in meinen Augen unaufhaltsam an, ich beginne zu zittern und der ganze Mist geht von vorne los. Ziemlich schnell verschwimmt meine Sicht, so als sei der Scheibenwischer eines Autos bei Starkregen ausgefallen und ich muss unterbrechen was ich gerade tue. Meine Nasenflügel beben, während ich vergeblich versuche mich zusammenzureißen und den Kloß und das Herzweh und die Erinnerung an Dich und mich mit Dir einfach herunterzuschlucken. 

 

Schon wieder nicht. Schon wieder hat es nicht geklappt und schon wieder muss ich mich fragen, woher ich das Talent habe, etwas mit gegengeschlechtlichen Individuen anzufangen, die nicht die richtigen sind oder unter denen nicht "der eine Richtige" für mich ist. Meine Liste an Jungs, Typen, Kerlen und in den wenigsten Fällen tatsächlich Männern liest sich wie der seit Jahren komplett minder erfolgreiche Versuch, den Deckel zum Topf zu finden - der sich bisher immer als nicht passend oder noch nicht mal als Deckel herausstellte. 

Ungebremst mein Mut und meine Hoffnung, selbst in den Momenten in denen ich mein Herz brechen oder zumindest knacksen spüre und mir die Luft aus den Lungen gequetscht wird. In denen meine Pläne, die ich mich mit dem ein oder anderen getraut habe zu machen dahin segeln. Sie landen geräuschlos auf einer dreckigen Pfütze und saufen dort ab oder lösen sich in triefende, unlesbare Klumpen auf. Das Ganze wird dann meist noch vom Karma oder wem auch sonst immer in meinem Unterbewusstsein lautmalerisch begleitet von einem gehässig herein krakeelten "Ätsch bätsch, schon wieder nicht, heheheheh!". What the fuck.

 

Auch jetzt wieder. Ich sehe mich ein bisschen selbst wie ein Kind, dass immer wieder mutig seine Hand auf die Herdplatte legt, in der Hoffnung, sie möge a) nicht heiß sein oder b) bei angenehm warm aufhören und sich nicht weiter erhitzen oder c) dass dem Kind selbst nach all den Brandblasen eine derartige Hornhaut wachse, dass der Grad der Verbrennung bei jedem Mal mehr, verschwindender relevant wird. Ich will nicht lernen, ich will aus augenscheinlichen "Fehlern" nicht die Erkenntnis ableiten, ich hätte etwas falsch gemacht. Und schon gar nicht will ich etwas anders machen. Ich weiß, dass ich damit verliere - meistens. Der, der mehr fühlt, der mehr liebt, verliert eigentlich immer. Aber eines Tages, eines Tages werde ich mit dieser meiner Haltung, mit meinem großen, naiven Wollen, mit meinem unvernünftigen Herzen vielleicht gewinnen - nicht gegen einen anderen, aber mit diesem anderen ein tolles großes Gefühl, ein gemeinsames Leben und eine Liebe, die ich so sehr zurückbekomme, wie ich sie gebe.

 

Mir fällt der Text "Du kannst feige sein oder Du kannst lieben" ein, den ich schon immer sehr mochte, den ich immer für uneingeschränkt zutreffend gehalten habe. Heute lese ich ihn das erste Mal differenzierter. 

So lange ich mich an die letzten Jahre erinnere, wollte ich, wenn es gerade nicht der Fall war, verliebt sein. Ich wollte mich wieder verlieben und neu und in jemand interessanten mit allem, was dazu gehört. Verliebtheitswütig. Nicht um des Gefühls selbst willen, weil es sich anfühlte wie ein Drogenrausch ohne Drogen und in bio und vegan, aber natürlich immer mit der Hoffnung verbunden, es sei das letzte Mal, dass ich mich verliebe.

Manchmal frage ich mich, ob es anderen Menschen auch so geht oder ob die meisten der Menschen, die nicht verliebt sind, dieses große Gefühl vergessen zu haben scheinen. Ob es für sie vielleicht wirklich nicht wichtig oder erstrebenswert ist oder ob sie sich stattdessen im Bedürfnis danach, es zu erleben, beschneiden. Warum jeder sich gerade nicht festlegen kann oder möchte oder momentan zu viel um die Ohren hat. Warum viele in einer Bindung eher eine Verpflichtung als eine Bereicherung sehen. Wann man im Leben endlich mal Zeit mit sich selbst verbringen sollte und muss und wo die haarfeine Grenze dazu verläuft, dass man sich mit sich selbst alleine eigentlich am wohlsten fühlt. Und ja, aus gemachter Erfahrung, warum alle immer und immer wieder nur weglaufen.

Ich höre mich an, als wüsste ich es wirklich besser. Aber das tue ich nicht. Leider wusste auch ich es schon so oft selbst nicht besser. Leider bin auch ich schon ein Feigling gewesen. Auch ich bin schon weggelaufen – meistens, indem ich stur in irgendwas hineingelaufen bin. Immer mit der Rechtfertigung, das sei meine mutige Art zu fühlen. Vielleicht ist es leichter, sich immer wieder in etwas neues hinein zu fühlen, zu wollen, zu retten, als sich endlich mal mit sich selbst zu beschäftigen. Auch ich fühle mich im Nachhinein beim Lesen dieser Zeilen also ertappt. 

 

„Die Menschen reden immer von ihrer Freiheit und meinen dabei nur ihre Angst vor einer Liebe,

 

die größer werden könnte als ihr eigener Egoismus."

 

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"Verliebe Dich nicht in mich" hättest Du sagen sollen

Der Großteil der Texte auf diesem Blog hat - und daraus habe ich nie ein Geheimnis gemacht - stark autobiographische Züge. 95% der Geschichten habe ich selbst erlebt und/oder gefühlt, die restlichen 5% haben andere Menschen erlebt und ich sie zitiert. Nichts davon war erfunden, Fiktion liegt mir einfach nicht. Ebenso wenig übrigens wie kurze, pointierte Sätze. Aber weil Du neulich meintest, meine Sätze seien furchtbar lang und die Verständlichkeit des Geschriebenen leide darunter, versuche ich mich zu bessern. Im Folgenden außerdem das erste Mal ein Text, bei dem ich ganz bewusst offen lassen möchte, ob er mich oder jemand anderen betrifft oder ob er schlichtweg gänzlich erdacht ist. Man lasse sich nicht täuschen, vieles mutet an, als sei ich der Nukleus des Geschehenden. Völlig egal. Was mich in Teilen dazu inspiriert hat, steht hier.

 

Du weißt, was ich fühle und es ist mehr als ich sollte. So schön jeder Moment ist, den ich mit Dir verbringe, den ich an Dich denke, den ich Dich neben mir spüre, Dich küsse oder den Du mit mir sprichst - er ist dennoch bittersüß. Ich habe mich in Dich verliebt, ich habe es Dir auch gesagt - geantwortet hast Du so gut wie nichts und das macht mir nichts aus. Du brauchst eben Zeit. Und das respektiere ich. Rede ich mir ein. Ziemlich erfolgreich sogar. Aber von Anfang an.

Es war keine Liebe auf den ersten Blick, gewiss nicht. Aber seit dem ersten Moment, in dem ich Dich gesehen habe, kribbelt etwas in mir, wenn es um Dich geht. Am Anfang waren es meine weichen Knie, dann war es mein schneller klopfendes Herz, schließlich meine Gedanken und Hoffnungen, die sich völlig unkontrolliert alles vorstellen wollen und völlig unbremsbar in Richtungen rennen, in denen sie nichts verloren haben. Wenn Du mich berührst, spüre ich nichts und alles. Ich spüre meine kleinen Armhärchen sich aufrichten, fühle meinen Unterleib sich wohlig verkrampfen, merke meinen Kopf, in dem nicht außer Watte ist. Das schaffst Du immer wieder. Du machst es nicht absichtlich, weil Du nichts davon weißt. Und es nutzt sich mit der Zeit auch nicht ab oder würde weniger.

"Super!", könnte man meinen. "Uneingeschränkt super!". Aber es ist eben nicht super. Es will sein: unbeschwerte Verliebtheit. Es ist: naives Hoffen. Es ist ein flaues Gefühl und es ist, ich müsste sonst lügen, auch Angst. Nicht Angst vor dem existenziell bedrohlichen Schmerz, den man so harmlos "Liebeskummer" nennt, aber Angst vor der Enttäuschung. Angst vor dem "war doch klar", vor dem "hättest Du besser wissen müssen". Vor dem "ich habe lange in mich hinein gehört, aber es reicht einfach nicht". Ach fuck it. 

Ich verdränge den Gedanken. Das flaue Gefühl kann ich schwer verdrängen, vor allem nicht, wenn ich bei Dir bin. Ich erlebe, wie schön es sein kann, wie sehr ich Dich mag. Ich erlebe, was ich nicht bekomme, wenn ich Dich nicht bekomme. Der geneigte Leser fragte sich nun: "Aber warum denn nicht? Was bitte ist denn das Problem?". Tja. Im Grunde ist es ganz simpel - lösbarer wird es dadurch trotzdem nicht.

Konflikte - oder flaue Gefühle - entstehen zwischen Menschen unter Anderem, wenn sie unterschiedliche Dinge begehren. Oder wenn sie glauben, dass die Dinge, die andere begehren so furchtbar unvereinbar mit ihren eigenen Wünschen seien. Wo liegt die Grenze zwischen Verbindlichkeit und Einengung? Wie viele Kompromisse muss man eingehen und wie viele fühlen sich davon noch als solche an, wenn man es für den richtigen Menschen tut? Ist „schon bald mal“ noch eine Teilmenge von „in den nächsten 5 Jahren definitiv nicht“? Hm. Ich habe keine Antwort darauf.

Aber die Probleme fangen doch da an: wenn ein Mensch mit einem anderen zusammen sein will, also so richtig mit beieinander übernachten, über Gefühle sprechen und eine Zukunft planen, aber der andere nicht. Also noch nicht oder nicht richtig oder nur in Teilen. Aber vielleicht, das weiß der andere Mensch noch nicht genau, vielleicht auch nie, nie richtig.

Wenn der eine Mensch Gefühle für den anderen hat, aber der andere noch nicht so viele oder nicht die gleichen. Wenn er auch nicht absehen und nicht versprechen kann, ob die jemals kommen.

Wenn der eine Mensch in den nächsten Jahren definitiv keine Kinder möchte und vielleicht nie welche wollen könnte, aber der andere schon. Vor allem, wenn der eine Mensch von sich selbst denkt, niemals ein guter Elternteil werden zu können, den anderen aber für einen in der Zukunft phänomenalen hält. Hach ja. Perks of dating elder men who will someday make amazing dads. 

 

Ganz am Anfang, da hättest Du mich warnen sollen. "Verliebe Dich nicht in mich" hättest Du sagen sollen. Aber wer sagt so was schon? Keiner. Und Du schon dreimal nicht. Du bist selbstbewusst, aber nicht eingebildet. Du bist klug, aber kein Weissager. Du bist emphatisch, aber weniger emotional. Du verliebst Dich langsam, wenn überhaupt. Du trägst Dein Herz nicht auf der Zunge - im Gegensatz zu mir. 

 

Manchmal beobachte ich Dich aus der Ferne. Wenn Du ein paar Meter entfernt stehst und telefonierst. Wenn Du auf der anderen Straßenseite aus Deiner Haustür kommst und mich noch nicht entdeckt hast. Wenn Du am Tisch meiner Eltern sitzt und Dich angeregt unterhältst. Ich sehe diesen tollen Mann, der witzig, liebevoll, klug und selbstbewusst ist und mein Herz schlägt schneller. Ich möchte zu Dir gehen und Dich festhalten, Dir durch die Haare streichen, Dir genau das sagen. Und ich mache.. nichts davon. Was sollte es ändern, was Du nicht schon weißt? 

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Was machen wir hier eigentlich?

"Du hast seit bestimmt 4 Wochen nichts mehr geschrieben." "Oh. Echt? Ja, stimmt. Es kam mir irgendwie gar nicht so vor, aber Du hast recht. Ich weiß auch nicht, irgendwie habe ich kein konkretes Thema, sondern eher viele diffuse." "Ah. Naja."

Wir - und damit meine ich mich und viele andere Menschen – haben in vielen Dingen einiges gemein. So unterschiedlich unsere Leben und Persönlichkeiten und Umstände, in die wir hineingeboren werden oder die uns ereilen auch sind, uns verbindet manch Elementares und das machen wir uns gar nicht allzu oft klar. Ich möchte heute über zwei dieser Aspekte schreiben.

 

Die Zeit rast

Wie schnell wir empfänden, dass die Zeit vergehe und dass sich dieses Empfinden immer drastischer in unserem individuellen Bewusstsein nach vorne schiebe, sei ein Altersphänomen sagte man mir immer. Vor allem Menschen, die älter waren als ich sagten mir das und die, die jetzt älter sind als ich sagen es mir immer noch. Doch daran glaube ich nicht. 

Ich glaube schon als vergleichsweise junger Mensch sehr stark zu spüren, wie sehr die Zeit rast und dass sie sich gefühlt beschleunigt anstelle in ihrer von Kalender und Uhr vorgegebenen Gleichmäßigkeit nach vorne zu fließen. Tatsächlich braucht die Zeit und mit ihr die Wochen, Tage und Stunden immer genau gleich lang für alles. Ihr ist es egal, was in der Welt passiert, sie schreitet unaufhörlich und unaufhaltsam voran. Alle Jahre sind, wenn man das Prinzip des ominös auftauchenden 29. Februar und die Existenz nanosekündlicher Abweichungen vernachlässigt, gleich lang. Die Zeit macht uns alle gleich, gleich ausgeliefert, denn niemand kann ihr für immer entfliehen. 

Aber: perception is reality. Und so haben wir stattdessen jedes Jahr das Gefühl, die Zeit vergehe schneller als im Jahr zuvor.  Rilke sagt zu Zeit und Leben in einem seiner frühen Gedichte:

 

Das ist die Sehnsucht: wohnen im Gewoge 

und keine Heimat haben in der Zeit. 

Und das sind Wünsche: leise Dialoge 

täglicher Stunden mit der Ewigkeit. 

 

Und das ist Leben. Bis aus einem Gestern 

die einsamste Stunde steigt, 

die, anders lächelnd als die andern Schwestern, 

dem Ewigen entgegenschweigt. 

 

Ich sage zu dem obigen, dass ich schon wieder nicht weiß, wo das bisherige Jahr geblieben ist. Dass ich nicht sagen könnte, was ich an den meisten dieser Tage besonderes gemacht hätte außer vermutlich zwischen 2 und 12 Stunden in irgendeine Art von Screen zu starren. Dass mich die auf mich leder- und rostbraun herab segelnden Blätter so unvorbereitet treffen wie der Wind, der mich frösteln lässt, wo er mich noch vor zwei Wochen angenehm gekühlt hat. 

 

 

What will survive of us is love

Einer meiner liebsten Sprüche. Ich glaube, er ist sehr wahr. Mittlerweile weiß wahrscheinlich fast jeder, der hier ein bisschen liest, der mich kennt, wie sehr ich mich mit der Liebe auseinandersetze, für wie fundamental wichtig ich sie halte. Nicht wie sehr ich dazu forsche oder wie viel ich darüber weiß. Aber dass sie mir am Herzen liegt. Das habe ich hier, hierhier und hier schon beschrieben.

Uns wird also nur die Liebe überdauern, wenn wir mal nicht mehr sind – selbst, wenn wir Kinder und Enkelkinder und Urenkelkinder hinterlassen, so werden auch die irgendwann nicht mehr sein. Was von uns bleibt, allerdings auch nur in den Menschen, deren Lebenszeit sich mit unserer überschnitten hat, sind tatsächlich die Erinnerungen an uns: was waren wir für Menschen, wie sehr haben wir gelebt, wie moralisch haben wir entschieden. Wie sehr wir geliebt haben und wie viel Liebe wir in diese Welt gegeben haben aber bleibt (in zugegeben wahrscheinlich nur meiner Denke) für immer. Ich stelle mir die Welt wie ein geschlossenes System vor, in dem Liebe nicht vergeht, verschwindet oder in die Atmosphäre diffundiert. Ich glaube, wenn wir sie einmal gegeben haben oder uns einmal eingestehen, dass und wenn wir sie fühlen, ist sie da und geht nie wieder weg. Sie geht vielleicht von einem Menschen, den wir nicht mehr lieben zu einem anderen, aber sie verschwindet nicht mehr. Liebe stelle ich mir wie unkaputtbare Materie vor und das ist ein schöner Gedanke.

 

Es gibt hin und wieder Augenblicke, in denen ich auf meine Beziehungen zurückblicke und mich frage, ob ich meine Ex-Freunde geliebt habe. Ob ich ein Gefühl gespürt habe, wie ich es unter Liebe verstehe. Ich weiß, in welchen Fällen ich es bejahen kann und das sind glücklicherweise die meisten.

Dem ein oder anderen wird der Fragebogen mit 25 Fragen des Schweizer Schriftstellers Max Frisch ein Begriff sein, dieser ist mittlerweile weltberühmt. Eine der besagten Fragen lautet: „Lieben Sie jemanden? Und falls ja, woraus schließen Sie das?“ Tja, das ist eine sehr gute und gleichzeitig sehr schwer zu beantwortende Frage. Eine Frage, die sich jeder an einem bestimmten Punkt oder auch an mehreren einmal stellen sollte. Und how do you know you’re in love? Well, you just know reicht hier nicht.

Der Schriftsteller Jonathan Franzen hat so geantwortet: „Mein Herz sagt es mir, und mein gesunkenes Maß an Selbstsucht liefert verlässliche Beweise dafür.“ Besser kann man es wohl nicht formulieren.

 

Gleichzeitig sollten wir uns bisweilen damit auseinandersetzen, wie unsere Gesellschaft in Teilen liebt. Und das ist nicht selten wie folgt der Fall: viele Menschen und ich weiß nicht, ob die drastische Konkretisierung „die meisten“ gerechtfertigt ist, leben eine narzisstische Liebe. Sie lieben nicht einen Menschen, sondern das Gefühl, das er ihnen gibt, sie brauchen die Gefühle des anderen, um sich selbst zu bestätigen und sie verwechseln Selbstliebe mit Selbstverliebtheit. In der Bedarfsweckungsgesellschaft, in der wir leben, brauchen wir kein Telefon, sondern das neueste iPhone, wir müssen uns permanent selbst optimieren wollen, damit das System funktioniert. Die Feststellung, dass die Gefühle eines anderen Menschen für uns nur unserer Eitelkeit schmeicheln und nicht mehr, macht der von mir hoch geschätzte Michael Nast in seinem Text „Wovon wir reden, wenn wir von Liebe reden“.

Erich Fromm, für den die Liebe zu sich selbst unabdingbare Voraussetzung für die Fähigkeit jemand anderen zu lieben ist, habe ich schon das ein oder andere Mal gedanklich an die Wand geklatscht. "You can’t love someone unless you love yourself first“. Bullshit. I have never loved myself. But you. Oh god, I loved you so much I forgot what hating myself felt like.

 

Tja, aber ich meine, wer liebt sich schon selbst? Auch wenn uns das Tag ein Tag aus gepredigt wird. Ich kenne niemanden. Aus diesem Blickwinkel ist es auch nachvollziehbar, warum wir uns überhaupt verlieben, inwieweit unsere Gefühle etwas mit der anderen Person zu tun haben. Wir verlieben uns entweder in Schnittmengen eines zweiten Menschen und Lebens mit uns selbst und unserem    Leben oder tatsächlich in etwas, was wir gar nicht begründen können. Der zweite ist immer der schönere Fall.

 

Bisher sind – offenkundig - all meine Beziehungen irgendwann in die Brüche gegangen und das reicht von nahezu geräuschloser, erschütterungsarmer Auflösung der gemeinsamen Idee von einem Uns bis zum ohrenbetäubenden Aufprall und gleichzeitig stumm schreienden Zerspringen eines Lebensplans in tausend Scherben. Ich bin daher vermutlich nicht mal in der berechtigten Position mich immerzu in dem Maße darüber auszulassen und wiederholt auf manches einzulassen und dennoch: ich habe in all dem viel über mich herausgefunden. 

Ich glaube, dass die Liebe zu jemandem - und hier spreche ich bewusst nur von erwiderter, ohne Stolz zugegebener, gegenseitiger Liebe - den tiefen Impuls auslöst, ein besserer Mensch zu werden. An seinen Baustellen zu arbeiten. Seine Selbstsucht zu überwinden und ein besserer Mensch zu sein. Und diesen Anstoß, diesen intrinsischen Antrieb gibt uns so einzigartig nur die Liebe. 

Wir sollten ihn nutzen.

 

 

 

Teile dieses Textes entstammen dem Artikel "Wovon wir reden, wenn wir von Liebe reden" von Michael Nast, erschienen am 24. Juni 2015.

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Why we love, why we cheat

Vor kurzem hatte ich einen kleinen Austausch mit einer ehemaligen Kommilitonin und langjährigen Freundin, Pia. Pia schreibt ebenfalls einen Blog, sie verdient ihr Geld ebenfalls nicht als Bloggerin und kann daher das ein oder andere nachvollziehen. Ich verlinke Euch ihren Blog mal hier.

Jedenfalls fragte Pia mich, woran ich gerade schreibe und meine Antwort war in etwa die, dass ich in nächster Zeit unter Anderem wieder mehr über Liebe schreiben wolle. Was sie soziologisch gesehen bedeutet, aus was sie besteht, woran wir sie merken. Und genau dem will ich jetzt anfangen nachzukommen. 

 

It's all about love. We're either in love, dreaming about love, recovering from it, wishing for it or reflecting on it.

Es dreht sich alles um Liebe. Man verstehe mich nicht falsch: es dreht sich im Leben nicht permanent alles um Liebe. Die meisten von uns haben Freunde und eine Familie (manchmal sind auch Freunde unsere Familie), einen Job (ein Studium oder eine Ausbildung) und Hobbys. Wir haben unsere Routinen, sei es immer an einer bestimmten Stelle in die U-Bahn ein- und auszusteigen, morgens vor dem Aufstehen den ersten Blick in unsere Mails  zu werfen oder die Isar immer an der gleichen Stelle zu überqueren - das sind beispielsweise ein paar meiner Routinen. Wir haben Vorlieben (ich trinke z.B. lieber Weißwein als Rotwein), wir alle teilen uns an unterschiedlichen Orten das Wetter. Also die Sonne, die uns behaglich wärmt oder gnadenlos herunter brennt. Oder den Regen, der sich in großen Tropfen vom Himmel stürzt, der kleine Seen entstehen lässt und der die Welt meistens in schleiriges Grau hüllt. Es gibt also vieles, was nicht direkt etwas mit Liebe zu tun hat. Und dennoch wäre ohne Liebe alles nichts. A world without love is a deadly place.

 

Ich habe meine ganz eigene Meinung und meine eigenen Prinzipien und natürlich meine eigenen Erfahrungen mit der Liebe. Über die ein oder anderen habe ich auch schon geschrieben, hier z.B. Vielleicht werde ich auch über meine Grundsätze im Konkreten noch mal schreiben, heute möchte ich aber mit dem oben angeteaserten - Bedeutung, Bestandteile, woran merken wir sie - beginnen. Ich bin bekanntermaßen weder Soziologe, noch Anthropologe oder Psychologe und kann daher keine akademisch validierte Herleitung bieten. Aber ich weiß, wer es kann. Tatsächlich beschäftigt sich einer meiner liebsten TED Talks mit diesem Thema. Ich kann ihn wärmstens empfehlen, unter Anderem auch, da Helen Fisher eine meines Erachtens sehr gute Rednerin ist. Ich verlinke ihn unten, falls Interesse besteht, ihn sich in voller Länge anzuhören. Herausgreifen möchte ich aber nur die mir wichtigsten Punkte.


 

Um zu verstehen, was es mit romantic love auf sich hat, kann man sich wie Fisher eine Reihe von Dingen anschauen, die es zu geben scheint, wenn man sich verliebt.  Das erste, was passiert, ist dass eine Person eine spezielle Bedeutung - special meaning - für uns annimmt: unsere Welt bekommt einen neuen Mittelpunkt, unsere Gedanken ein neues Zentrum. George Bernard Shaw soll es etwas sarkastischer ausgedrückt haben: Liebe besteht darin, die Unterschiede zwischen einer Frau und einer anderen zu überschätzen. Und tatsächlich tun wir genau das. For whatever reasons ist alles an dieser Person anders als bei allen anderen. Es ist, als sei alles grau und sie sei es nicht, als seien alle stumm, nur sie spräche, als seien alle starr, nur sie bewege sich. Sie ist nicht die richtige Antwort auf eine Frage, sie ist die richtigere. 

Nun reicht es nicht aus, dass diese Person eine spezielle Bedeutung bekommt. Man fokussiert seine Aufmerksamkeit auf sie, man stellt sie (meistens) auf einen Sockel, man hat (oftmals) wahnsinnig viel Energie. Man ist überdurchschnittlich euphorisch, wenn Dinge gut laufen, man ist in tiefer Verzweiflung, wenn etwas nicht klappt, klassische Stimmungsschwankungen also. Darüber hinaus werde man, so Fisher, extremely sexually possessive, sexuell besitzergreifend also. Während es einem, wenn man nur gelegentlich bedeutungslosen Sex miteinander hat, relativ egal sei, wenn der Andere noch mit anderen schläft, so führe der Umstand der Verliebtheit dazu, dass man Exklusivität beansprucht. Der andere soll eben nur noch mit einem selbst schlafen - und sonst mit niemandem. 

 

Eins der drei Hauptcharakteristika romantischer Liebe sei aber in der Tat Verlangen, cravings, und zwar nicht primär sexueller, sondern emotionaler Natur. Es ist schön, miteinander Sex zu haben, aber viel mehr möchte man, dass die andere Person einen anruft, einen ausführt, mit einem die Gefühle teilt und so weiter. Man will, dass sie einem sagt, dass sie einen liebt.

Das zweite sei die Motivation - das Gehirn arbeitet und man will die andere Person, koste es was es wolle. Und das letzte sei Besessenheit, obsession. Fisher hat, um in ihrer Arbeit Vermutungen mit medizinischen Beweisen zu stützen, mehrere Jahre lang Verliebte in MRTs gelegt, Fragen gestellt und Hirnfunktionen gemessen. Unter diesen Fragen war auch "Wie viel Prozent des Tages denkst Du an die andere Person?" und in der Tat antworteten die Befragten fast durchweg mit "Immer. Den ganzen Tag, die ganze Nacht. Ich kann einfach nicht aufhören, an ihn/sie zu denken." Und die letzte Frage in diesen Settings war schließlich stets: "Würdest Du für ihn/sie sterben?" und auch hier antworteten alle Befragten mit "ja!" - und zwar in einer Leichtigkeit und Selbstverständlichkeit, als ginge es darum, das Salz herüber zu reichen, wie Fisher beschreibt. 

 

Während dieser Untersuchungen maßen Fisher und ihre Kollegen aber wie gesagt auch Hirnaktivitäten und stellten Erstaunliches fest. So stellten sie z.B. fest, dass die Hirnregion, die aktiv wird, wenn man den Probanden Bilder ihrer Liebsten zeigte, dieselbe ist, die aktiv ist, wenn jemand einen Kokainrausch verspürt. Und an dieser Stelle dämmerte es Fisher, dass romantische Liebe eben keine Emotion ist, auch keine Reihe oder Wolke an Emotionen.

Sie ist vielmehr ein Trieb, derselbe der Wollen und Begehren hervorruft. Womit wir wieder bei den cravings von oben wären. Und die Begründung, warum dieser Trieb mächtiger ist als das sexuelle Verlangen, der sex drivefolgt auf dem Fuße: wenn man jemanden fragt, ob er/sie mit einem ins Bett geht  und der andere ablehnt, so wird man sich nicht umbringen wollen und man wird auch nicht in eine klinische Depression rutschen. Wenn jemand Verliebtem aber die Erwiderung romantischer Liebe verwehrt wird, so gibt es mit Sicherheit Menschen, die sich selbst oder andere umbringen oder es zumindest erwägen. People live for love, they kill for love, they die for love.

 

Der finale Schritt, den Fisher in ihrer Argumentation macht, ist der, diese drei Gehirnprozesse (zwei habe ich schon genannt) grundsätzlich von einander zu trennen und zu unterscheiden:  erstens der sex drive (eine Art "unerträglicher, neuronaler Juckreiz"), das Verlangen nach sexueller Bestätigung, zweitens der romantic love und drittens der des attachment, also einer tiefen Bindung, eines Sicherheitsgefühls für/bei einem anderen Menschen.

Das Pikante an dem Ganzen ist nun, dass diese drei Teile nicht immer zusammen arbeiten oder wirken oder wir für eine einzige Person empfinden. Sie können zusammen kommen, aber sie müssen es nicht. Einer der Gründe, warum beiläufiger Sex nicht zwingend "beiläufig" bleiben muss. Mit Orgasmen erreicht das Dopamin im Hirn Höchststände, Dopamin ist neuronal mit romantischer Liebe assoziiert, weswegen man sich durchaus in jemanden verlieben kann, mit dem man nur "beiläufig" oder gelegentlich unkomplizierten Sex hat. Anyway. Und so rutschen wir manchmal in das Dilemma, eine tiefe Bindung zu einem (langjährigen) Partner zu spüren, während wir romantische Liebe für jemand anderen empfinden und gleichzeitig aber mit jemand anderem (dritten) Sex haben zu wollen. In short, we're capable of loving more than one person at a time..

 

 

 

Helen Fisher, Why we love, why we cheat (2006)

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7 Wochen

In letzter Zeit habe ich mich oft an in meinem Ermessen guten oder wohlklingenden Artikeln festgehalten, wenn ich einen neuen Blogpost geschrieben habe. Das hat mich einerseits in tollen Formulierungen und interessanten Standpunkten inspiriert, aber andererseits hat es mich in Worten gefangen, die andere gefunden haben und die eben nicht meine eigenen sind. Das führte manchmal dazu, dass ich verkrampft versuchen wollte, in meinen Augen phänomenal gut klingende Fragmente aneinander zu reihen beziehungsweise in  eine mir eigens stimmige Tonalität zu quetschen. Ein nicht angenehmes Schreiben, für mein Dafürhalten auch nicht immer gelungene Einträge. Im Folgenden daher eine Geschichte, die aus keinem Artikel kommt, die mein Leben gerade schreibt und die hoffentlich ungehemmt aus meinem Herzen in die Tasten fließt. [Memo an mich selbst Ende.]

 

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[Mein Track zum Text: One Republic - "Burning Bridges"]

 

"Hi, also.. ähm. Ich mache so was eigentlich nicht, aber.. ähm, kann ich vielleicht Deine Nummer haben?". Meine Knie sind Wackelpudding, mein Puls rast, ich mache mich völlig zum Horst und es ist mir völlig egal.

"Meine? Du meinst seine, oder? Er hat Dich doch gerade angesprochen!". Du schaust verwirrt bis belustigt und deutest auf Deinen Kumpel neben Dir.

"Nein, ich meine schon Dich." Dein Kumpel grätscht dazwischen, die Nummer habest Du schon für mich aufgeschrieben. Du kramst in Deiner Tasche, zum Vorschein kommt ein kleiner Zettel, zweimal gefaltet.

"Hier bitte." Deine Finger zittern (was Du später und bis heute bestreiten wirst) als Du ihn mir hinhältst. Ich strecke meine Hand aus, meine Finger zittern auch. Wir berühren uns kurz, vielleicht streife ich auch nur das Papier, so genau weiß ich es nicht mehr. Ich falte den Zettel auseinander, darauf Dein Name, Deine Nummer und eine kleine gekritzelte Sonne. 

“Danke.. ich bin Nina." Mein Gesicht muss mittlerweile die Farbe einer Himbeere haben, das kriege ich aber kaum mit. Ich bin hingerissen von Dir und Deinem zugleich offenen und schelmischen Gesicht, ich bin amazed über mich selbst und meinen Mut, Dir hinterherzulaufen und ich überlege krampfhaft wie ich einen souveränen Rückzug hinlege.

"Okay, Nina. Ich würde mich freuen." Und ich mich erst. Das sage ich natürlich nicht. Beziehungsweise nicht so.

"Ich mich auch. Einen schönen Abend Euch!" Ich drehe mich um. Jetzt nicht hinfallen, nicht gegen die Tür laufen, einfach nichts peinliches mehr machen. Genug peinliches für einen Abend. Ich trete hinaus in die immer noch warme Abendluft. Ich atme tief durch. Ich strecke die Schultern und mein Kreuz durch und gehe die Straße entlang nach Hause.

 

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"Ich kann mit Sicherheit noch total gerade laufen. Ich zeig's Dir!" Es ist ein warmer Abend, ich habe mich auf nüchternen Magen an einer halben Flasche Weißwein gütlich getan. Entsprechend mein Selbstvertrauen. Ich kneife die Augen zusammen und fixiere die weiße Linie, die auf der Wittelsbacherbrücke den Fußgänger- vom Fahrradweg trennt. Du stehst einige Schritte vor mir, mit dem Rücken zu unserer Gehrichtung, bereit mein Balancieren zu beurteilen. Ich bilde mir ein zu fühlen, wie Du innerlich lachst, aber man merkt Dir nichts an.

"Joar.. das kann man noch als gerade durchgehen lassen. Du bist also nicht betrunken. Aber.. es gibt eigentlich noch einen anderen Test." Klugscheißer und ins-Wort-Faller, der ich bin und zu wissen meinend, was jetzt kommt, unterbreche ich Dich. Ich bleibe abrupt stehen, schließe die Augen, stelle mich auf ein Bein und führe den Zeigefinger zur Nase. Ich treffe meine Wange und bin nicht ganz zufrieden. Ich weiß, dass Du mich beobachtest. Ich weiß nicht, über was wir die letzten drei Stunden geredet haben. Aber ich weiß, dass ich mich wohl fühle. Ich weiß, wann ich mich naiv stelle (jetzt) und schaue Dich mit großen Augen an. Ich warte darauf, dass Du etwas sagst. Irgendwas.

"Nee nee, das musst Du noch mal machen, das war noch nix!" Ich wiederhole das Prozedere, besser.

"Noch mal, mach' das noch mal. Du musst Dich jetzt mal konzentrieren, Nina! Mach' die Augen zu!" Ich schließe die Augen erneut. Ich bewege meinen Finger zur Nase und meine Gedanken zwischen 'Will er mich eigentlich verarschen, wie oft soll ich das noch machen' und 'Checkt er eigentlich, dass das eine 1A Gelegenheit wäre, mich zu küssen?'. Ich lasse meinen Finger sinken und die Augen geschlossen. Dein Atem streift meine Wange und Deine Lippen die meinen. Mein Herz wird warm und weit, meine Muskeln entspannen sich, in meinem Kopf ist Watte und das ist ein schönes Gefühl. 

 

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Es ist Sonntagabend. Ich sitze im Schneidersitz auf Deinem Sofa, Du links neben mir. Es läuft House of Cards, Season 5. Mein linker Arm um Deinen Nacken, meine Hand ruht auf Deiner Schulter. Du lehnst an mir, Dein Arm liegt auf meinem Knie. Vor mir steht eine Schale mit geschnittenem Pfirsich. Plattpfirsiche, die süßen. Hin und wieder stocherst Du mit der Gabel in der Schale und piekst ein passendes Stück auf. Dein Blick wandert nicht vom Screen, Deine Stirn ist gerunzelt, Du schaust konzentriert. Ich beobachte Dich ohne dass Du es merkst. Ich beobachte Dich gerne - vor allem, wenn Du es nicht merkst. Hin und wieder küsse ich Dich auf die Schläfe, Du rutschst fast unmerklich an mich heran. Zumindest scheint es mir so. In solchen Momenten trete ich manchmal  aus der Situation heraus und betrachte uns so möglich es mir von außen ist. Ein Teil dieses betrachtenden Ichs ist gerührt von der alltäglichen Vertrautheit der Situation in Anbetracht der Zeit, die wir uns kennen. Und "kennen" ist zu viel gesagt. Zeit, die wir von der Existenz des anderen wissen und regelmäßige alle möglichen Aktivitäten, Gespräche und Gedanken, die wir teilen, anhand derer wir uns bit by bit entmystifizieren. Gefühle teilen wir noch nicht so viele. Und nun ist da der andere Teil des beobachtenden Ichs, der uns beide fragen würde, was wir sind, was wir füreinander sind, was wir uns vorstellen können zu werden. Die Nina, die dann wieder auf dem Sofa sitzt, möchte weder die Situation, noch die Sorglosigkeit unserer Zeit noch die Waagschale, in die Emotionen und Hoffnungen geworfen werden können, überfrachten. Sie mag das unbeschwerte Jetzt gerne ein bisschen festhalten, will, dass es so bleibt, wie es genau in diesem Moment ist. Sie mag nicht darüber nachdenken, es könne for whatever reasons vielleicht nicht funktionieren, es könne wieder richtig wehtun. Muss sie auch nicht. Und deswegen würde sie antworten: Wir können alles sein, Baby!

 

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[Mein Track nach dem Text: The Chainsmokers - "Roses (feat. ROZES)"]

 

 

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Jede Entscheidung ist ein Massenmord an Möglichkeiten

Jeder kennt es, viele hassen es, daran scheiden sich die Denker von den Machern, die "vielleicht's?" von den "JA's!". Ich spreche davon, Entscheidungen zu treffen - was ein richtiger pain sein kann.

Mich treibt das Thema zwar schon seit Jahren unterbewusst, seit geraumer Zeit aber immer mal wieder wahrgenommener um. Im Folgenden also der hoffentlich realitätsnahe Versuch zu erklären, was manche Entscheidungen so schwer macht, warum wir die sind, die sie sich schwer machen und warum ich selbst abhängig vom Kontext sehr gut oder sehr schlecht im Entscheidungen treffen bin. 

[Im Voraus: Entschuldigung für die romanartige Länge des Textes - ich konnte mich einfach nicht entscheiden, welchen Teil ich wegkürzen hätte sollen..]

 

Zunächst einige grundlegende Dinge.

Entscheidungen können lebensweisender, mittelwichtiger oder belangloser Natur sein, die Grenzen ebendieser Kategorien sind eigentlich großteils mit gesundem Menschenverstand abzuzirkeln, trotzdem aber oft noch sehr individuell und mögen durchaus wabern. Zwei kleine Beispiele zur Veranschaulichung: sowohl die Entscheidung, ein Kind in die Welt zu setzen wie auch die, sich ein Tattoo auf der Stirn zuzulegen, sind es wert wenigstens 2x überdacht zu werden, sie könnten tatsächlich lebensweisende Wirkung entfalten. Dagegen ist für viele Menschen, die Entscheidung, welches Duschgel sie kaufen eher belanglos. Nicht für mich, aber dazu komme ich noch.

Des weiteren divergieren Entscheidungen darin, wie man sie trifft. Es gibt die, die man bewusst trifft, weil man sie treffen muss bzw. weil sie wichtig sind. Gleichzeitig gibt es welche, die so automatisiert ablaufen, dass wir sie nicht oder nicht mehr als solche wahrnehmen - der Mensch trifft laut Psychologe Daniel Kahnemann täglich 40 Millionen unterbewusst. Das muss man sich wirklich mal reinziehen. Und dann gibt es noch die Entscheidungen, die uns treffen (die "Lotterie des Lebens", die Schicksalsschläge)  - um die soll es aber hier und heute nicht gehen.

Und zu guter letzt, die von vielen für existent gehaltene Option, sich einfach "nicht zu entscheiden". Die gibt es aber nicht. Zumindest nicht wirklich. Sie ist vielmehr ein falscher Freund, weil sie einem vorgaukelt, sie könne einen von der Verantwortung und den Konsequenzen entbinden, die "ich mache A" oder "ich mache B" mit sich bringen. Kann sie aber nicht, denn "nicht A und nicht B" gleichen halt "C". Und auch C wird seine Folgen haben - wahrscheinlich. Der schlimmste Weg, den man wählen kann, ist oftmals der, keinen zu wählen oder: wer versucht, sich stets alle Türen offen zu halten, verbringt sein Leben auf dem Flur.

 

Ich wollte das eigentlich recht akademisch abhandeln und nun die Phasen beschreiben, in die sich eine Entscheidungsfindung gliedert. Viel spannender erscheint mir aber die Frage, was es für uns so schwierig macht, eine Entscheidung zu treffen. Daher fange ich damit mal an. Die meisten Menschen charakterisieren sich in Bezug auf Entscheidungen anhand von 3 Merkmalen: erstens möchten sie eine möglichst gute und/oder richtige, wenn nicht gar die perfekte Entscheidung treffen anhand der Informationen, die sie zu ebenjenem Zeitpunkt zur Verfügung haben. Zweitens können sie nicht in die Zukunft schauen, haben aber doch gewisse Mutmaßungen wie die oft gefürchteten Konsequenzen aussehen könnten. Diese "Furcht" skaliert sich von der Unruhe eines "was, wenn ich mich hinterher unwohl mit meiner Zahnpasta-Wahl fühle?" (klassischer Fall von Mini-Kaufreue) bis zu "was, wenn diese Entscheidung mein Leben derart beeinflusst, dass sie mich davon abhält, glücklich zu werden?" (darunter fallen z.B. Berufswahl und Ehe). Es erscheint lachhaft, aber selbst die erste der beiden kann schon sehr unangenehm auszusitzen sein. Drittens können sich die Menschen mit steigender Anzahl an Optionen schlechter entscheiden. Darunter fällt auch mein "Duschgel-Dilemma".

Perfektionismus und Ungewissheit also gepaart mit der Verantwortung, die man zumeist alleine tragen muss und kombiniert mit unserer sich in vielen Lebensbereichen rasant vervielfachenden Menge an Möglichkeiten - eine interessante bis toxische Mischung.

 

Nun ist das alles sehr theoretisch, daher fülle ich es mal mit ein wenig Leben. Die folgenden Anekdoten erheben weder Anspruch auf Vollständigkeit noch legten sie Wert auf Chronologie - manche Entscheidungen prasseln ja nicht einmal, sondern immer wieder auf einen ein. Ich finde sie nur plakativ und hübsch zu erzählen.

Eine der ersten großen Entscheidungen also, an die ich mich in diesem Kontext erinnere, ist die meiner Studien- bzw. Berufswahl. Ich wusste, was ich wollte, so dachte ich zumindest. Bis zu dem Punkt, an dem klar wurde, dass die beiden Dinge, die ich wollte in einem eher unwahrscheinlichen bis unmöglichen Szenario miteinander vereinbar sein würden. Konkret ausgedrückt: ich hatte großes Interesse an Kunstgeschichte, Vergleichender Literaturwissenschaft und Anglistik und wollte gleichzeitig auch zukünftig meinen schon damals eher überdurchschnittlichen, angenehmen Lebensstandard aufrecht erhalten. Entweder ich machte also das, von dem ich dachte, es mache mich intrinsisch glücklich, weil es mich interessiert oder ich machte das, was sinnvoll erschien. Ich hatte kaum Ahnung von den Konsequenzen, eigenartigerweise beschäftigte ich mich aber auch gar nicht so sehr mit ihnen. Normalerweise muss man sagen: Mach’ Dir nichts vor – Du kennst höchstens Deine Erfahrung, aber nicht die Zukunft. In diesem Fall konnte ich nicht mal mit der Erfahrung bisheriger Studienwahlen aufwarten, ich hatte schlicht keinerlei Vergleichswerte - wie so ziemlich jeder junge Mensch an diesem Punkt im Leben. Wer mich kennt, weiß: ich habe BWL studiert, also etwas in den Augen vieler "Vernünftiges" gemacht. Im Nachhinein kann ich sagen: richtige Entscheidung. Die damals nicht ich, sondern in der Tat meine Mutter für mich getroffen hat und der ich nicht widersprochen habe. Freunde, wir geben es ungern zu, aber manchmal haben Eltern Recht!

Wenn ich jemandem heute diese Geschichte erzähle, werde ich oft gefragt: "Wärest Du mit dem anderen glücklicher geworden, also wenn Du das andere studiert hättest?". Meine Antwort darauf ist dann die immer gleiche: "Ich weiß es nicht, kann ich auch nicht mal hypothetisch einschätzen. Aber ich weiß etwas anderes: wir können nur ein Leben leben. Wir können nicht an einem bestimmten Punkt sagen, dass wir eine vor 10 Jahren getroffene Entscheidung noch mal vor 10 Jahren anders treffen und schauen wie sich das Leben in Szenario B entwickelt. Wir sind bekanntermaßen keine Zeitreisenden und wir können Wege, die wir einmal gehen eben nicht noch mal gehen." 

 

Kommen wir nun zu einer Situation der anderen Wichtigkeits-Kategorie, die mich erst vor kurzem ereilte. Ich war noch nicht mal Protagonistin, ich war nur begleitendes Beiwerk, das um seine Meinung befragt wurde - tatsächlich hätte ich es aber auch selbst sein können, so schwer wie wir uns taten. Es ging darum, einen Herrenduft auszusuchen.

Ich fand mich also an einem brütend heißen Samstagnachmittag im Douglas in der Theatinerstraße vor einer Wand aus Minimum 500 Düften, Aftershaves und Co.  Das von mir im Folgenden geschilderte Erleben ist übrigens auch psychologisch erforscht. Es gab mal ein Experiment, in dem zwei verschiedene Gruppen von Kunden entweder 24 Sorten oder sechs Sorten Marmelade probieren durften. Ergebnis: die, die 24 testen durften, kauften weniger als die, die nur sechs testeten. Und sie waren obendrein unzufriedener. Das erklärt der Psychologe Barry Schwartz so: Kann man unter vielen Möglichkeiten wählen, hat man immer das Gefühl, etwas falsch gemacht zu haben. Wir konnten also quasi fast nur verlieren. Keine ermutigende Erkenntnis im Nachhinein.

Aber zurück zur Geschichte. Man sollte vielleicht noch vorab erwähnen, dass der Favorit des Entscheiders schon vor Betreten des Geschäfts Acqua di Giò von Giorigio Armani war und mein alltime favorite Boss Bottled ist. Kommentar zu letzterem war aber: "zu mainstream, das trägt doch echt jeder". Alright, dann eben das nicht - ich muss mich ja hier nicht entscheiden.

Klug erschien uns beiden, bei etwas zu starten, was man kennt und gut findet. Auch für in dem Fall diejenige (mich), die als Begleitung bislang nicht um die Vorlieben des Entscheidungsträgers weiß. Gemeinsame Basis schaffen und so. Wir begonnen also bei Terre d'Hermès - holzig, stark und sehr maskulin - für einen sommerlichen, legeren Duft definitiv zu heftig. Es folgten (wie man es sich vorstellt) unzählige Teststreifen, die nacheinander mit so ziemlich allem, was die Welt der Herrendüfte hergibt, besprüht wurden. Von Sauvage und Fahrenheit (beide Dior), über Bleu, Allure, Allure Homme Sport, Égoïste (alle Chanel), zu Emblem, Legend und Legend Spirit (Montblanc), alle 4 Sorten von Armani Code (eine reicht nicht!), The One und Light Blue (Dolce & Gabbana), alle 10 Sorten der aktuellen Colonias von Acqua di Parma bis zu L'Homme Ideal und L'Homme Ideal Sport (Guerlain). An diesem Punkt waren wir und unsere Nasen kurz vor der Kapitulation, genervt, dass sich manches Eau de Toilette auch für einen Giftgasangriff nutzen ließe (dafür aber im gut dreistelligen Eurobereich liegt) und weit entfernt von einem Favoriten oder gar einer Entscheidung. Ich kürze es ab: ich beschloss, dass wir Beratung benötigten, wir testeten 2 Düfte auf der Haut des Misters, drehten eine viertelstündige Überlegungsrunde durch den benachbarten Nespresso Store und entschieden uns schlussendlich für keinen der beiden, sondern.. Trommelwirbel.. Acqua di Giò. 

Mich nerven solche summa summarum ca. 1 stündigen Unterfangen nicht mal ansatzweise, weil ich selbst ebenfalls ungefähr alles halbwegs in Frage kommen könnende durchtesten würde, um mich dann für meinen anfänglichen Favoriten zu entscheiden. Nur um auf Nummer sicher zu gehen. Und um das gleich noch mit meinem "Duschgel-Dilemma" zu linken: Duschgel kaufen ist für mich ein 1 1/2 monatlich wiederkehrender Graus. Zu neugierig, um immer wieder das Gleiche zu nehmen (auch weil mich bislang nichts langfristig überzeugt hat), zu oberflächlich, um mich für eine gut duftende Option in einer in meinen Augen hässlichen Flasche (die nicht gut zu den anderen Flaschen in meiner Dusche passt), zu fixiert auf Inhaltsstoffe, die nicht der letzte Parabene-Erdöl-Schrott für meine Haut sind, zu.. unentschieden. Und frustriert. Momentan benutze ich das hier - ist solide ;)

 

So. Und all das bin ich nur privat. Im Job habe ich im Hinterkopf immer das weiche "Gewissens-Kissen" von „slower deciders make better strategists“, was ich nicht mal bräuchte, da ich mich hier eh schon entschieden einfacher tue. Farbtypologisch mit starkem Rotanteil bin ich ein Macher, der sogenannte "Initiator" und "Reformer". Mir fällt es leicht zu entscheiden, ob man ein bestimmtes Projekt aus strategischen, taktischen oder direkt Business relevanten Gründen verfolgen sollte oder eben nicht. Mir fällt es leicht, Schritte zu gehen, wenn ich sie für sinnvoll halte, Dinge ohne Zaudern anzupacken, wenn mir vermittelt wird, dass sie meine Top-Priorität sind, Menschen anzusprechen, mit denen ich zusammenarbeiten muss oder die ich für interessant und hilfreich für mein Netzwerk halte.

Was macht es mir so viel einfacher, hier entschieden und willensstark, überzeugt von meiner eigenen Einschätzung und furchtlos vor Konsequenzen voranzugehen? Nun ja. Obwohl es mein Job ist, der mir sehr viel bedeutet, mit dem ich mich identifiziere, den ich gerne mache, ist es am Ende des Tages eben doch auch "nur" ein Job. Ich treffe Entscheidungen, bei denen genug Menschen mir zutrauen, dass es die für das Business richtigen sind, ich kann Kollegen oder meinen Vorgesetzten um Rat fragen, ich bin also nicht mit mir allein. Ich bewege mich in Szenarien, die wenn sie schief gehen, mich nicht meine Anstellung kosten und die vor allem emotional nicht tief in mich schneiden. Klar, ich ärgerte mich, wenn ich mich falsch entschiede, aber ich kann berufliche Fehler analysieren und den Prozess spätestens mit Projektende abschließen. Wenn ich mich im Privaten aber nur beispielsweise entscheide, Gefühle für jemanden zuzulassen, mich in jemanden verliebe, dem ich nicht hätte vertrauen sollen, weil er mir dann doch wehtut, sind die emotionalen Konsequenzen eine ganz andere Hausnummer. Die Fallhöhe bei beiden ist einfach eine andere, private Miss-Entscheidungen kann ich fürderhin nicht mit meinem Laptop zuklappen, die hängen mir länger nach. 

 

 

 

Zum Abschluss möchte ich gerne ein paar Perlen der Weisheit zitieren von Menschen, die wortgewandter waren oder sind, als ich es je sein werde und die auch ihre 5 Cent zu Entscheidungen abgegeben haben. Und die vielleicht eine guidance darstellen oder einfach zeigen, dass es anderen genauso geht.

 

Es ist oft besser, etwas zu tun, als etwas nicht zu tun, egal ob positiv oder negativ.

Am Ende lernt man aus dem Handeln, nicht aus dem Nichtstun. (Unbekannt)

 

Es ist besser, unvollkommene Entscheidungen durchzuführen,

als beständig nach vollkommenen Entscheidungen zu suchen, die es niemals geben wird. (Charles de Gaulle)

 

 

Eine meiner lieb geschätztesten Schriftstellerinnen, Julia Engelmann (bei vielen besser bekannt als die "Poetry Slam Tante"), schreibt in Teil 2 ihrer "Bestandsaufnahme in 3 Teilen":

Was ich alles hab’, aber nicht will

Ich hab’ Angst, ich hab’ Angst vor falschen Entscheidungen und davor, mich nicht zu entscheiden.

Ich hab’ Angst, irgendwo weg zu gehen und mir eigentlich zu wünschen zu bleiben.

Ich hab’ Angst, Fehler zu machen, auch wenn ich weiß, dass sie wichtig sind.

Ich hab’ Angst zu spät zu merken, welche Wege doch richtig sind..

 

 

Wen eines der oben angerissenen Themen näher interessiert, dem sei der Artikel "Die Kunst der Entscheidung" (Zeit Online, 2011) empfohlen und/oder der Douglas Onlineshop, Kategorie "Herrendüfte".

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Diese Woche vom Leben gelernt

If you love someone set them free, if they don't come back, text them when you're drunk.                       

 

Geschmacksache ist Bullshit. Geschmack liegt im Wesentlichen in der Fähigkeit zu unterscheiden -

die manchen gut, anderen schlechter beschert ist.                             

                

Der Alkohol spielt immer wieder Verstecken mit meiner Intelligenz.      

 

    Wovon das Herz voll ist, läuft der Mund über.            

 

Ich beim Friseur:

"Die Haare sollen ab. Oder zumindest ein Stück kürzer.

Kurz, aber nicht zu kurz. Also schon noch lang. Also eigentlich wie jetzt, nur anders."

 

Kitsch ist nur ein Begriff von Menschen, die Angst vor zu viel Intimität und Furcht vor der Überlegenheit des Einfallsreichtums anderer haben.

 

My alone time is sometimes for your safety.

 

Some days I amaze myself. Other days I look for my phone while holding it.

 

Ja mei (bayer.) = 

Reaktion auf den drohenden Weltuntergang, einen Alienangriff, Kalt-Hunger-Pipi oder die Bierpreise auf der Wiesn 

 

 

 

 

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„Axolotl Overkill“ ergeht sich in dekorativer Kaputtheit

 

Normalerweise liest man Rezensionen und weiß hinterher, ob man sich einen Film oder eine Ausstellung ansieht. Diese eindeutige Guidance kann ich mit folgendem Blogpost zu „Axolotl Overkill“ leider nicht bieten – aber unterhaltsam sind der Film und mein Kommentar dazu trotzdem.

 

Scheinbar ging das vor sieben Jahren wirklich, dass man einfach ein ganzes Buch lang einen renitenten Teenager durch Berlin fallen lässt und ohne viel Sinnzusammenhang oder Reihenfolge nahezu sämtliche Klischees der Stadt abarbeitet. Ich kann es nicht beurteilen, ich habe „Axolotl Roadkill“ von Helene Hegemann damals nicht gelesen. Vermutlich, weil mich weniger die damaligen „Phänomenaler Roman“ und „Hegemann schreibt begnadet“ als die vermeintlichen Plagiatsvorwürfe erreichten. Oder weil ich im Jahr 2010 überschaubares Interesse an Gegenwartsliteratur hatte, die nicht im Oberstufenunterricht zu interpretieren gewesen wäre – Abi war ja zum Glück gerade rum.

 

Anyway, Hegemanns Romanvorlage wurde von ihr selbst verfilmt und heißt jetzt „Axolotl Overkill“.  Der Film besteht aus abwechselnden Szenen, in denen mit Filmstars rumgekokst wird, in denen in halb heruntergekommenen Altbauwohnungen inhaltslose, desinteressierte Dialoge in maximal hipsterigem bis ungepflegtem Kleidungsstil geführt werden oder exzessiv und psychedelisch bis Sonntagmorgens im Berghain herumgehopst wird – nicht ohne lesbisches Rumgeknutsche natürlich. Dazwischen passiert an Handlung nichts oder zumindest nichts Nennenswertes, eine Entwicklung durchlebt ebenfalls keiner der Protagonisten. Schnitt, irgendeine Party, Schnitt, irgendjemand kotzt, Schnitt, geiles Landhaus in Brandenburg, Schnitt, egal, Schnitt, noch egaler. So geht das immer weiter, man könnte es sich auch rückwärts anschauen. 

 

Die ziellos widerspenstige, 16jährige Mifti, die eigentlich Mafalda heißt, tut genau das, was sie (vermutlich) auch im Buch tut, sie ist dekorativ kaputt, kichert herum oder guckt genervt. Sie raucht (wobei sie Kippen am Toaster oder an ganzen brennenden Streichholzheftchen anzündet), sie schwänzt die Schule und wenn sie doch hingeht, benimmt sie sich so daneben, dass sie beurlaubt wird. Sie fühlt sich sehr erwachsen und lässt sich durch Erwachsenenwelten treiben, dabei missversteht Mifti das Erwachsenwerden gründlich und absichtlich. Wahrscheinlich ist sie bei dem Ganzen in die 20-30 Jahre ältere Alice verliebt und wahrscheinlich ist die Schauspielerin Ophelia ihre beste Freundin. Die Namen der beiden könnten zufällig gewählt sein, sehr naheliegend ist das aber bei ihren berühmteren Namensvetterinnen der Weltliteratur nicht. Genau kann man tatsächlich auch nicht sagen, wie die beiden zu Mifti (und sie zu ihnen) stehen, schließlich nehmen sie Medikamente, die ihnen verschrieben wurden nicht ein, dröhnen sich mit anderen (nicht verschriebenen) Substanzen zu oder sind tatsächlich gerade mal ekelhaft nüchtern – auch kein schöner Zustand in Anbetracht ihrer Gestörtheit.

 

Am besten erwartet man wie gesagt keinen roten Faden, keine Handlung, keine Entwicklung. Was man erwarten kann, sind dagegen kraftvolle, teils unheimlich schöne, teils bizarre, gut ausgewählte Bilder und Szenerien, geschmackvolle Musik und putzige Tierchen. Letztere werden sinnfrei entführt (zwei Lamas/Alpacas - man weiß es nicht genau), hopsen in unerwartetem Kurzauftritt über die Türschwelle (ein possierlicher Pinguin) oder geben dem Film überraschend tiefgründig seinen Namen: der Axolotl, präziser der Baby-Axolotl, ist nämlich ein Lurch, der ewig im Larvenstadium verharrt, „wirklich das beste Tier“. Er wird nie erwachsen und ihm wachsen abhandengekommene Körperteile selbstständig nach. Er ist also das am meisten naheliegende Metapherntier, wenn es darum geht, einen Gradmesser für die Fähigkeit zur Übernahme von Verantwortung einzusetzen. 

Alles in allem bleibt einem als Zuschauer entsetzlich viel Zeit, darüber nachzudenken, was einem da gerade gezeigt wird und warum. Man hat schon verstanden, dass Erwachsenwerden und Verantwortung übernehmen und Sätze an Mitmenschen nicht mit „Fuck you“ oder „Fotze“ zu beginnen und/oder zu beenden, langweilig ist. Gleichzeitig ist einem klar, dass Mifti als Bürgerkind der Mittelschicht keine wirklichen Probleme haben müsste - aber sich dann halt welche macht.

 

Wir verlassen schließlich das Kino, etwas verwirrt, weil wir nicht wissen, ob der Film gut oder schlecht war. Und nicht ohne festzustellen, dass man das Buch vielleicht gelesen haben müsste, es jetzt doch noch liest oder es besser unverfilmt hätte lassen sollen.

 

„Das Ende war jetzt auch irgendwie.. “

„Ja, also wie sie da mit ihrem Handy auf den Hügel klettert, um Empfang zu bekommen, ich weiß nicht. Was hat das jetzt noch gebracht? Und dann plötzlich vorbei.“

„Womit hat denn der Film noch mal angefangen? Weil das hätte auch der Anfang sein können. Eigentlich hat der Film weder Anfang noch Ende, er ist also keine Linie.“

„Ja gut, aber ein Kreis ist er auch nicht.“


Keine Linie und kein Kreis. Ein Fragezeichen.

 

 

 

Teile dieses Textes entstammen dem Artikel "Total lurchgedreht" von Andrea Diener, erschienen am 28. Juni 2017 in der FAZ

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Tinder - eine Sozialstudie

Ich möchte heute über etwas schreiben, das mich in den vergangenen 4 Wochen sehr beschäftigt hat - vor allem, weil ich mich damit selbstgewählt sehr stark beschäftigt habe. In diesem Eintrag wird es um das Thema "Tinder" gehen, genauer gesagt um die Erfahrungen, die ich damit gemacht habe und um das, was es mit mir gemacht hat.

Der ein oder andere wird möglicherweise jetzt schon die Augen verdrehen - entweder garniert mit „Warum bist Du denn bitte bei Tinder? Geh' doch lieber raus und lern' im echten Leben jemanden kennen“ oder resultierend aus dem Vorurteil, das man zu der App und ihrer Nutzung haben kann. Oder daraus, dass ich ja noch nicht allzu lange wieder Single bin. Oder weil es opportun erscheint, bei dem Wort "Tinder" mit den Augen zu rollen. Anyway.

Ich habe diesen Post schon einmal begonnen zu schreiben, allerdings habe ich vieles wieder weggenommen, da es keine der oben angerissenen Themen bedient oder beantwortet. Jetzt versuche ich es erneut.

 

Die Frage, was es mit mir macht, lässt sich mehrstufig beantworten. Ich war bereits 2 Male bei Tinder angemeldet und habe mein Profil jedes Mal nach einer Weile wieder gelöscht, weil es mich nur noch genervt hat. Das erste Mal ist ca. 2 Jahre her und ich, natürlich völlig unwissend, hatte innerhalb einer Woche an die 50 Matches akkumuliert (das, wenn beide sich nach rechts wischen, ergo gut finden). Ich war völlig lost und habe komplett den Überblick verloren - glücklicherweise nicht, ohne einen Menschen kennenzulernen, mit dem ich heute noch - rein platonisch - befreundet bin und der sich tatsächlich mittlerweile zu einem meiner treuesten Blog-Leser entwickelt hat: Lars.

Nach besagter Woche und einen Nervenzusammenbruch später die Erkenntnis: sofortigst abmelden! Learning I: wenn man sich auf Tinder bewegt, sollte man sehr genau wissen, wer man ist. Von der Selbstdefinition und von einer gefestigten Persönlichkeit. Es geht so schnell und ist so leicht, sich selbst zu verlieren - in dem ganzen Wust an Menschen, die man nicht kennt, denen man aber immer einen Teil von sich zeigt, wenn man mit ihnen schreibt und respektive auch den Teil eines Menschen zurück gezeigt bekommt.

Beim zweiten Mal habe ich es ganze 3 Wochen ausgehalten, vor allem aber war es wesentlich entspannter. Learning II: wisse, was Du willst und was Du nicht willst. Weiche nicht davon ab und swipe in Gottes Namen höchst selektiv. Der Männer-Überschuss spielt einem so oder so in die Karten und das vom weiblichen Swiping-Verhalten abweichende  vieler Männer (= erst so gut wie jede rechts wischen und später aus den Matches aussortieren) ebenfalls. Anyway. In dieser zweiten Runde habe ich meinen jetzigen Ex-Freund kennengelernt und ich muss auch hier sagen: wunderbarer Mensch, den ich sehr froh bin, eine schöne Zeit lang in meinem Leben gehabt zu haben - selbst wenn es letzten Endes nicht gehalten hat.

Aber here we are, Runde 3 - es wird glaube ich erst mal die letzte sein. Wie auch bei den vorangegangenen Malen beobachte ich an mir per se zwei Verhaltensweisen. Erstens hat die App und das Gewische ein enorm hohes Suchtpotenzial oder zumindest hat sie es bei mir. Ob ich in der U-Bahn sitze, auf sie warte, aus ihr aussteige, morgens vor dem Aufstehen, abends beim Schlafengehen: ich bin nur noch am swipen. Und auch sonst ständig. Als gäbe es kein Morgen. Hier mal schnell 50 Leute weggewischt/aussortiert, dort mal 100. In vielen freien Minuten mache ich es und wenn ich nur freie Sekunden habe, mache ich es auch. Es ist schlimmer als Heroin - oder zumindest stelle ich mir das vor. Unterstützt von Pop-ups wie "It's a Match!" (inklusive belohnendem "Pling") oder von Notifications, die man sich im Sperrbildschirm anzeigen lassen kann wie z.B. "xy hat Dir eine Nachricht gesendet!". Ein auditiver Reiz, das Prinzip der sogenannten instant gratification, welches laut Wirtschaftslexikon folgendermaßen erklärt wird: "die sofortige Befriedigung von Wünschen und Bedürfnissen, häufig durch den Kauf eines Produkts oder einer Dienstleistung". An dieser Stelle: herzlichen Glückwunsch an mich selbst - ich kaufe Menschen!

Zweitens bin ich (fast unisono damit) ziemlich angewidert von meinem eigenen Verhalten. Ich bewege mich auf Tinder wie ich mich in den Online-Shops von H&M und Zara bewege, wähle aus, was mir stehen könnte, lege ein Teil nach dem nächsten in den Warenkorb. Den Warenkorb sortiere ich dann manchmal noch aus, trage ihn zur Kasse und lasse mir die Artikel zuschicken. Ich probiere sie einmal an, wenn sie nicht passen oder mir Qualität oder Schnitt nicht gefallen, sende ich sie zurück und bekomme mein Geld wieder. Das ekelhafte, wie ich es sehr selbstkritisch an mir feststellen muss, ist, dass ich mit diesen Menschen ähnlich verfahre. Swipen, schreiben, treffen und zurückschicken. Geld gibt es allerdings keins zurück. Ich begreife durchaus, dass die Funktionsweise der App auf optischen Reizen basiert. Sie macht es einfacher als einfach, Menschen "auszusortieren" aus der Alterskohorte, die man haben möchte. Sie gibt Dir die Chance, andere Menschen ganz leicht und konsequenzlos "zurückzugeben", dies funktioniert über "Match auflösen". Mir ist klar: Tinder ist ein Affenzirkus, in dem man künstlich Treffen arrangiert basierend darauf, ob man bearbeitete Fotos von anderen Menschen hot or not findet. Es ist völlig absurd.

 

Ein Grund, weswegen Tinder trotz besagter Absurdität doch in signifikanter Häufigkeit von Menschen zwischen sagen wir mal 18 und 38 genutzt wird, liegt darin, dass diese App einiges in uns bedient, was in Generationen vor uns nicht allzu prävalent gewesen zu sein scheint. Zunächst vernetzt sie enorm. Sie ermöglicht uns die Kontaktaufnahme mit Menschen (erst wollte ich "Verbindung" schreiben, aber diese Bezeichnung ist zu schade für das was auf Tinder passiert), von deren Existenz wir nichts wissen, die sich gerade in diesem Moment vielleicht mehrere hundert oder tausend Kilometer entfernt von uns befinden. Sie zeigt uns, welche gemeinsamen Facebook-Freunde wir haben - wie "klein" also augenscheinlich die Welt ist. Darüber hinaus erleichtert sie uns den Konsum - siehe oben der Abschnitt über Online-Shopping (auch auf mobilen digitalen Devices). Wir müssen uns nicht mehr samstags in eine Bar oder einen Club stellen, Drinks bezahlen, uns vielleicht vorher noch gescheit zurecht machen. Wir können stattdessen kostenlos, bequem, in Jogginghose (auch wenn ich persönlich dieses Kleidungsstück ablehne) vom Sofa aus mit einem Glas Rotwein in der einen Hand und iPad in der anderen Menschen abchecken, auf uns aufmerksam machen und unverbindliche Konversationen anfangen. Dieser weitestgehend anonyme Ablauf erspart uns die harte Schule des Erlernens bestimmter Kompetenzen im realen Leben. Wir müssen nicht mehr mit jemandem flirten (Augenkontakt, lächeln, verschüchtert wegsehen, hingehen, ansprechen), uns keine kreativen Anmachsprüche mehr überlegen (Resultat ist, dass auch auf Tinder die Eloquenz der meisten Männer bei Heyyy!" oder "Wie geht's?" endet oder bei einem mäßig kreativen Satz, in dem klar wird, dass "dass" und "das" nicht dasselbe sind), schon gar nicht müssen wir uns damit abfinden, wenn uns jemand einen Korb gibt. Tinder ersetzt uns das durch Proxys, es nimmt uns jegliche Möglichkeit der Blamage - und es macht uns immer dümmer, bequemer, emotional unintelligenter und oberflächlicher.

Vor allem aber suggerieren Apps wie Tinder Dir, Du könnest immer noch mehr, besseres, besser aussehendes, grüneres Gras bekommen - im Universum unendlicher Möglichkeiten an potentiellen Partnern, Affären oder was auch immer man sucht. Das woran unsere Generation eh schon krängt - die nicht aufhören könnenden Optionen von Jobs, Städten, Entscheidungen, die Generationen vor uns nicht hatten - es wird unterstützt von Apps wie Tinder, wir machen fröhlich mit und rufen auch noch "Juchuu" dabei. 

 

 

Um der ganzen gesellschaftskritischen Tonalität doch noch den ein oder anderen Witz einzuhauchen und natürlich auch um die Supporter von "bei Tinder sind doch eh nur Bekloppte" zu bestätigen, möchte ich noch ein bisschen über meine Erfahrung auf der App erzählen. Bei all dem möchte ich weder jemanden beleidigen noch diskreditieren, jemand, der sich aber offenkundig derartig exponiert ist ein bisschen selbst schuld. Im Folgenden also ein Best of Tinder.

 

Die mit den abgefahrenen Namen: Süpêr, Bricedarouiche, Spasimir

Die mit den abgefahrenen Bildern: hat ein Waschbär als Stofftier auf dem Schoß und streichelt es, steht in einer Lebensmittelfabrik und trägt ein mintgrünes Haarnetz, hält eine ca. 15kg schwere Schinkenkeule in der Hand, trägt ein Horrorkostüm, das aus Texas Chainsaw Massacre sein könnte

Die, die es mit dem Alter nicht ganz so genau nehmen: Kevin (18) ist definitiv höchstens 14, Michael (32) ist gut und gerne 45 oder 50

Die mit den ganz eindeutigen Ansagen: "auf der Suche nach einem devoten Betthäschen - Du musst gehorsam und natürlich versaut sein", "lass' Dich noch heute von mir HART durchf***en", "wurdest Du schon mal von zwei Männern gleichzeitig verwöhnt?", "Sarah und Max suchen ihre #3 und Spielgefährtin - gerne auch Anfängerinnen", "auch härter, wenn Du das magst", "top bestückt" (inkl. Bild), "sexuelle Interessen primär im BDSM-Bereich"

Trends: ganz groß sind in diesem Jahr, ein Lama oder Alpaca als erstes Profilbild zu wählen (n = 5), sich Gänseblümchen in den Bart zu stecken (n = 4) oder die Haarfarben Türkis und Pink

 

Darüber hinaus en vogue sind extravagante Hobbys (Kitesurfen, Bergsteigen, Mountainbiken, Tiefseetauchen, Bouldern, Großwildjagen - Tennis, Schwimmen und Fußball sind so 2015!), Weltreisen (es gibt keinen Typen ohne Bild vor der Tempelanlage in Angkor Wat, dem Opernhaus in Sydney, vor Machu Picchu, vor karibischem Traumstrand, oder oder) und Gym-Selfies (Oberkörper frei, hart pumpen, Anabolika, trainierte Abs, das volle Programm). In der darüber hinaus einigermaßen homogenen Masse an Vornamen (sie heißen nun mal eben alle Max, Matthias, Michael, Alex, Christopher/Chris/Christoph, Tim, Tom, Flo, Niklas, Moritz oder Daniel) verschwimmt die Population meiner vermeintlichen Zielgruppe zu einem eintönigen Brei an Jungs/Männern, die alle gut bis okay aussehen, ein aufregendes, tolles Leben führen, denen ihr Instagram-Profil sehr wichtig zu sein scheint und die zur Komplettierung ihres Glücks noch die entsprechende Dame benötigen. Alles ansprechend, aber langweilig, viel versprechend, aber leider nichts haltend.

 

 

Ich schrieb oben, ich habe mich selbst gewählt sehr stark damit beschäftigt. Tatsächlich habe ich im letzten Monat etwas gemacht, was meine Mutter vor kurzem mit leicht gerunzelter Stirn als "Power Dating" bezeichnete. Zu diesem Ergebnis kam sie, nachdem ich ihr berichtet hatte, dass ich (zu diesem Zeitpunkt aktuell) drei Dating-Apps nutze, Tinder, happn und mayze, und dass ich mich in 4 Wochen mit 10-12 unterschiedlichen Männern auf ein Kennenlernen bei Kaffee oder Drinks getroffen habe. "Bist Du sicher, dass Du das nicht etwas verkrampft angehst?" der Kommentar meines besten Freundes Philip dazu. "Wieso, ich habe doch eh nach einem Gespräch festgestellt, dass es bei keinem von denen passt?", meine relativ ausweichende Antwort.

Einem Süchtigen kann in vielen Fällen der radikale cut helfen - to go cold turkey, wie die Angelsachsen sagen. Von einem auf den anderen Moment kompletter Entzug des Suchtmittels, in meinem Fall die Deinstallation von Tinder, happn und mayze. Am Mittwochabend habe ich diesen Schritt getan, bisher geht es mir gut, ich halte einen baldigen Rückfall für unwahrscheinlich. Vielleicht wollte ich mit obiger, sich natürlich ergeben habender Versuchsanordnung beweisen, dass man sich auf den Kopf stellen und das Finden der Liebe trotzdem nicht erzwingen kann.

Vielleicht müssen wir dazu doch in der U-Bahn jemanden sehen, uns umhauen und hinreißen lassen und uns dem Adrenalin-Kick des "Äh.. also.. kann ich vielleicht - ich mache so was echt nie - aber kann ich Deine Nummer haben?" aussetzen.. 

 

 

 

 

Dieser Text beruht in Teilen auf "Warum Tinder wie Shopping ist" von Michael Nast. 

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Diese Woche..

 

.. habe ich gleich mehrere famose Sprüche gelesen/gehört:

 

"Glück gleicht durch Höhe aus, was ihm an Länge fehlt"

"Wer Männer versteht, kann auch durch Null teilen"

"Ich bin kein Klugscheißer, ich weiß es wirklich besser"

 

.. war ich mit meinem besten Freund endlich in der Peter Lindbergh Ausstellung in der Kunsthalle - Infos und Bilder findet Ihr unten.

 

.. habe ich mir dieses Kleid, diese Ohrringe und ein diesem Kleid ähnliches (aber mit aufgestickten Perlen) bei Zara gegönnt - Nachshopp-Potenzial!

 

.. kann ich Euch das neue Album von Halsey "hopeless fountain kingdom" empfehlen - so cool!

 

.. habe ich Urlaub und arbeite unter Anderem an einem längeren Blogeintrag - stay tuned!

 

 

 

Peter Lindbergh - From Fashion to Reality, 13. April - 27. August 2017, geöffnet täglich 10.00-20.00 Uhr

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Met Gala 2017

Ich schreibe am Blog selten über Mode und das hat gute Gründe. Mich fasziniert Mode, ich versuche stets auf dem Laufenden zu bleiben, was aktuelle Kollektionen und Fashion Shows betrifft, aber ich spreche selten darüber.

Mir ist bewusst, dass der Großteil derer, die den Blog lesen, es wegen langen Fließtexten zu eher abstrakten Themen, wie Gefühlen, Erfahrungen und Lebenssituationen tun, mit denen sie sich entweder assoziieren können oder die sie einfach berühren. Das ist der eine Grund. Der andere ist aber, dass zu Mode bereits so viel gesagt, gemeint, geteilt, gebloggt wird, dass ich mich in dieses Haifischbecken gar nicht begeben möchte. Darin liegt schlicht und ergreifend nicht meine Kernkompetenz.

 

Da ich mich aber zur Victorias Secret Fashion Show im Dezember und zu den Golden Globes und den Oscars im Frühjahr schon bedeckt gehalten habe, habe ich nun doch ein Thema, das ich für teilenswert erachte, weil es sich viel näher an Kunst und Extravaganz bewegt, als dass es sich purer Ästhetik oder dem Wunsch nach Gefallen annähert. Ich spreche von den "Oscars der Ostküste", der Met Gala. 

 

Die Met Gala (manchmal auch "die Party des Jahres" genannt) signalisiert technisch die Eröffnung der jeweils neuen Sonderausstellung des New Yorker Metropolitan Museum of Art und repräsentiert damit so etwas wie den "alljährlichen Kostümball der Mode- und Allgemeinprominenz". Grundsätzlich am ersten Montag im Mai, stand die 69. Met Gala in diesem Jahr unter dem Motto der japanischen Designerin Rei Kawakubo und ihres Labels Comme des Garçons. Wer sich mit Mode auskennt, kriegt jetzt schon Angst. Hosts waren Anna Wintour, Tom Brady, Gisele Bündchen, Katy Perry und Pharrell Williams. 

Kawakubo, eine Mode-Visionärin, bekannt für ihre radikalen und avantgardistischen Designs, entwirft keine Kleider für schwache Nerven - etwas, das Fashion-Insider und Prominente bei der Wahl ihres Looks alle gleichermaßen widerspiegelten. Dabei traten sie nicht wie sonst üblich auf einen roten, sondern - um in der Ästhetik von Kawakubo zu bleiben - auf einen blau-beigen Teppich. Normalerweise fällt es mir schwer, zu entscheiden, wer für mich auf die Best Dressed Liste einer Veranstaltung gehört. Oft sehen sie alle wirklich schön aus, aus den Socken haut mich modisch gesehen aber nur selten einer der Anwesenden. Diesmal ist es anders. Ich würde sagen, 70% sahen wirklich zum Davonlaufen aus. Dass Anna Wintour die Frage danach, wann sie das letzte mal etwas von Comme des Garçons getragen habe, mit "in den 80ern" beantwortet, erklärt das vielleicht ein wenig und setzt es in den Kontext. Daher habe ich mich entschieden, meine kleine aber feine Best Dressed Liste hier zu posten (also die, die ich wirklich schön fand) und für alle, die sich das modische Drama wirklich zumuten wollen, entsprechende Slide Shows am Ende dieses Posts zu verlinken.

Glaubt mir, es ist zu Eurem Besten.

 

Zu Kopf gestiegen - die verrücktesten Frisuren der Stars, Süddeutsche Zeitung

See Every Single Look From the 2017 Met Gala Red Carpet, Time Magazine

The Met Gala Arrivals, New York Times

 

 

Obere Reihe von links nach rechts: Kate Bosworth in Tory Burch, Model Cara Delevingne (hat sich den rasierten Oberkopf mit silberner Farbe angepinselt und mit Strasssteinchen beklebt und) trägt Chanel, Emily Ratajkowski in Marc Jacobs

Untere Reihe von links nach rechts: Vogue Editor-in-Chief Anna Wintour in Chanel, Gisele Bündchen in (einem hautengen Glitzerfummel von) Sustainable Stella McCartney und Bella Hadid trägt (einen durchsichtigen Catsuit von) Alexander Wang

 

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"Oh Gott, ich glaube, er liebt Dich wirklich." - "Danke Mama."

Ich bekomme oft zu hören, dass einige meiner Themen, über die ich hier schreibe, mutige Themen seien. Welche, von denen sich andere nie trauen würden, sie in der Öffentlichkeit schriftlich auszubreiten. Ich fürchte, auch dieser Eintrag wird wieder so einer.

 

Seit einigen Wochen habe ich mich mit für mich bisher scheinbar unumstößlichen Maximen, Prinzipien auseinandergesetzt, sie gechallenged und mal wieder festgestellt, dass das Leben nicht schwarz oder weiß ist, sondern in der Vielzahl der Fälle grau. Konkret ging es dabei um Fragen, die ich mir zu meiner (mittlerweile beendeten) Beziehung, den Vorstellungen zu meiner Zukunft und zu den Gefühlen, die uns mit anderen Menschen verbinden gestellt habe. 

 

Die "aufregende" Liebe vs. die "stabile" Liebe

Ich bin fest davon überzeugt, dass es verschiedene Arten von Liebe gibt. Und hier meine ich nicht die auf den ersten Blick evident voneinander unterschiedlichen, elterliche, freundschaftliche und erotische Liebe. Ich meine "Typen" der erotischen Liebe, primär zwei eigentlich. Da ist zunächst die aufgeregte, dramatische, verliebte, emotionale, volatile, oft sehnsuchtsvolle Liebe - die wie in der Romantik üblich - selten gut ausgeht. Nicht immer, aber allzu oft, haben diese Beziehungen eine eher überschaubare Dauer mit absehbarem Ende. Es fühlt sich aus meiner Erfahrung an, als schwebte man monatelang wie ein Heliumballon unter der Zimmerdecke, man hat kaum noch Hunger, wenn man an den anderen denkt, möchte einem das Herz aus der Brust springen, manchmal beeft man sich auch richtig, aber zumindest ist da sehr viel Leidenschaft und Emotion im Spiel. Etwas was man gemeinhin auch als Verliebtheit bezeichnen kann. Die Zyniker nennen es Verblendung.

Nach einer Weile weicht dieses Stadium in vielen Fällen einem stabileren. Es weicht der "stabilen" Liebe. Man kennt sich besser, verlässt sich aufeinander, akzeptiert vielleicht auch Fehler oder Charakterzüge leichter, die einen in der Verliebtheit noch schwerer getroffen hätten. Die rosarote Brille verschwindet, man verbringt alltägliche Situationen und plant vielleicht die Zukunft miteinander, man verbringt weniger Zeit im Bett als vorher. Der Ofen wird "aus-er" (= Steigerung von "Der Ofen ist aus").

Dieser Ablauf ist ein natürlicher und er macht auch Sinn, denn weder das eine noch das andere Stadium können das einzig existente sein. Das erste ist nicht dauerhaft, denn wie könnten wir unser Leben lang in der Phase der Verliebtheit bleiben? Hormonell gesehen unmöglich, vor allem würden wir aber auch sonst nichts auf die Kette kriegen und unsere Ratio für sonstige Entscheidungen im Leben wäre bisweilen stark eingeschränkt. Das zweite ist bzw. sollte zwar dauerhaft sein, aber es sollte nicht das erste Stadium ersetzen. Denn wenn man das Gefühl hat mit der stabilen Liebe zu beginnen, ist es dann nicht vielleicht eher Freundschaft?

Ich habe mich in den letzten Wochen mit folgendem Dilemma auseinandergesetzt: die stabile Liebe ist eine, die mir nicht wehtun wird, ich kann mich auf sie verlassen, sie heilt meine Verlustängste, man kommuniziert stets auf Augenhöhe und auf eine (wie ich sie nennen würde) "erwachsene" Weise miteinander. Im Umkehrschluss ist sie nicht besonders aufregend, sie haut Dich nicht jeden Tag um. Es dominiert der Kopf, der sagt: "Hey, das Ganze macht Sinn, es passt doch alles (oder das meiste), sei doch einfach mal dankbar mit dem was Du hast." Überschattet oder unterminiert wird dieser Gedanke aber von meinem Herz, diesem kleinen sturen, ignoranten, unbelehrbaren Klugscheißer - ohne dessen überschäumende Zustimmung leider alles nichts ist. Mein Herz nörgelt also, ob die Aufregung, der "sparkle" nicht unabdingbar sei, vielleicht wichtiger als manche objektive Kriterien. Vor allem aber fragt mein Herz mich immer wieder, ob ich glücklich bin, ob ich so den Rest meines Lebens verbringen möchte. Mein Herz hat recht, denn ich beantworte dies mit "Nein". Ich sage also regelmäßig zu meiner besten Freundin und zu meinen Eltern: "Er tickt objektiv gesehen alle Boxen: ist intelligent, witzig, sieht gut aus, ist treu, ich mag seine Eltern und er meine, wir verstehen uns, er liebt mich, er würde mir nicht weh tun. Und mein Gefühl sagt mir trotzdem, dass er es nicht ist. Was ist das bitte für eine Scheiße?"

Womit ich gleich zu meinen nächsten beiden Dilemmata komme.

 

Verbringe ich Zeit mit jemandem, bleibe ich mit jemandem zusammen, obwohl ich weiß, dass er nicht "der Eine" für mich ist?

Ich komme langsam in ein Alter, da möchte man doch irgendwann auch mal konkreter sich mit Dingen wie zusammenziehen, verloben, .. auseinandersetzen. Nicht in den ersten ein, zwei Jahren einer Beziehung, aber halt schon irgendwann. Und hier höre ich Zayn in meinem Ohr: 

 

 Just stop lookin' for love

Girl, you know you still got time

 

Ich fühle mich nicht unter Druck gesetzt, aber ich frage mich ernstlich wie lange man mit jemandem zusammen bleiben sollte, wenn man weiß, dass es nicht der/die "Eine" ist. Sofort Schluss machen ist ein Schmarrn, denn "enjoy it while it lasts". Wie viel lebe ich im Jetzt, selbst wenn ich weiß, dass das Morgen sehr wahrscheinlich nicht so wird, wie ich mir es wünsche? “Worrying won’t stop the bad stuff from happening. It just stops you from enjoying the good.”

Ewig zusammenbleiben ist aber auch idiotisch, wenn man bedenkt, dass man sich und den anderen wertvoller Lebenszeit beraubt, in der vielleicht jemand auf der Matte steht, mit dem es wirklich was werden könnte. Die Lösung liegt also wie immer in der Mitte.

 

Erwachsenheit von Trennungen

Eine Erfahrung, die ich selten machen durfte (weder meinerseits noch seitens meines dann-Ex). Ich hoffe, diesmal wird es etwas, die Chancen stehen tatsächlich gut. Normalerweise ist jede Trennung meistens eine Art Tatort. Hier werden Menschen in Verzweiflung gestürzt, in Verbitterung getrieben und in ihrer Selbstdefinition erschüttert. Zu sagen, ich hätte mich noch nicht an jedem dieser drei Punkte gesehen, wäre schlicht und ergreifend gelogen. Doch diesmal ist es anders.

Es ist Freitagabend und wir telefonieren. Ich sage, dass wir reden müssen, dass ich ihm etwas sagen muss. Ich höre ihn nicken, es ist so weit. Die immer wiederkehrenden Diskussionen und Gespräche der letzten Wochen, in denen es um die immer gleichen Themen ging (mir fehlt die Emotionalität, ihm die gemeinsamen Interessen, für jeden von uns ist der Wohnort so sehr zuhause, dass wir ihn nicht für den anderen verlassen werden), sind am äußeren Ende der Spirale angekommen. Es gibt keine Lösung und es geht auch nicht weiter. Ich sage, dass ich normalerweise nicht am Telefon Schluss mache, aber dass ich im Moment nicht die Kraft habe, es persönlich zu tun. Ich könne so nicht mehr weiter machen und es komme für uns beide ja nicht überraschend. Nach einem kurzen Moment sagt er, dass er meine Entscheidung akzeptiere und respektiere und nicht versuche, etwas daran zu ändern.

Wir besprechen noch ein paar weitere Minuten, wer wem was zurückschickt, wir sind gemeinsam in dieser Situation, von der ich vorher befürchtet hatte, sie würde wesentlich schlimmer für uns beide werden. Zum Ende mache ich etwas sehr egoistisches, weiß ich doch, dass es mir helfen wird. Ich frage ihn, ob er klarkommt, ob er zusammenbrechen wird, in ein schwarzes Loch fällt. "Nein, das werde ich nicht, wir haben es ja kommen sehen." Ich atme nicht hörbar auf. Es wird mir weniger schlecht gehen, ich werde mich weniger schuldig fühlen, wenn ich weiß, dass er nicht leidet. Ich hasse es anderen Menschen wehzutun, auch wenn es manchmal nicht anders geht. Aber mit dieser Aussage fühlt es sich nicht ganz so beschissen an.

Er legt schließlich auf, nicht ohne vorher leise zu sagen "Du bist eine tolle Frau". 

 

Das erste Mal seit Monaten muss ich weinen.

Das Gegenteil von glücklich sein ist nicht - wie viele denken - unglücklich zu sein. Es ist: nicht glücklich zu sein. Und das ist ein himmelweiter Unterschied.

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Worüber man nicht spricht

Manchmal lese ich einen Artikel und der löst in mir das Bedürfnis aus, zu eben jenem Thema einen Blogbeitrag zu schreiben. Meistens geht es in solchen Artikeln um Erlebnisse, Gedanken oder Gefühle, mit denen ich mich assoziieren kann, bei denen ich aus meiner persönlich erfahrenen Perspektive berichten werde können. In diesem Artikel, den ich vor kurzem gelesen habe, ging es um Angst.

 

Angst ist unberechenbar, sie taucht meistens da auf, wo man nicht mit ihr rechnet. Eigentlich rechnet man nicht mal damit, dass man überhaupt plötzlich Angst haben kann. Das klingt im ersten Moment seltsam, meinen wir doch alle zu wissen, dass wir vor irgendwas Angst haben. Aber das ist das perfide und das gemeine und das was die Angst auch so unkontrollierbar macht. Sie ist nicht das gleiche wie Furcht oder wie Sorge. Furcht ist spezifisch, sie ist konkret. Man fürchtet sich vor wilden Tieren, vor dem Scheitern einer Prüfung, vor einer Operation. Ich beispielsweise fürchte mich vor Spinnen, Schlangen und Haien. Und vor meiner Weisheitszahn-OP habe ich mich damals auch immens gefürchtet. Sorge ist zwar nicht besonders konkret, sondern eher relativ abstrakt, doch meist bezieht sie sich auf Dinge oder Entwicklungen, die in der Zukunft liegen könnten. Was sie von der Angst unterscheidet, ist dass sie meist nicht bedrohlich und akut vor uns herauf ragt, sie ist glaube ich noch mehr im Unbewussten angesiedelt und scheint im Vergleich mit anderem nicht besonders "schlimm".

Angst dagegen ist allgemein. Sie ist schwer vorauszusagen und wirkt oft irrational. Eine Einteilung in große und kleine Ängste bringt nichts, auch nicht in sinnlose Ängste und sinnvolle. Es macht keinen Unterschied, jemandem zu sagen, er könne nicht fallen, wenn er Höhenangst hat. Es macht keinen Unterschied, zu sagen, dass sich die Aufzugtür doch in einigen Sekunden wieder öffnen wird, wenn jemand Platzangst hat. Was soll es schon für einen Sinn machen, wenn jemand beispielsweise nicht in der Lage ist, über eine Brücke zu gehen, weil er wahnsinnig Angst davor hat, obwohl es eine ganz normale, sichere Brücke ist? Ich habe glücklicherweise keine dieser Ängste. Aber ich hatte andere. Und manche habe ich immer noch. Ich habe beispielsweise große Angst, davor Treppen herunter zufallen. Bei fast jeder Treppe, die ich hinabsteige sehe ich vor meinem inneren Auge wie ich stolpere, ins Leere trete, an den Stufen abrutsche und sie hinunter schlage bis ich unten aufpralle. Meistens schlage ich mir in diesem Szenario auch einige Zähne aus oder habe eine Platzwunde. Immer passiert - in der Realität - nichts, ich falle nicht. Ich habe Angst vor lauten plötzlichen Geräuschen, beispielsweise Töpfe, die in der Küche auf den Boden scheppern, Türen, die ins Schloss geknallt werden. Und eine Sorge habe ich. Die Sorge niemals richtig glücklich zu werden - oder präziser ausgedrückt: niemals einen Zustand der langfristigen, ruhenden Zufriedenheit zu erreichen. 

Nachdem wir uns nun aber über die Differenzierung von Angst und Furcht (und Sorge) im Klaren sind, kommen wir doch zu ihrer aller 4. hässlichen Schwester. Eigentlich ist es vor allem der schlimme Zwilling der Angst. Es ist die Angststörung, eine chronifizierte, pathologische Form der Angst, am bekanntesten die Panikattacke. Etwa zehn Millionen Menschen in Deutschland leiden unter Angststörungen; Experten sind sich einig, dass es jeden treffen kann, jeder vierte Deutsche muss in seinem Leben damit rechnen. Bei dem einen kommt die Angst früher, bei dem anderen später. Bei mir kam sie Ende 2015.

 

Bei vielen Leuten kommen irgendwann Dinge hoch, die lange geschlummert haben. Richtige Traumata, die plötzlich ausbrechen. Manche fragen sich: "Warum geht das denn jetzt los?" Und auch ich habe mich das Ende 2015 gefragt. Es scheint so zu sein, dass ein allgemeines Klima der Unsicherheit, das unsere Gesellschaft grundsätzlich und in manchen Zeiten besonders beschäftigt, bei Menschen sehr persönliche, eigene Ängste hervorholen kann. Ich vermute, dass es bei mir die Anschläge im November 2015 in Paris waren, zu der Zeit eben als ich dort gelebt habe und keinen Kilometer vom Bataclan zur Uni gegangen bin. In den Wochen danach war ich zunächst "nur" traurig, ich habe mich vor Polizeisirenen und lauten Geräuschen erschreckt, ich habe oft - scheinbar grundlos - angefangen zu weinen. All das habe ich bewusst mit den gerade geschehenen Ereignissen und meinem Leben in dieser zu der Zeit heftig schwankenden Stadt begründet. Es hat mich nicht beunruhigt. Was mich beunruhigt hat war ein Freitagabend im Januar des vergangenen Jahres, an dem ich zu Besuch in München war. Ich war gerade im H&M, als ich dachte, ich kippe um. Ich wusste nicht, was los war. Ich spürte einen Druck in der Brust, Herzrasen, hatte Schwindelgefühle und zitterte. Ich dachte mir: ein Herzinfarkt? In meinem Alter? Never. Vielleicht hast Du zu wenig gegessen und bist unterzuckert. Aber das war ein Bruchteil meines Gehirns, der das dachte. Der Großteil von mir hatte einfach Angst. Riesige, panische, nackte, rohe und irrationale Angst, ich müsse jetzt sofort auf der Stelle sterben. Ich verließ das Geschäft und lief einige Minuten durch die kalte Luft. Es ging wieder. Dachte ich. Ich beschloss, den Vorfall zu ignorieren. 

Aber diese Situationen kamen wieder. Abends im Kino, morgens beim Haareföhnen in Paris, mittags beim Einkaufen, vormittags an der Uni, abends am Nachhauseweg, abends zuhause angekommen, nachmittags in der Métro. Vor allem in Paris. Ich weinte, schrie, wollte mich auf den Boden legen, mitten auf der Straße oder mich in der Métro zusammenkauern. Ich heulte eigentlich ständig, meistens in mindestens halbstündigen Sturzbächen, immer ohne konkreten Anlass. Wenn ich gerade keine Panikattacke hatte, dachte ich, ich würde verrückt, ich verlöre den Verstand. Vor allem begann ich, Angst vor der nächsten Panikattacke, vor der Angst selbst zu bekommen. Angst lähmt, sie bringt das Leben zum Stillstand. Wenn sie regiert, ist nichts mehr von Freiheit und Weite da.

 

Man kann Ängste weniger bedrohlich machen, in dem man so viel Informationen über sie sammelt wie möglich. Was wir kennen macht uns weniger bange. Also begann ich mich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Im Zuge dessen stellte ich fest, dass es a) etwas ist, über das nicht viel gesprochen wird, das "man halt einfach als normaler Mensch nicht hat" und dass es b) umso mehr Menschen betrifft, je mehr man fragt. Ich interessierte mich dafür, wie es anderen Menschen in solchen Momenten ging und las einen bemerkenswerten Satz: "es fühlt sich an, als attackiere Dein Gehirn Dich selbst." Wenn der Kopf macht, was er will, verliert man jegliche Kontrolle über sich und das eigene Leben. Man steht neben sich und beobachtet wie man sich selbst zu Grunde richtet. Wie man Stück für Stück an den eigenen Gedanken zerbricht. Wenn die Zentrale Deines Denkens, Handelns und Fühlens gegen Dich den Krieg losbricht, kannst Du in diesem nur unterliegen. Du kannst nur unterliegen, aber Du kannst die Niederlage trainieren und sie weniger schmerzhaft machen. Ich zumindest hatte das Glück es zu können. Es gibt Atemübungen, es gibt Tricks, es gibt Dinge, die man sich angewöhnen kann. Die sind alle meist recht simpel und grob, aber sie können funktionieren. Sich Mund und Nase zuhalten bis man das Gefühl hat, man ersticke tatsächlich, während man sich im Kreis dreht. Man simuliert dem Körper die Symptome, bei denen das Gehirn mit Angst konditioniert ist. Man läuft einfach los, ohne Jacke (im Winter), ohne Portemonnaie oder Handy stundenlang durch die Gegend, man versetzt sich in einen verletzlichen, unsicheren Zustand und provoziert die Angst. Und dann muss man lernen, die Angst auszuhalten. Mit ihr zu leben, sie als einen Teil zu akzeptieren und zu versuchen zu verstehen, ob sie einem nicht vielleicht etwas sagen will.

Nun ist es nicht leicht, über Ängste in einem öffentlich zugänglichen Raum, wie es der Blog nun mal ist, zu sprechen. Wer wirklich über Ängste spricht, verrät eine Menge von sich. Vielleicht verrate ich eine Menge über mich. Aber es ist ja auch mein Blog.

Viele Menschen, die wesentlich klüger und wortgewandter sind oder waren, als ich es je sein werde, haben ihre Gedanken zur Angst zu Papier gebracht. Der Erfinder der Psychoanalyse, Sigmund Freud, nannte die Angst den "Knotenpunkt der Seele". Wer sie zu lesen verstehe, schrieb er einmal, könne alles begreifen, was das Seelenleben eines Menschen ausmache. In einer Vorlesung vor Studenten soll Freud eine Art Formel aufgestellt haben: es gäbe etwas, was mehr als alles andere Angst auslöse und das sei die Vermeidung. Wer in seinem Leben zentrale, wichtige Dinge vermeide, wichtigen Erfahrungen, wichtigen Entscheidungen aus dem Weg gehe, zahle dafür einen Preis. Und dieser Preis heiße Angst. Dem kann ich in Teilen zustimmen, denke ich.

Kritischer stehe ich Philosophen wie Søren Kierkegaard und Martin Heidegger gegenüber. Sie stellten Angst ins Zentrum ihrer Denksysteme und nahmen an, niemand könne sich von der Erkenntnis befreien, dass das eigene Leben endlich sei, dass jeder sterben müsse. Kierkegaard war es auch, der die These aufstellte, dass die Selbstbestimmung des Menschen eine weitere Angstquelle ist, dass die Möglichkeit der freien Entscheidung oft Unsicherheit produziere. Der französische Philosoph und Schriftsteller Jean-Paul Sartre sah nur eine Chance, aus dem Angstkosmos des Lebens auszubrechen: Der Mensch müsse sich dem anderen zuwenden, nur der andere Mensch, das Gegenüber, könne Halt versprechen. Das dagegen halte ich, mit Verlaub Sartre, für ausgemachten Blödsinn. Im Moment der Angst ist man allein und keiner kann einem die Angst nehmen. Und der Halt, den der andere, vermeintlich unängstlichere versprechen kann, wird in den unwenigsten Fällen zu einem jämmerlichen Haufen Abhängigkeit.

 

Ich habe weniger häufig schlimme Angst, vor allem aber habe ich gelernt, mit ihr zu leben und sie als das zu nehmen, was sie ist: eine Emotion, die kommt wie eine Welle, aber auch wieder geht und derer man sich nicht schämen muss, wenn sie einen mal umwirft.

 

Dieser Text entstammt in Teilen dem Artikel "Angst - Mitteilungen einer unheimlichen Gefährtin" von Stephan Lebert (2017).

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Kunst in meiner Wohnung

Heute möchte ich über etwas schreiben, das ich jeden Tag sehe. Wenn ich aufstehe, wenn ich schlafen gehe, wenn ich heimkomme, wenn ich aus der Dusche stolpere und meine Haare trocken rubbele. Es handelt sich dabei um ein Bild, ein Gemälde oder ein Kunstwerk in einem dunklen Holzrahmen, geschätzt 120x150cm. Ganz lange hat es an der Wand über meinem Bett gelehnt, aufhängen kam irgendwie nicht so cool. Mittlerweile habe ich es aber tatsächlich mal aufgehängt - man entwickelt sich ja auch weiter.

Ich habe es zu meinem 25. Geburtstag von jemandem geschenkt bekommen, den ich letztes Jahr im Herbst kennen gelernt habe. Und von dem ich sehr lange nicht wusste, was er für mich bedeutet (und ich glaube, das Gefühl beruhte und beruht auf Gegenseitigkeit). Alle Menschen, die in unser Leben treten, haben eine Aufgabe, sie sollen uns etwas zeigen, lehren, empfinden lassen. Manchmal begleiten uns diese Menschen nur in bestimmten Phasen und danach verschwinden sie wieder, manch andere bleiben für immer. Nun ja. Wie bin ich darauf gekommen? Achso. Ich habe dieses Kunstwerk also von einem dieser Menschen bekommen, die plötzlich da sind und von denen man noch nicht genau weiß, warum und wie lange sie welche Rolle für uns spielen. Manchmal hat man ja Intuitionen, manchmal hat man auch Hoffnungen oder Vorstellungen von Länge der Anwesenheit und mit ihnen verbundenen Gefühlen, manchmal macht einem aber auch das Leben einen Strich durch die Rechnung und alles kommt anders. Besser, schlechter oder einfach anders. Anyway. Zurück also zu dem Bild. Vielleicht beschreibe ich es erst einmal, denn das habe ich im von mir sehr geschätzten Kunstunterricht in der Oberstufe gelernt: zuerst beschreiben, was man sieht, dann erst, was man daraus interpretiert. Es hat die Farbe einer Kreidetafel in der Schule, dieses leicht verschmierte tafelgrün, in etwa so als sei jemand beim Tafelwischen ein wenig nachlässig gewesen. Es hat einen schwarzen, schmalen Rahmen und zeigt von links unten nach rechts oben angeordnet und mit Kreide geschrieben drei Formeln: eine mathematische, eine chemische, eine physikalische. Einen Bruch, eine Strukturformel, eine Ableitung. In den ersten Wochen hatte ich keine Ahnung, was ich mit diesem augenscheinlich primär intellektuellem Gekrakel sollte, dennoch fand ich die Geste gewissermaßen berührend. Wir hatten uns kurz nach unserem Kennenlernen in einem meiner liebsten Museen in München, dem Museum Brandhorst, getroffen, um dort die damals aktuelle Cy Twombly Ausstellung "In the Studio" anzusehen. Auf der Eingangsebene hängt ein imposantes Gemälde - in eben jener Kreideanmutung, allerdings ohne erkennbare Buchstaben oder Zeichen. Im Nachhinein kann ich mich nicht mehr an den Namen entsinnen, aber es war gewaltig und wir waren beide beeindruckt. Es entspann sich also ein Gespräch darüber, wie groß ein Haus sein müsse, damit man das unauffällig im Flur platzieren könne und die ca. 6x8m nicht protzig wirkten. Ob man darauf vermerkte "Schatz, bitte Milch einkaufen" und ob der Sinn darin zweckmäßiger oder ästhetischer Natur sei. Wir taten also das, was Kunst mit einem tun soll: wir sponnen unsere eigenen Gedanken und ließen uns von dem Bild zu etwas bewegen. Zumindest ist das meine Auffassung von dem, was Kunst mit einem tun soll. Und bitte niemals fragen "Was will der Künstler damit sagen?". Bitte nicht bei Kunst und auch nicht bei Gedichten oder Musik. Der Künstler will im Zweifel gar nichts sagen, sondern vor allem Geld verdienen, und es ist auch unerheblich was er damit sagen wollen könnte, weil es alleine darauf ankommt, was wir daraus mitnehmen. Das war jedenfalls der Hintergrund dazu, bevor ich mir einige Wochen später erklären ließ, was es nun mit diesen kryptischen Berechnungen auf sich hat. Es hat mir bald die Schuhe ausgezogen, weil ich so viel Tiefgründigkeit an dieser Stelle nicht erwartet habe.

 

1/285 T

Glaubt man der Untersuchung des britischen Mathematik-Dozenten Peter Backus von der Warwick University in England, ist es ziemlich unwahrscheinlich bis nahezu unmöglich, jemals im Leben den oder die "Eine/n" zu finden. Auf Basis der sogenannten "Drake-Formel", mit der der Astrophysiker Frank Drake in den 60er Jahren die Anzahl möglicher Außerirdischer im Universum bezifferte, errechnete Backus die Wahrscheinlichkeit, seiner perfekten Partnerin zu begegnen. Das ernüchternde Ergebnis: Unter den 30 Millionen in England lebenden Frauen sollen nur 26 potenzielle Kandidatinnen sein, die (so Backus' Must-haves) zwischen 24 und 34 Jahre alt sein und in London leben sollten. Umgerechnet (und ich glaube, nach noch ein paar weiteren Rechenoperationen) entspricht das wohl einer Wahrscheinlichkeit von etwa einer pro 285.000. Womit wir bei oben stehender Formel wären. 

Daraus könnte man nun folgendes machen: man könnte sich darauf stützen, dass man zwingendermaßen nach 285.000 Bekanntwerdungen und/oder Dates sowie einer verdammt guten Intuition zwangsläufig den oder die "Eine/n" gefunden haben MUSS. Man kann sich davon deprimieren lassen, denn es sagt aus, dass derjenige, der abends neben einem auf dem Sofa sitzt, mit nur 0,00000004%iger Wahrscheinlichkeit derjenige ist, der unübertreffbar gut zu uns passt. Man kann sich davon auch beflügeln lassen und fest daran glauben, man habe die Statistik besiegt. Ich.. werde nichts dergleichen tun. Ich nehme die Existenz dieser Formel hin, ich akzeptiere sie. Aber ich glaube nicht an sie, weil ich nicht daran glaube, dass sich das Leben in Berechnungen zähmen lässt. 

Gerüstformel Endorphin [sic!]

"Die ist mir aber ein bisschen missraten, kann sein, dass es auch was anderes ist. Aber Endorphin war jedenfalls gemeint." Hier abgebildet seht Ihr Adrenalin, ein Stress- oder Angsthormon, manchmal auch "Benzin der Angst" genannt. Einmal ins Blut ausgeschüttet, bewirkt es eine kurzzeitige Herzfrequenzsteigerung und raschen Blutdruckanstieg, unser Körper mobilisiert Energiereserven - wir können (beispielsweise) fliehen. Eine meinem Gemälde auf den ersten Blick ebenfalls nicht ganz unähnliche Gerüstformel (Chemiker würden mich spontan lynchen wollen) scheint Melatonin zu haben. Es steuert den Tag-Nacht-Rhythmus des menschlichen Körpers und kann bei tagsüber zu hohen bzw. nachts zu niedrigen Spiegeln zu sogenannten Winterdepressionen beziehungsweise Schlaf- und Gedächtnisproblemen führen. Damit kämen wir der Sache schon näher, denn ich komme mittlerweile wieder in ein Alter, in dem man schon mal abends quengelig wird, wenn tagsüber der Mittagsschlaf ausgefallen ist. Womit ich das Ganze aber tatsächlich verknüpfen würde (und zwar nicht wegen dem Erschaffer meines Bildes, sondern weil ich grundsätzlich sehr viel von Liebe im allgemeinen halte) und was außerdem auch ein bisschen in Richtung Endorphin geht, wären die "Verliebtheitshormone", vorrangig bekannt unter ihnen Dopamin ("Belohnungs-Neurotransmitter"), Serotonin ("Glücks-Botenstoff") und Oxytocin ("Schmusehormon"). Zurück aber zu unserem ursprünglich intendierten Endorphin, Kurzform von "Endogenes Morphin". Es handelt sich also um vom Körper selbst produzierte Morphine, die schmerzlindernd bzw. schmerzunterdrückend wirken, beispielsweise der Grund, aus dem manche schwer verletzten Menschen zunächst keine Schmerzen verspüren. Andererseits werden Endorphine auch bei positiven Erlebnissen ausgeschüttet, was ihnen den leicht irreführenden Namen "Glückshormone" eingebracht hat. 

 

Gravitationswellen - oder etwas, dessen Existenz lange für unmöglich gehalten wurde

Die rechte obere Ecke der Tafel bildet einen Teil des mathematischen Nachweises zum Vorhandensein von Gravitationswellen ab. Analog zu Lichtwellen, so erkannte Einstein 1916, muss es auch Gravitationswellen geben. Die entscheidende Beschreibung – die Quadrupol-Formel – fand er 1918. Gravitationswellen bestehen nicht aus elektromagnetischer Strahlung, sondern aus Schwingungen der Raumzeit. Und nein, das weiß ich nicht einfach so, das habe ich gegooglet. Physik ist nämlich vor der Oberstufe aus Überlebenswillen bei mir aussortiert worden. Gravitationswellen entstehen also, wenn Massen umeinander kreisen, miteinander kollidieren oder in sich zusammenstürzen. 

Fast so wie Menschen, wenn sie sich verlieben, sich streiten oder ihnen etwas wirklich schlimmes widerfährt. Der Punkt ist aber ein anderer: Einstein hatte besagte Krümmungen in der Raumzeit stets vorhergesagt, nachgewiesen wurden sie aber bis 2016 nie - nie zuvor hatte jemand sie messen können. "Es geht darum, dass alle immer gedacht haben, die gäbe es nicht." Spontan regt sich in mir der Impuls, das mit anderen Dingen zu vergleichen, von denen (mittlerweile) viele sagen, es gäbe sie nicht (mehr). Liebe auf den ersten Blick. Lebenslange Partnerschaft. Den Zufall, durch den Menschen plötzlich in unser Leben fallen und man sich nie hätte vorstellen können, was sie für uns werden..

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Diese Woche vom Leben gelernt

Traue niemandem, der rumbrüllt und eine Fahne schwenkt!

 

Ich regel' meinen Wasserhaushalt über die Eiswürfel im Gin Tonic

 

Wenn Du etwas 10Sek. aushalten kannst, ist es kleiner als Dein Kopf es macht

 

Viele glauben nichts, aber fürchten alles. (Friedrich Hebbel)

 

Liebe wird aus Mut gemacht.

 

your future self is watching you right now through memories

 

Unsicher, in welche Richtung man gehen sollte? Ich empfehle einen großen Schritt aus der Komfortzone.

 

Ich bin wie Peter Pan. Kein Stück erwachsen, aber derbe cool.

 

Die Realität haut der Hoffnung beizeiten auf die Fresse.

 

Der Sinn des Lebens ist leben.

 

The horrifying moment when you're looking for an adult, but then you realize that you are an adult.

So you look for an older adult, someone successfully adulting. An adultier adult.

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Byebye, 2016!

Wenn ich heute, am letzten Tag des Jahres 2016, durch meinen Facebook-Feed scrolle, sehe ich eigentlich vor allem Posts und Artikel zu Neujahrsvorsätzen oder dazu wie, Verzeihung, scheiße 2016 war. Der Impuls, der mich packt, wenn ich das lese ist der, meine eigenen Vorsätze kundzutun und mein persönliches Resümee zu diesem, ja doch auch aus meiner Perspektive, eher bescheidenem Jahr zu ziehen. Und wo könnte ich das besser tun, als hier. Ich sitze nun, am Mittag des 31. Dezember 2016 in meinem dunkelgrauen Bademantel in meinem überdimensional großen Bett in meiner Wohnung in München, bevor ich am frühen Abend zu einer Silvesterparty nach Landshut aufbreche, zu der ich eingeladen bin.

Mal wieder, und so ist es ganz häufig, wenn ich eine Weile nichts geschrieben habe, möchte ich ganz viel Verschiedenes erzählen oder berichten, da ich aber oben zumindest schon mal zwei Hauptthemen genannt habe, beginne ich mal mit diesen beiden.

 

Gute Vorsätze für 2017

Hier sind ein paar von meinen - allerdings nicht alle:

- min. einen grünen Smoothie pro Woche trinken (ich habe z.B. diesen tollen von innocent gefunden, der mir tatsächlich schmeckt!)

- jeden Morgen die Titelseite einer Tageszeitung lesen

- weniger lästern, tratschen, gossipen - ist gut für's Karma ;)

- mindestens 3x pro Woche Sport machen 

- jeden Tag 10 Minuten meditieren

- an einen Ort verreisen, an dem ich noch nie war (einige dieser hier sehen toll aus, Sri Lanka, Jordanien, Aarhus in Dänemark oder Kolumbien.. was mich auch ewig schon reizt, wäre Island)

- mich wieder mehr mit meinen Hobbys beschäftigen - Warum haben wir eigentlich alle keine richtigen Hobbys mehr?

- weniger auf der Deutschen Bahn rumhacken - hier lest Ihr, warum das oft sehr unfair ist

- 5 richtige Bücher lesen (klingt lächerlich, weil wenig, ist aber so)

 

 

Rückschau 2016

Wenige Jahre haben so viel Bashing hinnehmen müssen wie 2016. 1945 vielleicht oder 2001. Am gelungensten, muss ich sagen,  fand ich allerdings diese Version, 2016 als Horror-Film

Dieses vergangene Jahr blickt also zurück auf das Ableben besonders vieler Prominenter, Celebrities, Legenden - vor allem solche, mit denen einige von uns aufgewachsen sind, die für sie die Popkultur mit definiert haben. Mich haben bei dem ganzen besonders der Tod von Roger Willemsen, Guido Westerwelle, Miriam Pielhau und Alan Rickman getroffen, da ich mit ihnen eben etwas Besonderes verbinde oder mich das viel zu frühe, grausame Sterben nach schwerer Krankheit schockiert hat und es bis heute tut.

Sicherlich gibt es noch viele weitere Entwicklungen und Ereignisse politischer Art, Anschläge, Naturkatastrophen, Kriege, und und und. Es gibt aber mit Sicherheit auch viel Schönes, was in diesem Jahr passiert ist und so möchte ich einerseits daran erinnern, wie wichtig es ist, das positive nicht aus den Augen zu verlieren, vor allem möchte ich aber ein bisschen auf das zu sprechen kommen, was an meinem Jahr besonders, schlimm, schön, zutreffend oder bemerkenswert war und ist.

 

Ganz oft frage ich mich, warum ich Dinge neu und anders sagen oder schreiben soll, wenn sie Menschen vor mir viel schlauer und schöner gesagt haben - wenngleich Urheberschaft oder eben die Zusammengehörigkeit des Gesagten mit dem Sagenden bisweilen mehr Spekulation als sonst was sein mag. Wer mich kennt, weiß wie sehr ich intelligente oder einfach sprachlich ästhetische Sprüche, Zitate und Lebensweisheiten - Aphorismen - schätze. Wer mich kennt, weiß auch, dass ich sie im Englischen ganz oft noch viel schöner finde. Hier sind also ein paar meiner sprüchlichen Highlights dieses Jahr.

 

 

This year  has been a massive split between worst year of my life and best year of my life.

[Januar - Anfang April: scheiße - Mitte April: super - Ende April bis Ende Mai: okay, besser werdend - Juni - August: richtig gut - September: scheiße - Oktober - Dezember: mittel, mit Tendenz nach oben]

 

“It has been one of the greatest and most difficult years of my life. I learned everything is temporary. Moments. Feelings. People. Flowers. I learned love is about giving - everything - and letting it hurt. I learned vulnerability is always the right choice because it is easy to be cold in a world that makes it so very difficult to remain soft. I learned all things come in twos: life and death, pain and joy, sugar and salt, me and you. It is the balance of the universe. It has been the year of hurting so bad but living so good, making friends out of strangers, making strangers out of friends (..) We must learn to focus on warm energy, always. Soak our limbs in it and become better lovers to the world, for if we can’t learn to be kinder to each other how will we ever learn to be kinder to the most desperate parts of ourselves.” Rupi Kaur

 

"I've learned a lot this year. I learned that things don't always turn out the way you planned, or the way you think they should. And I've learned that there are things that go wrong that don't always get fixed or get put back together the way they were before. I've learned that some broken things stay broken, and I've learned that you can get through bad times and keep looking for better ones, as long as you have people who love you.” Jennifer Weiner

 

"And not everything is meant to stay in your life, some things only come as a lesson."

"Sometimes you are all you have - and sometimes that's all you need."

" You were a beautiful time in my life, and if that's all you'll ever be, then that's okay. Not all art is destined to hang on the same walls forever."

 

"Stay afraid, but do it anyway. What’s important is the action. You don’t have to wait to be confident. Just do it and eventually the confidence will follow." Carrie Fisher

 

“People are like stained-glass windows. They sparkle and shine when the sun is out, but when the darkness sets in, their true beauty is revealed only if there is a light from within.” Elisabeth Kübler-Ross

 

"Something I just recently learned was that "chased love" is not love. If you have to run after it, talk it into staying, remind it of your value, fight alone for the both of you, issue ultimatums, or test it - it is not love! It's not love, it's not happiness, it's not fair, it's not healthy; the only thing it is...is a waste of your time." Unknown

 

"Love is the same thing as being lost. Except you don't care that you're lost." Jedediah Berry

 

“I am coming to terms with the fact that loving someone requires a leap of faith, and that a soft landing is never guaranteed.” Sarah Dessen

 

 

Nachdem ich also nun zum Jahresende meine Lieblings-Perlen der Weisheit geteilt habe, vielleicht noch ein bisschen was von Filmen, Clips, Kampagnen dieses Jahr, die ich richtig toll fand - und was meine Leser recht simpel nachvollziehen (weil anschauen) können.

 

Der beste Film, den ich dieses Jahr im Kino gesehen habe

Nocturnal Animals. Seelisch und körperlich brutal, reicht an Bildsprache, Analogien und Metaphern. Toll gespielt von Amy Adams und Jake Gyllenhaal. Für Fans von Gone Girl, Side Effects, Savages oder Ein perfektes Verbrechen.

 

Die drei coolsten Werbespots / Kampagnenfilme

1. The Tale of Thomas Burberry - Burberry Festive Film 2016

2. SWAROVSKI - Ready for the Holiday Party with Karlie Kloss

3. Some call it work. A normal day at Audi (auch wenn ich nicht grundsätzlich Fan von Audi bin)

 

Vor kurzem entdeckt, die Antwort auf die Frage, was eigentlich schief läuft mit unserer Generation.

 

Ich wünsche Euch in diesem Sinne (mit vielen Links, Artikeln, Zitaten und Fotos - siehe unten) ein glückliches neues Jahr und keinen derartigen Kater morgen ;)

 

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Was mein Leben reicher macht

Es gab mal eine Rubrik in der ZEIT, ich bin mir gar nicht sicher, ob es die noch gibt, da ich sie einige Male schmerzlich vermisst habe. Jedenfalls ging es darum, dass Leser Beiträge einsenden können, variabler Länge - von einem Wort bis einige Zeilen war oft alles dabei - mit Dingen, Menschen oder Momenten, die ihr Leben gefühlt reicher machen. Bereichern. Nun hat bestimmt jeder solche Dinge, Menschen oder Momente, nicht jeder nimmt sie aber immer als solche wahr, noch weniger wertschätzen sie vermutlich und die allerwenigsten werden sie an die ZEIT schicken. Wobei ich mir gar nicht sicher bin, ob die Beiträge in der ZEIT ausschließlich von Menschen kamen oder kommen, die eben dies alles wahrnehmen und/oder wertschätzen oder ob sie einfach als besonders achtsam und dankbar erscheinen wollen. Anyway.

Wahrscheinlich denke ich mal wieder viel zu schwarz über die Menschen. Gerade in dieser Woche muss ich gestehen, denke ich sehr schwarz über die Menschen. In einer Woche, in der die Nachrichten im Vergleich zu denen der letzten Wochen aus einem mir nicht erklärlichen Grund irgendwie enger, irgendwie bedrückender, vor allem aber immer unmenschlicher geworden sind. Vielleicht ist es auch nur mein Empfinden, ich, die um die Weihnachtszeit mehr als zu anderen Zeiten im Jahr der Meinung ist, dass Liebe, Zwischenmenschlichkeit und Wärme ihren Platz unter uns und ihre Bedeutung für uns so sehr nicht verlieren dürfen. Ich, die nicht verstehen kann, welche Menschen andere Menschen grundlos hinterrücks Treppen runtertreten. Welche Menschen andere Menschen in einem seit Jahren von Bürgerkrieg heimgesuchten Land in erbärmlichen Zuständen einkesseln und die eh schon in Schutt liegenden Ruinen auch noch zerbomben. Welche Menschen andere Menschen beim Joggen oder woanders vergewaltigen und ermorden, völlig unabhängig davon, ob diese Täter in unserem Land geboren sind oder nicht. Welche Menschen immer die einfachsten, kürzesten und meist eindeutig in eine bestimmte politische Richtung gehenden Antworten auf die drängendsten Probleme, die vor uns liegen, zu haben scheinen - die in Wirklichkeit aber keine Antworten sind. Ich könnte weitermachen mit zwei Szenarien, mit denen keiner von uns gerechnet hat und bei denen wir alle Köpfe schüttelnd davor stehen, beide überraschenderweise in der angelsächsischen politischen  Landschaft angesiedelt. Ich kann es aber auch lassen. Das ist hier weder ein Politik-Blog noch eine Martenstein'sche Gesellschaftskritik und außerdem arbeiten sich genug andere daran ab, dass das vermutlich historisch haltbarste Zitat des 45. US-amerikanischen Präsidenten "Grab 'em by the pussy" sein wird. Es bedarf also nicht noch meines Senfes zu diesem Thema, mal abgesehen davon, dass ich mal wieder abgeschwiffen oder "ausgestriffen" (habe ich gerade aus aus-reiten und herum-streifen = aus-streifen = ausgestriffen gemacht) bin. Bevor ich da also thematisch einmal den Kreisel genommen habe, war ich an der Ausfahrt "Was mein Leben reicher macht" und das ist wie man es erwarten wird - im Gegensatz zu meinem gesamten Prolog hier - ausschließlich schönes. Also. Was macht mein Leben reicher?

- In der U-Bahn neben mir lernt ein Junge, vielleicht 6. Klasse, Latein-Vokabeln. Ich lunse in sein Buch und überprüfe mich selbst: ich kann noch fast alle.

- Ich sitzend mit blanken Beinen auf den Fliesen in meinem Bad. Mit angeschalteter Fußbodenheizung auf 35°C. Mhhhh.

- Lieder, die ich so schön finde, dass ich sie tot nudele. Das hier z.B., allerdings nur wegen der Musik und des Covers, nicht wegen des Textes.

- Schneeweiße Amaryllis. Vor kurzem für mich entdeckt und wer mich kennt, weiß, dass ich eigentlich einen sehr picky und eingegrenzten Blumengeschmack habe.

- Christmas Blend Espresso. Endlich mal wieder ein Shot für meinen sonst Standard-igen Venti Cappuccino, der die €0,20.- Aufpreis bei Starbucks wert ist. 

- Letzen Samstagabend bei der Lesung von Michael Nast aus vollem Herzen lachen. Im ersten Drittel meines Jahres habe ich mir exakt dieses Lachen wieder sehnlichst gewünscht.

- Du. Im Moment sehr. Wie Du mich anziehst, wenn Du mich ansiehst.

- Das Gefühl ein Weihnachtsgeschenk besorgt zu haben, das unverbesserbar zu dem/der beabsichtigt zu beschenkenden passt und vor allem, das Freude machen wird.

- Der Gedanke, dieses Jahr ausgewählte Weihnachtskarten wieder handschriftlich zu verfassen und zu versenden.

- Das Bild vor meinem geistigen Auge, wie wir Audrey (dem Familienhund) zu Weihnachten wieder irgendein eigentlich schundhaftes, aber soooo goldiges Kostüm zumuten. Engelsflügel, roter Norweger-Pulli, Elchgeweih. Alles schon gehabt.

- Mein neuer Lippenstift von Bobbi Brown, danke Fabruculus. Hätte ich mir nie selbst gekauft, kann aber was!

- Das übrig gebliebene und erkannte Wissen, dass ich seit Sommer ein sehr geiles Produkt in einer sehr coolen Firma manage..

 

Achso. Und dass ich ab morgen (Freitag) 2 Wochen Urlaub habe. Und hoffentlich ganz viel Zeit für mich und zum Schreiben und zum Sport machen und zum Entspannen. Und natürlich dafür, einen ähnlich inspirativen Neujahrs-Post vorzubereiten wie letztes Jahr ;)

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Ist das Liebe oder kann das weg?

"Wann schreibst Du mal wieder was?"

"Ich weiß nicht. Ich dachte, Du wollest mich kennenlernen, ohne meine Texte zu lesen?"

"Ja schon. Aber jetzt kenne ich Dich ja ein bisschen und weiß wie Du bist. Und da würde ich das jetzt schon lesen."

"Achso. Hm. Also ich schreibe nur, wenn es mir in den Fingern juckt und die Worte quasi raus müssen. Ich habe aber auch noch so eine Liste mit Themen, die ich mal am Blog besprechen wollte. Dieses eine Buch z.B. von dessen Nachfolger meine Rezension ganz gut angekommen ist."

 

"Ist das Liebe oder kann das weg?"

Diese Frage stellt Michael Nast im Vorgänger von "Generation Beziehungsunfähig", einem von mir sehr geschätzten Buch, das ich hier besprochen habe. Wie es normalerweise das Schicksal der Fortsetzungen ist: sie sind meist nicht so gut wie die ersten Teile, aber das ist in diesem Fall umgekehrt. Aber sei's drum. Wenn man ehrlich ist wird die Frage auch nicht beantwortet, ist sie doch per se eher rhetorischer Natur, vor allem aber ist sie ein zynischer Finger in der Wunde der Generation derer, die sich mit dem Attribut "beziehungsunfähig" entweder aus der Verantwortung stehlen oder derer, die sich tatsächlich so schwachmatisch anstellen, dass sie diese Charakterisierung verdienen. Da es sich bei letzteren aber eher um die Minorität handelt (wir erinnern uns: für jeden Topf gibt es irgendwo ein Deckelchen), kann man streng genommen nicht von einer ganzen Generation sprechen. Anyway. Da spielen sowieso sehr viele Punkte rein:

 

1. Generation Beziehungsunfähig. Warum Generation?

Weil wir die vielbesungene "Generation Y" (oder auch "Generation Why?"), die sog. "Millenials" nicht mehr hören können und was neues brauchten.

Weil wir tatsächlich als die ersten Jahrgänge nach unseren Eltern uns ziemlich dämlich in eigentlich sehr einfachen Dingen anstellen, vielleicht sie sogar unnötig verkomplizieren. Ich sehe gerade meine Mutter vor mir, die sich an den Kopf fasst, irgendwo zwischen verzweifelt und verständnislos schaut und mich fragt, warum ich es so kompliziert mache. Wäre sie in meinem Alter, würde sie vermutlich sagen: "Chill' doch einfach mal!"

Weil gerade unsere Generation mit Tinder (Ausnahmen bestätigen die Regel), Once, Lovoo und moralisch fragwürdigen sowie nicht besonders haltbaren Beziehungskonzepten wie Fuck buddy, Mingle, friends with benefits oder "es ist kompliziert" sich ihr eigenes Grab zu schaufeln scheint.

 

2. "Ist das Liebe oder kann das weg?"

Aufgegriffen wird hier natürlich zunächst "Ist das Kunst oder kann das weg?". Ist das etwas wertvolles, auch wenn ich es nicht als solches zu erkennen oder wertzuschätzen vermag, sondern es genauso gut mit Müll, mit etwas, was weg kann, verwechseln könnte. Es kratzt an unserem Optimierungswahn, an unserem Begehr, Dinge clean zu halten, zu streamlinen, alles was nicht 100% wertig oder 100% schön ist, muss raus. Der Ansatz, an etwas zu arbeiten und es entweder wieder schöner zu machen oder zu reparieren oder sich zu fragen, warum es trotzdem behalten werden sollte, scheint fast lächerlich irrelevant. Vor allem aber ist es wie meistens der schwierigere Weg. Etwas heilen, in etwas investieren, ist uns oft zu anstrengend. "Das bringt doch nichts", "Er/sie ändert sich eh nicht", "wir passen halt nicht zusammen", und mein favorite "es ist so schwiiiiiiierig". Ja Mann, manchmal ist es halt schwierig!

Ein zweiter Aspekt spielt mit rein und hier bin ich möglicherweise nicht mit Herrn Nast d'accord: Manchmal ist es Liebe und es muss trotzdem weg. Und genau hier wird es ja spannend: Liebe ist doch das stärkste was es gibt, oder? Wie kann Liebe nicht genug sein? Wo schaden wir uns in der Liebe zu unserem Partner so sehr, dass wir den Selbstschutz über die Liebe stellen müssen? Sind wir mutig genug darauf zu vertrauen, dass wir wieder jemanden finden, der uns genauso sehr (oder vielleicht noch mehr), hauptsächlich aber um oder trotz unserer selbst willen lieben wird? Werden wir uns wieder verlieben können? Werden wir wieder lieben? Wie oben geschrieben: die Frage ist Zynismus. Aber eigentlich versteckt sich dahinter sehr viel Angst und vor allem verrät sie nur die Hälfte des Problems, was wir nicht hätten, wenn Liebe, wenn sie wahr ist immer bleiben würde und müsste.

 

[Kleiner Einschub: das Buch hat 272 Seiten. Wenn ich jetzt proportional so viel schreiben würde, wie es sich aus der Analyse der beiden Titel ergeben hat, dann gute Nacht. Daher straffe ich das jetzt mal ein wenig. Ich habe mir einige Zitate rausnotiert, die etwas in mir ausgelöst haben, die ich für ganz gute Aufhänger hielt, als ich sie zum ersten Mal las. Sie haben auch gar nicht alle etwas mit Beziehungsthemen zu tun, aber das ist eben das schöne an seinen Büchern: sie sind nicht Beziehungsratgeber, Gesellschaftskritik, Selbsthilfebuch, Komödie, Stimme einer Generation, Konsumanalyse, Verhaltensforschung. Sie sind all das in ausgeglichener, wohltuender Balance - garniert mit einem verblüffend häufig gefühlten "Oh mein Gott, er hat so recht!"]

 

Womit ich mich also assoziieren kann, sind beispielsweise folgende Passagen:

 

„Ich gehe inzwischen nur noch selten in Clubs, vielleicht, weil mir vor einigen Jahren aufgefallen ist, dass ich nicht mehr tanze. Ich unterhalte mich lieber, wenn ich ausgehe. Vielleicht bin ich ja inzwischen in der Barphase angekommen.“

Sehr wahr. Ich war in diesem Jahr vielleicht 2-3x feiern. Tatsächlich schätze ich mittlerweile anregende Gespräche mit besonderen Menschen und gute Getränke in noblen/interessanten/komfortablen Läden/Bars/Lounges wesentlich mehr als zwingendermaßen Sonntagmorgens um 4 mit dem soundsovielten Wodka-Cranberry in irgendwelchen dusteren Clubs rumzuhopsen und dabei im schlimmsten Fall von fast komatös betrunkenen Bubis (zwischen 14 und 18) oder jenseits der gesellschaftlich vertretbaren Altersdifferenz befindlichen Säcken angegafft, angegrapscht oder womöglich angesprochen zu werden. Auch dafür hat Michael Nast eine beeindruckend treffende Formulierung: „Gegen vier Uhr morgens können Strategien, einvernehmlichen Geschlechtsverkehr herbeizuführen, schon ein wenig plakativer sein.“ Womit er leider sehr recht hat, die bei mir aber allesamt glücklicherweise gänzlich unwirksam sind.

 

Über Singles sagt er (und hier tue ich mich gerade ein wenig schwerer, denn als ich das Buch las, war ich definitiv Single, jetzt, wo ich diesen Eintrag schreibe, bin ich in einer Übergangsphase/gerade noch so oder schon nicht mehr Single/verwirrt/mir nicht ganz so sicher mit mir und ihm einig, was wir schon oder noch sind/es mal wieder am verkomplizieren?):

„Das Single-Leben, von dem ich spreche, ist ja ein komfortables Leben. Es ist ein einfaches und sehr freies Leben, in dem man auf niemanden Rücksicht nehmen muss. Keine Kompromisse machen.“

Aber er sagt auch: „Es gibt Momente, in denen ich begreife, dass Singles die wahren Romantiker sind. Einige haben bei diesem Satz sicherlich in sich hineingelächelt. Singles sind die wahren Romantiker?, denken Sie vielleicht skeptisch. Was für ein Satz. (..) Ich spreche natürlich nicht von verzweifelten Singles, die sich für eine Partnerschaft entscheiden, weil sie einsam sind, oder von den überzeugten Singles, die sich generell gegen eine Beziehung entscheiden. Ich meine Singles, die – wie es die ZEIT einmal so schön geschrieben hat – eben lieber auf ihren Traumpartner warten, als sich in freudlosen Kompromissbeziehungen die Hoffnung auf Besseres zu rauben.“ Dem ist nichts hinzuzufügen, Zeit meines Single-Daseins gehör(t)e ich unzweifellos zu Typ 3.

 

„Man sagt ja, dass man eine verlorene Liebe erst dann überwindet, wenn man sich wieder verliebt.“

Ich glaube, da ist etwas dran. Ich glaube, man kann und sollte vermutlich eine gescheiterte Beziehung schon verarbeiten, so lange man noch mit sich selbst allein ist, so lange man sich ungestört in dem ganzen Liebeskummer, dem Herzschmerz, meine beste Freundin nennt es immer "die kalte Hand", suhlen kann, wo einem niemand vorschreibt, wie lange und in welcher Reihenfolge man welche Phase der Trauer durchschreitet. Ich glaube aber auch, dass man sich irgendwann wieder unter Menschen, konkreter unter gegengeschlechtliche Menschen (wenn man hetero ist), wagen sollte. Ich glaube, diese eine, einzigartige Position, diese Rolle, die jemand für einen einnimmt, verliert erst dann die letzten Spuren, Überbleibsel, Anhaftungen der letzten Person, die sie für uns besetzt hat, wenn auf dieser Position jemand neues ist.

 

Abschließend möchte ich noch auf eine Passage eingehen. Sie zeichnet vielleicht ein überspitztes Bild, wenn man aber an manchen Punkten ein bisschen was abzieht und es auf beide Geschlechter (und minus das Alter etwas nach unten) überträgt schon ein realitätsnäheres: 

„Es war alles so banal. Sie hatten studiert, sie waren Akademiker, sie waren Ende dreißig, und in ihren Gesprächen bedienten sie ausschließlich primitivste Sprachklischees. Sie führten das Leben von Zwanzigjährigen. Immer noch. Und so wie es aussah, war nicht zu erwarten, dass sich das mittelfristig änderte. (..) Sie führten ein Leben im Unverbindlichen. Sie redeten sich ein, auf der Suche nach der perfekten Frau zu sein, aber sie fühlten sich auf dem Weg dahin einfach zu wohl. Sie hatten sich eingerichtet. Ihre sozialen Kontakte beschränkten sich darauf, hin und wieder mit Kollegen einen saufen zu gehen, auf Dates, One-Night-Stands und auf Leute, die sie auf Partys kennenlernten, mit denen ich nüchtern kein Wort gewechselt hätte. Ein Leben, das aus Arbeit, exzessivem Ausgehen und unverbindlichem Sex besteht. Sie besaßen teure Möbel und lebten in Wohnungen, die ihre gelegentlichen Gäste beeindruckte. Die Kulisse stimmte. Da übersah man schnell, dass sie eigentlich ein asoziales Leben führten, dass ihr Kühlschrank immer leer war. Aber teure Möbel und schöne Wohnungen sind eine gute Hilfe, einem Single-Mann, der zu viel arbeitet, die Illusion zu vermitteln, dass mit seinem Privatleben alles in Ordnung wäre. Und damit passen sie – so traurig das auch klingt – ideal in unsere Gesellschaft. Sie sind die perfekten Konsumenten und die perfekten Arbeitnehmer.“

Ich glaube, die meisten der Menschen, von denen ich weiß, dass sie meinem Blog folgen, wird das nicht betreffen. Einfach weil ich die hier skizzierten, wenig sympathisch dafür sehr oberflächlich wirkenden Individuen nicht in meinem näheren Freundeskreis finde. Zum Glück. Aber ich glaube, an der ein oder anderen Stelle, kann sich sicherlich jeder fragen, ob da grad alles rundläuft oder ob man sich vorstellen möchte, so den Rest seines Lebens zu verbringen.

 

 

Fazit: Storyline? Es gibt eigentlich keine. Das macht aber auch gar nichts. Vielmehr werden Situationen aus dem Leben des Autors mit ziemlich viel Komik beschrieben, genug um herzlich zu lachen, aber auch nur gerade so viel, dass wir sie uns noch bildhaft vorstellen können, ohne sie für völlig absurd zu halten. Wir müssen vielleicht schmunzeln, weil wir sie selbst oder in unserem Bekanntenkreis schon einmal so erlebt haben oder sie ohne die gemachte Erfahrung dennoch als Ansicht bestätigen könnten. Vielleicht müssen wir auch schlucken, weil es sich um eine der tatsächlichen Tragiken unserer Zeit handelt oder weil wir exakt in so einer Situation auch schon waren oder sind und wir an unserer Empathie erwischt werden. Selbst wenn wir nichts von alledem wahrnehmen, verstehen wir vielleicht, warum manche Konstellationen und Beziehungen zwischen Menschen und gesellschaftliche Entwicklungen so sind wie sie sind, warum uns zunehmend mit "altmodisch" konnotierte Werte wie Ehrlichkeit und Toleranz oder Gaben wie Kommunikation und emotionale Intelligenz beizeiten echt den Arsch retten hätten können oder in Zukunft können.

 

Übrigens: Michael Nast liest aus "Generation Beziehungsunfähig" am kommenden Samstag, 10. Dezember 2016, um 20.00 Uhr in München. Hier gibt es noch Karten. Ich werde jedenfalls dort sein ;)

 

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Und die Schneeflocken fallen..

 

Es ist Sonntag, 6. November. Es schnegnet, das ist das, wenn man nicht weiß, ob es schneit oder regnet oder beides, aber sicher weiß, dass es nicht hagelt. Es ist eigentlich ein typisches im-Bett-bleibe-Wetter. Oder in diesem Fall ein Blog-schreibe-Wetter.

Um besagten incident von neulich zu vermeiden - man verfasst wieder Ewigkeiten keinen Post, weil man nicht weiß, wie man alle umzusammenhängenden Themen trotzdem in einen Eintrag quetschen soll und 15 Mikro-Artikel idiotisch wären - habe ich mir etwas überlegt. Ja, guuuuuuth. Nicht ich habe mir das überlegt, wenn man ehrlich ist, habe ich es mir von der ein oder anderen Bloggerin abgeschaut. How about: ich nehme mir vor, ein regelmäßiges Update zu schreiben, was gerade ansteht, abgeht, gekauft wurde, besucht wurde, gefühlt wird, gedacht wird, gehört wird, an der Arbeit / im Sport / in der Liebe / [insert weiteren relevanten Lebensbereich here] passiert. Also im Grunde das was ich bisher eigentlich auch schon gemacht habe, nur vielleicht in manchem mit mehr Punkten in einem und die dafür kürzer. Nachdem es sich ja bisher mit Feedback zu meinem Blog oder zu speziellen Änderungen auch in Grenzen gehalten hat, werde ich das jetzt einfach mal eigenverantwortlich introducen und mir dann anschauen, ob die Beiträge weniger häufig geklickt werden. Das kann ich nämlich mittlerweile, da ich in Jimdo Pro investiert habe und so zumindest rudimentäres Performance Monitoring und Tracking vornehmen kann. Anyway. Angedacht ist also, dieses Update an Sonntagen zu verfassen, da ich da aus meiner aktuellen Perspektive am ehesten die Chance sehe, dass ich mir auch die Zeit dafür nehme.

 

Neues von der Master-Front. Mittlerweile bin ich offiziell keine Studentin mehr, seit dem 2. Oktober bin ich nicht mehr immatrikuliert. Ich habe meine Abschlussnote erfahren - 16.6/20 / Sehr gut mit Auszeichnung - und freue mich wie ein Schnitzel darüber. Am 2. Dezember werden Muddi und ich nach Paris fliegen zur Graduation Ceremony, wo meine ca. 900 Kommilitonen des Jahrgangs ihr akademisches Zeugnis überreicht bekommen und anschließend wie man es kennt die Hüte in die Luft werfen. Einen Ball wird es nicht geben, daher fliegen wir beide Freitag am späten Abend auch wieder zurück nach München.

 

Neues an der Arbeitsfront. Ich habe in der nächsten Zeit einige wirklich wichtige Projekte vor mir und offen gestanden ziemlich Respekt davor. In der kommenden Woche werde ich zwei von ihnen anstoßen und ich befürchte, dass diese Tage zusammen mit allen anderen To Do's und Meetings (die sich ja nicht auf magische Weise wegrationalisieren oder für eine Weile die Augen zuhalten) recht knackig werden. Aber sei's drum. Wir sind hier bekanntermaßen nicht bei "Wünsch' Dir was", sondern bei "So isses".

 

"Je größer der Dachschaden, desto schöner der Blick auf die Sterne."

Neulich gelesen und für absolut famos befunden, den Spruch.

 

Neues auch an der Kunst-Front. Gestern zwei Ausstellungen besucht, in einem Museum und einem Kunstraum, die ich persönlich wirklich beide sehr gerne mag. Im Museum Brandhorst die Ausstellung "Cy Twombly: In the Studio" angesehen: 

 

"Twombly hat dem jeweiligen Ort, an dem seine Werke entstanden sind, Zeit seines Lebens eine zentrale Bedeutung beigemessen. Insbesondere in seinen Fotografien spielt Twombly vielfach auf den Arbeitsprozess und die besondere Atmosphäre bei der Entstehung seiner Bilder und Skulpturen an. In seinen Interieurs gelingt es Twombly, seine Wohnräume zu poetischen Orten der Imagination zu steigern, in denen sich Natur und Kultur, Banalität und verfeinerter Geschmack begegnen. Paradigmatisch wurden deshalb die Fotografien den monumentalen Rosen gegenübergestellt, die Cy Twombly eigens für den zentralen Saal im Obergeschoß des Museums gestaltet hat. Sie reflektieren den Kontext seiner Entstehung: intime Szenen aus Twomblys Atelier, Zitronen aus seinem Garten, (..) und  poetischen Blumenarrangements. (..)

Bei der Gestaltung seiner späten „Rosen“-Bilder hat Cy Twombly Verse bekannter Lyriker einfließen lassen."

 

Die zweite war "Tacita Dean" im Espace Louis Vuitton, bei der ich gestehen muss, dass ich sie eigentlich nur für eine einzige Fotographie habe besuchen wollen: "The Book End of Time", 2013, siehe Bild unten.

 

Darüber hinaus war ich gestern Abend das erste Mal im "Koi" am Wittelsbacherplatz und, oh mein Gott, ich habe mich glaube ich verliebt. In das Interieur und in die Edamame mit Trüffelbutter.. stay tuned ;)

 

 

 

[Mein Track nach dem Text: Philipp Poisel - "Seerosenteich"]

 

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"immer mal was neues und ein bisschen was von allem"

I know. It's been ages. Ich habe auf den Tag gewartet, an dem ich das Gefühl habe, ich muss jetzt heute ein Update schreiben. Ein "Hallo" an Euch (die ich kenne) und an die Leute, die meinen Blog vielleicht lesen und die ich aber nicht kenne und eh in die Welt des Internets schicken, die sich dankbar schätzt, dass ich meinen Senf nicht auch noch auf anderen Plattformen der Mitteilung dazugebe. Twitter, Tumblr, Snapchat, Instagram, Flickr und wie sie alle heißen habe ich nicht oder nicht mehr. Anyway.

Und auf jeden Fall habe ich mich dann eben im Bad gefragt, warum es mal wieder so lange gedauert hat. Mit dem Blogpost. Und mir war die "ich habe andere Prioritäten gesetzt und mir die Zeit nicht genommen"-Erklärung zu monokausal. Es gibt noch einen weiteren Grund: ich habe sooo viel, was ich Euch erzählen wollte, was sich inhaltlich nicht unter einem Blog-Titel-Dach sammeln ließe, weil es so verschiedenes ist, dass ich dachte "fang' ich gar nicht erst an". Was bekanntermaßen die idiotischste aller Entscheidungen ist. Aber mei.

Nun. Eben also (in einem meiner seltenen Momente des Lichts in letzter Zeit) im Bad war mir schlagartig klar, wie ich dieses Problem löse. Ich schreibe einfach trotzdem alles, was nichts miteinander zutun hat in einen Blog nach dem Motto "immer mal was neues und ein bisschen was von allem" und lasse Euch, Sie, den lieben Leser eben damit klarkommen. Erklärt a) warum grad so viel in der Rübe abgeht, dass ich nicht die Muße oder Muse oder beides hatte, am Blog zu schreiben und b) seid Ihr, sind Sie schon mal mit so was klargekommen. Hier nämlich.

Es begibt sich also zu der Zeit.. nein Spaß. Heute, am 1.November liste ich mal auf, worüber ich gerade nachdenke und -fühle. Welche Dinge ich in nächster Zeit am Blog besprechen möchte. Und die Tatsache, dass es sich im Folgenden teilweise um eher wenig graziöse Hauptsatzkonstruktionen handelt, bitte ich milde zu bewerten, das ist jetzt halt so.

 

Mein Job und ich

Ich habe in den letzten 2-3 Monaten eine eindeutige Priorität gesetzt. Es war weder Sport noch Schlaf noch Freunde treffen oder Freizeit haben. Es war mein Job und das war gut so. Ich habe wirklich viel auch am Wochenende gearbeitet, war viel unterwegs, unter anderem in Frankfurt, Berlin und Hamburg und habe in letzter Zeit nicht wirklich unterschieden zwischen erreichbar sein und es nicht sein. Das End vom Lied ist, dass ich feststelle, dass ich meinen Job liebe und sehr gerne mache und jeden (naja fast jeden) Tag sehr gerne hingehe. Dass ich gerne so viel zu arbeiten bereit bin, wenn es notwendig ist. Dass ich besser werden muss in verschiedenen Bereichen: besser erkennen, wann es notwendig ist und wann nicht, viel zu arbeiten. Noch brutaler nach Dringlichkeit und Wichtigkeit die Priorität einschätzen, auch wenn ich das schon ziemlich gut kann. Dinge delegieren, die nicht so wichtig sind, dass ich sie selbst machen muss, anstelle derer ich mich mit strategisch vorrangigerem auseinander setze und bei denen es mir nicht allzu schwer fällt, hinzunehmen, wenn das Resultat meinen möglicherweise übertrieben hohen Perfektionsansprüchen nicht ganz gerecht wird. Manchmal ist "gemacht" besser als "perfekt". Dass ich mich auf alles freue, was ich neu lerne, weil es mir unheimlichen Spaß macht, Neues zu lernen. Mitte November bin ich bei einem Marketing-Training in Madrid.. Vorfreude =)

Achso. Und das End vom Lied ist übrigens auch noch, dass ich mir wieder mehr Zeit nehmen möchte, für Dinge, aus denen das Leben eben zum Glück auch noch besteht. Ich möchte nicht mehr unter der Woche abends nichts unternehmen können, weil ich entweder erst um acht heimgehe und dann dort weiterarbeite oder weil ich zu erschöpft bin und einfach keine Ansprache mehr verkrafte. Ich möchte nicht mehr am Wochenende (wo ich dann mal Zeit für alles mögliche hätte) von Freitag Abend bis Sonntag früher Abend Schlaf nachholen - durchzogen von nur gelegentlichen Wachphasen, in denen ich ein heißes Date mit der Waschmaschine habe, meine Wohnung putze oder in denen ich.. meine Emails checke. Ja, im Moment ist viel los, aber es ist eine Entscheidung, die man bewusst treffen kann - so man es möchte. Und ich möchte. Ja, im Moment drehen sich die Hamsterräder immer schneller, je schneller meine Kolleginnen und ich in ihnen rennen. Aber wenn wir in dem Tempo weitermachen, gibt es bald einen Überschlag - und zumindest für diesen Hamster (ich) weiß ich nicht, ob ich auf besagten Überschlag warten will.

 

Alles andere

 

Ist das Liebe oder kann das weg? Ich habe das Nachfolgebuch von Michael Nast zu "Generation Beziehungsunfähig" gelesen und werde wohl demnächst dazu mal eine Rezension schreiben.

 

Ich gönne mir in letzter Zeit mal öfter Blumen vom Viktualienmarkt. Das wird dann zwar meist schweineteuer, aber an so was erfreue ich mich einfach. Und gerade jetzt kann man mit den herbstlichen Farben so schöne Arrangements gestalten. Orange, butterblumengelb, Apricot, Korallenrot, Karmesin - herrrrlisch! Und ich habe neulich am Lodenfrey auch den 'The Flower Company' entdeckt - so cool!

 

Zwei Ausstellungen habe ich mir am Samstag angesehen, in die ich schon lange hatte gehen wollen. Fazit: waren auch beide ganz gut, ist aber kein Drama, wenn man sie verpasst. Also das ist es ja grundsätzlich bei keiner Ausstellung, aber ja, sagt man ja so..

"Inszeniert! Spektakel und Rollenspiel in der Gegenwartskunst", noch bis 6. November, Kunsthalle München

"Shoot!Shoot!Shoot!", bis 15. Januar 2017, Münchner Stadtmuseum

 

Auf DER Dating-App meiner Generation, Tinder, sein. Ich habe es genau 3 Wochen ausgehalten, bevor ich reizüberflutet, belustigt und verstört das Handtuch geworfen habe. Ich (und das hat neulich jemand zu mir gesagt) finde es idiotisch, von vorne rein abzulehnen, dass wir im 21. Jahrhundert auch über eine App auf faszinierende Menschen aufmerksam werden könnten. Kennenlernen würde und wird man sich ja dennoch in der Wirklichkeit, denn das wird die Virtualität bis am Ende aller Tage und so lange wir Menschen sind nicht zu leisten vermögen. 

So eine Haltung ist (unabhängig davon, wie die App heißt, es muss nicht Tinder sein) meines Erachtens anachronistisch. Momentan bin ich jedenfalls ganz im Hier und Jetzt und genieße, was ich in Realität erlebe.

  

Spider-App auf privatem iPhone installiert. Habe ich. Für alle, die auch gerne, die Spider-App auf ihrem iPhone haben möchten, hier ist das 'how to': iPhone (möglichst ohne Case) auf die Straße werfen oder fallen lassen, wenn es geht mit dem Display nach unten. Fertig.

 

Eins meiner Lieblingslieder im Moment: Disclosure - You & Me feat. Eliza Doolittle (Flume Remix)

  

Ich habe wieder Eltern. Klingt komisch ist aber so. Also eine Mutter hatte ich zum Glück die ganze Zeit, aber jetzt habe ich auch wieder einen Vater. Einen richtigen. Vom Gefühl her und vor dem Gesetz auch: ich wurde adoptiert und die beiden, Muddi und Alfons kennen es, glaube ich schon: das ist "Für meine Eltern"

  

Und was mir noch am Herzen liegt, weil es auf anderen Kanälen schon ausgelaugt oder noch gar nie gesagt wurde.

Lisel, Du fehlst. Just sayin'.

Philip, ich bin stolz auf Dich. Masterarbeit gerockt. Und das mit dem Job kriegen wir auch hin.

Anna, zweiwöchentliche upcatch-Telefonate à la "Mein Leben ist ein fail: ich sitze Freitagabends in Hamburg am Flughafen und mein Flieger hat zwei Stunden Verspätung - waruuuuum?". Ausheulen, Rat zur omnipräsenten Thematik der sogenannten Männer (bei uns beiden) / Doktorarbeit (bei Dir) einholen, Funklöcher gemeinsam bekämpfen. Ich bin dankbar, dass es sich immer so anfühlt als seist Du da. Right here. Next to me.

Anja, Wiesn-Übernachtungsmöglichkeit 2017 ist für Dich/Euch schon geblockt.

Ändyyy - zwei tolle Erlebnisse an einem Tag (Master Thesis abgegeben und 25. Geburtstag) und jetzt Asien. Du hast es verdient!

Eva, wir versuchen erst seit ca. 4 Monaten uns an die Strippe zu kriegen - wird schon irgendwann :D

 

 

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Gestern 1 Jahr.

So meine Lieben. Nun kommt sie endlich: die Paris-Review. Oder weniger gestochen ausgedrückt: einfach ein Rückblick. Es wird auch keine Gesamtwürdigung oder - wertung geben, vielmehr eine Aufzählung von Gefühlen und Gedanken, die ich dazu habe und hatte. Heute vor 1 Jahr und 18 Tagen. 30. August 2015. Ich weiß noch genau wie ich an einem Sonntag Nachmittag in meiner Wohnung mit meiner Mutter angekommen bin, nicht ahnend wie intensiv das vor mir liegende knapp Dreiviertel Jahr werden würde. Was alles passieren würde, welche Menschen in mein Leben treten und es wieder verlassen würden, wie ich mich selbst verändern kann und habe. Mit Fug und Recht kann ich sagen: es war die intensivste Zeit meines Lebens. Und es war auch die härteste, ehrlich gesagt. Und das von jemandem, der schon mal in Indien gelebt hat und der von sich selbst gerne als "zäh" spricht.

 

Noch nie habe ich mir so viel gleichzeitig zugemutet, noch nie bin ich so sehr an meine körperlichen und seelischen Grenzen gegangen. Noch nie war ich im Nachhinein so stolz, das geschafft und überstanden und auch noch erfolgreich beendet zu haben.

Ich habe noch nie so sehr einen Ort in kollektiver Trauer gespürt, noch nie habe ich erlebt wie sich eine Stadt über Wochen und Monate hinweg wieder aufrappelt. Wie sich Menschen nicht brechen lassen, obwohl schreckliche Dinge nicht aufhören zu geschehen.

Noch nie habe ich so viel Kunst und Museen an einem Platz geboten bekommen, noch nie eine so wunderschöne Stadt gesehen - die einen sich am Ende des Tages doch ziemlich allein fühlen lässt. In der Tat habe ich noch nie in meinem Leben in 8 Monaten in so vielen verschiedenen Bereichen Dinge erlebt und erfahren und daraus gelernt wie in dieser Zeit. Besagte Learnings sind wahrlich mannigfaltig und verschiedenartig und sehr persönlich - aber ich wollte sie nicht missen und ich wollte sie nicht anders erlangt haben. Alles was passiert, ist bekanntermaßen für etwas gut. Und sei es nur dafür zu erkennen, dass wir tatsächlich alles haben und erreichen können, was wir wollen und dabei am Ende dennoch so unglücklich sein könnten wie nie zuvor. Weil unsere Intuition scheinbar nicht so schlau ist, zu erkennen, dass das, was wir denken und fühlen zu wollen einfach ganz oft nicht das ist, was uns die ersehnte Zufriedenheit oder Befreiung bescheren würde. Und das ist ein sehr erdender Gedanke, weil er uns auch mal bremst und reflektieren lässt, ob nicht nur grad alles läuft, sondern auch ob die Richtung nicht rückwärts und bergab ist. 

 

Ich habe so ein Word-Dokument bei mir auf dem Desktop liegen, das da ganz unprätentiös heißt: "Blog Themen". Hier notiere ich mir Gedanken, Stichworte, Links, die ich im Blog erwähnen oder aufbereiten möchte und die ich andernfalls zu vergessen befürchte, würde ich sie nicht festhalten. Für Paris stehen da folgende Punkte und sie erheben weder Anspruch auf Vollständigkeit, noch sind sie besonders Paris-aussagekräftig. Aber sie betreffen mich und darum geht es hier schließlich unter anderem, um meine Sicht auf Erlebtes. Als erstes steht da also:

 

Hingefallen 2x

Tatsächlich habe ich meine panische Angst vor einem Treppensturz in meiner Wohnung bis zum Schluss nicht verloren. Tatsächlich ist es mir auch gelungen, sie nicht Wahrheit werden zu lassen. Ich bin original in 8 Monaten nicht ein einziges Mal die Treppe rauf- oder runtergefallen. Rischdisch. Der intelligente Leser fragt sich nun zu Recht, warum dann der Absatz so heißt. Ich bin in meinen letzten Wochen gleich 2x richtig fett hingefallen, nur 1x war allerdings eine Treppe involviert. Es begab sich also zu der Zeit eines Samstag Nachmittags, ich in mittleren Zügen der Masterarbeit, im Starbucks in der Nähe von Hôtel de Ville. Mir oben schon ein Plätzchen gesichert (was dem Deutschen auf Mallotze sein Handtuch auf der Liege ist, ist meine Tasche, meine Jacke und mein Mac auf mindestens 2 Stühlen an der Fensterfront im Starbucks), bestellte ich mir einigermaßen mutig zu meiner Standard-Bestellung (Venti Cappuccino mit Magermilch, normaler Espresso, bitte keine Kenya-Bohne-Faxen und auch nur 1 Shot) noch einen Tall Refresha Very Berry Hibiscus (einfach um es mal ausprobiert zu haben und weil mir noch nach was kaltem, fruchtigen war). So. Insgesamt kann man das Teil übrigens sogar noch empfehlen, wenngleich ich nicht sicher weiß, ob es in den Wintermonaten dem Starbucks-Sortiment erhalten bleibt. Anyway. Ich mit meinen 2 Bechern und einem Portemonnaie unterm Arm straight Richtung Treppe, was einem natürlich kein Schwein sagt, ist dass die Stufen unterschiedlich hoch sind. So was passiert einem auch in Deutschland nicht, da werden bei Bauvorhaben noch rechte Winkel und DIN beachtet. Nicht so in Frankreich. Die eine Stufe war also 1.5x so hoch wie die letzte, eine Tatsache, die ich auf das Balancieren meines Gesöffs konzentriert nicht zu würdigen in der Lage war. Es schlägt mich also der Länge nach hin, in diesem Fall das klassische "Treppe rauffallen", ich liege in einem See aus Cappuccino, Refresha, Eiswürfeln und ganzen Brombeeren. In solchen Momenten denkst Du Dir: mein Leben läuft. Dein Leben läuft übrigens noch umso mehr, wenn anwesende zumeist französische Gäste Dich kurz eines mitleidig-abschätzigen Blickes bedenken, sich direkt wieder ihrem Gesprächspartner oder ihrem - welch' Glück - nicht vergossenen Getränk zuwenden und Dich nicht fragen, ob Du verletzt seist, ob man Dir helfen könne. Okay, gebe ich zu, wäre auch zu viel verlangt. Stattdessen steigt man ohne mit der Wimper zu zucken über Dich drüber, bedacht, nicht mit den Füßlein den Getränkesee zu berühren oder auf den Eiswürfeln auszurutschen. Ich, zu dieser Phase nervlich gespannt wie noch was, fange erst mal theatralisch das Schluchzen an - nicht weil mir meine Verletzungen so weh täten, sondern einfach weil es so eine Scheiß-Kombination aus allem möglichen ist. Ich warte noch so 10-15 Sekunden auf der Treppe kauernd, aber nee, es hilft keiner. Gut. Ich schmeiße die Überbleibsel meiner zermatschten Becher in den Mülleimer, nehme mir kurzerhand alle Servietten aus dem Spender und wische die Treppe, zumindest mal notdürftig. Ich opfere auch noch alle meiner Tempos, die Stufen sind trotzdem immer noch weit entfernt von trocken oder sauber. In diesem Zustand (aufgewühlt und mit Cappuccino-Laufleggins) ist an Arbeiten nicht zu denken, ich streiche für heute die Segel und packe mein Zeug. Im Hinausgehen rege ich einen der Barista an, den Aufgang zu säubern, ich habe dort versehentlich etwas verschüttet, nicht dass noch jemand stürze. Kommentar: ja, habe er schon gesehen, wegen mir könne er jetzt den Wischmopp schwingen, toll gemacht. Meine von Tränen zerlaufene Wimperntusche, meine blutenden Handgelenke und mein tropfendes Outfit könnten ihm egaler nicht sein. Ja. Toll gemacht, Nina. Ich denke mir: f*** you.

 

 

So. Mittlerweile habe ich da nur noch 2-3 ansehnliche Narben, aber gut, bisschen Schwund ist ja immer. Ein paar Wochen vorher, mein zweiter glorioser Hinfaller, bin ich übrigens an Ostern im Vier Jahreszeiten in München beim aus-der-Dusche-Steigen ausgerutscht. Schön, wie man es kennt, nasse Füße, Marmorboden, Steißbein auf die Duschschwellenkante. Läuft. Dieser Moment, wenn du denkst, Du kannst nicht atmen. Unbezahlbar. Die blauen Flecken an Hüfte und Oberschenkeln, als habe man Dich mal ordentlich vertrimmt übrigens auch. Aber so viel zu meiner Fall-Karriere 2016.

 

Master Thesis

Wie auch bei meiner Bachelor Thesis habe ich zwischenzeitlich gedacht, ich drehe durch. Nun bin ich bekanntermaßen von der Sorte, die sich gerne mal unter immensen Druck setzt, die alles am perfektesten haben möchte und die im Tunnelblick völlig die Dimensionen vercheckt. Ich habe kaum noch geschlafen, nicht weil mir die Zeit gefehlt hätte, sondern weil ich so unruhig war, dass ich es nicht konnte. Ich habe auf dem Boden auf einem Kissen mit dem Mac gesessen und getippt, weil mir in jeder anderen Position der Hintern vom langen Sitzen zu weh tat. Ich habe mitten in der Nacht literweise Filterkaffee in mich reingegossen, weil ich dachte, biste quasi eh schon wach, dann Vollgas. Kurz um: ich habe mich völlig verrückt gemacht. Im permanenten Glauben, meine Arbeit sei schlecht - schlecht konzipiert, schlecht geresearched, schlecht geschrieben, schlecht halt. Ich habe irgendwann begonnen mein Thema zu hassen, ein natürlicherweise sich einstellender Zustand nach Wochen intensiver Beschäftigung damit. Weswegen ich nur jedem, der eine mehr als ein Literature Review oder Seminar Paper von 10 Seiten umfassende Arbeit zu schreiben gedenkt, egal ob Bachelor oder Master Thesis oder Promotion, raten kann: nimm' ein Thema, was Dich persönlich interessiert, was Dir am Herzen liegt, was Du wirklich liebst. Denn - und das ist leider der Sinn und Zweck von wissenschaftlichem Arbeiten - am Ende der Zeit wirst Du es hassen, Du wirst es zerpflückt haben, bis es thematisch völlig zerfleddert den Charme seines Ganzen verloren hat, Du wirst es einfach nicht mehr sehen können. Und diesen Punkt erreichte ich an einem Freitag Abend, dicke 6 Tage vor Abgabefrist, an dem ich nicht mehr die Kraft hatte, meine eigenen letzten 4 Seiten Conclusion Korrektur zu lesen. Ich hatte den Input zweier meiner liebsten Korrekturlese-Freundinnen eingearbeitet, die beide jeweils im Hinblick auf völlig unterschiedliche Dinge Korrektur lesen: die eine dank ihrer, meiner sehr ähnlichen Fast-Muttersprachlichkeit auf Nuancen in Grammatik hinweisend, die andere dank ihrer brillanten Kenntnis der Guidelines für Verfassen wissenschaftlicher Arbeiten mich auf jede halbwegs schlampig referenzierte Quelle, falsch formatierte  irgendwas oder fehlende Seitenzahl stößt und mich mit liebenswerter Brutalität dazu zwingt, den ganzen Rotz zu bereinigen. Danke Euch beiden, Ihr seid Gold. Aber das wisst Ihr eh. Nachdem von den beiden also neben sämtlicher korrigierenden Anmerkung die Gesamteinschätzung gekommen war, der rote Faden sei durchaus erkennbar und die Arbeit insgesamt doch super, ich mit meinem USB-Stick straight zum Copy Shop. Völlig perplex ob der geringen Druck- und Bindekosten mit meinen drei Exemplaren direkt auch noch zur Post marschiert und eine Hard copy davon per Express nach London geschickt. Danach noch die Soft copy ans Prüfungsamt nach Berlin gemailt und feddisch. 

Im Juni habe ich das Ding in einer selbst für mein Dafürhalten recht guten Präsi verteidigt und seitdem das ganze mental abgeschlossen. Ein literarisches oder forschungsrelevantes Meisterstück ist es meiner Ansicht auch nicht geworden, aber glücklicherweise war meine Ansicht hier weder ausschlaggebend noch notenentscheidend.

Mein gefühltes "schlecht halt" wurden übrigens letzten Endes im französischen Notensystem eine 18/20, was im Deutschen einer 1,2 entspricht etwa. Eine begeisterte Professorin inklusive. Klarer Fall von "nur knapp nicht durchgefallen" oder vielmehr "beschissene Selbsteinschätzung".

 

 

Patrizia wohnen

In den letzten Wochen hat eine Freundin, Patrizia (die mich auch zu dieser Veranstaltung in die Fondation Louis Vuitton begleitet hatte), bei mir gewohnt. Sie hatte zu diesem Zeitpunkt noch keine eigene Wohnung wieder und ich darf sagen: in drei Wochen, die man gemeinsam auf 45qm verbringt, lernt man sich verdammt gut kennen und mögen. Danke Patrizia, für geistiges in den Arsch treten, für Aufbauen, für verständnisvolle Gespräche und dafür, dass Du so bist wie Du bist und mich so ertragen hast wie ich bin - nicht immer ganz easy to be with. Und danke (unter anderem) für den wunderbaren Nagellack, Chérie von Kure Bazaar! Mädels, aufgepasst: kaufen, die Harpers empfiehlt die Lacke übrigens hier auch..

 

Verrückte

Ich lasse mich zu der These hinreißen, dass es in Großstädten mehr Gestörte gibt. Einfach weil es mehr Menschen gibt und die Statistik hier hilft, aber auch weil die Menschen a) sich "mehr" einfallen lassen müssen, um sich von der Masse abzuheben und aufzufallen, weil b) eh keiner etwas dazu sagt, wenn Du modisch fragwürdige Looks als "Street Style" an den Start bringst oder Dich c) durch Verhaltensauffälligkeit zu center of attention machen musst. Zugegeben, ich war in London auch schon mal mit einer orangefarbenen Wollmütze im Club feiern, einfach weil ich's geil fand. Das ganze färbt also ab. Tatsächlich ist der spill-over Effekt aber derartig mächtig, dass auch Du als bisher halbwegs normal gepoltes Individuum beginnst, Deine geistige Verfassung anzuzweifeln oder Dir Sorgen um die eigene Psyche zu machen. Einfach ob der ganzen "inspirierenden Stimuli" quasi. Ein paar Beispiele: im Starbucks Nähe Louvre legt sich vor mir eine ältere Frau mit einer weißen gefalteten Papierblume in der Hand und einem grellpinken Turban auf dem Kopf auf den Boden und dreht sich im Kreis, singend. In einem anderen Café sitzt jemand, der scheinbar im Flow (oder im Delirium) mit 6 Stiften gleichzeitig manisch kritzelnd und gefühlt künstlerisch begabt an einem, Bild kann man es eigentlich nicht nennen, "Werk" malt. Im Jardin du Luxembourg gibt es einen Geher, der komplett in Kanariengelb - kanariengelbes Sonnenkäppi, kanariengelber kurzärmliger- und kurzbeiniger Ganzkörperanzug, kanariengelbe Schweißbänder, kanariengelbe Stulpen, kanariengelbe Turnschuhe und kanariengelben iPod mit dazu passenden kanariengelben Ohrstöpseln - unbeirrlich seine Runden zieht. Oder geht. Beim 20. Mal, das er an mir vorbeiwackelte habe ich aufgehört zu zählen. Und mich stattdessen dem Hamster oder der Hausratte an der Leine zugewendet, den zwei italienische sprechende Typen vor mir Gassi führten. "Sduarrde Littell" nennen sie ihn, ich habe das mit einem Video auf dem iPhone festgehalten (welch Jammer, dass ich immer noch nicht weiß, ob und wie man hier Videos hochlädt). Eine Woche später telefoniere ich mit meinem sehr guten Freund Philip in London, er meint das sei gar nichts: bei ihm würden sich die Leute Apfelsinenschalen hinter die Ohren klemmen in der Hoffung, dadurch kreativer zu werden. Ich bin beruhigt, es muss ein Großstadt-Phänomen sein.

 

3 Mots Pour Paris / 3 Words for Paris

Bitte einfach dieses amazing Video ansehen. Denn das ist Paris.

 

Come&Stay in Paris

Dieses auch. Denn auch das ist Paris.

 

 

Paris Guide

Zugegeben nicht von mir, aber von einer norwegischen Kommilitonin, Anniken, die auch zur gleichen Zeit dort war und die ebenfalls bloggt. Sie hat einen recht anderen Schwerpunkt beim Bloggen, aber in diesem Fall hat sie einfach ein paar Tipps - denen ich 100% zustimme.

 

WALK

ART

VIEW

FOOD

 

 

Noch einmal werde ich nach Paris zurückkehren, am 2. Dezember diesen Jahres zur Verleihung meines Zeugnisses und zur Feier abends. Ich nehme mit: Mama und Alfons und ein tolles Master-Ballkleid, das ich aber noch nicht habe.. stay tuned ;) 

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Good Grief. Nur Bilder.

Wie versprochen: nur Bilder von München der letzten Wochen. Okay. Und Musik - einmal cool und einmal nachdenklich. Viel Spaß.

 

 

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Stand der Dinge.. äh des Lebens. Lebensstand halt.

Es ist Montag, der 15. August. [Ich weiß, heute ist nicht Montag. So verkalkt bin ich dann doch noch nicht. Aber als ich mit dem Verfassen dieses Eintrags begonnen habe, war es Montag. Und dann ist mir aber bisschen was dazwischen gekommen, es nennt sich Leben. Anyway, jetzt geht's ja weiter. Montag also.] Feiertag - zumindest in Bayern, wo ich jetzt lebe. Und was ziemlich cool ist. Also das mit den Feiertagen, davon haben wir nämlich verhältnismäßig viele. Was sich auch im selben Atemzug mit den Ladenöffnungszeiten in diesem Bundesland aufhebt, davon haben wir nämlich echt frühe. Nach 20.00 Uhr jeht nüscht mehr. Reinzeit gemessen und beide Umstände aufgewogen hat man also vermutlich ungefähr nix gewonnen. Aber mei.

Ich habe also frei, was auch top ist, weil ich doch noch so das ein oder andere To do auf dem Zettel habe. Und eigentlich gar keine Zeit für einen Eintrag hätte. Aber man soll die kreativen Schübe, bei mir gefühlt als Schreiblust und Fingerkitzeln, bekanntlich nutzen - wenn sie denn schon mal kommen. 

Und eigentlich wollte ich ja auch einen kleinen Paris-Rückblick wagen, jetzt wo ich wieder ein Viertel Jahr in Deutschland bin. Irgendwie fühlte es sich aber tatsächlich natürlicher an und ist auch für Sie/Dich leichter einzuordnen, wenn ich zunächst mal da abhole, wo ich eigentlich gerade bin. Also im Leben quasi. Und in München. Und sowieso. Daher wird diese Paris-Review auf den nächsten oder einen der nächsten Posts postponed.

Wo bin ich also? Ich bin genau da, wo ich zu diesem Punkt in meinem Leben sein sollte. Ich bin da, wo ich sein will. Einfach weil mein Herz und mein Kopf (ausnahmsweise sich mal nicht gegenseitig Widerworte gebend, Tag und Nacht battlend) gesagt haben, wohin die Reise geht. In diesem Fall, was die zunächst (für die nächsten sagen wir mal mindestens 3 Jahre) finale Destination ist. Nicht weil es sich auf dem CV gut machte, hierher zu gehen, oder weil es vom Curriculum an der Reihe oder weil ich nur hier wegen eines Jobs wäre. Nope. Diesmal bin ich einfach "nur" hier, weil ich hier sein will. Was nicht heißt, dass ich nicht an den Orten und in den Gegebenheiten der letzten Jahre habe sein wollen. Aber ich bin jetzt ausschließlich und primär motiviert vom Hier-sein hier - bezogen auf Stadt, Job, Punkt im Leben, Familien- und Freundessituation. Und das ist einfach ein verdammt gutes, wenngleich mir gar nicht so bekanntes Gefühl. 

Wo stehe ich also? Wir alle wissen nun glücklicherweise wie und ungefähr wo ich wohne, dann kann man sich mich darin vielleicht noch mal etwas besser vorstellen. Nicht alle von uns (zumindest wurde ich sehr häufig dazu befragt in letzter Zeit) wissen allerdings bisher über meine berufliche Tätigkeit, über den Job, den ich am 1. Juli angetreten habe. Ich bin (und so viel verraten auch mein Xing und mein LinkedIn Profil) im Unternehmen MSD, als Jr. Brand & Customer Manager Diabetes eingestiegen und fühle mich zum gegenwärtigen Zeitpunkt mit quasi allem sehr wohl. Die Menschen, mit denen ich zusammenarbeite bzw. an die ich berichte, sind durch die Bank herzlich, integer, kompetent und angenehm. Das Klima ist es ebenso - etwas, was heutzutage auch nicht mehr selbstverständlich ist. Bei den Bereichen Arbeitszeiten, Gehalt, Attraktivität meiner Aufgaben und Projekte werde ich nicht ins Detail gehen, weil so etwas auch aus arbeitsrechtlichen Gesichtspunkten vermutlich nicht auf eine öffentliche Plattform wie einen Blog gehört. Aber wer mich persönlich fragte, bekäme ein vielsagendes, zufriedenes, leicht verschmitztes Lächeln. So far, all good.

"Und was machst Du da so den ganzen Tag, Nina?" - "Ganz ehrlich? Weiß ich auch nicht."

Nein, ohne Witz, zu der Art von Aufgaben, die dort in meinen Verantwortungsbereich fallen, sei gesagt: im Grunde klassisches pharmazeutisches Produktmanagement eines Diabetes Präparates mit allem, was dazugehört. So.

Das war vielleicht die zweite Kernänderung in meinem Leben, nach der Wohnungssituation. Dann habe ich ja jetzt noch ein bisschen Platz für Dinge der letzten Wochen, die das Leben einfach schöner machen. Zunächst mal die immateriellen: ich sehe meine Mutter und Alfons mindestens 1x die Woche, wo wir besprechen, was gerade so ansteht, Sonntag abends (in ihrer Wohnung im Lehel) gemeinsam Tatort schauen. Wo wir uns zufällig auf dem Viktualienmarkt begegnen, einfach weil wir in der selben Stadt leben und München ein Dorf ist. Wo wir beim EM-Viertelfinal Elfmeter-Krimi Deutschlands gegen Italien vor ein paar Wochen uns an den Händen haltend gebannt auf der Couch mitfieberten. Wo ich mit meiner Mutter samstags in die Stadt zum Shoppen gehen kann und wir gemeinsam erst mal mehrere Stunden den Douglas plündern, bevor es weiter Richtung Maximilianstraße geht. Wo ich mit meiner Mutter auf das Rihanna Konzert gehen kann (was übrigens endcool war!), einfach weil meine Mutter in der Stadt lebt, in der ich lebe. Wo ich hinten auf der Vespa mit Alfons rollern darf (macht mega Spaß, auch wenn ich vermutlich aussehe wie ein Klammeraffe auf dem Schleifstein^^) oder wir, Alfons und ich, mit der Familien-französischen Bulldogge Audrey spazieren gehen und uns hinterher auf Holunderschorle und Hofbräu in den Biergarten am Muffatwerk setzen. Wo ich mit meiner Familie Sonntags in der Früh auf den Kocherlball gehen kann, Muddi und ich im Dirndl, Alfons in Lederhosn. Wo ich mit meiner Familie endlich Dinge tun kann, die man mit seiner Familie gerne tut - ohne dass man sich in der selben Stadt zu sehr wieder Nesthockermäßig auf die Pelle rückte.

Und ich habe Zeit für meine Freundschaften, für die vor Ort, meine Lisel zum Beispiel wieder regelmäßig zu sehen, und für die in anderen Städten am Telefon oder per Skype, einfach weil ich den Kopf dafür frei habe und mir die Zeit nehmen kann, wenn ich es möchte. Und das schöpfe ich aus, ich genieße die Telefonate, die intensivierten WhatsApps, die langen Nachrichten mit Euch sehr - Ihr wisst ja wer Ihr seid ;)

 

 

 

Und weil gerade auch für mich (jemand attestierte mir tatsächlich mal, ein "Luxusweibchen" zu sein) die materiellen Dinge das Leben bisweilen schöner machen, hier ein kleiner Auszug aus dem Portfolio der zugegeben vielfältigen Erwerbnisse der letzten Monate, die mir jeden Tag einfach Spaß machen.

1. Von Muddi an einem der besagten Shopping-Samstage geschenkt bekommen und straight an allen meiner bisherigen Lieblingsparfums vorbei an die Spitze marschiert: Forever and ever Dior. Folgendes habe ich mir nicht selbst ausgedacht oder olfaktorisch begnadet erschnüffelt, sondern ganz klassisch gegoogelt: Kopfnote aus Freesie und Jasmin, Herznote aus Geranie, Mandel und Rose, Basisnote aus Moschus, Muskat und Vanille. Das EdT ist ein Duft aus der Linie Les Créations von Dior, er ist unverwechselbar und sorgt den ganzen Tag über für ein frisches, elegantes Gefühl. "Feminine Zärtlichkeit" und "selbstbewusste Ausstrahlung" gingen mir jetzt etwas weit, aber die Hälfte des Flakons ist schon leer und das will bei mir was heißen.

 

 

Forever and Ever Dior Eau de Toilette (EdT) von Dior, 100ml ca. €110.-, erhältlich bei Douglas 

 

 

2. Ein schon seit längerem ins Auge gefasste Objekt der Begierde: die Céline Sonnenbrille Audrey.

Und jetzt muss ich mal kurz eine Lanze für mich selbst brechen: meine letzte "gscheide" Sonnenbrille habe ich im Sommer 2011 in Zürich erworben (bekommen^^), das Modell Max Mara MM London. Es ist also durchaus legitim, dass ich mich da mal bisschen neu ausstatte. Maßgabe ist übrigens  - wie immer bei Brillen - "Brille frisst Gesicht", in diesem Fall also known as Puck, die Stubenfliege. In jedem Fall bin ich fei ziemlich happy mit meiner Errungenschaft - sie ist einfach wunderbarst und ich wollte schon immer eine Céline. Und ja, das klingt mega Tussi-haft, dessen bin ich mir durchaus bewusst. Aber: it's sse truhß! 

Bilder von mir mit ihr, gibt's bald, zunächst aber mal nur sie alleine.

 

 

Céline CL 41755/S Audrey, ca. €280.- (plus geschliffene Gläser ca. €200.-), erhältlich u.A. bei meinem Optiker des Vertrauens

 

 

 

 

3. Mein viertes Paar Supergas. Muss man jetzt glaube ich nicht zu viel zu sagen. Sind halt Klassiker und sind Schuhe und von Schuhen kann man eh eigentlich nicht genug haben. Es gilt ausnahmsweise: mehr ist mehr (was sonst so gut wie nie gilt, außer beim Geld, da ist auch mehr mehr).

 

 

Superga Cotu Classic Sneaker low, ca. €60.-, erhältlich bei Eurem Online-Schuhhändler des Vertrauens ("Schrei vor Glück!")

 

 

4. Wimpernextensions. Jap. Hat man sich auch mal machen lassen. Und ja, macht einen noch Tussi-hafter, aber das lasse ich mir in diesem Eintrag einfach mal raus. Muss auch mal sein. Die Erfahrung, die ich jetzt damit gemacht habe, ist aber eine ähnliche wie die, die ich mit Extensions von Udo Waltz für das nicht rapunzelhafte Haupthaar von vor 2 Jahren ca. verbinde. Sauteuer, fühlt sich unnatürlich an und ist nice to have, kann man sich aber schenken. Die 1 1/2 Stunden, die man da liegt, die €85.- die das beim ersten Mal für die (Achtung!) natural Variante kostet, könnt Ihr, Damen der Schöpfung, sinnvoller anders investieren. Und nur, weil ich Euch den Silberblick à la Tatort im komplett ungeschminkten Zustand (#Iwokeuplikethis #likereally) nicht vorenthalten möchte, biddeschöön..

 

[ok, nicht für dieses Treatment, aber sonst mein Kosmetikstudio der Wahl für etwa alles. Im Glockenbach, aber auch deutschlandweit.]

 

 

 

Mitlesende Männer und Frauen, die diesen Eintrag jetzt weder inhaltlich noch literarisch DEN Knüller fanden: die nächsten Einträge beinhalten endlich die Paris Review, ein Best of an München Bildern (ohne Text) der vergangenen Wochen und Rezensionen zu 2 Bars, die ich neu in München ausprobiert und für subbi befunden habe..

Bis bald, xx

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Generation Beziehungsunfähig

Ich muss gestehen, dass ich in den letzten Jahren wirklich wenige Bücher gelesen habe. Gerade stelle ich mir auch die Frage, ob es wohl "wenig Bücher" oder "wenige Bücher" heißen muss. Etwas was ich vielleicht wüsste, wenn ich mehr Bücher gelesen hätte. Dieser Mangel an literarischer Weiterbildung (wenn man Spiegel-Bestsellerliste und die Klassiker der Weltlektüre mal verallgemeinernd und vereinfachend in einen Topf wirft) liegt nicht etwa an Ignoranz, Renitenz oder fehlender Motivation meinerseits. Zumindest rede ich mir das ein. Vielmehr liegen die Gründe (oder die Ausreden) in mehrerlei Ursprüngen. Am dankbarsten ist ja wie wir alle wissen die liebe Zeit, die uns angeblich fehlt. Brutal aber realistisch ausgedrückt: die wir uns nicht bereit sind für etwas oder jemanden zu nehmen oder mit welcher Priorität wir Dinge kategorisieren. Im Fall der Priorisierung auch ein schöner Exkurs: der Vielen nicht geläufige Unterschied zwischen Wichtigkeit und Dringlichkeit. Aber das ist ein anderes Thema und führte hier zu weit. Also "ich hatte keine Zeit". Die letzten sagen wir mal 6 Jahre nicht. 6 Jahre sind für mich der sogenannte "Rechtfertigungszeitraum". Er umfasst ziemlich genau die Dauer meiner akademischen Ausbildung sowie meiner praktischen Erfahrungen. Abitur 2010, 3 Jahre Bachelor, 1 Jahr erste Masterhälfte, Gap Year, 1 Jahr zweite Masterhälfte. Here we are. Ich rechtfertige also mit dieser selbstgewählten Periode meines Lebens diverse Entscheidungen oder Entbehrungen, die ich für nicht mehr weiter um- oder fortsetzbar gehalten habe, zu einem Zeitpunkt, an dem ich nicht ahnen konnte oder gewollt hätte, wie sehr sie mir einige Jahre später abgehen würden. Das sind in der Tat recht vielfältige Arten meine Lebensweise zu ändern, sei es die Pferde zu verkaufen und anstelle des Reitens in die Gym zum Laufen zu gehen. Oder die in Kauf genommene Entwicklung, dass sich aufgrund meiner Umzüge in immer wieder wechselnde Städte und Länder eh schon eher lose Freundschaften in nur noch sporadischste Bekanntschaften verwandeln. Das gleiche gilt für eine Beziehung, die ich vielleicht (!) hätte kontinuierlich führen können, wenn ich nicht so unheimlich unterwegs und busy und international gewesen wäre. Stattdessen habe ich mich oft mit "nichts Ernstem" oder auch mal als letztes einer Fernbeziehung abgefunden - nichts was auf Dauer meinem Ideal oder meinen wahren Interessen entspräche. Aber gut. Das "vielleicht" ist legitim, denn nur weil man am selben physischen Ort ist, heißt es nicht, dass Beziehungen nicht doch scheitern können. Dass man nicht trotz körperlicher und örtlicher Nähe dennoch unendlich weit voneinander entfernt sein könnte, emotional betrachtet. Oder aus zehntausend anderen Gründen. Aber auch das würde den Rahmen an dieser Stelle sprengen. Gegenwärtiger Status für den ein oder anderen, der es sich gefragt haben mag oder den es interessiert, ist: Single. Oder "erfolgreich auf die Fresse gefallen". Wie ich neulich gelesen habe. Fand ich famos. Wobei ich dem Satz in meinem Fall ein "wieder" voranstellen wollte. 

Nun ja. Zurück zu den Entscheidungen. Meine Mutter und Alfons nur noch seltenst sehen zu können. Meine engsten Freundschaften (fast ausschließlich) über Telefonate, WhatsApp und Skype zu pflegen. Daran zu messen, wem ich und wer mir augenscheinlich wirklich wichtig ist und wen ich nicht verlieren wollte. Mich körperlich und seelisch an meine Belastbarkeitsgrenzen zu bringen, überzeugt von der gleichermaßen idiotischen wie meinem Ehrgeiz geschuldeten Überzeugung, sonst könne ich nicht das "Beste" erreichen. Was auch immer das Beste sei. Nun kann man - völlig unabhängig davon wie überaus positiv, erfolgreich und (tatsächlich an meinen eigenen Maßstäben gemessen) zufriedenstellend der Outcome meiner Ausbildung ist (sehr nämlich) alle vordergründigen Entbehrungen natürlich auch durchaus positiv auslegen. Oder sich schön reden. Je nachdem. Wenn man etwas will, muss man Opfer bringen, man muss sich anstrengen. There's no such thing as a free lunch. Leistung wird belohnt (meistens) und Faulheit wird bestraft (leider nicht oft genug). Das meritokratische Prinzip runtergebrochen auf Hauptsätze und durchaus mit meiner Haltung zum Leben kongruent. Und zufälligerweise mit der der Menschen, die mir am nächsten stehen. Faktisch hätte ich also nie meine Begeisterung für das Laufen oder die Gym entdeckt, hätte entsprechend nicht die Kondition und auch nicht das Wissen, wer mir wann fehlt, was ich in Freundschaften und Beziehungen wertschätze, die Erkenntnis immer wieder Dinge leisten zu vermögen, die ich mir vorher nicht zugetraut hätte. Ich würde all das nicht eintauschen wollen. Es macht mich zu der Person, die ich heute bin und die Frage "was wäre wenn..?" ist müßig, die Antwort darauf in Form von hypothetischen Szenarien unbefriedigend spekulativ. Mir fällt auf: ich bin ein wenig ausgeschweift. Ausgeschwiffen sozusagen. 

Platt ausgedrückt und zum Ursprung meiner Ausführungen zurück kehrend: ich habe wirklich nicht wesentlich mehr gelesen in den letzten Jahren, als das was akademisch gesehen notwendig gewesen wäre um die Klausuren zu bestehen oder privat betrachtet länger als die Welt am Sonntag, die Vogue, Elle, das Manager Magazin oder die Neon. Ein eklektischer Auszug meiner Vorliebe an Magazinen, der sich zugegebenermaßen ein wenig liest wie Erdbeeren mit Spargel und Aceto Balsamico. Auf den ersten Blick scheinbar nicht zueinander passend, auf den zweiten aber durchaus geschmacklich harmonisch. Tatsache ist aber: ich habe privat vielleicht 5-10 Bücher gelesen. Und 10 ist hier die sehr wohlwollende Schätzung gegen die deprimierend nagende Realität, dass es vermutlich doch eher 5 waren. Die ich nicht mal aufzählen könnte. Tatsächlich sind die Gründe dafür gleichermaßen nachvollziehbar (wir alle lesen regelmäßig die selbe Seite abends im Bett von neuem, weil wir nach just einer Seite einschlafen) wie mir eigene. Wobei. Vielleicht kann auch der ein oder andere eine mit fortschreitendem Lebensalter verkürzte Aufmerksamkeitsspanne bestätigen. Was länger als ein durchschnittlicher Artikel und ohne packenden Plot ist habe ich vergessen. Wie ein Goldfisch. Oder gar nicht erst verstanden, da lese ich das dann 3x bis die Botschaft klar ist. Man könnte hier auf Minderbemittelung, Grenzdebilität oder verdammt frühzeitigen Alzheimer schließen. Man könnte mich aber auch einfach mit Volumen und Komplexität der auf uns einprasselnden Informationen exkulpieren. Der Masse an Zeug, die man auf der Festplatte speichern muss, ohne dass sie einen interessierte. Und die regelmäßig nach Abgabe des Exams oder der These mit bescheidenen Mengen Alkohol (ich vertrage ja bekanntermaßen nicht viel) gelöscht und neu formatiert wurde. Für das nächste Semester. Der Irrglaube, der mich in dieses (wenngleich erträgliche) Schlamassel geführt hat liegt im Vergleich von Jahreszahlen in Geschichte und lateinischer Grammatik mit Inhalt eines betriebswirtschaftlichen Studiums bis zum Master. Hochintelligent muss man für beides nicht sein, wirklich richtig gut auswendig lernen konnte ich aber leider nur ersteres. Was auch erklärt, warum ich in Schulzeiten noch mehr zerebrale Kapazität für Harry Potter, TKKG und Co. habe aufwenden können. Anyway. Und drittens, weil ich ein sehr picky Leser bin. Wenn mich der Autor nicht auf der spätestens zweiten Seite packt, wenn ich nicht das unbändige Verlangen spüre zu erfahren wie es weitergeht, wenn auf meinem Nachttisch "der Stapel" wächst. "Der Stapel" ist übrigens das Pendant zu "dem Stuhl". Noch nicht dreckig genug für die Waschmaschine, aber zu getragen für wieder in den Schrank - willkommen auf "dem Stuhl". Willkommen auf "dem Stapel" also: zu unbegeisternd, um zu Ende gelesen zu werden, aber zu gesellschaftlich relevant, zu sehr Trend, zu teuer, zu sehr im Kanon, um in die Tonne oder zurück zu Amazon in den Marketplace gekloppt zu werden. In Anbetracht dieser viel länger als beabsichtigt geratenen Vorrede, ist es daher durchaus bemerkenswert, wenn ich tatsächlich mal ein Buch empfehle. Ja, erst mal, dass ich eines fertig gelesen habe. I know. Aber dann auch noch, dass es wirklich gut (und damit meine ich WIRKLICH GUT!) ist. Vor allem aber ist seine Zielgruppe altersmäßig sehr universell. Meiner Generation (sagen wir mal sehr großzügig zwischen 18 und 35 - auch wenn ich mich weder wie 18 noch wie 35 empfinde) spricht es aus der Seele. Jeder vorangehenden also älteren Generation erklärt es die Welt wie wir sie sehen und fühlen. Und zwar auf alles bezogen. Der Titel des Buchs lautet "Generation Beziehungsunfähig" und es wurde von Michael Nast geschrieben. Für jeden der nun die Augen verdreht und Beziehungsratgeber, Selbsthilfebuch oder sonst wie vom Titel hervorgerufenes Klischee assoziiert, dem sei gesagt: nicht. Nichts davon. Ein herrliches Stück der Gesellschaftskritik, eigentlich fast Gesellschaftssatire, das sprachlich geschliffen, amüsant und tragisch realitätsnah ist. Eine Leistung, mit der der Autor bei unterschiedlichem Leserklientel verschiedene aber vermutlich intendierte Reaktionen auslösen wird. Zielgruppe a) (siehe oben) denkt auf ungefähr jeder Seite: "Oh mein Gott. Der Typ hat so recht! Wieso habe ich dieses Buch nicht viel früher in die Hände bekommen, wieso brauchte es so lange bis das überhaupt mal jemand aufschreibt?" Zielgruppe b) denkt: "Ach deswegen machen die das so wie sie das machen. Jetzt verstehe ich das, was vorher Mysterium war, mir unbegreifliches wie verkommene Wertvorstellungen, unmögliches Datinggebaren, Karriereambitionen, Umgang mit neuen Medien, und und und. Plötzlich sehe ich das mal aus deren Brille und ich begreife wieso mein Sohn/meine Tochter sich so verhält wie er/sie sich verhält." 

Und selbst für den, der sich als Zyniker oder keiner der beiden Leserschaften zugehörig fühlt, hat es einen wie gesagt wirklich grandiosen Unterton der Realsatire. In einem Satz: Wenn man innerhalb von 5 Jahren ein Buch gelesen haben sollte, dann dieses. Und bei jemandem, der sich bewusst nur an dieses Buch innerhalb von 5 Jahren erinnern kann (=mir) will das wirklich was heißen. 

 

 

 

 

 

Dieser Post ist übrigens für Denise. Die mir dieses grandiose Buch empfohlen und ausgeliehen hat.

Für Pia. Die genau so desillusioniert ist wie ich.

Für Anna. Für Lisa. Für Anja. Ihr wisst warum.

Für alle anderen gut aussehenden, intelligenten, witzigen, treuen, charmanten jungen Frauen, die sich so unnachvollziehbar schwer tun. In einer Zeit, in der Beziehungen komplizierter geworden sind, geredet nur noch über WhatsApp wird, Diskussionen am Telefon stattfinden, Gefühle über Facebook mitgeteilt werden, Sex leicht zu haben (siehe Tinder) und das Wort "Liebe" völlig aus dem Kontext geraten ist. In der Vertrauen keinen Stellenwert mehr einnimmt, Fremdgegangen aus Versehen wird, Schluss machen die einzige Option ist und verletzt zu werden natürlich wurde. In einer Zeit, in der gefragt wird "Ist das Liebe oder kann das weg?".

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Home Story: Mein Zuhause in München

Eeeewigkeiten habe ich darauf hingefiebert, seit ca. 2 Monaten ist es so weit: ich wohne in meiner Wohnung. In meiner eigenen Wohnung, von mir ausgesucht, von mir gemietet, von mir möbliert und eingerichtet, mit allen (also allenallen) meinen Sachen, die Miete von meinem Gehalt bezahlt. Ich bin angekommen - nachdem ich in den letzten 6 Jahren (wie den meisten von Euch bekannt sein dürfte) von Mainz nach Oestrich-Winkel nach Zürich nach Oestrich nach Wiesbaden nach Indien nach Mainz nach München (Schwabing) nach Oestrich (Hattenheim, dann Hallgarten, dann Winkel) nach London nach Berlin nach München (Gärtnerplatzviertel) nach Paris gezogen bin. Und immer einen Teil meiner Sachen in unserem ehemaligen Haus in Mainz auf dem Speicher hatte. Und aus Kisten gelebt habe bzw. aus Koffern - allgegenwärtig die Gedanken "Wo war noch mal .., das war doch auch hier irgendwo?! Oder habe ich das in Mainz?", "Ist das in dem ganzen Wust verloren gegangen?", "Wie viel unnötiges Zeug kann ein einzelner Mensch anhäufen?".

Lange Wohnungssuche, gar kein Sinn: seit Juni wohne ich in einer neu sanierten Einzimmerwohnung am Kolumbusplatz (für Nicht-Münchner: "rechts unten auf der Karte", rechts der Isar, im Grunde exakt zwischen Au-Haidhausen, Giesing und Ludwigsvorstadt-Isarvorstadt). Im 5. Stock (Motivation die Treppen zu nehmen fluktuiert), auf 35qm (ich bin ja nicht so groß, brauche daher glücklicherweise auch weniger Platz ;) mit großem Wohn- und Schlafraum, kleiner Diele wenn man reinkommt, Design-Bad mit Fußbodenheizung und Wasserfall-Dusche, separate Design-Küche mit Spülmaschine - meine Butze hat alles was mein Herz begehrt. Sie ist perfekt für mich als Einzelperson, sie liegt 100m von der U-Bahn- und Bushaltestelle, in 5min. bin ich am Hauptbahnhof, in 40min. Tür-zu-Tür an der Arbeit. Und ja. Natürlich ist sie für Münchner Verhältnisse schon pricy, für Dimensionen eines in normalen Mietspiegeln denkenden Menschen lächerlich überteuert, daher gehen wir auf die auf qm umgelegte Kaltmiete (die einem die Tränen in die Augen treibt) nicht näher ein. Wer in München im Moment sucht, findet sich recht schnell mit der Realität ab, die da heißt: Friss' oder stirb! Entweder man wohnt in einer angenehm großen Wohnung in Aubing.  Im Keller (Problem: Lage so weit im Münchner Westen, dass es schon quasi nicht mehr München ist). Oder man wohnt in einem WG-Zimmer in Maxvorstadt (Problem: man wohnt in einer WG und fragt sich regelmäßig von welchem und wessen Körperteil das dunkle Haar in der Dusche wohl sein möge). Oder man wohnt alleine, in einer recht gut gelegenen und gut angebundenen, angemessen großen und nicht völlig abgeranzten Wohnung. Wie ich. Und fühlt sich wohl. Und zahlt aber halt auch entsprechend. Einen Tod musst Du nun mal sterben (habe ich neulich gelernt, den Spruch, finde ich überragend!). Daher belassen wir es dabei: hätte ich nicht den Job, den ich habe, bräuchte ich einen zweiten für die Lebenshaltungskosten, die den Monat halt nach der Miete oft recht lang machen. So kriege ich, die langjährig recht komfortabel auf einem ganz guten Niveau gelebt hat, es auch weiterhin hin. Irgendwie. Also ich nage nicht am Hungertuch wie man so schön sagt. Hoffentlich bleibt es dabei..

Nun aber endlich zu den lang ersehnten Bildern meiner Behausung. Praise Ikea, Zara Home, Media Markt, die Engelsgeduld und den Support meiner Eltern, Mama und Alfons, mein Talent für Inneneinrichtung und meine Ungeduld. Exakt 2 Wochen nach meinem Einzug hing das letzte Bild, seitdem ist die Wohnung "fertig". Auch wenn ich nicht müde werde, mir das ein oder andere dekorative Einzelteil bisweilen zu gönnen.

 

Jetzt aber erst mal viel Spaß beim Anschauen, Inspirieren-lassen - ich freue mich über Kommentare (falls Euch die Wohnung gefällt) und beantworte gerne jegliche Fragen, wo ich welches Dekorations- oder Möbelteil her bezogen habe :)

Alles Liebe und bis bald,

Nina

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Düpdüpdüp

Sodele. Ein kurzer letzter Kommentar sei mir gestattet, ansonsten bin ich und ist der Rest Münchens nämlich am Samstag, spätestens Sonntag (so schlimm es klingt) zur Normalität zurückgekehrt. In Anbetracht der Ermittlungsergebnisse, welche mittlerweile zu vergangenem Freitag bekannt wurden, möchte ich meinen letzten Eintrag ein wenig relativieren. "Relativieren", weil es sich ja nicht wie zunächst teilweise auch von mir angenommen um einen terroristischen Anschlag handelte und es durchaus nicht das gleiche bedeutet, ob jemand das für sich selbst macht oder im Namen eines größeren Ganzen - was auch immer dieses "größere Ganze" sei. "Ein wenig", weil es im Resultat durchaus das gleiche heißt: Menschen wurden zu früh und auf grausame Weise ihres Lebens beraubt, ihren Familien wird unerträglicher Schmerz zugefügt, der Rest der Gesellschaft teilt diesen Schmerz zu einem geringen Anteil, eine Stadt wurde mehrere Stunden in einen Ausnahmezustand versetzt. Für die Familien, in diesem Fall für die Eltern der Kinder (denn nichts anderes ist man, wenn man noch nicht mal 20 Jahre alt ist), für ihre Geschwister ist es völlig egal, warum oder mit welchem Hintergrund ihnen ein geliebter Mensch genommen wurde - Trauer ist nicht rational und der getötete Mensch wird nie wieder zurückkommen. 

 

Nichts desto trotz: mein Leben geht weiter. Zum Glück. Unser aller Leben geht weiter. Und weil dem so ist und weil mein Leben irgendwie glücklicherweise in vielen Bereichen gerade ziemlich gut läuft, möchte ich genau dies in den kommenden Wochen mit Euch oder mit Dir, dem Leser, teilen. Um einen kleinen Ausblick zu geben und auch, um mein eigenes Hirn zu strukturieren, habe ich mir überlegt, die Themen, die ich schon länger auf dem Zettel habe und hier zum Gegenstand meiner Beiträge machen möchte/werde, vorab mal aufzulisten. Die Reihenfolge stellt weder Rangfolge noch Chronologie dar, wenngleich es natürlich wünschenswert wäre, wenn ich zumindest letzteres so halbwegs beachten könnte. Aber mei.

 

1. Eine Home-Story. Bilder, Eindrücke und Worte zu meiner Wohnung - ein vielfach geäußertes Anliegen von Freunden und Bekannten, die wissen wollten, wie ich jetzt lebe.

2. Ein Status-Update: was macht mein Job (und was mache ich da überhaupt), was habe ich mir in den letzten Wochen gegönnt, wie geht es mir, was bewegt mich gerade.

3. Eine Paris-Review. Mitte August, wenn ich ein Viertel Jahr wieder in Deutschland bin, lohnt sich vielleicht ein gönnerhafter Blick zurück. Auf die letzten Wochen in Paris mit der Zusammenfassung der Highlights. Auf das was ich dort gelernt habe. Was Paris letzten Endes bedeutet und einige Tipps fernab der sophisticated Excel, die man sich (wenn vor Ort) durchaus und guten Gewissens mal reinziehen kann.

4. Eine München-Preview. Auf das was in den nächsten Monaten so alles ansteht, was ich mir vorgenommen habe zu sehen, auszutesten, undundund..

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Mir geht es "gut". Ja. Wirklich. - Teil II

I feel alive when I'm close to the madness.

Einer der Gedanken in meinem Kopf: wir sind angekommen. Mitten im Terror.

Liebe Münchner, bitte lasst Euch nicht unterkriegen.

Auf mich hat die Polizei einen sehr guten Eindruck gemacht. So aus der Ferne. Sehr kontrolliert, sehr bedacht.

Jetzt, hier sind alle Menschen pur.

Sie bekommen nicht meinen Hass, dafür sind sie zu unwichtig.

Sie bekommen nicht meine Angst an jedem Tag, ständig.

It's situations like this one when you get to appreciate the rational and efficient German way of dealing with crises.

Keine Angst! Denn Angst frisst die Seele auf.

Die Detonation eines Sprengsatzes oder ein Amoklauf kann das Fundament der eigenen Wertvorstellungen und Überzeugungen schwer erschüttern. Hoffentlich stürzt es nicht ein.

Trump, Brexit, Türkei, Würzburg, München, Ansbach: Es kommt im Moment immer noch schlimmer als schon befürchtet.

Wiesn, Straßenfest, Musik-Festival: Es ist nicht leichtsinnig, weiterhin auf solche Veranstaltungen zu gehen, sondern notwendig.

 

Ich will mich nicht an den Terror gewöhnen!

Nein, die Welt ist nicht schlechter geworden. Die Welt ist nur näher gekommen.

 

 

Ich war im November in Paris, ich war gestern in München. Ich lebe, es geht mir gut. Erneut. Statistisch betrachtet sind verschiedene Szenarien der Zukunft in ihrer Wahrscheinlichkeit daher gegen null gehend. Es ist unwahrscheinlich, dass ich a) noch mal in einer Stadt sein werde, in der etwas passiert, dass mir b) bei einem Terroranschlag oder einem Amoklauf (oder was auch immer sonst schreckliches verkehrt verschaltete Synapsen bewirken) etwas zustößt, dass c) so schnell wieder etwas in München passiert und leider, dass d) die Welt in Zukunft ein friedlicherer oder sicherer oder menschlicherer Ort wird.

Ich hätte meinen ersten Post seit 2 Monaten gerne erfreulicher begonnen - mal ganz davon abgesehen, dass ich ihn gerne nicht erst nach 2 Monaten geschrieben hätte. Man steckt ja nicht immer drin. Nun ja. Im Moment fällt mir aber zu allem nicht wirklich etwas ein, zu der Situation nicht, zu meinen Gefühlen nicht, zu gar nichts. Ich bin erschöpft. Ich bin unheimlich erschöpft und jeder Morgen, an der ich von einer meiner Nachrichten-Apps (sei es n-tv, ARD, Spiegel Online) den Push im Sperrbildschirm sehe, dass es wieder einen Anschlag, einen terroristischen Akt gegeben haben soll, ist ein Scheiß Morgen. Es waren zu viele Scheiß Morgende in letzter Zeit. Und leider werden es in kürzeren Abständen auch immer mehr.

 

Paris.

Brüssel.

Orlando.

Baghdad.

Bangladesh.

Istanbul.

Nizza.

Würzburg.

München.

 

Ich war im November in Paris, doch gestern war ich in meiner Heimat. Ich war in meiner Stadt, in der ich ankomme, endlich, die ich liebe, in der ich mich sicher fühle, in der (viele) meine(r) Freunde und Familie sind, in meinem Zuhause, das ich endlich nach 6 Jahren Studium und Umziehen und Ausland gefunden habe. Meine Stadt wurde angegriffen. Und wieder sitze ich am Tag danach da und kann nicht anders, als mich bei jedem lauteren Geräusch zu erschrecken und umzusehen, bei jeder Polizeisirene direkt wieder an irgendwas zu denken. Wer in den turbulentesten Stunden gestern Abend und Nacht Kontakt mit mir hatte (es waren eine meiner beiden besten Freundinnen und meine Eltern am Telefon, der Rest nur über WhatsApp und Facebook), weiß, dass ich gegen halb acht am Stachus war.

Dass ich in den Hauptbahnhof reingelaufen bin, als dieser gerade evakuiert wurde, weil ich dort eigentlich in die U2 zum Kolumbusplatz umsteigen wollte.

Dass ich am Telefon mit meiner besten Freundin geweint und ihr gesagt habe, dass ich sie liebe.

Dass ich Angst hatte. Dass ich eigentlich kein ängstlicher Mensch bin.

Dass ich mich einfach in das nächst gelegene Hotel in die Lobby geflüchtet habe.

Dass ich bis 2 Uhr mit ca. 40 anderen (die Hälfte davon ca. 10 Jahre alt) im Keller des Sofitel Munich Bayerpost am Hauptbahnhof in München saß.

Dass ich mit meinen Eltern, also Mama und Alfons, telefoniert habe und sagte: "Ich möchte, dass ihr nach Hause geht. Sofort. Und da bleibt. Punkt."

Dass ich in meiner eigenen Stadt derart in meiner Freiheit beschnitten wurde, dass ich die Nacht im Hotel verbringen musste.

Dass es mich abfuckt, dass ein Spinner oder mehrere oder wer auch immer unmenschliches bestimmen kann, wie ich meinen Freitag Abend verbringe, obwohl der mich nicht mal kennt. 

 

Ich hatte gestern Nacht und auch vorhin noch so viele Worte. Jetzt, wo ich in meiner Wohnung bin, ist da nur noch Watte. Einzelne zusammenhängende Gedankenfetzen fliegen vorbei wie z.B. "Ich werde definitiv niemals Kinder kriegen, wie könnte ich es verantworten, einen kleinen Menschen in so eine Welt zu bringen?", "Wann hört es auf?", "Was wird anders werden?", "Das Schicksal meint es scheinbar doch ziemlich gut mit mir."

Und wieder bleibt mir nur, damit umzugehen, es zu verarbeiten und mutig und positiv und kraftvoll nach vorne zu sehen. Nicht nur mir bleibt das als einziges. Uns allen.

 

[Mein Track nach dem Text: Mark Forster - "Wir sind groß"]

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Au revoir, Paris - Servus, München!

Ihr Lieben, ein kurzes Status-Update mal. Ich bin jetzt wieder in München.. von "angekommen" kann aber noch nicht richtig die Rede sein. Momentan bin ich auf aktivster Wohnungssuche, aber der Markt ist gerade.. naja, biestig. Also bewohne ich temporär ein Souterrain-Studio in der Nähe der Münchner Freiheit bis ich etwas schönes eigenes gefunden habe. Wie Ihr seht oder vielleicht auch noch nicht bewusst gesehen habt, hat der Blog ein ein bisschen neues "Kleidchen": das Icon oben ist anders, der 'About'-Text etwas verändert und die Anzeige der Blogtexte erfolgt ab sofort von oben beginnend mit dem aktuellsten. Die Kategorie 'Paris' werde ich entweder umgestalten und 'München' ergänzen oder komplett ersetzen, das muss ich noch sehen. So oder so gehen aber die Sehenswürdigkeiten (zumindest mir) nicht verloren, denn.. Trommelwirbel.. es existiert inzwischen eine Excel-Tabelle namens Paris Master Excel Nina & Patrizia. Deren Inhalt wird allerdings nur in Teilen bei spezifischen Anfragen für engere Freunde preisgegeben, um Patrizia zu zitieren "die musst Du mit Deinem Leben beschützen, das ist quasi wie bares Geld!". Sie umfasst 22 Sehenswürdigkeiten, 20 Museen und Galerien, 9 besondere Insider-Tipps, 7 Gärten & Parks, 3 Must-see's Außerhalb, 29 Restaurants, 24 Cafés, 15 Bars, 8 Hotels, 2 Clubs, 6 Revuen, Kabaretts & Kinos, 11 Shopping-Tipps und 7 Wochen- und Flohmärkte. Wenn ich mich nicht im Kopf verrechnet habe 163 selbst-getestete, rezensierte und für empfehlenswert befundene Items inklusive exakter Adresse, Métro-Station, Preisrange, Link (z.B. zum Ticket bestellen oder sonstige Reservierungen vornehmen) sowie eine detaillierte Beschreibung dessen, was man da erwarten darf. Ich weiß nicht wie viele Stunden Arbeit nur in das Zusammenstellen geflossen sind von uns beiden, aber in jedem Fall sind wir damit für jegliche Anfrage à la "hast Du einen Tipp für mich in Paris zum ...?" gewappnet.

Da ich wie gesagt diese Liste nicht zur Gänze veröffentlichen werde, entschädige ich mit einigen Paris-Impressions von Patrizia und mir gemischter Art: Sonnenuntergänge, Seine, Marais, Magnum Store, Street Art, Luxuskaufhäuser Printemps und Galeries Lafayette, VOGUE Paris-Cover, Eiffelturm-Selfies, Schloss Versailles, Fondation Louis Vuitton und und und.. ganz viel Spaß also beim Durchstöbern - während ich mich weiter durch Immobilienscout24.de, Immowelt, wg-gesucht.de, extrasmallworld, Budenschleuder & Co. klicke auf der Suche nach einer annehmbaren Butze..

Bis bald, Nina.

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Musée d'Art moderne de la Ville de Paris (II)

Und hier ganz ohne große Prologe der Anschlusspost zu meinem Museumsbesuch gestern im Musée d'Art moderne de la Ville de Paris. Drei Ausstellungen waren es wie gesagt, wobei mich vor allem "Albert Marquet" und "La Boîte de Pandore" wirklich beeindruckt haben. Mit Paula Modersohn-Becker werde ich in diesem Leben nicht mehr warm, daher gibt es hier keine Fotos. Und zu denen, die ich hier von Marquet hochlade, sei auch gesagt, dass es meine Lieblingsbilder aus der Ausstellung waren, ich mir die Titel notiert und hier Bildmaterial aus dem weltweiten Netz verwende - man durfte nämlich keine Fotos machen.

Albert Marquet gilt als Mitbegründer des Fauvismus, weitere bekannte sind Matisse und Braque. Fauvismus ist für mein Dafürhalten ehrlich gesagt so bisschen was von allem, mitlesende Kunsthistoriker schlagen vermutlich gerade die Hände über dem Kopf zusammen bei so einem unqualifizierten Statement. Faktisch ist es aber tatsächlich ein bisschen Impressionismus, ein bisschen Realismus und von den Farben her auch ein wenig Expressionismus. Meines Erachtens schwierig zu definieren. Bei Marquet mit vor allem Landschaftsmalereien in Aquarell aber wirklich schön gemacht. Also fand ich.

"La Boîte de Pandore" ist mal eine ganz andere Foto-Ausstellung: Röntgenaufnahmen von Schädeln, Zierfischen und Händen, Bewegungsstudien von Tieren, Bilder von Milchstraßen und Galaxien und einen überdimensionalen Rohrschach-Test aus Acryl namens "I See An Attacking Beershaped Thing" sind auf jeden Fall vorhanden. Das hat mir also auch echt getaugt. Ich hoffe, unten in der Galerie wird der Übergang deutlich zwischen den beiden Ausstellungen.

 

Praktische Informationen

Albert Marquet25. März bis 21. August 2016. 

La Boîte de Pandore, 7. April bis 14. August 2016.

Paula Modersohn-Becker, 21. Januar bis 12 Juni 2016.

 

Musée d'Art moderne de la Ville de Paris, 11 Avenue du Président Wilson, Paris 16ème.

Dienstag bis Sonntag, 11-18 Uhr, Donnerstag bis 22 Uhr. Montags geschlossen.

Eintritt zur permanenten Sammlung frei, zu den Ausstellungen €5-11 (ermäßigt 50% des Preises) €8.50, Reservierung empfohlen.

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Musée des Arts décoratifs und Art Ludique - Le Musée

Meinen letzten ganzen Tag in Paris (mein Zug geht ja morgen Nachmittag) beginne ich mal nicht wie sonst mit Gym, sondern mit einem Beitrag hier, einfach weil ich so viele Themen und Bilder habe und ja auch gestrig versprach, dass man jetzt mal abcatcht (oder wie Anna sagen würde "up-ketcht").

Bereits vor einigen Wochen habe ich mir drei Ausstellungen im Musée des Arts décoratifs und darüber hinaus eine im Museum Art Ludique angesehen. Da habe ich auch super viele Bilder schon gemacht, aber dann wegen Thesis und haste nich' gesehen alles, es nicht geschafft, das auch hier zu posten. Gestern habe ich mir dann noch die drei aktuellen im Musée d'Art moderne de la Ville de Paris angeschaut, das hatte ich nämlich auch lange schon auf dem Zettel. Ich werde das jetzt etwas anders als beim letzten Museum-Hopping-Eintrag strukturieren, das habe ich mir gestern überlegt, könnte vielleicht etwas übersichtlicher sein. Es trägt sich also mit folgenden, insgesamt sieben Expositions:

 

"Barbie"

"Fashion Forward, 3 Siècles de Mode (1715-2016)"

"Tissus inspirés. Pierre Frey"

[alle im Musée des Arts décoratifs]

 

"The Art of Blue Sky Studios", Art Ludique - Le Musée

 

"Albert Marquet - Peintre du temps suspendus"

"La Boîte de Pandore - Une autre photographie par Jan Dibbets"

"Paula Modersohn-Becker - L'intensité d'un regard"

[alle im Musée d'Art moderne de la Ville de Paris]

 

In diesen Post packe ich aber mal "nur" die ersten vier, das wird sonst echt zu lang zum Runterscrollen. Zu den letzten drei mache ich dann gleich im Anschluss einen separaten Eintrag, habe ich mir überlegt. Zusammengefasst kann man folgendes sagen oder ist zumindest mein Eindruck und meine Einschätzung zu dem ganzen: "Barbie" kann man sich wirklich schenken, also ganz easy hier. Es werden insgesamt einfach unheimlich viele verschiedene Barbies sowie die dazugehörigen Kens, Hündchen, Pferde und Traumschlösser aus guten 50 Jahren schätzungsweise gezeigt. Relativ unprätentiös, zugegeben in allen Berufen, ethnischen Hintergründen und mittlerweile auch Figuren. Ich hatte meine erste Barbie, da war ich schätzungsweise 6 Jahre alt und stolz wie Bolle. Ich müsste mal nach einem Bild davon suchen.. Ich weiß noch, dass sie blond war und ein hellblaues Kleid hatte, glaube ich, und dass ich sie mir in New York habe aussuchen dürfen. Mein Verhältnis zu Barbies ist daher weniger emotional und einigermaßen unberichtenswert; ich habe ihr vermutlich die Haare gekämmt und gebürstet bis zum Gehtnichtmehr und sie pathetisch an die Brust gedrückt, von sämtlichen aggressiv-destruktiven Aktionen wie Haarschnitten oder -färben oder Amputation von Extremitäten (die ja auch gerne mal berichtet werden) ist im Hause Rink nichts überliefert. Zurück zu der Ausstellung, wenn man ein Barbie-Fan ist, definitiv reingehen, ansonsten tut es aber auch dieser Artikel der Welt. Daher gibt es dazu auch keine Bilder.

"Fashion Forward" beginnt ziemlich langweilig oder zumindest für mich nicht catchy mit wirklich alten Kleidern, auch nicht besonders gut erhalten, modisch oder farbenprächtig. Vor allem zum Ende hin wird es aber wirklich gut, vom Setting ein wenig wie die Gaultier-Ausstellung in der Kunsthalle in München (falls die jemand gesehen hat). Da hat es daher auch etwas mehr Bilder. Also slightly quasi. Und der Museumsshop dazu war auch wirklich klasse - ich bin ja so eine ganz schlimme Postkartensammeltante, da muss jeder Museumshop mitgenommen werden.

Wirklich positiv überrascht hat mich die dritte Ausstellung, "Tissus inspirés". Im Grunde sind es wirklich einfach ganz viele verschiedene Stoffmuster und Gewebe mit unterschiedlichsten, sehr farbigen Mustern auf Wänden aufgespannt oder auf rotierenden Paravents. Klingt simpel, ist aber sehr cool! 

 

 

Praktische Informationen

Barbie10. März bis 18. September 2016. 

Fashion Forward, 3 Siècles de Mode, 7. April bis 14. August 2016.

Tissus inspirés. Pierre Frey, 21. Januar bis 12 Juni 2016.

 

Musée des Arts décoratifs, 107 Rue de Rivoli, Paris 1er.

Dienstag bis Sonntag, 11-18 Uhr, Donnerstag bis 21 Uhr. Montags geschlossen.

Eintritt regulär €11, ermäßigt €8.50, Reservierung empfohlen.

 

 

Weitere Rezensionen & Artikel

Barbie

VOGUE Paris

Fashion Forward

VOGUE

VOGUE Deutschland 

Am selben Tag habe ich mir dann nachmittags noch die Ausstellung "The Art of Blue Sky Studios" im Art Ludique Museum angeschaut. Das ist übrigens der giftgrüne Wurm, der sich an der Seine entlangzieht und nach dem mich bisher jeder meiner Besuche gefragt hat, wenn wir mit der Métro auf meine Seite des Flusses gefahren sind. Nun ja. Zu der Ausstellung verhält es sich ein wenig wie mit "Barbie": cool, wenn man ein Fan von Animationsfilmen und -kunst ist und vor allem auch die entsprechenden Filme dazu kennt (ich kannte eben Ice Age und Rio vom Hören, aber halt so zwei Drittel auch mal nicht). Fotos habe ich aber trotzdem ganz, ganz viele gemacht, einfach weil die Zeichnungen und Modelle so cool waren! 

 

Praktische Informationen

The Art of Blue Sky Studios25. März bis 18. September 2016. 

 

 

Art Ludique - Le Musée, 34 Quai d'Austerlitz, Paris 13ème.

Montag, Mittwoch und Freitag, 11.30-18.30 Uhr, Donnerstag bis 22 Uhr. Samstag und Sonntag, 10-20 Uhr, Dienstags geschlossen.

Eintritt regulär €16.50, ermäßigt €13.50, Reservierung empfohlen.

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Auferstanden aus.. der Thesis

Ihr lieben Leser des verwaisten Blogs.. ich habe ein bisschen ein schlechtes Gewissen, weil es halt faktisch wirklich fast 2 Monate seit meinem letzten Eintrag her sind, aaaaber mehrere gute Neuigkeiten: erstens, et jeeht wieder los, ich werde ganz viele Nachträge noch liefern inklusive einer Zusammenfassung mit Paris-Bild-Material der letzten Wochen, einer Ausstellungs-Rezension (oder -Revision oder so), einem weiteren "Where to.. in Paris", einem Was ich gelernt habe und noch zwei eher gefühlsbezogene Themen, die mir gerade persönlich am Herzen liegen. Zweitens, ich habe mich entschieden, auch in München weiter zu bloggen, einfach weil es mir Freude bereitet und sich das Format ja im Grunde auch eignet (hybrides Etwas aus Großstadt-Impressions und emotionalen Insights von mir). Ich muss dann mal überlegen, wie ich die Seite ein wenig umstelle, aber das kriegen wir schon hin. Dat Eiffeltürmsche oben wird jedenfalls durch was anderes ersetzt.. vielleicht ein schnörkeliges N oder ein Brezel-Icon oder.. mal schauen. Gerne könnt Ihr mir auch Nachrichten schreiben oder kommentieren, worüber Ihr gerne mehr oder überhaupt mal lesen wollt oder oder. Drittens, die Muddi (und damit meine ich ausnahmsweise mich^^) hat am Freitag ihre Master Thesis abgegeben, mittlerweile ein Job offer in München (mehr dazu, wenn ich unterschrieben habe) und am Donnerstag werden hier final die Hühner des TGV gesattelt. Gestern wurden 80% meiner Sachen von einer Spedition abgeholt und ich reise mit vergleichsweise leichtem Gepäck, ein großer Koffer (ninalebensgroß), ein mittlerer Rimowa und einer Handtasche. Das sollte also ausnahmsweise mal zu machen sein. Ich freue mich sehr auf München und über die Tatsache, dass sich in meinem Leben jetzt gefühlt (und auch relativ tatsächlich) alles ändert - zum Positiven :)

Okay, nicht ganz alles: die Pinnwand bleibt in meinem Leben und ich bin auch weiterhin Bewunderer einer Ikone, die vergangene Woche Mittwoch, am 4. Mai, 87 Jahre alt geworden wäre. Daher zum Abschluss dieses "ich bin wieder unter den Lebenden"-Posts vier meiner Lieblingszitate von ihr - die für mich in den letzten 2 Monaten besondere Wichtigkeit hatten. Die mir Kraft geben. Dessen ich mir mehrfach bewusst werden musste und immer noch muss. Jeden Tag. Woran ich glaube, unerschütterlich. An dem ich festhalte.

 

"The best thing to hold onto in life is each other."

"The most important thing is to enjoy your life. To be happy. It's all that matters."

"They say that love is the best investment; the more you give, the more you get in return."

"I believe in being strong when everything seems to be going wrong."

A. Hepburn

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Where to ... in Paris

Die nun folgende Auflistung an Artikeln mit Links mag zunächst ein wenig lieblos erscheinen, stellt meines Erachtens aber doch ein recht wertvolles Asset mit durchaus vorhandener geposted-werden-Berechtigung dar. Die Wertigkeit rechtfertigt sich, wie ich finde, aus Vielfältigkeit der Empfehlungen sowie Qualität der verwendeten Quellen - allerdings so gar nicht, weil sie zeitgemäß wäre oder irgendwann mal abgeschlossen wäre. Ich teile sie mal trotzdem, sie hat sich mittlerweile so angesammelt und wenn man sie nur für das ein oder andere um einen Tipp ersuche, hat es sich quasi schon gelohnt.

 

1.  Paris - Pour le Weekend (Zeit Magazin, 2016)

2.  24 Stunden in Paris (Harper's Bazaar, 2015) [für den, der sich in einem zuckersüßen Klischee ersäufen will]

3. 10 Places in France Every Woman Should Go (VOGUE, 2015) [für etwas mehr sophisticated, aber ganz Frankreich]

4.  12 Supremely Stylish Restaurants in Paris (Architectural Digest, 2016)

5.  Top food ! Où trouver les meilleurs açaï bowls de Paris? (VOGUE Paris, 2016)

6.  10 Movies About Paris (The Blonde Salad, 2016)

7.  French Girl Style: Inès de la Fressange's Guide To All Things Chic (W Magazine, 2016)

8.  7 Things to See at the Louvre Other Than the Mona Lisa (VOGUE, 2016)

9.  Les 10 parfums de la Parisienne (VOGUE Paris, 2016)

10. Nos 5 coffee shops préférés à Paris (VOGUE Paris, 2016)

11. Top 10 des bars pour fêter son anniversaire en mars 2016 à Paris (YouShould, 2016)

12. Hot spot food : les 3 nouvelles cantines healthy de Paris (VOGUE Paris, 2016)

 

Viel Spaß beim Lesen, Stöbern, vielleicht mal erleben.. irgendwann!

Bisous, Nina.

 

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Me. In Paris. In sketches.

Liebe Leute, ein (zugegeben schon vor einer Weile vorbereiteter) Sonntag-Abend-Post, der aber durchaus jetzt ganz postbar ist. Während ich momentan an meiner Masterarbeit schreibe und nicht wirklich Paris-vermeldbares zu berichten habe. Und ja, richtig schreiben, so mit Wörter auf der Tastatur tippen in meinem Dokument, das da auf dem Desktop liegt (eigentlich bin ich von der Fraktion "aufgeräumter Desktop", aber ich mache gerade Ausnahmen) und "Master Thesis_complete_v1" heißt. Anyway, zurück zum Thema.

Ich habe also durch Zufall schon vor einer Weile eine süße Seite, My Little Paris, gefunden, auf Facebook zunächst, glaube ich. Es scheint mir, eine Art Blog zu sein, jedenfalls hat es dort Insider-Tipps zu Bars, «Restos», small Luxuries, foodie treats, Spas, Haute Couture Outlets, where to brunch, the perfect Paris hairstyle, Floristen und ganz viele tolle andere Vintage-Kleinigkeiten. Okay zugegeben, vermutlich vor allem konsultierbar für die Weibchen unter uns, aber sei's drum. Was ich aber eigentlich so toll finde (nachdem ich mittlerweile mindestens ein ganzes Haus mit "where to.. in Paris"-Tipps zutapezieren könnte), sind die liebevoll angefertigten Skizzen und Zeichnungen einer Protagonistin, ich nenne sie mal «heroïne» (frz. "Heldin"), die sich in Alltagssituationen bewährt oder zumindest artikuliert. Ich erkenne lustigerweise in ihr sehr viel von meinem Leben hier. Man sehe und verstehe.

 

 

 

 

 

 

Ich, rennend zur Métro.

Vermutlich bei République oder Rue Saint-Maur.

 

 

 

 

Die Métro - voll, voller, erzwungenster Körperkontakt. Entweder vor einer Station, bei der viele aus- oder umsteigen. Oder einfach zur Rush Hour, die ungefähr zwischen sechs und neun liegt. Wenn ich so was sehe, seufze ich meistens theatralisch und erwäge, ob die nächste, die in 3 Minuten kommt, ansatzweise leerer sein könnte.

 

 

 

 

 

Ich. Beizeiten Nervenbündel. Beizeiten emotional instabil. Beizeiten eines Arschtritts bedürfend, dass es mir verdammt gut geht und dass man jetzt mal nicht rumheult. Habe ich im Übrigen noch nie eine Pariserin machen sehen, aber okay.

 

 

 

 

Ich. Am Selfies machen. Selfie-Parade vorm Spiegel. Vor meiner einen Wand. Am Bahnsteig, auf die Métro wartend. Auf der Straße, einfach so.

Und das alles, obwohl ich seit ungefähr 2 Monaten bei Instagram weg bin. Aber trotzdem nicht Selfie-geheilt.

 

 

 

 

 

Ich vor meinem Macbook sitzend. Kein iMac, keine Maus, keine gepunktete... Tasse, keine so großen Kopfhörer, kein Kissen unterm Po. Aber Pferdeschwanz, iPhone neben mir, "legeres Outfit" und Hocker. In fact.

 

 

 

 

In der Tat steht in meinem Kühlschrank eine kleine Flasche Rosé-Champagner und keine Milch. Es stehen da mit Stand von heute auch noch zwei Flaschen Weißwein, 1 Tetra-Pack innocent Kokosnusswasser, 1 Fläschchen innocent Smoothie Erdbeere-Banane und ein Starbucks Discoveries® Seattle Latte.  

 

Ganz, ganz typisches Bild eines Pariser Straßencafés, Bistrots oder so. Auf jeden Fall mit Markise oder Vordach und Kellnern mit weißen Hemden und Fliegen.

 

 

 

 

 

Ich mit einer Tasse Tee. Kamille, Orangenblüte, Honig. Sehr beruhigend. Und wärmend, quasi wie eine innere olympische Flamme. Oder wie auch immer das intendiert war auf dieser Skizze.

Ich unter meiner Dachluke, eine Duftkerze anzündend, der Himmel von Paris zu dieser Uhrzeit nicht unbedingt violett-Pflaume-Lavendel-lila. Aber sternenklar und vergleichsweise hell. Wie das in romantischen Großstädten so ist eben.

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La Fondation Louis Vuitton

Am vergangenen Freitag war ich mit einer Freundin hier, Patrizia, auf einer Abendveranstaltung in der Fondation Louis Vuitton im ziemlichen Westen von Paris. Bevor ich genauer auf das Event an sich eingehe, vielleicht ein paar kurze Sätze zu Patrizia. Patrizia und ich haben uns vor 5 1/2 Jahren im Mathe-Vorkurs zu meinem Bachelorstudium an der EBS kennengelernt. In diesem Vorkurs ging es darum, uns in einem zweiwöchigen Bootcamp entweder die Überlegung, BWL zu studieren noch mal in Grundzügen überdenken zu lassen oder uns jedenfalls eindringlichst darauf vorzubereiten, wie hässlich Mathe I im ersten Semester werden würde. Faktisch wurden in der Tat einige Leute abgeschreckt, gleichzeitig wurden ein paar vor allem von den Leuten abgeschreckt. Höhö. Kleines Wortspiel. Anyway. Patrizia und ich haben uns damals eigentlich schon gut verstanden und sind über die Jahre nicht besonders eng oder in regelmäßigem Abcatchen, sondern eigentlich "nur" über Facebook befreundet geblieben. Mich erreichte also vor ein paar Wochen bei Facebook eine Nachricht, sie sei nun auch hier in Paris für die Uni und ob man nicht mal etwas machen wolle. Seitdem haben wir uns ein paar Mal getroffen und festgestellt, dass wir uns wirklich noch sehr gut verstehen, dass wir einiges gemeinsam haben in Bezug auf Kontrollzwang "Organisiertheit Paris-Sachen-machen" (wir werden es final in einer Paris-Master-Excel-Liste aggregieren) und auch in sonstigen Lebensansichten. Es tut in diesem Fall unheimlich gut zu wissen, dass da "noch jemand Deutsches" around ist, sei es für ein offenes Ohr, einen Ratschlag, Arschtritt oder für den (bisher glücklicherweise nicht eingetretenen, wie auch immer gearteten) Notfall. Das also Patrizia. Eine sehr Liebe.

Zur Soirée an sich: im Rahmen der aktuellen Ausstellung "Des Artistes Chinois à la Fondation Louis Vuitton" kann man sich Freitagabends zum Kunst gucken, Experimental-Cocktail-Clubben (aka Glässchen Dom Perignon rauslassen für €17.-) und Architektur der Fondation bestaunen im Jardin d'Acclimatation einfinden.

Alles in allem ein sehr interessanter Abend, die Architektur der Fondation von Frank Gehry ist beeindruckend - sollte sie mit über €200 Millionen Baukosten aber auch sein. Ich denke, ich werde irgendwann noch mal tagsüber hinfahren, einfach auch um es bei Tageslicht zu erleben. Aber ist ganz definitiv und ohne Zweifel eine Empfehlung, wenn man in Paris ist - die längere "Anreise" lohnt sich definitiv.

 

 

Praktische Informationen

Des Artistes Chinois à la Fondation Louis Vuitton, 27. Januar bis 29. August 2016.

8 Avenue du Mahatma Gandhi, Paris 16ème.

Montag bis Sonntag 10-20 Uhr, mit Ausnahme von Freitag 10-23 Uhr. Eintritt regulär €14, ermäßigt €10. Reservierung empfohlen.

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"Hauptsache, de Donald-Buxe passt, da bin ich schon mal beruhigt!"

Letztes Wochenende, also das letzte Februar-Wochenende, hatte ich meine Anna zu Besuch. Eine meiner wirklich engen, besten Freundinnen bei mir, für 2 ganze Tage, von Samstag Mittag bis Montag Nachmittag. Da sie ein wenig fotoscheu ist, werde ich ihre Anonymität trotz Endfotogenität respektvoll wahren und kein Bild von ihr oder uns in der Bildergalerie unten veröffentlichen, aber sie war auf jeden Fall da. Also nicht, dass Ihr denkt, ich habe mir das alles alleine angesehen. Und wir haben wunderbare Mädchen-Sachen gemacht, viel geredet und mal wieder festgestellt wie ähnlich wir uns in manchen Belangen sind, was wir denken, bevor es die andere ausspricht, wie sehr uns die gleichen Verhaltensweisen an der anderen nicht nerven, bei denen sonst vermutlich jeder 10x an die Decke ginge.  Danke, also Anna, für JEDEN Postkartenstand, an dem wir stehengeblieben sind, für kuscheligste Sofa-Sessions mit "mutual-Reste-Snacken" von Marks&Spencer, für wie Du bist - für dieses wunderschöne Wochenende!

Chronologisch sind wir am Samstagmittag, nachdem ich sie vom Gare de l'Est abgeholt hatte, erst mal kurz in meine Wohnung und direkt im Anschluss in eine Orchideen-Ausstellung im Jardin des Plantes, der nur 5 Minuten von meiner Wohnung entfernt liegt. Die in einem der Gewächshäuser gezeigten Orchideen hatten alle Farben und Formen und tolle Blüten, die Highlights (sowie noch gefühlt tausend weitere Blütenschnappschüsse) habe ich natürlich fotografisch dokumentiert. Leider endet die Ausstellung übermorgen, daher bringt es wenig sie noch zu empfehlen, aber ganz und gar empfehlenswert war sie in jedem Fall. Fanden wir beide. Nach dem Erwerb eines besonders exotischen Exemplars für Anna und einem kurzen Stopover in meiner Wohnung, sind wir mit der Métro bis zum Louvre gefahren und haben uns dort ins Café Marly gesetzt - was mir nämlich von einer anderen Freundin wärmstens empfohlen worden war. Draußen sitzt man in einer Art Galerie oder Bogengang-Terrasse und hat bei seinem €8.- Cappuccino einen exzellenten Blick - sowohl auf die Glaspyramiden im Innenhof des Louvre, aber auch auf die gefühlte Schickeria. Wir haben uns die Auswahl an petit Macarons für €15.- verkniffen, uns sehr lange erst mal gegenseitig über "alles ungefähr" auf den neuesten Stand gebracht und hinterher noch mal ein kleines Ründchen durch die Innenräume gedreht. Auch da sitzt man in jedem Fall sehr edel. Also alles in allem definitiv ein Besuch wert.

Da es sich dann mittlerweile schon gegen Abend neigte, haben wir noch ein paar Meter auf der Rue de Rivoli mitgenommen, ein wenig für den Abend bei Monoprix eingekauft und dann gemütlich den Abend bei mir zuhause ausklingen lassen. Gemütlich deshalb, weil wir für den nächsten Tag, also Sonntag bereits unsere große Reise geplant hatten. Wohin? Ins Disneyland natürlich. Sagte ich doch, Mädchen-Sachen. Mit unseren vorher gekauften Eintrittstageskarten, existenzieller Proviantausrüstung (für den SEHR wahrscheinlichen Fall, dass es in einem Themenpark weder Essen noch Trinken zu kaufen geben könnte) und unserem ausgeklügelten Plan, wo wir wie den RER A nach Marne la Vallée-Chessy nehmen müssen, hat sich die Anreise mit alles in allem ca. 1 1/2 Stunden dann auch wirklich erfolgreich gestaltet. Vor Ort gab es dann doch leider den ersten kleinen Dämpfer aufgrund wirklich klirrender Kälte. Aus der Not eine Tugend gemacht und weil wir beide panische Angst davor haben, irgendwo irgendwas potentiell verpassen zu können, beschlossen wir folgende Taktik: wir schlagen uns zu "Wiederaufwärmungszwecken" einfach von einem Shop zum nächsten auf der rechten Seite der "Parade-Hauptstraße", der Main Street, USA entlang bis zum Sleeping Beauty Castle "Märchenschloss" durch. Das Schloss hat insgesamt 16 Türmchen, bildet den Eingang zum Fantasyland (der rosa Fläche auf der Attraktionen-Map) und wurde unter anderem nach dem Vorbild Neuschwansteins erbaut. Da das Märchenschloss in jedem Disney Park der Welt den zentralen Anlaufpunkt bildet, habe ich das im Nachhinein mal nachgelesen und folgendes herausgefunden: bei den Planungen für das Disneyland Paris wurde überlegt, ob man das Sleeping Beauty Castle aus Kalifornien oder besser das Cinderella Castle aus Walt Disney World als Inspiration verwenden wolle - letzten Endes fielen beide raus, da scheinbar beide Schlösser in ihrer Gestaltung an die Loire-Schlösser angelehnt seien. Augenkundig selbst für den Franzosen zu unkreativ. Daher so. Nach mehrmaligen Versuchen möglichst gute Bilder von uns beiden, alleine, nahe am Schloss, mit gerade erworbenen Mini-Mouse-Ohren, ohne, als Selfie und haste nich' gesehen zu machen, ohne das einem irgendein Dully durchs Foto latscht, betraten wir ehrfürchtig die über zehn Meter hohe Eingangshalle des Schlosses und stiegen in das obere Stockwerk, wo das Märchen von Dornröschen mithilfe von Wandteppichen und Glasmalereien nacherzählt wird. Das hat uns also schon mal ganz gut gefallen. Weniger gut gefallen hat uns leider die Tatsache, dass man eigentlich bei allen Attraktionen, die uns überhaupt interessiert hätten (dem Alice's Curious Labyrinth Garten, den Dumbo the flying Elephant und Mad Hatter's Tea Cups Karussellen sowie dem Prinzessinnen-Pavillon) mal entspannt mindestens 30 Minuten Wartezeit gehabt hätte. Aus Frust hätte ich mir beinahe ein Mini-Mouse-Kleid gekauft, Anna konnte es abwenden und leider war die größte Größe eh auch für 8 Jahre. Und da komme ich selbst mit Luftanhalten, Bauch einziehen, Gleitgel und Angelschnüre bei aller Liebe nicht rein. Anyway. Unterwegs haben wir noch einen Cappuccino und ein Crêpe mit Nutella und Ben & Jerry's Eiscreme eingesammelt und sind auf der linken Seite der Main Street über die verbleibenden 10 Shops zum Ausgang gewackelt. Minimal angekarst davon tatsächlich pro Person €60.- Eintritt gezahlt zu haben, um dann innen drin, zusammen bestimmt €150.- für allerlei Postkarten, Schlüsselanhänger, Flaschenöffner, Mäuseohren, Donald-Duck-Boxershorts und sonst wie rauschartige Käufe ausgeben zu dürfen, wollten wir das dann doch noch irgendwie rechtfertigen. Wir haben uns also noch mal in ein Bimmelbähnchen in den Walt Disney Studios gesetzt, eine Fahrt durch die Kulissen diverser Disney-Filme und Feuer-Stunts gemacht und uns im Anschluss aber wegen kurz bevorstehender Erfrierung äußerer Extremitäten auf den Heimweg gemacht. Auch an diesem Abend haben wir eigentlich nicht mehr allzu viel unternommen (man war ja auch durchgefroren), nur noch "The Great Gatsby" geschaut und hinterher noch Angie bei Anne Will gestreamed. Wollten wir beide sehen. 

Montags haben wir uns noch mal zum Louvre begeben, da Anna auch gerne mal über die wichtigsten Kunstwerke drüber geschaut haben wollte ("Mona Lisa sollte man schon mal gesehen haben im Leben, einfach um's quasi gesehen zu haben. Die is' ja eh auch nur DIN A4, kann man also nicht enttäuscht werden"). Im Stechschritt und zielstrebigst von Mona Lisa, zur Nike von Samothrake, Venus von Milo und Delacroix' "Die Freiheit führt das Volk" und innert 1 1/2 Stunden wieder raus aus dem Laden. Ich wollte ja das Louvre noch mal in so einem 3-Tages-Ding in Angriff nehmen und wirklich vollumfänglich würdigen. Es ist halt einfach auch reizüberflutend bis zum Gehtnichtmehr. Nun ja. Danach haben wir uns beim Starbucks noch was mitgenommen, ich konnte meine überzeugte Nicht-Kaffee-Trinkerin von einem Mocha Rose et Pistache mit Sojamilch begeistern und so lustwandelten wir bei ungelogen allerschönstem Sonnenschein durch den Jardin des Tuileries bis zu la Madeleine. Dort haben wir uns nämlich noch den Hermès Flagship Store (24 Rue du Faubourg Saint-Honoré), und das Christian Louboutin (68 Rue du Faubourg Saint-Honoré) Geschäft angeschaut und im Ladurée Geschäft (18 Rue Royale) Macarons als Mitbringsel geholt. Kurz darauf mussten wir auch schon wieder zurück zum Gare de l'Est und ich habe Anna sicher in den ICE gesetzt. Das war also unser schönes Mädchen-Sachen-machen-Wochenende. Am Tag darauf, zurück im Alltags-Brössel, nach meinen entnervten WhatsApp Sprachnachrichten an Dich, was alles schon wieder nicht rund läuft und einem half-nude Belfie in meinen neuen Donald-Duck-Boxershorts, bekomme ich von Dir: eine WhatsApp Sprachnachricht zurück. Beginnend mit den Worten "Hauptsache, de Donald-Buxe passt, da bin ich schon mal beruhigt!". Im Mittelteil mit Deinem in Rage reden gegen alle "Vermieter, potentiellen Arbeitgeber und sonstigen Nervzwerge in meinem Leben, die mir absagen oder sonst wie nicht raffen, was ihnen mit mir für eine tolle Frau entginge". Endend mit Deiner Bekräftigung, dass wir das alles in den Griff kriegen. Und dass Du bei allem, was wir vielleicht nicht (mehr) in den Griff kriegen, trotzdem für mich da bist. Ich schätze das unheimlich: enge Freundschaften, von denen ich vielleicht eine Handvoll habe, die über Jahre, Länder, Praktika, Jobs, Beziehungen hinweg bestehen. Thank you for being with me. Thank you for standing by my side, when it's hard or when things seem to fall apart. Danke Anna und danke ihr, ihr die ihr wisst, dass ich Euch meine. A. L. E. C. P.

Bisous, Nina.

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Bewerbungen schreiben treibt seltsame Blüten

Seit Ende Januar bin ich mich aktiv am Bewerben für einen Jobeinstieg ab Sommer in München. Dabei fallen ca. 90% der Bewerbungen auf ausgeschriebene, vakante Positionen, 10% sind Initiativbewerbungen. Mittlerweile habe ich etwas mehr als 40 Bewerbungen rausgesendet, auch um mir mental den Puffer namens «kann jetzt nicht dran liegen, dass ich zu wenig gemacht habe» zu bewahren. Wer dies liest und denkt, er habe eine Stelle für mich oder kennt einen, der einen kennt und so weiter, der melde sich gütigst bei mir und bekommt.. meinen CV, meine Gehaltsvorstellung und frühestmöglichen Eintrittstermin gratis. Die kann ich nämlich mittlerweile aus dem Effeff.

Teilweise habe ich auch schon negative wie positive Rückmeldungen, musste durch ein numerisches Online-Assessment (was man scheinbar nicht vollends verkackt hat) und hatte die ersten Video- und Telefoninterviews. Isch halte aufem Laufenden mit wie et alles weiterläuft. Was das ganze mit einem anstellt bzw. wie ich da so reingehe, seht Ihr unten. Also faktisch minimal professioneller, aber halt wirklich auch nur minimal. Man soll sich ja nicht verstellen und so.

Bisous, Nina. 

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Wo ist zuhause?

[Mein Track zum Text: Jetta - "Feels like coming Home"]

 

"Zuhause ist dort, wo ich keine Selbstzweifel habe."

"Heimat ist kein Ort. Sie steht in keinem Pass, setzt sich nicht aus schön gedachten Erinnerungen zusammen. Heimat ist ein Gefühl."

"To me, home (..) was the way the people I loved said my name."

 

"Where we love is home - home that our feet may leave, but not our hearts."

"Heimweh - Heimat - Du."

"Never make your home in a place. Make a home (..) inside your head. That way it will go wherever you journey."

"If you go anywhere, even paradise, you will miss your home."

  

"Vanillepudding."

"Lieblingsbar."

"Tatort."

"Ein Moment warmer Geborgenheit, der mich davontrug."

 

"Aber Du bist meine Heimat, der Ort meiner Kindheit."

"Home is the place where, when you go there, they have to take you in."

 

  

Was Ihr hier lest, ist ein Bruchteil der Zitate, Meinungen und Antworten, die ich in der Vergangenheit, explicit aber auch bei meiner Recherche in der letzten Zeit zu diesem Eintrag zusammengeklaubt habe und nun versuche, puzzleartig zu sortieren. Die im Kern befindliche Frage nach dem "wo ist zuhause?" kann und will auch gar nicht erschöpfend oder womöglich statisch final beantwortet werden. Aber man kann zumindest mal vier Ecken finden, Ränderteilchen raussuchen, blaue Teilchen auf einem Haufen zusammenlegen. 

Es ist sowohl demographisch beleg- als auch nicht schwer nachvollziehbar, dass von Generation zu Generation der eigentliche Heimatort an Bedeutung verliert, "Dörfer, Städte, Wohnungen sind oft nur noch Übergangsstationen zum nächsten Karriereschritt oder zur nächsten Beziehung", so die Zeitschrift NEON zu Beginn des Jahres (2016). Die Heimat, schreibt der Autor Bernhard Schlink in seinem Aufsatz «Heimat als Utopie», hat weder einen bestimmten Ort, noch ist sie einer. Unter Heimat versteht Schlink eigentlich Heimweh, eine Sehnsucht nach Vergangenem, eine Verklärung, die in Wirklichkeit meistens schaler sei als in der Vorstellung.

Nehmen wir in dem ganzen mich und zunächst mal nur meine geographisch, schritt- oder sprungweise aufeinander folgenden Eckdaten: ich bin in Wiesbaden geboren, in einem Vorort von Mainz, Gonsenheim, aufgewachsen und bin kurz nach meinem Abi mit meiner Mutter in einen anderen Vorort von Mainz, Bretzenheim, umgezogen. Nach dem ersten Semester meines Studiums bin ich in den Ort meiner damaligen Uni gezogen, nach Oestrich-Winkel im Rheingau. 3 Monate später bin ich zum Praktikum nach Zürich gezogen, nach 3 Monaten dort wieder zurück nach Oestrich-Winkel. Nach 4 Monaten dort bin ich zum Auslandssemester nach Indien gezogen, nach 4 Monaten dort wieder zurück nach Deutschland und im Anschluss für 2 Monate zum Praktikum nach München. Danach wieder zurück nach Oestrich-Winkel für die letzten beiden Semester und mein darauf folgendes Praktikum. Als ich dann an die ESCP Europe gewechselt bin (meine Uni zum Masterstudium) bin ich im ersten Semester in London gewesen, im zweiten in Berlin und dann für ein Gap Year von 15 Monaten in München. Und direkt danach bin ich nach Paris gekommen - wir sprechen also von kumuliert ca. 14 Umzügen in den letzten 5-6 Jahren. Ich habe das in dieser Ausführlichkeit aufgedröselt, nicht weil ich damit eine Ausnahme darstellte (die geolokale Vita eines Großteils meiner Kommilitonen liest sich vermutlich ähnlich), sondern weil es verdeutlicht wie sehr wir darauf angewiesen sind, Heimat von etwas Äußerem in etwas Inneres zu verwandeln. Jahrelang war mir Fernweh ein vertrauteres Gefühl als Heimweh, danach war ganz oft das Gegenteil der Fall.

Es zeigt darüber hinaus den Kern von "A comfort zone is a beautiful place, but nothing ever grows there". Man kann die Probleme der Welt nicht vom Bett aus lösen, seine eigenen schon gar nicht. Natürlich ist es dort wohlig und warm und gemütlich, aber irgendwann muss man eben doch aufstehen. Und ganz ähnlich verhält es sich mit der Heimat. Wer sich an der Schönheit der (restlichen) Welt freuen will, muss seinen Kokon hinter sich lassen und die Erfahrung des Fremdseins machen. Wer sich zu Hause fühlen möchte, wer verstehen will, was ein weiterer Aspekt von Heimat sein kann, der muss die Konfrontation mit dem Fremden, dem Unbekannten suchen.

Ein weiterer Punkt ist der Begriff der Geborgenheit. Er ist übrigens in keine andere Sprache direkt übersetzbar, im Englischen kommt ihm "to be at peace" am nächsten. Wo ich mich geborgen fühle, wo ich weiß, mir kann nichts passieren, ich kann mich fallen lassen, ich kann ich sein und werde so geliebt wie ich bin, wo es sich anfühlt, als zöge man sich die Bettdecke doch noch mal über den Kopf und atme in seiner eigenen wohligen Wärme doch noch ein paar Minuten vor den Unfairheiten der Welt geschützt vor sich hin - dort fühle ich mich geborgen, dort fühle ich mich zuhause.

Alles in allem sind wir heute vermutlich in einem Stadium der multiplen Heimaten angekommen. Zuhause ist in München, weil dort meine Mutter und Alfons leben, weil ich dort gemeldet bin, weil ich dort meinen kompletten Kleiderschrank und all meine Habseligkeiten habe. Zuhause bist Du, München, weil ich mich in Dich verliebt habe. Ich wohnte in Paris und in einer Weise war auch das ein temporäres Zuhause-Partikel, denn ich machte meine Wohnung so wie sie für mich wohlig war und wie ich sie unheimlich mochte und weil der Mensch sich einfach zu einem gewissen Grad dort zu Hause fühlen müssen muss, wo er ist, sonst vergeht er. Zuhause ist auch, wo Ihr seid, es ist München (again), Frankfurt, Oestrich-Winkel, Mannheim, Heidelberg, Hamburg und bis vor kurzem auch London und Kopenhagen. Zuhause ist daher ganz vieles für mich, meine Heimat ist und bleibt Deutschland. Neulich hat jemand in einer Talkshow (vermutlich zur Flüchtlingsdebatte/-krise/-frage), glaube ich, gesagt: "Viele sagen, Heimat sei dort, wo man geboren wurde. Ich denke, Heimat ist dort, wo man zum Sterben hingeht." Das fand ich interessant, brutal natürlich, aber nicht direkt zu Verwerfen.

Heimat ist für mich Deutschland, weil man mich versteht, sprachlich, non-verbal, kulturell, Eigenheiten und Vorlieben bezogen, am meisten von allem. Und weil ich ausinternationalisiert bin - zumindest was die nächsten Jahre betrifft. Ich möchte ankommen, ich möchte nicht mehr rumtrudeln und -reisen und -ziehen, möchte für meine Besitztümer nicht mehr in Kistenvolumen denken und vor allem möchte ich mir meine Post nicht mehr nachschicken lassen. Ich habe die letzten Jahre unheimlich viel erlebt und ich möchte nichts davon missen. Aber irgendwann ist es Zeit, heimzukommen. 

Bisous, Nina.

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On Tipping Points

In meinem letzten Eintrag sprach ich von meiner These, dass sich verschiedene Dinge, die zumindest in meinem Leben eine recht präsente Rolle einnehmen anhand einer nach unten geöffneten Parabel darstellen lassen sollten. Um es mal nicht ganz so kompliziert zu machen, rufe man sich meine Erklärung dazu in Erinnerung. 

Da es die Themen Internationale Erfahrung und andere Nationalitäten, selbstgewähltes Alleinsein, Sport und Grübeln betrifft und ich letzteres aber gerne außen vor lassen möchte, da ich es nur bis zu einem gewissen Grad selbst und willentlich beeinflussen kann, belassen wir es mal bei den ersten dreien.

Internationale Erfahrung. Wenn man wie ich und viele meiner Freunde, Bekannten, Kommilitonen und so weiter ein- oder mehrmals für kurz oder zumindest über länger als einen Urlaub im Ausland gelebt, -arbeitet, -studiert, -praktiziert (für "ein Praktikum machen" und ja, ich weiß, das ist nicht das korrekte Verb) hat, konnte man nicht umhin mit kulturellen Unterschieden, Andersartigkeiten und Wunderlichkeiten konfrontiert zu werden - sich entziehen und in einer Quarantäne artigen, isolierenden Blase durch das neue Umfeld wabern kann man nicht, spätestens in Gesprächen fällt auf: man ist ein Deutscher im Ausland. So weit also alles nichts Neues, diese situativen Umstände können lustig, nervig, einschüchternd, schön sein - eines sind sie jedoch immer: anders als Zuhause. Und wenn man nun auf der x-Achse fortschreitende Zeit und auf der y-Achse persönliche Bereicherung aufträgt, so glaube ich, dass die exposure (es gibt hier keinen wirklich treffenden schönen, deutschen Ausdruck) to international experience and other cultures durchaus ein Optimum diesbezüglich hat. Es gib einen idealen Zeitpunkt, an dem man sich wohl fühlt, weil wir alle so divers und international und auf immer anderen Sprachen (momentan also Englisch und Französisch) kommunizierend uns miteinander umgeben und vielleicht die Anzahl der Personen, die einem wirklich taugen die derjenigen übersteigt, auf die wir vielleicht eher verzichten wollten. Und bis dahin bereichert es persönlich, erweitert den Horizont, ist auf einem Online-Tagebuch wie diesem berichtenswert und für die Daheimseienden amüsant. Hat man den Peak aber überschritten, gleiten Dinge, die einst die Tage lustiger, schöner oder zumindest bunter gemacht haben, in das nervige, darauf kann man verzichten-bare, ich will zurück in mein Land, wo es so was nicht gibt-mäßige ab. Das betrifft den obligatorischen Métro-Klampfer mit Akkordeon, Pan-Flöte, Saxophon, Synthesizer oder sonst was tragbarem, der in abartiger Lautstärke neben meinem Kopfschmerz-Ohr zu performen glaubt, tatsächlich aber nur mein migräneartiges Weh verstärkt. Das gilt auch für nicht stereotypisch schnatternde Chinesinnen, die mit überdimensionalen Schleifen auf dem Kopf über den Campus wackeln, für meinen Postboten, der entweder beizeiten tagelang gar keine Post austrägt (man weiß es nicht, macht er vielleicht Home Office?) oder wenn er Pakete hat, diese in unseren Briefkasten reinstopft und quetscht, als gäbe es kein Morgen. Vielleicht muss man hinterher den Briefkasten abmontieren oder sprengen, aber das kratzt ihn relativ wenig, so lange wenigstens er das Ding los ist. Das gilt auch dafür, einfach nicht in seiner Essenz verstanden zu werden, sondern eben nur in der Übersetzung dessen, was man sagen will. Daran lässt sich übrigens auch mein persönlich gefestigter Glaube festmachen, dass ich nur jemand Deutschen lieben kann, freundschaftlich wie erotisch, einfach weil wir auf der gleichen Sprache fühlen. Exkurs Ende. Wer mir nicht zur Gänze hat folgen können oder wollen, verbuche es unter Heimweh und darunter, dass ich für mich selbst finde, ausinternationalisiert zu sein. Zumindest mal für die nächsten Jahre. Ich mag Deutschland und je öfter ich weg war, desto reflektierter kam ich zurück und konnte umso plausibler sagen "ich mag Deutschland und ich mag, dass ich Deutsche bin".

Selbstgewähltes Alleinsein. Ich muss mir eingestehen, dass ich vielleicht am Anfang des letzten Semesters auf keiner Uni-Party aufgekreuzt bin, dass ich schlecht socialize und dass ich auch willentlich ein ziemlicher Einzelgänger sein kann oder bin. Sicher, mir nähern sich Menschen an, aber über den Kontext universitärer Gruppenarbeiten und freundlicher Gespräche auf dem Campus läuft es dann nicht hinaus. Ich meine, ich habe unendlich wertvolle Freundschaften und es kostet mich nicht unwesentlichen effort, diese bei mir und nah an mir zu halten - die Fäden an mich zu raffen, indem ich in regelmäßigen Telefonaten, Nachrichten, Gesprächen über die Ländergrenze(n) hinweg das aufrecht erhalte, was mir und dem Gegenpart wichtig ist. 

Was ich sagen will: man weiß es am Anfang unheimlich zu schätzen, Zeit für sich zu haben, sich auf sich zu konzentrieren, man profitiert regelrecht davon, fühlt sich stärker, weil man mit dem Alleinsein klarkommt. Aber sobald man über in diesem Fall einen Tipping Point hinaus ist, wird aus der selbstgewählten, in unserer Generation hochgelobten me-time eine Form der sozialen Isolation und aus dem Alleinsein wird Einsamkeit. Und klar, wenn ich nicht diese Menschen in Deutschland und anderen Ländern hätte, die ich wirklich unendlich vermisse, müsste ich den Schmerz des Vermissens nicht ertragen. Aber wir wissen: so funktioniert Leben nicht. Ich kann nicht nicht lieben, weil ich Angst vor einer neuen Verletzung habe und ich kann mich nicht nicht auf eine Freundschaft oder Beziehungen einlassen, weil ich Angst habe, sie könnten irgendwann vorbei sein. Worrying won't prevent the bad stuff from happening, it just stops you from enjoying the good.

Bei meiner Recherche zu diesem Eintrag habe ich unter anderem zwei Artikel in der Welt zum Thema Einsamkeit gefunden: Einsamkeit ist der Preis der modernen Gesellschaft und Was Alleinsein von Einsamkeit unterscheidet. Nur für die, die es weitergehend interessiert. Für alle anderen ist meine main finding Passage die folgende: "(der Mensch) mag unter Menschen leben, doch sie haben keine affektive Bedeutung für ihn. Der Mensch, so sieht es (Soziologe) Norbert Elias, kann nicht existieren ohne die Beziehung zu anderen; und er ist am Ende auch nur das, was er für andere Menschen bedeutet." Ich bin zum Glück nicht grundsätzlich einsam, ich bin nur sehr entfernt von Euch und das macht es, ich finde mit Verlaub keinen Euphemismus, manchmal einfach scheiße.

Sport. Ich fange wieder an zu laufen. Ich muss, ich will und es ist ein Teil von mir. Gerade in den Phasen meines Lebens, in denen ich verletzungs- oder krankheitsbedingt keinen Sport machen kann und konnte, wird mir bewusst, was dieser mir doch eigentlich bedeutet. Ich habe seit ich ein kleines Kind bin immer Sport gemacht, erst Ski fahren, dann Tennis, dann Reiten, jetzt Fitnessstudio. Bewegung ist wichtig für mich, ich spüre mich, ich habe keine Angst und ich spüre meinen Körper. 

Um zurückzukommen zu meiner These mit dem Hochpunkt oder dem zwar im Graph ähnlich aussehenden Tipping Point (der da bedeutet Sisyphos-Arbeit und danach Verselbstständigung im Snowball-Effekt): man kann auch zu viel Sport machen. Auf dem Tipping Point ist es körperlich, seelisch und gesundheitlich perfekt, aber danach ist es halt einfach.. zu viel. Nun ja. In diesem Sinne, es wird versucht: der Tanz auf der Spitze des Tipping Points. Und ich gehe jetzt erst mal laufen.

Bisous, Nina

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"Ich würde zu gerne wissen, was Du gerade denkst"

Hassliebe Regen in Paris. 10 Minuten weltuntergangsähnliche Schauer, Belohnung danach völlig magisches Licht.

Roger Willemsen ist gestorben. Viel zu früh.

Noten Fall Term sind online. Ich habe alles bestanden. Und meinen Noch-Einser-Schnitt gehalten.

Wie kann man den einen italienischen Marketing-Prof heiß und innig lieben und den anderen auf den Tod nicht ausstehen?

Sad but true. Man nehme die gelbe Kurve und verschiebe sie auf der x-Achse nach links.

Ich müsste mal diese eine Leiste im Bad abwischen, die ist unendlich verstaubt.

Am Wochenende habe ich offiziell den Frühling ausgerufen. Indem ich zum ersten Mal wieder nur mit Lederjacke raus bin. Und mich sehr wie eine Pariserin gefühlt habe.

Die abzuklappernden Starbuckse werden trotz Abklapperung immer Neuer irgendwie nicht weniger. Mysteriös. Und frustrierend.

Worin ich mich wieder finde, kurz, aber auf den Punkt.

Mit 4 von 7 Kursen bin ich am 17. Februar durch. Mit dem Abschicken meiner ersten 30 Bewerbungen auch?

Wird meine Wohnung bevor ich ausziehe nochmal "fertig" aussehen ("fertig" = Router und Telefon stehen nicht auf dem Boden in der Ecke rum, ausgedruckte akademische Paper stapeln sich nicht in thematischen Häufchen daneben)?

Vermisst Du mich so sehr wie ich Dich? Wäre eine Diskrepanz in der Vermissung überhaupt irgendwie wichtig?

"Irgendwann in meinem Leben werde ich mal in Paris leben" Check.

Scheinbar haben mehr Menschen mit Panikattacken zu tun als ich dachte. I am not alone in this.

Ich sollte endlich mal die Survey für meine Master Thesis designen. Aber wie, wenn man noch nicht genug Literatur zu seinem Thema gelesen hat?!

Ich glaube, ich mag Jule nicht. Jule ist nach Caro und Luise Sarah Kuttners dritte Protagonistin in "180 Grad Meer". Ich glaube, sie macht mich unkonstruktiv depressiv. Die anderen beiden hatten ihre Bindungsphobien und so weiter, da konnte ich mich bis zu einem gewissen Grad mit identifizieren. Jule hat einfach ein Scheißvaterproblem und sich krüsselnde feine Härchen am Ansatz, da müsste ich zu beidem schmerzhaft hin, will ich aber nicht. Meine Mittel der Wahl sind daher: 1. Hörbuch nicht mehr hören 2. Verdrängung 3. Glätteisen. Konsequent oder alle 2 Tage.

Definitiv noch eine Fahrt im Riesenrad auf der Place de la Concorde mitnehmen, wenn das bis zum Wochenende noch steht.

Kann ich endlich mal wieder komplett gesund sein? Warum ist das Wort zu ent-erkältet nicht "(v)erwärmt"?

Meine Lieblings-französische-süße-Schweinerei? Meringue aux amandes. Eischnee, Puderzucker, Mandelplättchen. Hallo Akutdiabetes.

Was bedeutet Laufen für mich? Ein Teil von mir. Auspowern. Selbstbewusstsein aufbauen. An Alles und an Nichts denken. Keine Angst haben. Scheiße, wenn ich nicht laufen kann oder darf. 

Diese eine Mail da müsste ich echt mal beantworten. Genauso wie die beiden Facebook-Nachrichten und die vier WhatsApps. Sorry, ihr Sieben! Bald..

Ist diese Ausstellung zu Orchideen im Jardin des Plantes so eine Art überdimensionales Gewächshaus? 

Es gibt Variable, die miteinander proportional ansteigen, einen Hochpunkt (in der Algebra sagt man nicht "Höhepunkt") erreichen und dann wieder absinken. Übersetzt heißt das: am Optimum ist's super, davor viel Arbeit oder Anstrengung, danach nur noch nervig oder selbstzerstörerisch. Jetzt versuch' mal happy auf der Spitze zu balancieren. Gilt für: Internationale Erfahrung, Konfrontation mit anderen Nationalitäten, selbstgewähltes Alleinsein, Menge an Sport, Menge an Nachdenken über alles mögliche. Memo: bald einen Blogpost darüber schreiben.

Wie viele Bezeichnungen gibt es eigentlich für: Krapfen, Kreppel, Pfannkuchen, Berliner, Puffel oder wie der Franzose sagt «beignet»? 

Schönheit und schöne Dinge sind nicht ohne Medienbruch in Glückseligkeit verwandelbar. Happiness is an inside job. Und Paris ist unendlich schön, aber glücklich muss man sich schon selbst machen.

 

Mein Kopf auf Deiner Brust liegend, Dich anschauend, wolltest Du mal wissen, was ich genau in diesem Moment alles denke. In just diesem Moment vor 1 1/2 Wochen habe ich vermutlich andere Gedanken gedacht. Aber die Anzahl war wohl ähnlich. Daher: das kann ich gleichzeitig alles denken. Und es fühlt sich nur manchmal viel an, meistens ziemlich normal. It's crowded in my brain, aber man kennt mich da.

Bisous, Nina.

 

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Musée d'Art moderne de la Ville de Paris

Mal wieder so eine Ausstellungsempfehlung oder naja, eigentlich eher -erwähnung von der Sorte "ich hab's noch rein geschafft, aber sie läuft leider nicht mehr - what a pity". Ich wollte unbedingt noch in «Warhol Unlimited» - nicht dass man nicht auch schon 10x irgendwelche Andy Warhol-Ausstellungen besucht hätte, aber manchmal ist mehr mehr. Das gilt nicht für die meisten Fälle meines Lebens, da bin ich über die Maßen (warum kennt eigentlich Dein Freund und Helfer in allen Fällen, der Duden, nicht den Ausdruck "über die Maßen"? Sagt man das nicht so?) militantester Vertreter der Fraktion "Weniger ist mehr", aber bei Anzahl der Ausstellungen, die man von einem Künstler besucht ist mehr mehr. Bei Geld übrigens auch. Und bei Lametta auf dem Christbaum. Da ist mehr überall erst mal mehr. Der Grenznutzen ist natürlich bei allen debatable, aber anyway. 

Was mir also an «Warhol Unlimited» wirklich gut gefallen hat: die Größe der Ausstellung (man kann nicht darin verloren gehen und es gibt nicht ständig Gabelungen, an denen man sich entscheiden muss, wo man weitergeht, auf die Gefahr hin etwas zu verpassen). Die Farbigkeit, ich mag gerne sehr starke Farben. Oder tiefdunkelnichtssehendstockschwarz und gleißendhellchlorexgebleichtblendendnichtmehrweißergehendweiß. Und seit kurzem tatsächlich auch 50 Nuancen von Grau, nicht wegen sadomasochistischer Vorlieben im Schlafzimmer, sondern lediglich weil Du mir gezeigt hast, was grau für eine tatsächlich wahnsinnig vielseitige Farbe ist. Aber jedenfalls die Farben sind unheimlich schön. Und noch so zwei fancy shit Sachen: ein Raum, in dem silberfarbene, rechteckige Helium-Kissen von Ventilatoren angepustet durch die Gegend fliegen und ein riesiger Saal, in dem auf 360° einmal herumlaufend, wie ein Wandfries, Warhols Serie "Shadows" gehängt ist. 

Was ich kritisieren würde, ist dass einem als Besucher nicht das kuratorische Konzept klar wird oder ob es eins gibt. Klar, man erkennt "ist wohl Warhol", aber die Storyline ist tatsächlich ein wenig dürftig. Nun ja. Aber war man da. 

Ich bin dann noch mal kurz durch die Permanente Sammlung gezogen (macht Sinn, dass die kostenfrei ist, die ist nämlich nicht "der Burner", wie Carmen Geiss sagen würde). Und durch den wirklich guten Museumsshop, wo ich mir ein sogenanntes Do-it-yourself-Journal für Paris gekauft habe. Das werde ich dann hoffentlich die nächsten Monate ausfüllen. Danach bin ich noch mal kurz durch den Sale bei H&M auf der Champs-Elysées, zu einem neuen Starbucks und durch den grauen Regen zurück nach Hause. Alles unspektakulär, aber fein.

 

Praktische Informationen

Warhol Unlimited. 2. Oktober 2015 bis 7. Februar 2016.

Musée d'Art moderne de la Ville de Paris, 11 Avenue du Président Wilson, Paris 16ème.

Dienstag bis Sonntag 10-18 Uhr. Montags geschlossen. Eintritt regulär €12, ermäßigt €9, Reservierung empfohlen. 

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"21 Euro für die Käseplatte kann man sich schon mal rauslassen. Macht man ja nicht ständig."

Ich update mal: ich huste und schniefe und rotze vor mich hin, seit 1 1/2 Wochen geht das jetzt so. Ziemlich genau seit meinem letzten Blogpost. Dank der wunderbaren Anwesenheitspflicht, die man an der ESCP hat, weil sonst alle Franzosen in keine einzige Vorlesung gingen, muss man sich also in jeder Session eintragen oder aufrufen lassen und wenn man nicht da ist, fliegt man aus dem Kurs. Also wenn man mehr als 1x fehlt. Oder mit ärztlichem Attest. Da ich aber nicht irgendeinem bebrillten, beschnurrbarten, mittelalten Docteur généraliste gedenke hier €200.- für einen Wisch in den Rachen zu werfen, in dem er mir meine Erkältung abstempelt, schleppe ich mich jeden Tag hin, obwohl im Bett bleiben mal ganz angesagt wäre. Entsprechend verteile ich meine Viren, Bazillen und Rotzfahnen auf dem Campus, huste alle im Mode "offene Tuberkulose" an und es geht mir natürlich überhaupt nicht besser. Zur allgemein gereizten Stimmung möchte man beitragen, dass ich in terms of Gym von 100% auf ca. 5% gegangen bin und mittlerweile aufgrund mangelnder Kondition und schwindender Bemuskelung schon mit durchschnittlichen Treppen meine Schwierigkeiten habe. Naja. Und ungefähr im Quadrat springe wegen Ausgleich und so. Aber gut. Es kommen auch wieder gesunde Zeiten, kein Mensch ist ewig erkältet. Und dann geht auch das mit der Gym wieder, ick freue mir schon drauf.

Glücklicherweise wurde ich am Wochenende besucht von jemandem, der sich auch 2 1/2 Tage mit mir in die Wohnung setzen würde, wenn es mir dadurch besser ginge und dem es nicht primär um Paris anschauen geht. Und natürlich habe ich auch protestiert: "Also ist mega lieb, dass Du es mir anbietest, aber ich sitze nicht zuhause und glotze die Wand an und warte bis sich der Husten in Luft auflöst. Jetzt, wo Du mal da bist, machen wir auch was!" 

Das "Was" (und am Rande bemerkt ein einfach wunderschönes Wochenende) lässt sich also folgendermaßen zusammenfassen und in den Bildern anbei ein bisschen nachvollziehen. Ich habe versucht, möglichst wenig Pärchen-Selfies zu includen. Freitagmorgen noch Vorlesung, haben wir uns am Nachmittag zuerst mal das Panthéon (Grabstätte von Marie Curie, Voltaire, Victor Hugo und auf einem Hügel gelegen) angesehen und wollten dann eigentlich noch durch den Jardin du Luxembourg lustwandeln. Das hat aber nicht geklappt, weil Gärten hier gerne auch mal um 5 zumachen und wir das entsprechend postponen mussten. Weil ich unbedingt mal ins berühmte, typisch Pariserische (oder sagt man "Parisische"?) Café de Flore wollte, haben wir das als nächstes angesteuert und uns für die kulinarisch interessante Kombination aus Cola zéro, heißer Schokolade und einer Käseplatte entschieden. Formidable! [wie der Franzose sagt]. Man durfte hier tatsächlich auch den Auftritt des ein oder anderen mäßig oder schlecht gebotoxten Paradisvogel bezeugen - stilecht zum Interieur gehörig mit Marc Jacobs Macbook-Sleeve, Sonnenbrille gigantomanischer Dimensionen (2/3 des Gesichts müssen bedeckt sein) und einem eigens kredenzten Haus-Fruchtcocktail. Es war unterhaltsam, aber sehr cool, in fact. Wir haben dann noch eine Runde mit der Métro gedreht, durch den Monoprix und den Abend in einer Bar in meinem Viertel ausklingen lassen.

Wetter am Samstag bombig, im Sinne von Regen, Regen, Regen. Wir sind erst mal im Marais gestartet, um für T. sein obligatorisches pain au lait au ganache (Milchbrötchen mit hausgemachter Schokoladencrème) zu besorgen und für mich im Starbucks vorbeizuwackeln. Und weil die da in der Nähe liegen auch gleich noch zum Adidas Store und zum Nike Lab, einem sehr innovativen Concept Store. Wir wollten danach weiter zum Musée d'Art Moderne de Ville de Paris in eine der aktuellen Ausstellungen, Warhol Unlimited, weil aber die Frau nicht auf den Mann hat hören und vorher Tickets online kaufen wollen, standen wir dann also vor dem Museum und faceten eine endlose Schlange. Eine endlose Schlange an Regenschirmen, denn, wir erinnern uns: es regnete ja in Strömen. Und ich danke Dir, Du bist auf dem Punkt "ich habe es Dir ja vorher gesagt" nur zu einem minimalen Ausmaß herumgeritten und direkt gesprungen zu: "Was lernen wir daraus, Nina? Wenn Dir Dein Mann etwas sagt, dann machst Du es einfach, okay?" "Okay, Mann. Also for majority of future situations." Aus der Not eine Tugend machend oder wie das heißt, habe ich initiiert, in das direkt daneben liegende Palais de Tokyo zu gehen, eigentlich Location für moderne, sehr provozierende Kunstausstellungen. Da da aber momentan nichts zu sehen ist, haben wir uns in dem Photobooth ein wenig Dummheiten mäßig ausgetobt - es war großer Spaß. Noch einmal zackig durch den Museumsshop gezogen und uns dann überlegt wie wir weitermachen mit dem Regentag. Die Galerie Vivienne wird im Reiseführer als "Besonderheit" angepriesen, in der Tat gibt es wenig überdachte Einkaufsgalerien, in denen die Zeit so sehr stehen geblieben zu sein scheint wie hier. Es mutet fast antiquarisch, nostalgisch und gänzlich antikommerziell an, ein wenig morbide, aber gleichzeitig sehr goldig. Lichterketten, ein Weinladen, alte Buchgeschäfte, natürlich ein plüschiges, rot besamtetes Café (was sonst?) - man sollte mal dagewesen sein. Aber kaufen tut man hier nichts, Konsum gehört hier offenbar nicht zum Prinzip oder Selbstverständnis dieser Galerie.

Da besagtem Konsum oder zumindest Windowshopping aber auch noch ein bisschen gefrönt werden will, haben wir noch 1-2 Sneakerläden ausgecheckt, sehr cool vor allem Sneakersnstuff, in dem ich mich ein bisschen in dieses Modell der Nike Air Force 1 Ultra Flyknit verknallt habe. Erwerbsdatum ist aber noch nicht mit mir selbst final vereinbart. Über die Rue Montorgueil mit ihren vielen Bars und Restaurants und Streetart, über einen weiteren Sneakerladen, Size? bei den Forum Les Halles laufen wir zu der Bar, die wir uns für den Abend ausgeguckt haben: Le Fumoir. Ein Big Easy Fizz, ein Campari Orange und ein «fromage de chèvre, aubergines, tomates séchées, courgette et basilic sur tartine toastée» später, beschließen wir, dass man hier durchaus noch mal hinkommen kann, eigentlich eine sehr fancy Bar, wenngleich wir den explicit beworbenen "Neokolonialstil, Oldtime-Jazz und das Mahagoni-Interieur" jetzt nicht diiiirekt gefunden haben. Aber mei. Auf jeden Fall sehr empfehlenswert für alle "nach-Empfehlungen-für-Paris-Sucher" unter den Lesern meines Blogs.

Am Sonntag einen halbregnenden, aber sehr windigen Spaziergang durch den Jardin des Plantes, durch den kostenfrei zugänglichen Bereich dessen Ménagerie (in dem sie die scheinbar kontinentaleuropäische Sorte Wallabys haben, OMG), über den Quai Saint-Bernard an der Seine entlang, über den Boulevard Saint-Germain zu einem neuen Starbucks und final noch mal in den Jardin du Luxembourg. Das ist die Kurzzusammenfassung, aber der Sonntag soll auch eh nicht den Fokus des Berichts bekommen, denn ich mag Sonntage nicht, wir mögen Sonntage nicht und man braucht sie auch nicht. Sonntage sind tote Tage, sie sind zu nichts zu gebrauchen, warum können wir nicht zwei Samstage stattdessen haben? Sonntage bedeuten Abschied und allein sein und warten auf Montag. Und das ist zum Beispiel etwas, was ich mit den meisten Menschen nicht gemein habe: Montag ist gar nicht der Feind, auch wenn das viele Menschen glauben oder finden. Montag gehen die Trubeligkeit und die To do's wieder los, man hätte wieder die Freiheit, in alle Geschäfte zu gehen, wenn man wollte - welche man Sonntags nicht hat, selbst wenn man gar nicht wollte. Das wäre daher auch einer meiner Wünsche an die Gesellschaft der Zukunft: keine sonntäglichen Charakteristika, Regularien und Limitationen mehr, stattdessen zwei Samstage. Und das wäre daher auch einer meiner Wünsche an mein Leben der Zukunft: Dir nicht mehr an Sonntagen auf Wiedersehen sagen zu müssen, nicht mehr wissen zu müssen, dass ich am Morgen mit Dir aufstehe, aber am Abend nicht mit Dir ins Bett gehe, nicht mehr den ganzen Tag den antizipierten Schmerz des Abschieds verdrängen zu müssen, wissend, dass es nichts hilft. Einfach Sonntage nicht mehr scheiße finden. Das wäre doch was.

(ansteckende) Bisous, Nina.

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Sei. Gefälligst. Endlich. Glücklich.

Hallohallohallo. Hier bin ich wieder. Oder noch. Und ich warne vor: es wird ein höchstpersönlicher Post. Ja, natürlich ist das klar, denn es ist ja mein persönlicher Blog, aber dieser Eintrag ist sowohl höchst persönlich als auch höchstpersönlich. Es gibt in der Juristerei den Terminus des "höchstpersönlichen Rechtsgeschäfts", bei dem sich der Rechtsinhaber nicht von einem Dritten stellvertreten lassen kann, sondern es selbst vornehmen muss. Beispiele sind hier etwa die Eheschließung oder die Errichtung eines Testaments. "Kannste xy mal für mich heiraten?" is' also nicht. Zurück zum Thema. Während sämtliche Beiträge zu Paris im Allgemeinen, Besuchen von Ausstellungen und so fort von jedem anderen und wahrscheinlich noch besser hätten geschrieben werden können, sind Berichte, wie es mir geht, nur von mir selbst, unvertretbar quasi, schriftlich möglich. Das hier wird also so einer. Und ich warne noch weiter vor: ich höre zur Zeit mal wieder Sarah Kuttners Romane "Mängelexemplar" und "Wachstumsschmerz" und befürchte eine unintendierte Einflussnahme dieser von mir hoch geschätzten Autorin auf mein Tippen. Ich möchte mir bald ihr neues Buch "180 Grad Meer" reinziehen und trotz wissend, dass es sich hierbei um eine in sich abgeschlossene Handlung mit neuen Charakteren handelt, bilde und rede ich mir irgendwie ein, ich brauche das als literarische Vorbereitung sozusagen. Während ich mir also zulese, höre ich Frau Kuttners Stimme in meinem Kopf und will vermeiden, sie in meine Finger zu lassen, denn das würde mir mit Sicherheit nicht nur die Majorität meiner bis dato (?) hoffentlich (?) treuen (?) Leserschaft vergraulen, sondern würde auch unendlich unnatürlich werden. Befürchte ich. Ihre Protagonistinnen Caro und Luise sagen durchschnittlich Sätze wie "Eine Depression ist ein fucking Event" oder "Letzteres ist vermutlich Unsinn, ich weiß gar nicht, wie Dinkel riecht oder überhaupt aussieht, aber die große, strenge Frau und ihr ungleich luschiger Anwaltsmann sehen aus wie Leute, die irre gern Sachen mit Dinkel machen." Ich liebe also diesen Stil und auch wie Sarah Kuttner enthusiastisch keuchend und plappernd authentisch die beiden schmerzhaft wachsen und Angstattacken haben lässt und so weiter. Aber gut. Genug davon. Achso. Und es steckt so viel Wahres drin. "Du bist immer so fixiert auf das, was noch fehlt. Und jetzt schau nicht so gequält - es sieht scheiße aus."

Hier bin ich also, seit Sonntag Abend, last train to Paris, wieder zurück, Montag ging dann auch schon wieder die Schule los. Entschuldigung, Uni. "Nina, der Rucksack ist mittlerweile wirklich in der Mitte der Gesellschaft angekommen", hast Du zu mir gesagt, nachdem ich Dir meine Zweifel ob fehlender Modischkeit und schmerzhafter Diskriminierungserinnerungen während der 5. Klasse und meines Diddl-Schulranzen mitgeteilt habe. Aber so what. Dieses Semester will ganz viel an Papern ausgedruckt und gelesen und fleißig mit dem Mac in der Bib geschrieben werden und da tue ich meinem Rücken gleich ganz viel Gutes mit. Glaube ich. Wenigstens etwas. Nachdem ich mir augenscheinlich in den letzten Monaten nicht arg zu viel Gutes getan habe. Auch wenn das beizeiten anders angemutet haben mag. Menschen machen ja gerne mal "Neues Jahr, da mache ich dann ganz viel Sport und nehme ab und arbeite effizienter und und und". Halbwertszeit oder Mindeshaltbarkeitsdatum oder was auch immer dieser Sätze ist dann Mitte Januar. Meistens. Bei mir beginnt das Jahr anders. Man nehme bei allen der drei enthaltenen Resolutionen also das diametrale Gegenteil. Warum? "Ich hatte da einfach mal Bock drauf", würde Lena Meyer-Landrut jetzt sagen. Das trifft nur leider nicht. Ich musste. Mein Körper hat mir, mal wieder, die Grenzen meines Tuns, meines Rennens, meines Fokus aufgezeigt und mich wissen lassen, es sei mal Zeit für eine Pause. Und für ein Hinterfragen. Was ich mache, was ich in den letzten Wochen und Monaten, ach was, letzten Jahren gemacht habe. Was ich in den nächsten Jahren, ach was, Jahrzehnten machen möchte, was ich erleben will und wo ich nicht hinkomme, wenn ich unreflektiert so weiter rattere. Wie viel mute ich mir zu, welchen Idealen hechele ich hinter her und wann habe ich sie über eine (wachstums)schmerzhafte Grenze schon hinter mir gelassen? Ich bin verwirrt. Ich denke und sage Sätze wie "mich kotzt es an, dass man uns immer unterstellt, wir seien doch in unserem Inneren gar nicht wirklich richtig glücklich", "immer dieser Anspruch des hehren Glücks, anstelle einfach mal zu akzeptieren, wenn es okay ist", "siehst Du oft genug den Unterschied zwischen 'das und das will ich - jeden Tag' und 'das und das macht mich glücklich'?", "ändert sich wahrscheinlich vieles, wenn ich erst mal im Berufsleben stehe?". Ich habe keine Sinnkrise, ich weiß immer noch genau, wo ich mich sehe und was ich mir wünsche, vielleicht sogar viel klarer, weil sonst um mich und in mir einiges wankt. My character's strong but my head is loose. Manchmal ist es gar nicht so cool, in meinem Kopf zu leben. Also ganz oft und zum Glück schon und mittlerweile auch schon wieder etwas mehr, aber manchmal halt auch eben nicht. Ich weiß, ich mache keinen Sinn gerade. Vermutlich. Aber ich suche mir den Fokus auf tägliche Sätze wie "mach' so viel wie Du kannst", "gib' auf Dich acht", "es ist okay". Ich weiß, dass wenn ich es nicht tue, ich zack-zarapp wieder da bin, wo ich herkomme und da will ich nicht hin. Ich will da nicht hin, weil egal welche Gefühle ich dort habe, die nicht haben will. Wenn mein Körper streikt, werde ich wütend. Wenn ich mir nicht sicher bin, ob er streikt oder ob ich eine Angstattacke habe (ja, die haben Menschen beizeiten) oder ob ich einfach unterzuckert bin, bekomme ich Angst. Panische Angst. Und wenn ich mir dann in der Konsequenz zwangsweise Dinge zumuten muss, die ich im Innersten nicht will, werde ich unausstehlich oder hässlich gegen mich selbst oder Dich oder alles zusammen. Wer sich Sorgen um mich macht: bitte lassen, da kein Grenznutzen. Ich habe den Schuss vor den Bug, den Tritt vors Schienbein, den Knall gehört und versuche 17 Tellerchen und Tässchen von Uni-Kurse, Master Thesis, Bewerbungen schreiben, Einsamkeit (dazu auch bald noch ein Blogpost hoffentlich), weniger Sport, Kälte (in allen Nuancen), Paris und Selbstfürsorge zu balancieren - an manchen Tagen klappt es besser, an manchen schlechter. Aber ich lebe in jedem Moment und mein Herz schlägt kräftiger und ich lasse alles zu. Und ich nehme alles wahr.

Wenn ich in der Metro sitze und ein Lied höre und in die Sonne blinzele und mir die Tränen runterlaufen. Vermeintlich grundlos.

Wenn ich im Starbucks das Vanillepulver auf dem Milchschaum meines Cappuccino runterlöffele. Wenn ich mir dazu eine Zimtschnecke gönne. Oder einen Kokosnuss-Caramel-Cookie. Oder beides.

Wenn ich auf dem Campus bekannte Gesichter sehe, die mich anlächeln oder grüßen.

Wenn ich mir vor Augen führe, dass Du bald da bist.

Wenn ich eine Bewerbung schreibe und mir in einem unzulässigen Kopfkinomoment vorstelle, wie ich diese Stelle tatsächlich bekäme. Und es dann ganz schnell wieder vergesse.

Und wenn ich weiß, was noch alles kommt und was ich dafür einfach nur tun muss. Es verlangt nämlich nicht viel. Es verlangt nur ein bisschen "mehr" und ein wenig Gnade mit mir selbst und Durchhalten und Hoffnung. Und wer mich kennt, weiß, dass ich ein kleiner Kämpfer bin. Man muss sich mich da ein wenig wie einen Korken vorstellen, der immer wieder hochploppt. Irgendwo, wo Luft ist, aber immer wieder. Und so auch diesmal. Es sind noch 16 Wochen. 

Bisous, Nina

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Kann man das überhaupt so rechnen? Ein Gedankenexperiment.

Du hast es mir vorgerechnet. Ich habe gesagt: "Boar, das schaffe ich ja mega easy!" Dann habe ich drüber nachgedacht, nachts als ich mal wieder nicht schlafen konnte. Ich habe es hin- und her- und rauf- und runter- und vor- und zurückgerechnet. Zwischenzeitlich unterbrochen von Deiner liebevollen Anmerkung gegen halb fünf morgens, ich läge da wie ein Lachs. Aha. So müssen also Lachse liegen. Während sie rechnen. Mit Dir zusammen und immer mit anderen, für andere, von anderen bin ich flexibel, spontan, großzügig, tolerant, rücksichtsvoll. Mit mir alleine bin ich das nie. Da bin ich gnadenlos, penibel, akribisch, unentspannt, rigide im Planen. So gnadenlos, dass ich es vermutlich ein wenig übertrieben habe mit allem, was ich mir zumute und aufhalse in den letzten Wochen und Monaten. Da bin ich also. Vor meinem zweiten Semester in Paris, vor dem letzten Semester meines Studiums. Vor der Master Thesis, einem vollen Semester (gut, nur 7 statt 8 Kurse, wir wollen mal nicht so sein) und anstehendem Bewerbungenschreiben. Achso und von Paris vielleicht auch noch. Ein bisschen wenigstens? Ich rechne. Ich rechne nach, was Du mir vorgerechnet hast. Aber mit Daumenschrauben. Wie immer. 17 Wochen bin ich noch in Paris. The Pressure rennt, die Zeit is on. Andersrum natürlich.

 

17 Wochen à 7 Tage à 24 Stunden = 2.856 Stunden

39 ECTS (davon 16 ECTS für die Master Thesis) à 30 Nettoarbeitsstunden = 1.170 Stunden

Bewerbungen schreiben angesetzt = 60 Stunden

Emails dazu schreiben, durch Prozesse gehen, Reise(n) zu Vorstellungsgespräch(en) = 120 Stunden 

verbleiben 1.506 Stunden

8 Stunden Schlaf nächtlich (generös kalkuliert) = 952 Stunden

verbleiben 554 Stunden.

 

Diese 4.66 Stunden pro Tag kann ich mir nun aufteilen für: Gym, Körperpflege aller Arten (ich gewichte Duschen und Kosmetikerin mal gleich), Nahrungsaufnahme, Hin- und Rückfahrt zur Uni (aka 'commuten'), soziale Interaktionen (persönlich, WhatsApp, Skype, Telefonate, Emails, Facebook), Sightseeing Paris, Blog schreiben, Instagramieren, lesen, auf mich achten (mehr als ich das in letzter Zeit gemacht hätte), Phasen der Unproduktivität und Nichteffizienz. Mit Dir kam ich auf circa 8.5 Stunden. Aber mei. Geschenkt.

Jetzt sage mir bitte irgendwer, irgendwer? Darf ich das so rechnen? Habe ich recht? Übertreibe ich? Spricht aus mir die Pedantin oder die Gen-Y-lerin oder der liegende Lachs? Macht das alles Sinn überhaupt oder soll ich lieber mal go with the flow? Obwohl, nein. Man sage es mir nicht. Zumindest nicht noch mal. Nach kritischem Gegenwind per Email und WhatsApp und persönlich, nach etwas, was ich noch nie gemacht habe, nämlich diesen Beitrag für eine Weile auf nicht sichtbar zu stellen, nach überlegen und diskutieren und besprechen, weiß ich die Antwort nun selbst. Und ich habe die Message begriffen. Man kann es nicht so rechnen. Man kann oben stehende unterhaltsame und erquickliche Aufdröselung als worst case scenario betrachten, anhand derer es ein toughes Semester wird. Man kann anhand von ihr sehen, dass es grundsätzlich möglich ist, aber man kann sie weder als Motivation noch als Abschreckung oder gar Entmutigung nehmen. Natürlich schaffe ich das, eine andere Option gibt es ja nicht und ich glaube da auch an mich. Wie immer. Und wie immer liegt die Wahrheit irgendwo dazwischen. Ich habe dieses Gedankenmodell nun einmal durchgenudelt, erkannt, dass das Leben so nicht funktioniert und möchte es trotzdem meiner geneigten Leserschaft final nicht vorenthalten. Und doch, ich darf das sehr wohl so mal durchrechnen, es ist am Ende des Tages mein Blog, da darf ich was ich will. Aber Du und Du, Ihr habt Recht, ich werde mich nicht daran entlang hangeln, das habe ich begriffen.

Und nur, weil es so gut zur Uni-Thematik passt, eines der 180 Bilder, die vor kurzem entstanden sind, damit ich Bewerbungsfotos-mäßig schon mal keinen Bauchplatscher hinlege. Ich hoffe, es geht Euch allen (die Ihr und Sie hier fleißig aus meinen Buchstaben Sinn fischt) wirklich gut und es wurden noch nicht alle teilambitionierten Vorsätze fürs Neue Jahr schon wieder beerdigt.

Bisous, Nina.

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Grand Palais, Jeu de Paume und Musée Picasso

In den vergangenen Monaten schon omnipräsent, jetzt im neuen Jahr und angesichts der mir nur noch verbleibenden 4 1/2 Monate noch mal ein Ticken "da-er" (Komparativ von da, quasi mehr da), hat meine Angst, mir nicht alles, was ich in Paris sehen möchte, tatsächlich noch zu schaffen jetzt auch eine Betitelung erhalten. Das Kind hat einen Namen, holladiho. Es heißet da: Fomo Paris. Klingt ein bisschen nach North West oder Kim Kardashians und Kanye Wests neuestem Sprössling, dem guten Saint West (ich war eigentlich schon dankbar, dass sie ihn nicht Yeezus oder so genannt haben), aber es bezeichnet in dem Fall die gute alte "Fear of missing out". Und just diese hat sich in der letzten Woche dahingehend ihr erstes richtiges Ventil gesucht, als dass ich am Mittwoch in drei Ausstellungen, zwei im Grand Palais und eine im Jeu de Paume, und am Donnerstag noch mal in einem Museum, dem Musée Picasso, war und mir auch noch drumherum so den ein oder anderen Platz näher gebracht habe. Oder mich dem Platz näher. Oder so.

Ich möchte auch ehrlich gesagt gar nicht so viele Worte zu den einzelnen verlieren (ja, ich weiß, ist mal was Neues, dass ich nicht überdurchschnittlich viel gedanklichen Erguss zu teilen habe), da ich sie wirklich alle vier auf ihre Weise sehr, sehr eine Empfehlung un einen Besuch wert finde. Die Bilder und Artikel, die ich in diesen Eintrag integriere, mögen bitte ihr tunlichstes anrichten und mich in meinem Gefallen bestätigen beziehungsweise bei Ihnen und Euch den sogenannten "Haben-wollen"- oder in diesem Fall den "Sehen-wollen"-Effekt evozieren. Je nachdem ist das nämlich tatsächlich auch noch machbar, laufen sie doch alle noch eine Weile. Nicht so wie bei den letzten beiden, die bei Veröffentlichung meines Kommentars zu ihnen irgendwie schon rum waren oder noch einen Tag gingen. Das war ja auch irgendwie lame von mir. So im Nachhinein betrachtet. Aber mei.

Ich hoffe, dass die Bilder in der unten stehenden Galerie entsprechend offensichtlich in ihren Übergängen sind, das heißt klar wird, was welche Ausstellung ist, wo sie endet und wo welche nächste beginnt. Wenn nicht, bitte lauthals mal "Hier!" krähen. Und um jetzt mal nicht mehr länger de Schbannung zu schüren, ich habe folgende Ausstellungen besucht:

 

"Volez, Voguez, Voyagez - Louis Vuitton", Grand Palais

"Picasso.Mania", Grand Palais

"Philippe Halsman - Étonnez-moi !", Musée du Jeu de Paume de Paris

Sammlung & Ausstellung "¡ Picasso !", Musée Picasso Paris

 

In a nutshell: "Volez, Voguez, Voyagez - Louis Vuitton" ist nicht nur etwas für bekennend Markenloyale wie mich, sondern für jeden, der sich für die Geschichte des Reisens, Reisegepäck, Handwerkskunst, Objektausstellungen, Savoir-faire, Fotografie und 19. und 20. Jahrhundert interessiert. Sie setzt keine besonderen Kenntnisse von Louis Vuitton, aktueller Kollektionen, ikonischer Produkte oder Nicolas Ghesquière voraus und ist kostenlos im Eintritt.

Was "Picasso.Mania" so spannend macht, ist die Tatsache, dass sich die Ausstellung nicht direkt beziehungsweise nicht ausschließlich auf Werke Picassos konzentriert, sondern vielmehr veranschaulicht, wie er Künstler der Moderne - Jeff Koons, Paul McCarthy, Roy Lichtenstein, Georg Baselitz, Sigmar Polke, um nur ein paar zu nennen - und deren Schaffen beeinflusst hat. Circa 100 Arbeiten Picassos stehen etwa 300 Werke der Gegenwartskunst entgegen. Beeindruckend ist auch der Eingang der Ausstellung mit einer Videowand, auf der Interviews mit Frank Gehry, Richard Prince, Ed Ruscha und 15 weiteren ikonischen Künstlern abgespielt werden. 

Das Jeu de Paume mit seinem Eingang an der einen Ecke des Jardin des Tuileries, direkt am Place de la Concorde, zeigt mit "Étonnez-moi !" von Philippe Halsman eine lustige, selbstironische Fotografien-Sammlung, auf die ich gekommen bin, indem ich mir ganz klassisch die Empfehlung aus der aktuellen oder letzten deutschen VOGUE (so genau weiß ich das nicht mehr) rausgerupft habe: "Die Idee, Stars wie Marilyn zum Hüpfen zu bringen und so starre Posen zu vermeiden machte den Fotografen Philippe Halsman berühmt. Was er noch konnte, ist bis 24.1. im Museum Jeu de Paume in Paris zu sehen."

Wer Picasso (und das Musée Picasso in Antibes oder das Musée National Picasso in Vallauris - ich war in beiden schon) mag, wird das Musée Picasso Paris lieben. In einem Altbau im Marais gelegen, umfasst die Sammlung über 5.000 Werke und zehntausende weitere archivierte Stücke. Sie ist die einzige weltweit, die sowohl Picassos komplette Arbeiten der Malerei, Bildhauerei, Gravur und Zeichnungen zeigt und gleichzeitig auch noch präzise Aufzeichnungen mittels Skizzen, Studien, Entwürfen, Notizen, Radierungen verschiedener Stadien, Fotografien, illustrierte Bücher, Filme und Dokumente präsentiert. Dabei schafft sie es, eine perfekte Balance zwischen artistisch-schöpferischem Prozess, Picasso, dem Künstler und Picasso, der Privatperson zu halten und führt verständlich und chronologisch durch die Phasen seines Schaffens. Witzige Anekdoten und kurze (!) Wandtexte erklären so zum Beispiel, was die blaue Phase bei ihm ausgelöst hat, was den Kubismus in seinen Selbstportraits charakterisiert und welche Bedeutung, ich nenne sie mal "Signature-Figuren" wie die Taube, der Faun oder der Harlekin bei ihm haben. Ich war begeistert (gut, ich bin auch Picasso-Fan), aber das Museum wird einem auch als Normalo taugen..

 

 

 

Praktische Informationen

Volez, Voguez, Voyagez - Louis Vuitton, 4. Dezember 2015 bis 21. Februar 2016.

Salon d'honneur, Entrée Square Jean Perrin, Champs-Elysées, 3 Avenue du Général Eisenhower, Paris 8ème.

Montag, Donnerstag und Sonntag 10-20 Uhr, Mittwoch, Freitag und Samstag 10-22 Uhr. Dienstags geschlossen. Eintritt frei, Reservierung empfohlen.

 

Picasso.Mania, 7. Oktober 2015 bis 29. Februar 2016.

Entrée Clémenceau, Place Clémenceau, Paris 8ème.

Montag, Donnerstag und Sonntag 10-20 Uhr, Mittwoch, Freitag und Samstag 10-22 Uhr. Dienstags geschlossen.

Eintritt regulär €14, ermäßigt €10, Reservierung empfohlen.

 

Philippe Halsman -  Étonnez-moi !, 20. Oktober 2015 bis 24. Januar 2016.

Jeu de Paume, 1 Place de la Concorde, Paris 8ème.

Dienstag 11-21 Uhr, Mittwoch bis Sonntag 11-19 Uhr. Montags geschlossen.

Eintritt regulär €10, ermäßigt €7.50, Reservierung empfohlen.

 

Musée Picasso Paris, ab 20. Oktober 2015.

5 Rue de Thorigny, Paris 3ème.

Dienstag bis Freitag 11.30-18 Uhr, an Wochenenden und nationalen Feiertagen 9.30-18 Uhr. Montags geschlossen.

Eintritt regulär €12.50, ermäßigt €11, frei für Europäer zwischen 18-25 Jahre, Reservierung empfohlen.

 

 

 

Weitere Rezensionen & Artikel

Volez, Voguez, Voyagez - Louis Vuitton

Frankfurter Allgemeine Zeitung

LV Now: Ein Interview mit dem Kurator, Kurs auf den Grand Palais, Historie

 

Picasso.Mania

Zeit Online

Vanity Fair

 

 

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"Oh, hast Du Dir das selbst so gelegt? Kann ja auch schön sein.." oder: no Sherry with the Soup

Eine der Entscheidungen, die alle Menschen auf der Erde gleichermaßen, wenngleich auch zu unterschiedlichen Zeiten im Jahr treffen müssen oder es nicht müssen, aber trotzdem unweigerlich tun, ist die nach dem Verbringen des Silvesterabends oder Jahreswechsels. Man kann sich da nicht ausnehmen oder sagen "ich mach' da nich' mit!", selbst wenn man beschließt, es einfach zu ignorieren, ist das ein Entschluss. Die Nicht-Entscheidung wird paradoxerweise zur Entscheidung. Zugegeben, ethnische Randgruppen wie die Chinesen begehen diesen zwischen 21. Januar und 21. Februar, Vorder- und Zentralasien packen's zum Frühlingsanfang am 21. März dann auch, Thailand und der Hinduismus in seiner Gesamtheit klinken sich Mitte April ein. Man merkt, der Asiate mag nicht Mainstream. Der Islam legt sich da gar nicht fest, die Altes-Jahr-Neues-Jahr-Schwelle wandert durch den Kalender, das Judentum präferiert September oder Anfang Oktober. Vor 300 Jahren war es in Russland der 1. September, Luther wollte vor 500 Jahren den ganzen Trubel vorziehen auf den 25. Dezember. Weihnachten und Neujahr im Doppelpack, kauf' zwei, zahl' eins. Quasi. Zurück aber zu mir, zähle ich mich doch dem grundsätzlich kontinentaleuropäischen, westlich und christlich orientierten Kultur-, Werte- und Gesinnungskreis zugehörig und lebe momentan in einem Land, das es halt richtig macht. 31. Dezember auf 1. Januar. Klingt und ist auch nur sinnvoll, aber gut, wir lassen die anderen mal auch ihr Ding machen. Im Normalfall wird also die Frage "Was machst Du an Silvester?" entweder gleich als Teilfrage b) und in einem Atemzug mit der nach "Was machst Du an Weihnachten?" hinterhergeschoben und ist damit mit dem Erfahren des Ortes, der Tätigkeit und der beteiligten Personen gleichzusetzen oder aber sie kommt unschuldig aussehend alleine an, ist dann aber vielmehr maskierter Ausdruck unserer kontemporären Leistungsdisziplin in der Amüsier- und Ausgehkultur. Man muss auf alle Fälle was machen, was feiern, wo trinken, Konfetti-Time sowieso, Pseudo-Prophetismus aus deformierten Bleiklumpen, Freddie Frinton hopsend über den Tigerkopf (mindestens 20x und dank rapide zunehmender kultureller Schmerzfreiheit mittlerweile auch auf Schwäbisch, Hessisch, Kölsch und Sächsisch), euphorisches Countdown-Gezähle im Chor, Arsch abfrieren im Glitzerkleidchen bis auch der letzte Chinaböller hoffentlich unter Erhalt sämtlicher Extremitäten verböllert wurde,  gefolgt von Beglückwünschungen, dass man es ins 'Frohe Neue' gepackt hat - was hätte man auch sonst machen sollen, alleine in 2015 bleiben ging ja schlecht.. Was hier klingt, als sei ich ein zynischer Silvester-Hasser ist vielmehr meine Wahrnehmung, dass in der letzten Nacht des Jahres noch mal DIE Party schlechthin gefeiert werden muss, weil man ja nicht 364 Nächte davor und danach Zeit hätte und dass sich das Durchschnitts-Individuum in einer Gruppe Menschen (je mehr, desto besser!) oder zumindest nicht zur Gänze allein eher zutraut, nicht von der potentiell bedrohlich anrollenden Melancholie-Welle umgeschwappt zu werden. Wer Silvester alleine (und dann auch noch ohne Alkohol) zuhause sitzt, kann nur einen an der Waffel oder sadomasochistische Tendenzen haben, so der meines Erachtens vorherrschende Tenor. Wer Silvester gar verschläft, ist gesellschaftlich diskreditiert. Der geneigte Leser höre den sarkastischen Unterton der letzten Zeilen heraus, habe ich doch für mich einfach die Variante bevorzugt "nichts besonderes" zu machen. Glücklicherweise wehte mir da aus Freundes-, Familien- und Bekanntenkreis nicht ein ansatzweise kritisches Lüftchen entgegen, es wurde in der Maximalität kommentiert mit "Oh, hast Du Dir das selbst so gelegt? Kann ja auch schön sein..". In der Tat hat es sich nicht anders ausgegangen, nachdem ich mit T. (ich bin hier gar nicht absichtlich mysteriös, sondern nenne ihn tatsächlich auch im echten Leben beizeiten so) ein paar sehr entspannte Tage vor Weihnachten in Mainz war, wir Weihnachten und die Feiertage in München verbracht haben und ich seit 27. wieder hier bin. Ich habe Anfang Januar noch ein paar Termine in Mainz und München wahrzunehmen, wollte aber eben keine 3 Wochen oder so durchgängig da sein, daher die silvesterliche Unterbrechung hier in Paris. Vielleicht war es auch ein mikroskopisches Herausforderungs- und Neugierpartikel in mir, ob und wie ich oben genannte, grundsätzlich mögliche Sentimentalität mit mir zu meistern schaffte: ich darf vermelden, der 31. Dezember sowie der 1. Januar sind faktisch ohne Kollateralschäden an mir vorüber, durch Uhr und Kalender hindurchgezogen. Bevor ich zum Wie komme, mag ich nicht verhehlen, mir doch den ein oder anderen Artikel zur grundsätzlichen Thematik des Alleine Verbringens (ob als Single oder als Nicht-Single aber alleine) reingezogen zu haben - der Erkenntnisgewinn war aber überschaubar. Und so belief sich meine "Vorbereitung" dann doch darauf, mir noch mal zu Vergegenwärtigen wie Allzeit-Muse und -Vorbild Carrie Bradshaw damit verfahren ist - was ich mir davon mitgenommen habe, ist das schöne Lied, die Gemütlichkeit des eigenen Bettes und die stylische Gemütlichkeit des zu wählenden Outfits. Im Gegensatz zu ihr habe ich meine beste Freundin allerdings nicht in der selben Stadt, hier liegt auch kein Schnee und ich würde sowieso schwerlich in Nerzmantel, Paillettenmützchen und weißen Heels durch weiteres Schneien hüpfen. Aber sei's drum.

Da ich also nachmittags noch im Museum war (Eintrag dazu wie angekündigt in den nächsten Tagen), fand ich mich gegen sieben oder acht in meiner Wohnung zurück und darf folgende Bestandteile als emotional und situativ stimmig für einen nach meinen Ansprüchen glückseligen Silvesterabend benennen: die Neujahrsansprache unserer Bundeskanzlerin, eine endgemütliche und fast schon abnormal modische, graue Sternchen-Leggings (bitte an dieser Stelle nicht lachen, danke), eine Goji Berry Duftkerze von Rituals, meinen neuen Nagellack in Amaranthine (H&M Sprache für rot-metallic, bisschen festlich und so), eine Miso-Suppe, mein gemütliches Bett, ein Lolli Sorte "karamellisierter Apfel", rumdaddeln am iPhone auf Instagram, eine Folge "Er sagt, sie sagt" aus der Süddeutschen, eine Wärmflasche an meinen Füßen und ein nicht-sentimentales Nachdenken, wofür ich dankbar bin in diesem Jahr und generell immer [ich gebe zu, dies endete in einem Facebook-Post, da der aber auf Englisch war und wir ja hier deutschschbreschen, gebe ich seinen Inhalt sinngemäß noch mal wieder].

 

1. Dass jedes Mal, wenn etwas nicht so geklappt hat, wie ich es ursprünglich gehofft hatte, sich etwas besseres ergeben hat. Jedes Mal.

2. Enge Freunde, die mir mehr Liebe gegeben haben als ich mir manchmal selbst geben konnte und die mir gezeigt haben, wie man sich selbst lieben lernt.

3. Dass der Mensch ein zur Selbstheilung fähiges Wesen ist.

4. Die Unendlichkeit an Menschen, die anderweitig intelligent und talentiert sind als ich, dank derer ich immer in der Lage sein werde, mehr zu lernen, meine Perspektive zu ändern, besser zu verstehen. 

5. Umarmungen. Die alles in mir wieder an die rechte Stelle rücken.

6. Dass was auch immer fürchterliches in der Welt geschehen ist, weder ich noch meine Lieben davon betroffen waren oder verletzt wurden, sondern in Sicherheit und gesund geblieben sind.

7. Zweite Chancen. Vergebung. Die Fähigkeit zu sagen: Danke Dir für diese Erfahrung! und es auch so zu meinen.

8. Die skurrile Tatsache, dass ein Problem als solches zu erkennen gleichzeitig bedeutet sich bewusst zu werden, dass es eine Lösung dafür gibt.

9. Mein Studium. Die Tatsache, dass mir die Chance gegeben wurde und wird, das Leben in zwei großartigen Städten, München und Paris, zu erfahren.

10. Wie viel Glück in den kleinen Dingen liegt - wissend, dass Glück ständig zugänglich und eine Frage des Blickwinkels ist.

11. Der Geruch der Person, in die man sich verliebt, genau dann, wenn man sich in sie verliebt.

12. Die Tatsache, dass es möglich ist, sich wieder zu verlieben - sogar noch mehr als wir es zuvor getan haben.

13. Selbstbewusste Menschen in meinem Leben, die ihre Sicht der Dinge vertreten und aussprechen, die Schönheit und Größe und Wunder neu definieren und was es bedeutet zu leben - nur aufgrund der Art wie sie ihr Leben führen. Menschen werden zur Inspiration, indem sie sie selbst sind.

14. Alles, von dem ich genesen bin, alles, was ich gelernt habe, und wie glücklich zu sein, im Moment zu leben, mehr hervorzubringen, auf alle möglichen Arten großzügig zu sein, stets mit Dankbarkeit beginnt.

15. Dafür, dass ich so sehr respektiert, akzeptiert, geliebt, unterstützt, herausgefordert und um Rat gebeten wurde und immer noch werde.

 

Ich bitte nicht darum, dass 2016 irgendwie besser, aufregender, reicher, gelungener, gesünder oder glücklicher wird. Mit 2015 mitzuhalten wäre schon genug.

Bisous, Nina

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Ein Neujahrs-P(r)ost

Ihr Lieben. Ich kaufe kein 'r' und möchte lösen: anstelle eines Neujahrs-Prosts lege ich mit meinem Neujahrs-Post nahezu unaufholbar vor, was unterirdisch schlechte Wortwitze in 2016 angeht. Ich habe mir in den vergangenen Wochen regelmäßig überlegt, wie ich meinen nächsten Blogeintrag beginne (der letzte war, Schande über mein Haupt, am 15. November), worüber ich schriebe, in welchem Umfang und so weiter. Letzten Endes wurde daraus wie Ihr gemerkt haben werdet.. gar nichts. Beziehungsweise es wurde daraus "n'ach, das mach' ich später".

Ein Anfang wäre zum Beispiel gewesen: 'Kinder, mir sind in den letzten Wochen Uni-mäßig und überhaupt so etwas die Felle weggeschwommen. Oder wie das heißt.' Das wäre aber die feige Variante von "ich habe einfach andere Prioritäten gesetzt" gewesen, denn das habe ich tatsächlich getan. Das tun wir ja im Grunde immer alle und es ist auch total okay, wenn man für sich entscheidet, dass einem manche Menschen, Dinge, Aktivitäten, etc. wichtiger sind - für den Moment - wir alle haben nur Tage von 24 Stunden und das auch nur, wenn man die Nacht mit dazu nimmt. Mein Leben hat sich also weiter ereignet in bunten Farben mit Klausuren, Präsentationen, Essays an der Uni, recht vielem (fern)beziehungsweisen Gependel zwischen München und Paris und der Tatsache, dass ich in fact unheimlich viel Zeit in der Gym rumgehangen habe. Ein mir logisch erklärliches, stark ausgeprägtes Bewegungs- und Laufbedürfnis, das das ansonsten erhöhte universitäre Arbeitsaufkommen und die sich verdunkelnde Jahreszeit mit sich bringen, hat mich zeitweise jeden Tag in die Gym gezogen, auf mein Laufband, für mich (vor allem hier in Paris) schwer wegzudenken. Ich bin schneller geworden, länger gelaufen, habe mich innerlich ausgeglichen und musste mich teils wirklich zwingen, wenigstens den 7. Tag der Woche mal zuhause sitzen zu bleiben, um nicht die für einen Hobbyläufer adäquaten Wochenkilometer zu sprengen. Oder meine Achillessehne. Danke Dir, Achillessehne, an dieser Stelle. Und danke auch an meine Nike Free 4.0 Flyknit - ohne Euch wäre das nicht möglich. Das waren also Aktivitäten beziehungsweise Prioritäten.

Ein weiteres gefühltes Hemmnis war in der Tat die vielfältig optionale Themenlage, über die ich hatte oder hätte berichten wollen. Theoretisch und chronologisch wäre es wohl mit dem Besuch von Muddi und Alfons (30. Oktober bis 1. November) weitergegangen und dann mit dem Besuch eines wunderbaren, gar nicht mehr soo neuen Menschen in meinem Leben - Genau, Dir. Hi. (13. bis 15. November). Aber dann kamen die Anschläge. Und meine Gedanken, eigentlich vor allem meine Gefühle dazu kennt Ihr. Und dazwischen hätte ich immer mal wieder Einsprenkler reflexiver Themen gehabt wie "Der wohltuende Effekt von Askese: selbstgewählte Reduktion eines lokalen Soziallebens und warum wir mehr zu schätzen wissen, was wir nicht haben". Oder "Was ist Heimat, was ist zuhause?". Oder (zugegebenermaßen weniger reflektierend als mehr generell nützlich) "Filme in Paris". Die Tatsache, dass ich bei den Besuchen immer ca. gefühlt 1 Trillion Bilder gemacht habe (die ich erstmal wieder auswählen hätte müssen) und mir für die Reflexionen dann doch die innere Ruhe fehlte (ich merkte vor 18 Zeilen etwas von krasser Hibbeligkeit an), haben also nicht zu "ich schreibe jetzt einen Eintrag" beigetragen^^ Das vielleicht zum Gesamthintergrund der Verzögerung. Vielleicht hat es mich aber auch einfach nicht auf meinen eigenen Blog oder zum Schreiben gezogen, darauf wurde ich nämlich neulich mal wieder aufmerksam gemacht. Wie wichtig es ist, Dinge (von denen wir wählen können, ob wir sie tun) nur zu tun, weil wir sie aus unserem Inneren begehren, nicht weil wir sie gut können, oder weil wir es selbst oder gar andere von uns erwarteten. Ich selbst habe mal gesagt "Dinge, die man gern tut, werden zur Zumutung, wenn man dazu gezwungen wird." In diesem Fall von mir selbst. Jemand hat zu meinem halbwegs planvollen, mal hier mal dahin laufenden, literarischem Tun neulich angeregt: 

 

"Du hast da ganz ernsthaft ein richtiges Talent dafür.

Ich will bloß mal mit der Zeit noch herausfinden warum du eigentlich schreibst:

Macht es Dir Spaß, oder machst Du es nur, weil du es kannst oder

weil von dir von jedem Auslandsaufenthalt ein Blog erwartet wird?

Weil nicht das Dir am Ende jeder sagt, dass du so toll schreibst, und du nur deswegen schreibst.

In erster Linie sollst Du nämlich für Dich schreiben." 

 

Wie lösen wir (beziehungsweise ich, aber man nehme es als pluralis majestatis) das ganze nicht vorhandene oder selbst gemachte Dilemma denn nun? Bekanntermaßen sind ja die meisten unserer Probleme von uns selbst gemacht - was sie dennoch nie in ihrer Bedeutung, Komplexität oder Schlimmheit schmälern soll. Ziemlich easy eigentlich. Besagte 5 Trillionen Bilder (okay, es sind wahrscheinlich doch nur so 150) findet Ihr hier. Ja, auch die Nicht-Facebooker unter Euch. Ja, auch noch weitere Bilder von Erlebnissen, die ich vielleicht nicht auf dem Blog thematisieren oder besprechen werde. Und ja, ich werde trotzdem auch weiterhin auf diesem Blog Bilder integrieren, einfach weil's sonst weniger bundisch würde. Besagte zwei Besuche werde ich im Folgenden aufs kürzeste, nämlich nur auf die abgeklapperten Hotspots reduzieren. Nicht weil es nicht die wichtigsten Menschen in meinem Leben gewesen wären, die kurz mal Päriss gecrasht haben, aber einfach weil mir ein "und dann, es ist mittlerweile 10 Wochen her, haben wir das und das gemacht" total idiotisch vorkommt. Und weil ich hier entscheide. Und ja aus Gründen. Zu den Reflexions-Themen ('Social detoxing' // What is 'home'? // Paris movies) komme ich (vielleicht) noch mal, wenn mir sehr intensiv danach ist, wenn ich das bespoke Bedürfnis dazu habe und mir die Finger jucken. Ja dann. Was hatte ich noch an issues? Nix mehr, glaube ich. Achso und ich habe bis 18. Januar noch frei, bevor mein Semester weitergeht und will da zwar auch mal das ein oder andere Stückchen mit der Master Thesis weiterkommen, aber werde wohl doch trotz Gym und München-Pendel-Liebelei und Paris anschauen (ha, dat hättet Ihr nich' jedacht, dat ich dat auch noch mache. Jawollja!) ein wenig Luft für den Blog haben.. und gute Vorsätze und so. Das würde also mein einziger Vorsatz, denn normalerweise mache ich die nie. Einfach, weil man sein Leben an jedem beliebigen Tag im Jahr ändern kann, wenn man wirklich will und nicht dazu die erste Seite eines neuen Buchs braucht.

 

a) Mit Mama & Alfons

Freitag Nachmittag: Musée Rodin, Hôtel des Invalides (Grabmal Napoleon)

und Abend: Dinner im Restaurant 'Market'

Samstag tagsüber: Musée d’Orsay, Kirche La Madeleine (aber nur von außen), Delikatessen gucken

bei Fauchon und Trüffel kaufen in der Maison de la Truffe, durch's Marais spazieren, bei Izraël internationale

Spezialitäten und Düfte durchschnuppern, bei Aux Merveilleux du Fred Merveilleuses für Muddi und Alfons

holen, durch das Village Saint-Paul, einem Antiquitäten- und Kunsthandwerke-Flohmarkt laufen, an der Seine

für (einen) Nachmittags-Drinks sitzen

und Abend: Dinner im Restaurant 'Buddha-Bar'

 

b) Mit T. 

Freitag Abend: Les Catacombes (300km langes, unterirdisches Gängesystem der ehemaligen Steinbrüche mit

Gebeinen von ca. 6 Millionen Pariser Einwohnern bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts), Drinks 'Dans les

Landes'

Samstag tagsüber: Spaziergang wieder durch mein geliebtes Marais, zur Cathédrale Notre-Dame, Hôtel de Ville

& Place de l’Hôtel de Ville, über einen neuen Starbucks (mittlerweile habe ich so 12 von 50 etwa), zum Place des

Vosges und in einem Café gegenüber des Marché des Enfants Rouges den Nachmittag verbracht

Sonntag tagsüber: Spaziergang durch Saint-Germain-des-Prés

 

Sodele. Nachdem wir damit jetzt mal ein wenig abgecatcht haben, wünsche ich Euch, Ihnen und mir ein glückliches und erfolgreiches, und weil es die Zeit mehr als bisher fordert, ein gesundes und friedvolles Neues Jahr. In den nächsten Tagen finden sich hier je ein Post über meine Entscheidung, Silvester alleine in Paris zu verbringen und einer über die insgesamt 4 Ausstellungen, die ich mir in den vergangenen beiden Tagen angesehen habe.

 

Bisous, Nina

 

 

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Mir geht es "gut". Ja. Wirklich.

[Mein Track zum Text: Ludovico Einaudi - "Divenire"]


We are safe now and hope everyone else is as well.

We are safe it ended in my street, still hearing ambulances and grenades but I hope we will be safe ! 

Shocked and appalled at level of evilness that human beings managed to achieve.

Freunde, bei mir ist alles in Ordnung, ich bin an einem sicheren Ort.

yesterday Lebanon, today France. WTF .

Saluti, sto bene.

Lieben Dank für all eure Anteilnahme, Nachrichten und Anrufe! (..) Paris in stiller Schockstarre zu sehen ist wirklich berührend und erschütternd zugleich.

Finally arrived home! Thanks for your messages. What a horrible night in Paris.

 

Was Ihr hier lest, ist ein Bruchteil der Facebook-Posts meiner Kommilitonen, Bekannten und Freunde in Paris, gepostet am späten Freitagabend, kurz bevor es auf Facebook die Möglichkeit gab, sich mithilfe des sogenannten Sicherheitscheck als wohlauf zu markieren. Menschen, die mit einem befreundet sind, werden dann per Benachrichtigung und einem Post auf der Timeline des Betroffenen darüber informiert, dass es ihren Kontakten gut geht.

Mir geht es "gut". Ja. Wirklich. Mir geht es gut, wenn "gut" heißt, dass mein Leben unversehrt ist, dass ich mich am Freitagabend nicht in der Nähe der Anschlagsorte befand, dass ich in keiner Weise direkt beeinträchtigt wurde, von dem was geschehen ist und dass sich keiner meiner Kommilitonen, Bekannten oder Freunde, die zur Zeit in Paris leben unter den Opfern oder Verletzten befindet.

Mir geht es gut, wenn ich daran denke, dass ich an diesem Wochenende nicht alleine war und dass ich mir niemand anderen an meiner Seite und bei mir hätte wünschen können. Und auch in Zukunft nicht tue. Danke, dass Du da warst. Danke, dass Du da bist.

 

Mir geht es gut, wenn ich die Menschen sehe, die auch gestern bei schönstem Sonnenschein in Saint-Germain-des-Prés vor den Restaurants sitzen, die an der Seine entlang spazieren, sich in kleinen Gärten wie dem Square René Viviani küssen - wie sie das Leben genießen. Und wie sie lachen. Wie sie trotzdem lachen, trotz allem was passiert ist und was in diesen Tagen über Paris hängt, was wie eine hässliche, nicht greifbare, nicht sichtbare Wolke über dieser Stadt schwebt. Zu weit weg, um nackte Panik zu verbreiten, zu nah, um auch gestern, am Sonntagabend, kurz nachdem ich an der Station Bastille vorbeifuhr, einen falschen Alarm auszulösen, mit flüchtenden Menschen und Polizeieinsatz.

 

Ich kenne mich selbst gut genug, um zugeben zu können, dass mir Ereignisse, bei denen viele Menschen auf grausame Weise zu Tode kommen, enorm nahegehen, wenngleich ich nie jemanden verloren habe, nicht mal jemand kannte, der verletzt wurde. Der 11. September. Norwegen. Der Absturz der Germanwings-Maschine im März. Charlie Hebdo im Januar. Ich stehe davor und ich begreife es nicht. Ich suche wie eine Blöde nach einer Erklärung, einem Sinn, einem Grund, den es geben kann, weswegen so etwas Menschen widerfährt. Wie ein gerechter Gott das zulassen kann. Wie er es vielleicht so wollen kann.

Ich scheitere. Immer wieder.

Mir kommen die Tränen. Immer wieder.

Ich fange mich. Immer wieder.

Und obwohl ich weiß, dass es idiotisch ist und dass es keinen Grund gibt, es keinen Sinn geben kann, ist es meine Weise damit umzugehen. Ich schaue Nachrichten, ich verfolge Artikel, soziale Netzwerke, wie Ihr es vermutlich alle macht. Ich will zumindest das an Fakten begreifen, was sich nachvollziehen lässt. Und ich will Mitgefühl teilen, ich will Verbundenheit spüren und ich will mich berühren lassen von der Anteilnahme, von den Worten, die Menschen für etwas finden, wofür es keine Worte gibt und in Zeiten, in denen selbst die passendsten Worte trotzdem nie genug sein können.

 

You must go on. I can't go on. I will go on. (Samuel Beckett)

 

Unter allen Leidenschaften der Seele bringt die Trauer am meisten Schaden für den Leib (T. Aquin)

 

In the midst of hate, I found there was, within me, an invincible love.

In the midst of tears, I found there was, within me, an invincible smile.

In the midst of chaos, I found there was, within me, an invincible calm.

I realized through it all, that ...

In the midst of winter, I found there was, within me, an invincible summer.

And that makes me happy. For it says no matter how hard the world pushes against me, within me, there's something stronger - something better, pushing right back. (A. Camus)

 

France embodies everything religious zealots everywhere hate: enjoyment of life here on earth in a myriad little ways: a fragrant cup of coffee and buttery croissant in the morning, beautiful women in short dresses smiling freely on the street, the smell of warm bread, a bottle of wine shared with friends, a dab of perfume, children playing in the Luxembourg Gardens, the right not to believe in any god, not to worry about calories, to flirt and smoke and enjoy sex out of marriage, to take vacations, to read any book you want, to go to school for free, to play, to laugh, to argue, to make fun of politicians alike, to leave worrying about the afterlife to the dead. No country does life on earth better than the French. Paris, we love you. We cry for you. You are mourning tonight, and we with you. We know you will laugh again, and sing again, and make love, and heal, because loving is your essence. The forces of darkness will ebb. They will lose. They always do. (Blackpoodles, Santa Barbara)

 

Julia Engelmann hat gefragt: "Was bleibt mir zu tun?" Ganz einfach: mir bleibt damit klarzukommen. Im Hier und Jetzt zu leben. Meinem eigenen Leben mit Achtsamkeit und Dankbarkeit zu begegnen. Denen, die ich liebe zu sagen und zeigen, dass ich sie liebe. Und nicht aufzuhören zu lachen. Nicht aufzuhören rauszugehen, im Café zu sitzen und das Leben immer wieder zu genießen. Nicht mehr bei jeder Sirene zusammenzuzucken. Ich bin ein mutiger Charakter, ich bleibe nicht im Keller sitzen und weine. Ich lasse mich nicht unterkriegen und wir lassen uns nicht unterkriegen und ich gehe raus und erlebe was da ist und erlebe wie die Menschen sind. Ich erlebe ihre Gedrücktheit, aber nicht ihre Resignation. Ich erlebe Vorsicht und Aufmerksamkeit, aber keine Angst oder Paranoia. Ich erlebe eine Stadt, die nicht mehr ist wie zuvor und ich erlebe Menschen, für die nichts wieder ist wie zuvor. Und ich erlebe mich, wie ich mitfühle, wie ich weine, wie ich weitermache.

Der Campus meiner Uni, der ESCP Europe, liegt 850m vom Rockclub Bataclan, in dem am Freitagabend etwa 100 Menschen hingerichtet wurden. Die Schule wird heute, am Montag, wieder öffnen, es wurden zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen eingerichtet, psychologische Unterstützung wird angeboten werden, der Unterricht wird bis einschließlich Dienstag Abend stattfinden, aber nicht verpflichtend sein, Klausuren werden verschoben, wir nehmen an der Schweigeminute um 12 Uhr teil. Ich selbst werde ab Dienstag wieder in der Schule sein, sadly as it is, das Leben muss weitergehen und wird es, aber wir werden nicht vergessen. Wir werden nicht vergessen, aber wir werden heilen, die Stadt wird heilen und das was jetzt noch als offene Wunde klafft, wird vernarben.


Ich möchte Euch danken für die unzähligen Facebook-Nachrichten, WhatsApps, Anrufe, Erkundigungen, ob es mir gut geht, dass Ihr Angst um mich habt, dass Ihr in Gedanken bei mir seid, wie schrecklich das alles ist. Ich möchte Euch ebenfalls bitten, Euch keine Sorgen um mich zu machen, denn mir geht es ja gut. Und entgegen einer Nachricht, die ich erhalten habe, Angst haben zu müssen was die Zukunft so bringt und nicht um meine Jugend oder generell nicht um ein junges Alter beneidet zu werden, habe ich keine Angst was die Zukunft bringt. Ich bin froh, dass ich so jung bin und miterleben darf, was die Zukunft bringt, denn sie wird natürlich und leider weiterhin schreckliches wie dieses oder gar noch schrecklicheres bringen, aber sie wird auch schönes, unbeschreiblich schönes und Glück bringen und wir haben das Privileg, dass wir unser Leben noch haben und behalten werden - im Gegensatz zu denen, denen es auf barbarische Weise von irgendwelchen Unmenschen, von regelrechten Tieren, genommen wurde und die die ganze Zukunft gerne noch erlebt hätten.

You will not be forgotten. 

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"Der einreihungsunwillige Franzose" oder: was ich nicht verstehe in Paris

Es gibt Dinge, die checkt man nicht. Grundsätzlich gar nicht. Oder man denkt, man hat's und dann merkt man "nee, doch noch nicht". In ersteres fallen bei mir z.B. nahezu alle über die Basics hinausgehenden Themen in Corporate Finance. Selbst nach mehrjährigem Durchkauen in mehreren mehrmonatigen Kursen in Bachelor und Master unterschiedlicher Schwierigkeitsstufen und Intensitätsgrade, besuchter Tutorien und Lerngruppen (also effort, den ich für nie einen meiner anderen Kurse zu betreiben für notwendig befunden hätte, weil der Groschen einfach gefallen ist). Oder die randomness, mit der manche Menschen einen auf Social Media Kanälen befreunden oder sich auf Networking Plattformen mit einem connecten wollen. Das hat für mich auch oft wenig bis verschwindende Nachvollziehbarkeit oder Korrelation mit der Realität. Aber mei. Letztes Beispiel für meinem Hirn nicht beibringbare, fundamentale Uncheckbarkeiten: wie komme ich pünktlich? Man versucht es mir ungefähr seit der 1. Klasse einzutrichtern. Vergeblich. Trotz zwischenzeitlich fluktuierendenr Resultate und wabernder Definitionen meinerseits ("pünktlich ist nicht, wenn die Uhr die Uhrzeit des Beginns anzeigt, sondern vor dem Lehrer im Raum zu sein"). Mit 23 bin ich nun an dem Punkt, dass ich bei privaten Terminen immer 2-15 Minuten zu spät bin (in 1% der Fälle pünktlich, dann aber stolz wie Bolle), bei wirklich wichtigen Dingen (Klausuren, Vorstellungsgesprächen, Flugreisen) viiiiiel zu früh. Also so, dass man quasi auch getrost noch 2x zurück nach Hause und wieder hinfahren könnte. 

In zweite Kategorie, die des "gefühlt verstanden Habens und dann feststellen, dass doch nicht" fällt z.B. so was wie meine mit ungefähr 4 oder 5 Jahren gemachte Erfahrung, dass ich die Uhr lesen konnte und dann nach ein paar Wochen Ziffernblatt interpretieren es wieder verlernt habe, nicht ohne den Verweis, es gäbe doch schließlich digitale Anzeigen. Das mal so als Exkurs der Sorte "peinlich-intime Kindheitsschmankerl im Hause Rink". Um den Schwenk zum Jetzt zu schaffen: Dinge, die ich in Frankreich oder an Franzosen nicht verstehe. Oder die von Kategorie 2 irgendwann endgültig in 1 sortiert wurden - der resignierenden Einfachheit halber. Es gibt hier einen Bürgersteig für Autos. Wozu? Um das Auto vor Radfahrern zu schützen oder was? Faktisch ist es eine Art Spur zwischen Fußgängerbürgersteig a (direkt an der Straße) und Fußgängersteig b (direkt an der Häuserwand), auf der mit querenden Vehikeln der Dimension "umgebaute Wellblechgarage mit Rasenmähermotor" oder auch des Fabrikats Renault Clio gerechnet werden muss, die ohne Licht oder Hupe plötzlich aus dem Nichts auftauchen, wenn man sich als piétonne gerade nichts ahnend im Gehen mit dem iPhone beschäftigt und sich eigentlich in Sicherheit wägt (oder heißt das "wähnt"? Egal). Der Zweck? Mir unerklärlich.

Genauso unerklärlich wie die Anstellgebaren des gemeinen Franzosen an sich. Natürlich verwende ich "gemein" in der zoologisch, botanischen Semantik von ohne besondere Merkmale (vgl. "die gemeine Stubenfliege") nicht in der Wortbedeutung niederträchtig, hinterhältig. Wo kämen wir da hin, wenn ich hier Ressentiments schürte oder Stereotype kultivierte. Mindestens alle zwei Tage in der Mensa widerfährt es mir und es ist mir auch schon im Starbucks in einem unschönen Aneinanderrasseln mit einer telefonierenden und wild gestikulierenden Französin passiert: der Franzose (m/w) stellt sich entweder seitlich an eine bestehende Schlange an (Fall a) oder er geht einfach dermaßen impertinent an allen Wartenden vorbei, dass aktiv anstellen die Verharmlosung des Jahrtausends und sich unverschämt vordrängeln immer noch ein Euphemismus vor dem Herrn ist (Fall b). Der Anknüpfungspunkt ist hier die Unschuld, die der Franzose (m/w) für sich proklamiert. Im Folgenden die Gedanken der Partizipanten, beginnend mit dem einreihungsunwillligen Franzosen (m/w) und gefolgt von der gedachten Reaktion meinerseits.

Fall a

"Ich stelle mich mal seitlich neben Sie, das passt ja dann. Dabei schaue ich einfach unschuldig, irgendwo zwischen Dackelblick, Rehaugen und schwer konzentriert, um das auf der 2 Meter entfernten Tafel angeschriebene lesen zu können. Dabei versuche ich den stechenden Blick restlicher Anwesender zu ignorieren." - "Im Endeffekt werde ich vor Ihnen bestellen, Sie werden das ohne Protest hinnehmen und was die 30 Menschen hinter mir für unterdrückte Aggressionen just in diesem Moment gegen Sie pflegen, kann ich Ihnen nur geschätzt umreißen."

Fall b

"Ach, das ist eine Schlange hier? Das wusste ich nicht und sind wir mal ehrlich, war auch so nicht erkennbar. Ich dachte, die Menschenmenge hat sich aus reinem Spaß an der Freude in einem unbeweglichen, perlenartig aufgereihten Flashmob vor einem zu erreichenden Ziel versammelt. Da ich also der einzige bin, der tatsächlich etwas bestellen möchte, kann ich das ja getrost tun." - "Knackt's bei Ihnen eigentlich? Was glauben Sie denn, was wir hier machen? Auf welchem Chromosom ist bei Ihnen eigentlich diese unfassbare Arroganz angelegt, sich einzubilden, Sie seien Dreh- und Angelpunkt beziehungsweise alleine auf dieser Welt?"

Sagt man natürlich nicht, ist man ja erzogen und so. Stattdessen kann oder will ich meine Mimik gar nicht kontrollieren und setze so bewusst das Gesicht der hybriden Kombination von Augen zusammenkneifen, Stirnrunzeln und geöffnetem Mund zur direkten Entgegnung oder Anblaffung auf. Hilft meistens schon ganz gut, Erfolg zu messen daran, dass der Franzose (m/w) kehrtmacht, vorgibt nur mal kurz vorne was geguckt haben zu wollen und sich artig ans Ende der Schlange stellt. Oder zumindest hinter mich, was nicht meinem absoluten, aber zumindest meinem relativ zu mir empfundenen Gerechtigkeitsempfinden entspricht und entsprechende Ruhe bereitet. Die innere Nina tobt nicht mehr. 

Situation 3 von "waruuuummm?", Franzosen, die sich auf offener Straße einfach ein ganzes Baguette ins Gesicht stecken. Entschuldigung, ich finde dafür keinerlei verniedlichendes Vokabular. Vorweg sei bemerkt, dass man in Paris keine Menschen sieht, die im Gehen essen. Selbst der Erwerb bei McDonalds wird im Sitzen verzehrt, sieht man doch jemanden auf offener Straße bei der Nahrungsaufnahme, darf man sichergehen, dass es sich nicht um jemanden aus Paris (oder, ich verallgemeinere mal, überhaupt einen Franzosen) handelt. Möglicherweise einer der Gründe, warum es in Frankreich weniger adipöse Tendenzen gibt. Keine Ahnung, nur mein Eindruck, man widerspreche mir in Studien und Graphen. Auf jeden Fall sticht dieses unterm Arm getragene und in direkten Abbissen verzehrte Baguette aus der nicht synchron gehenden und essenden Restlichkeit der population parisienne heraus. Und mir als Deutscher, die es eh schon nicht so mit Essen hat, aber zumindest mit deutschem Backwarenerwerb, -charakteristika, -nationalstolz und -verzehrvarianten in Grundzügen vertraut ist, ist es nicht ergründlich. Nach deutschem Verständnis und meinen Kenntnissen kauft man jegliches Brot in Stangen- oder Laibform, um es zuhause (!) mit einem Brotmesser (!) in eine verzehrfähige Dimension zu zerlegen und im Anschluss mit einem Belag, Bestrich oder einer Ergänzung der Wahl zum Dippen, Tunken, vom Teller Aufnehmen zu verzehren. Dies geschieht tatsächlich mit den Fingern - die einzige Gemeinsamkeit, die es zu geben scheint. Selbstredend ist dem Deutschen auch der Verzehr von Backwaren im Gehen auf offener Straße bekannt, handelt es sich hierbei aber um fertig bestrichene, belegte, größenmäßig angemessene Enderzeugnisse, deren Zweck eben im sofortigen Kauen und Schlucken besteht. Das Fass mit dem Unvorhandensein von Körnerbrot (Vollkorn, Mehrkorn, Kürbiskern-, Sonnenblumenkern & Co) mache ich jetzt nicht auf. Exemplarisch wäre hier die dreiviertelstündige Suche von Anja und mir auf der Suche nach einer Mehrkornsemmel im 5e Arrondissement zu nennen, die Anja zu ihrer Kürbiscrèmesuppe hätte essen wollen, die wir aber nach Eingestehen der Unmöglichkeit des Unterfangens resigniert beendeten. Ich verstehe also auch das nicht und ich höre mich an, wie jemand der mit einer reptilienartig fremden Unfähigkeit des Begreifens vor den Aspekten Unterschied zu Frankreich, Kohlenhydrate und Koordination im Gehen ohne wogegen zu laufen steht. Never mind. Zumindest darf ich aber das erste Häkchen an mein Klischee von Jacques, François und Henri, die mit ihrem Rotwein, einem Camembert und dem obligatorischen Baguette bewaffnet, mit Streifenhemd, Moustache und Beret eine Charmeoffensive gegen mich gestartet hätten. Seid beruhigt, der Rest wird sich angesichts der in den letzten beiden Monaten gemachten Erfahrungen und erhaltenen Eindrücke nicht bewahrheiten.

Bisous, Nina.

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Maison Européenne de la Photographie

Von einer Kommilitonin empfohlen, gerade so kurz vor knapp noch in die Ausstellung(en) geschafft, bevor sie am 31. Oktober geschlossen wurde(n). Die Maison Européenne de la Photographie, gelegen in einer alten Villa unweit der Métro-Station Saint-Paul mitten im wunderschönen Marais, was ich so gerne mag, zeigte mehrere Fotografie-Ausstellungen, von denen ich mir folgende in folgender Reihenfolge angesehen habe:


John Edward Heaton - Guatemala

Alber Elbaz / Lanvin - Manifeste

Pierre Reimer - Photographies de la Collection Permanente (permanente Sammlung)

Caio Reisewitz - Disorder


Und weil Bilder mehr als 1000 Worte sagen, bitte einfach anschauen, genießen und sich in den Hintern beißen, dass man das nicht live hat sehen können ;)

Bisous, Nina