Sei. Gefälligst. Endlich. Glücklich.

Hallohallohallo. Hier bin ich wieder. Oder noch. Und ich warne vor: es wird ein höchstpersönlicher Post. Ja, natürlich ist das klar, denn es ist ja mein persönlicher Blog, aber dieser Eintrag ist sowohl höchst persönlich als auch höchstpersönlich. Es gibt in der Juristerei den Terminus des "höchstpersönlichen Rechtsgeschäfts", bei dem sich der Rechtsinhaber nicht von einem Dritten stellvertreten lassen kann, sondern es selbst vornehmen muss. Beispiele sind hier etwa die Eheschließung oder die Errichtung eines Testaments. "Kannste xy mal für mich heiraten?" is' also nicht. Zurück zum Thema. Während sämtliche Beiträge zu Paris im Allgemeinen, Besuchen von Ausstellungen und so fort von jedem anderen und wahrscheinlich noch besser hätten geschrieben werden können, sind Berichte, wie es mir geht, nur von mir selbst, unvertretbar quasi, schriftlich möglich. Das hier wird also so einer. Und ich warne noch weiter vor: ich höre zur Zeit mal wieder Sarah Kuttners Romane "Mängelexemplar" und "Wachstumsschmerz" und befürchte eine unintendierte Einflussnahme dieser von mir hoch geschätzten Autorin auf mein Tippen. Ich möchte mir bald ihr neues Buch "180 Grad Meer" reinziehen und trotz wissend, dass es sich hierbei um eine in sich abgeschlossene Handlung mit neuen Charakteren handelt, bilde und rede ich mir irgendwie ein, ich brauche das als literarische Vorbereitung sozusagen. Während ich mir also zulese, höre ich Frau Kuttners Stimme in meinem Kopf und will vermeiden, sie in meine Finger zu lassen, denn das würde mir mit Sicherheit nicht nur die Majorität meiner bis dato (?) hoffentlich (?) treuen (?) Leserschaft vergraulen, sondern würde auch unendlich unnatürlich werden. Befürchte ich. Ihre Protagonistinnen Caro und Luise sagen durchschnittlich Sätze wie "Eine Depression ist ein fucking Event" oder "Letzteres ist vermutlich Unsinn, ich weiß gar nicht, wie Dinkel riecht oder überhaupt aussieht, aber die große, strenge Frau und ihr ungleich luschiger Anwaltsmann sehen aus wie Leute, die irre gern Sachen mit Dinkel machen." Ich liebe also diesen Stil und auch wie Sarah Kuttner enthusiastisch keuchend und plappernd authentisch die beiden schmerzhaft wachsen und Angstattacken haben lässt und so weiter. Aber gut. Genug davon. Achso. Und es steckt so viel Wahres drin. "Du bist immer so fixiert auf das, was noch fehlt. Und jetzt schau nicht so gequält - es sieht scheiße aus."

Hier bin ich also, seit Sonntag Abend, last train to Paris, wieder zurück, Montag ging dann auch schon wieder die Schule los. Entschuldigung, Uni. "Nina, der Rucksack ist mittlerweile wirklich in der Mitte der Gesellschaft angekommen", hast Du zu mir gesagt, nachdem ich Dir meine Zweifel ob fehlender Modischkeit und schmerzhafter Diskriminierungserinnerungen während der 5. Klasse und meines Diddl-Schulranzen mitgeteilt habe. Aber so what. Dieses Semester will ganz viel an Papern ausgedruckt und gelesen und fleißig mit dem Mac in der Bib geschrieben werden und da tue ich meinem Rücken gleich ganz viel Gutes mit. Glaube ich. Wenigstens etwas. Nachdem ich mir augenscheinlich in den letzten Monaten nicht arg zu viel Gutes getan habe. Auch wenn das beizeiten anders angemutet haben mag. Menschen machen ja gerne mal "Neues Jahr, da mache ich dann ganz viel Sport und nehme ab und arbeite effizienter und und und". Halbwertszeit oder Mindeshaltbarkeitsdatum oder was auch immer dieser Sätze ist dann Mitte Januar. Meistens. Bei mir beginnt das Jahr anders. Man nehme bei allen der drei enthaltenen Resolutionen also das diametrale Gegenteil. Warum? "Ich hatte da einfach mal Bock drauf", würde Lena Meyer-Landrut jetzt sagen. Das trifft nur leider nicht. Ich musste. Mein Körper hat mir, mal wieder, die Grenzen meines Tuns, meines Rennens, meines Fokus aufgezeigt und mich wissen lassen, es sei mal Zeit für eine Pause. Und für ein Hinterfragen. Was ich mache, was ich in den letzten Wochen und Monaten, ach was, letzten Jahren gemacht habe. Was ich in den nächsten Jahren, ach was, Jahrzehnten machen möchte, was ich erleben will und wo ich nicht hinkomme, wenn ich unreflektiert so weiter rattere. Wie viel mute ich mir zu, welchen Idealen hechele ich hinter her und wann habe ich sie über eine (wachstums)schmerzhafte Grenze schon hinter mir gelassen? Ich bin verwirrt. Ich denke und sage Sätze wie "mich kotzt es an, dass man uns immer unterstellt, wir seien doch in unserem Inneren gar nicht wirklich richtig glücklich", "immer dieser Anspruch des hehren Glücks, anstelle einfach mal zu akzeptieren, wenn es okay ist", "siehst Du oft genug den Unterschied zwischen 'das und das will ich - jeden Tag' und 'das und das macht mich glücklich'?", "ändert sich wahrscheinlich vieles, wenn ich erst mal im Berufsleben stehe?". Ich habe keine Sinnkrise, ich weiß immer noch genau, wo ich mich sehe und was ich mir wünsche, vielleicht sogar viel klarer, weil sonst um mich und in mir einiges wankt. My character's strong but my head is loose. Manchmal ist es gar nicht so cool, in meinem Kopf zu leben. Also ganz oft und zum Glück schon und mittlerweile auch schon wieder etwas mehr, aber manchmal halt auch eben nicht. Ich weiß, ich mache keinen Sinn gerade. Vermutlich. Aber ich suche mir den Fokus auf tägliche Sätze wie "mach' so viel wie Du kannst", "gib' auf Dich acht", "es ist okay". Ich weiß, dass wenn ich es nicht tue, ich zack-zarapp wieder da bin, wo ich herkomme und da will ich nicht hin. Ich will da nicht hin, weil egal welche Gefühle ich dort habe, die nicht haben will. Wenn mein Körper streikt, werde ich wütend. Wenn ich mir nicht sicher bin, ob er streikt oder ob ich eine Angstattacke habe (ja, die haben Menschen beizeiten) oder ob ich einfach unterzuckert bin, bekomme ich Angst. Panische Angst. Und wenn ich mir dann in der Konsequenz zwangsweise Dinge zumuten muss, die ich im Innersten nicht will, werde ich unausstehlich oder hässlich gegen mich selbst oder Dich oder alles zusammen. Wer sich Sorgen um mich macht: bitte lassen, da kein Grenznutzen. Ich habe den Schuss vor den Bug, den Tritt vors Schienbein, den Knall gehört und versuche 17 Tellerchen und Tässchen von Uni-Kurse, Master Thesis, Bewerbungen schreiben, Einsamkeit (dazu auch bald noch ein Blogpost hoffentlich), weniger Sport, Kälte (in allen Nuancen), Paris und Selbstfürsorge zu balancieren - an manchen Tagen klappt es besser, an manchen schlechter. Aber ich lebe in jedem Moment und mein Herz schlägt kräftiger und ich lasse alles zu. Und ich nehme alles wahr.

Wenn ich in der Metro sitze und ein Lied höre und in die Sonne blinzele und mir die Tränen runterlaufen. Vermeintlich grundlos.

Wenn ich im Starbucks das Vanillepulver auf dem Milchschaum meines Cappuccino runterlöffele. Wenn ich mir dazu eine Zimtschnecke gönne. Oder einen Kokosnuss-Caramel-Cookie. Oder beides.

Wenn ich auf dem Campus bekannte Gesichter sehe, die mich anlächeln oder grüßen.

Wenn ich mir vor Augen führe, dass Du bald da bist.

Wenn ich eine Bewerbung schreibe und mir in einem unzulässigen Kopfkinomoment vorstelle, wie ich diese Stelle tatsächlich bekäme. Und es dann ganz schnell wieder vergesse.

Und wenn ich weiß, was noch alles kommt und was ich dafür einfach nur tun muss. Es verlangt nämlich nicht viel. Es verlangt nur ein bisschen "mehr" und ein wenig Gnade mit mir selbst und Durchhalten und Hoffnung. Und wer mich kennt, weiß, dass ich ein kleiner Kämpfer bin. Man muss sich mich da ein wenig wie einen Korken vorstellen, der immer wieder hochploppt. Irgendwo, wo Luft ist, aber immer wieder. Und so auch diesmal. Es sind noch 16 Wochen. 

Bisous, Nina

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