Wir kommen nie zu Gedanken - sie kommen zu uns

Es ist Sonntagmorgen, ich sitze bei weit geöffnetem Fenster, ärmellos im Bett. Mir ist nicht kalt, ich genieße die angenehme Frische auf meiner Haut. Als ich das Fenster aufgemacht habe und auch jetzt bilde ich mir ein, das erste Mal Frühling in der Luft zu riechen - Ende Januar zugegeben eher nur so mittelwahrscheinlich. Die Situation hier lässt sich darüber hinaus so beschreiben: Haare zu einem ungeordneten Dutt zusammengeschlungen, Bleaching-Streifen auf den Zähnen, auf den Nägeln eine Farbe, die mich 2 Tage nach der Maniküre offen gesagt nicht glücklich macht, MacBook auf dem Schoß, Arbeitsrechner neben mir. Es könnte unglamouröser nicht sein, vor allem aber ist es ein Setting, in dem mich überrascht, wie sehr es mich zum Schreiben zieht. Gerade wenn ich keinen Anfang, einen Einstieg, ersten Satz, Ice Breaker zwischen mir und dem Geräusch meiner flink auf die Tastatur eintippenden oder verunsichert innehaltenden Finger habe. Aber man will sich nicht ausbremsen - vielleicht wird etwas Schönes daraus. So wie das Zitat, das ich als Titel gewählt habe - ist übrigens nicht von mir, sondern von Heidegger.

 

In meinem letzten Eintrag habe ich zum Ausdruck gebracht, dass mich im Moment viel beschäftigt, dass ich viel nachdenke und ich glaube, das hat verschiedene Ursprünge. Zunächst ist es so, dass ich wieder angefangen habe, regelmäßig zu laufen. Also nicht dass ich damit aktiv je aufgehört hätte - das Laufen begleitet mich mit krankheitsbedingten Unterbrechungen mittlerweile ca. 5 Jahre - aber ich habe es in den letzten Monaten, im letzten Jahr eigentlich, weder priorisiert, noch fokussiert. Irgendwas ist dann doch immer wichtiger (Mails z.B.), redet man sich ein. Irgendwie ist es stressig (viele Meetings), lügt man sich vor. Die Wahrheit aber ist: gerade und genau dann, wenn es viel ist, sollte man sich dem widmen, von dem man weiß, dass es einem Ausgleich verschafft, dass es dem Körper guttut und auch der Seele. Man sollte Zeit aus der vollgestopften Agenda höhlen, wissend wie dankbar man sich selbst sein wird, wenn man es tut. Letztes Jahr habe ich eine tolle Abbildung gesehen, die mit verschiedenen Zitaten Arbeit und Leben in Bezug zueinander setzt - unter Anderem das hier ist mir so sehr im Kopf geblieben, dass es mir jetzt einfällt: Take good care of yourself, you are the only person who can. Nun ja, lange Rede gar kein Sinn: ich habe eben wieder begonnen, immer zu laufen, wenn ich eine Gym in der Nähe habe und das gibt mir 45-50 min. ungestörte Zeit mit mir und meinen Gedanken. Der ein oder andere mag belächeln, wenn ich dabei die Augen schließe (das ist übrigens der Grund, warum ich ohne Ausnahme immer am Band laufe), aber es erleichtert mir das Nachdenken, es lässt alles in meinem Kopf (unbeeinflusst von mir selbst) dahin, wo es hingezogen wird. Mit dem Resultat, dass ich nach 9km, die ich auf der Stelle gelaufen zu sein scheine, in vielen aktuellen Projekten, Problemen und Strukturen ganze Welten, Herangehensweisen und Lösungen weiter und im Kopf so much more at ease mit mir selbst bin. Auch hier entstehen übrigens Ideen zum Blog.

Ein weiterer Grund wird sein, dass ich in diesem Monat ein paar tolle Stücke Musik für mich entdeckt habe, die schreibe ich ganz unten als Empfehlung auf. Man sagt nicht umsonst "Musik an, Welt aus" und so sehr einen manche Lieder vor allem an den Gefühlen nehmen, so sehr erinnert man sich, träumt, reflektiert, sinniert man nun doch mit dem Kopf. Auf eine schöne Weise. Und vielleicht, weil jemand anderes so selbstverständlich die Worte in Melodien legt, nach denen man gar keine Ahnung hatte, ewig gesucht zu haben.

Zu guter letzt habe ich gestern und vor einer Woche mit zwei Menschen telefoniert, mit denen ich nicht häufig spreche, es möglicherweise aber ab sofort öfter tun sollte. Beide stehen mir nicht so nah, dass ich sie in meinem allerengsten Freundeskreis sehen würde, beide leben nicht in München und beide habe ich schon Jahre nicht mehr gesehen. Die Themen waren, obwohl so gut wie nicht überlappend, extrem persönlich für mich wie für meine Gesprächspartner und mir bedeutet es viel, dass wir uns mit so viel Offenheit, Vertrauen und Verständnis begegnen können. Auch wenn man (wie es mit Pia der Fall ist), seit ca. 5 Jahren "nur" über WhatsApp, Instagram und Blogs am Leben der jeweils anderen teilgenommen und die durchaus vorhandenen hardships aus den Zeilen und captions gewittert hat. Mir ist Euer Rat wichtig, er lässt mich Dinge aus einer weiteren Perspektive sehen, er hilft mir an manchem nicht zu verzweifeln, er ist nicht belehrend. Er zeigt mir, dass ich mit der ein oder anderen Thematik nicht alleine bin, er gibt mir das Gefühl, dass meine Reaktionen okay sind, dass ich mich nicht schämen muss, dass es normal ist, was ich fühle. Ich weiß nicht, ob ich zu den so what's eigene Texte schreiben werde - beide Gespräche sind vielleicht gar noch intimer als ich es hier bei vielem bin. Aber wenn ich die Essenz in je einem Satz zusammenfassen müsste, wäre sie: 1) Hab' Geduld mit Dir selbst, gib' Dir Zeit bis Du es verarbeitet hast - Du brauchst so lange Du eben brauchst und das ist okay so. Und 2) Fang' an und mach' ein paar Dinge einfach anders, probier' Neues aus, schaff' Dir schöne Momente, die nichts mit funktionieren müssen oder Leistung oder Perfektionismus zu tun haben.

Und so generisch das beides klingt, für mich hat es eine Bedeutung darin, die Worte vor mir selbst zu wiederholen, mir weniger Druck zu machen - etwas von dem mir mit 26 wirklich brutal bewusst wird, wie sehr ich es nicht kann. 

 

So. Der geneigte Leser mag sich jetzt denken: "Prima, sie denkt nach und zwar viel und heftig, what now?" Tjaha. Ohne mich selbst unter Druck setzen zu wollen und ohne ein in der nächsten Ausgabe lesen Sie, sind hier die Themen, die vor allem als Ergebnis des vielen Denkens zumindest unter folgenden Arbeitstiteln in meiner Blogthemen-Datei stehen - Eure und Ihre letzte Chance, ein Veto einzulegen ;)

  • 2018: Gute Vorsätze vs. (schöne) Dinge, die ich in mein Leben holen möchte
  • Dating is over
  • What makes us "click" with another person?
  • Buch Rezension "Milk & Honey"

 

Und hier, weil oben versprochen, meine aktuelle Lieblingsmusik - viel Spaß beim Anhören! xx

 

James Arthur

Naked (Single, 2017)

Back from the Edge (2016) - beste Lieder: Can I Be Him, I Am, Train Wreck, Safe Inside, Let Me Love the Lonely, Sermon, Skeletons

James Arthur (2013) - beste Lieder: You're Nobody Til Somebody Loves You, Get Down, Supposed, Is This Love?, Certain Things

 

Kanye West

808s & Heartbreak (2008) - beste Lieder: Street Lights, See You in My Nightmares, Coldest Winter, Love Lockdown

 

Fakear

Give Me a Sign (Single, 2017)

Animal (2016) - beste Lieder: Sheer-Khan, Animal, My Own Sun, Red Lines, De La Luz, Lessons, La belle âme, Ankara, Rise, Song For Jo

 

Gestört aber GeiL

#ZWEI (2017) - beste Lieder: Be My Now, Daddy Says

 

Marie Bothmer - Fieber (2017)

 

Roy Woods - Dangerous (2016)

 

Axwell Λ Ingrosso - I Love You (2017)

 

Arlissa & Jonas Blue - Hearts Ain't Gonna Lie (2018)

 

R3hab & Krewella - Ain't That Why (2018)

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Anna (Sonntag, 20 Mai 2018 12:56)

    Ich mag es wie du schreibst. Dein Schreibstyl hat so eine gewisse Leichtigkeit...