But do they get you on a soul level, though?

Seit mittlerweile mehreren Jahren beschäftige ich mich mit der Frage 'what makes you click with another person' - nicht durchgehend logischerweise, aber konstant und immer mal wieder, denn sie lässt mich einfach nicht los. Sie scheint mein ganz persönliches Pendant zur Frage nach dem Sinn des Lebens und mittlerweile komme ich nicht mehr umhin, sie für ähnlich unmöglich beantwortbar zu halten. Entweder es ist etwas, das wir nie erklären werden können oder es sind tausend Dinge auf einmal - was im Grunde auch die (unbefriedigende) Antwort auf den Sinn des Lebens sein könnte. 

 

 

Ich habe mich verliebt. Mit Haut und Haaren. Bis ins Mark, bis in jede Faser meines Herzens. Unerwartbar, unvermittelt, unumgänglich. Jemand der mich auf Händen trägt, aufs Kreuz legt, mich in den Arm nimmt, meinen Nacken küsst, mir in die Augen schaut und meine Seele sieht. Klingt nach Kitsch des Todes, aber so fühlt es sich an. Jemand, den ich vor 8 Tagen noch nicht mal kannte. Der mich von Sekunde 0 an hatte, als ich ihn sah. Mit dem sich doch jede neue Situation so vertraut anfühlt als würden wir uns ewig kennen. "Super krass, oder", sagt er ziemlich oft dazu und ja, es ist halt einfach mal super krass. Aber genau das ist madly in love - super krass eben.

An ihm stellt sich mir also erneut die Frage, was das eine ausschlaggebende Atom ist. Das Momentum, in dem einen der andere auf einer Metaebene erwischt, die matcht. Woran wir bonden, was man nicht beeinflussen, beschleunigen oder erzwingen kann, was da ist - oder in der Majorität der Begegnungen eben nicht.

 

 

In all dem ist es relativ basal, anzunehmen, dass jeder von uns Attraktivitätskriterien hat, nach denen er schaut, aufgrund derer er jemanden überhaupt als potentiellen Partner wahrnimmt. Das muss nicht zwingend ein einziger, besonderer Typ sein, aber nichtsdestotrotz ziehen uns Haarfarbe, Augenfarbe, Statur, Habitus, Physiognomie auf ihre eigene Weise an -  und visuelle Reize haben eben unbestreitbar ihren Einfluss. Sie sind aber aus meiner Sicht nur notwendig, eine conditio sine qua non, sie sind niemals hinreichend.

Ich glaube das Hinreichende sind Charakterzüge und Verhaltensweisen, die uns spiegeln oder mit denen wir uns identifizieren - paramount ist, dass wir uns mit ihnen wohlfühlen. Bei mir ist das klassischerweise, dass mich jemand zum Lachen bringt. Miteinander lachen ist alles, jemand der mir Spaß macht, hat 89% meines Herzes. Bei mir ist es auch emotionale Intelligenz, Differenziertheit und die Fähigkeit, ehrliche, tiefgründige Gespräche führen zu können - ohne dass es zwingend jedes Mal in deep psycho shit ausarten muss (der ist nämlich auf Dauer ziemlich anstrengend). Bei mir ist es außerdem das Gefühl von commitment, dass jemand verbindlich ist, definitive Aussagen macht, mir Sicherheit gibt, zu mir steht und ernsthaft an einem Plan und einer gemeinsamen Zukunft arbeiten möchte. Und ich glaube, als letztes ist es Toleranz und das Gefühl zu bekommen, dass ich so wie ich bin "okay" bin, dass ich genauso um - oder vielleicht sogar trotz - meiner selbst Willen gemocht und begehrt werde. 

Bei jedem sind das unterschiedliche Dinge, die den Anderen für uns attraktiv machen. Klar, vielen sind ähnliche Dinge wichtig, aber für jeden ist das set of attraction unique. Sozusagen. Mehr noch: das, was uns in einer Beziehung wichtig ist, Werte, Miteinander, ein Team zu sein, ist nicht dasselbe, wie das was uns uns verlieben lässt. Und genau das kann gefährlich werden. Das ist nämlich genau der Grund, warum wir uns nicht immer in Menschen verlieben, mit denen eine Partnerschaft glücklich wird, die gut für uns sind - darüber hinaus, manchmal verlieben wir uns leider in absolut ungünstige, toxic people, die uns wehtun, unglücklich machen und keinen Aspekt einer zufriedenstellenden Partnerschaft bedienen. Der Mensch ist ein unlogisches Tierchen - vielleicht das unlogischste, das auf der Erde weilt.

 

Vor kurzem habe ich mich mit jemandem unterhalten, der zu meiner über diesem Eintrag stehenden Frage zwei Hypothesen hatte:

1. Ähnliche Dysfunktionalitäten

Die Tatsache, ähnliche Traumata, dysfunktionale Beziehungsformen oder Familiendynamiken, Unzulänglichkeiten am eigenen Charakter, Aspekte der Unzufriedenheit, kontraproduktive Verhaltensweisen oder autoaggressive, in der Sozialisation verwurzelte Prinzipien zu haben, kann einen sich in jemand anderen verlieben lassen. Das Gefühl, dass der andere nachvollziehen kann, warum man so ist, weil er etwas Ähnliches durchlebt hat, kann anziehen. Im Umkehrschluss kann es wie so oft auch das genaue Gegenteil sein: die absolute Abwesenheit von Dysfunktionalem kann uns ebenso gerade ansprechen, weil wir keine Angst haben müssen, dass uns der andere so etwas auch noch mal antut (was er vielleicht selbst durchlebt hat und reproduziert) und wir uns gleichzeitig von jemand Stabilem getröstet fühlen können.

2. Ähnliche Persönlichkeitstypen

Relativ selbsterklärend. Wenn man als Basis z.B. den MBTI (Meyers-Briggs-Typenindikator) nimmt und sich 16 mögliche Ergebnisse betrachtet, so ist es naheliegend anzunehmen, dass Menschen, die sich eher ähnlich sind, besser nachvollziehen können, warum jemand in bestimmten Situationen auf eine bestimmte Weise reagiert. Auf der anderen Seite wird ständiges Unverständnis und fehlende wahrgenommene Stimmigkeit nicht dazu beitragen, dass man sich dem anderen näher fühlt. Salopp gesagt: einen ISTJ mit einem einem ENFP zu verkuppeln kann fairerweise nur in die Hose gehen.

 

 

Je länger ich darüber nachdenke und dazu recherchiere und da ich vor Kurzem ein Experiment dazu gemacht habe, was bewirkt hat, dass ich mich in jemanden und er sich in mich verliebt hat, desto mehr nähere ich mich der Idee, dass es einen einfachen Schlüssel zu geben scheint. Wenngleich man auch den nicht erzwingen wird können, so ist doch erkennen und verstehen schon mal besser als gar nichts. Und hier kommt die große dramaturgische Klimax: ich spreche von vulnerability.

Wenn man bereit ist, sich zu öffnen, ist es wahrscheinlicher, dass der andere ehrlich über sich selbst sprechen wird. Verwundbarkeit zu zeigen, zu offenbaren, dass man selbst menschlich und fehlbar ist, kann den anderen entspannen – von ihm wird keine Perfektion erwartet, da man sich selbst schon entblößt hat. Und ist man erst mal durch diese intimacy barrier gegangen, ist es viel einfacher, sich auf einer tieferen Ebene zu verbinden – gleichzeitig gibt es eine feine Grenze zwischen charmanter Offenheit und wild-unangemessenen Enthüllungen. Honesty without tact is cruelty und und verletzlich sein und den anderen verschrecken werden eben nie synonym sein.

 

 

Ich werde wohl demnächst mal über obiges "Experiment" schreiben, einfach weil ich es nicht nicht kann. Bis dahin gibt es zu meiner mich weiterhin begleitenden Fragestellung some food for thought - für denjenigen unter Euch/Ihnen, den es interessiert:

 

 

 

 

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